Röll, [Victor] von (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. Bd. 8. Berlin, Wien, 1917.Gleichstrom oder Drehstrom zur Verfügung steht, ist die elektrisch angetriebene S. zur Regel geworden; der Elektromotor ist nicht nur anspruchsloser in Raumbedarf, Gewicht, Bedienung und Unterhaltung, sondern auch wirtschaftlicher als die kleine Dampfmaschine mit ihrem mit Pausen arbeitenden Kessel. Seilschiebebühnen, bei denen das Windwerk feststeht und die Bühne vermittels eines sog. endlosen Seiles hin- und hergezogen wird, haben immer nur beschränkte Anwendung gefunden. Über den Fahr- oder Bewegungswiderstand der S., d. h. die für jede t des Bühnen- und Nutzlastgewichts aufzuwendende Zugkraft in kg liegen neuere Versuche nicht vor. Ältere Beobachtungen haben zu dem Urteil geführt, daß der Bewegungswiderstand wesentlich größer ist als der eines Eisenbahnwagens bei langsamer gleichförmiger Bewegung. Wenn auch dieser große Bewegungswiderstand zweifellos wenigstens z. T. auf die bei älteren S. gebräuchlichen durchlaufenden Tragachsen mit ihrer Neigung zum Klemmen in den Lagern bei Durchbiegung u. dgl. zurückzuführen ist, so wird man doch auch heute einem kräftigen Drehmoment in der Antriebswelle großen Wert beimessen müssen. Denn zunächst wird ein Teil davon als Reibungsmoment in den Zahnradübersetzungen des Triebwerks aufgezehrt, bevor es zu den Triebrädern der S. als der eigentlichen Nutzstelle gelangt. Dann aber legt die S. immer nur kurze Wege zurück; das Anfahren aus der Ruhestellung und damit die größere Reibung der Ruhe spielt eine wichtige Rolle. Endlich wird man aus dem gleichen Grund Wert darauf legen, daß von dem ohnehin meist nur kurzen Weg der Anlaufweg keinen großen Betrag ausmacht, d. h. daß die S. mit nicht zu geringer Beschleunigung anfährt. Aus dieser Bedeutung des Anfahrvorgangs heraus fällt dem Fahrwiderstand im engeren Sinn, d. h. dem Widerstand bei gleichförmiger Bewegung nicht die allein ausschlaggebende Rolle zu. Bei gleichen oder ähnlichen Anfahrverhältnissen und gleichem spezifischen Bühnenwiderstand kann man ein Maß für die Leistung zum Verschieben der belasteten Bühne in dem Produkt Gesamtgewicht Qt mal Fahrgeschwindigkeit vm/Sek. erblicken; bezeichnet noch N die Leistung der Antriebsmaschine in PS., so weisen ausgeführte S. mit elektrischem Antrieb Verhältniszahlen N : (Qv) = 0·2-0·4 auf, u. zw. die kleineren Zahlen bei den schweren S. Die Fahrgeschwindigkeiten liegen in verhältnismäßig engeren Grenzen, sie betragen meist 45-60 m/Min. Besondere Einrichtungen. Ein Befahren der S. ohne Hilfsmittel ist nur betriebsbereiten Lokomotiven möglich. In allen anderen Fällen muß das zu verschiebende Fahrzeug, also auch die kalte Lokomotive in der Werkstatt, durch äußere Kräfte auf die Bühne gebracht oder von ihr abgefahren werden. Das Schieben der Fahrzeuge von Hand kommt nur bei geringem Gewicht, eine Verschiebelokomotive nur auf dem Zufahrtgleis in Betracht. Daher werden alle neueren S. mit Seilwinden versehen, meist auch die für Lokomotivschuppen, um auch dort nötigenfalls eine kalte Lokomotive verfahren zu können. Die Seilwinde wird von dem Fahrmotor der Bühne angetrieben, der durch ausrückbare Kupplungen entweder auf das Triebwerk zum Fahren oder den Seiltrieb geschaltet werden kann. Auf den Abbildungen der Tafel sind die Seiltrommeln deutlich zu erkennen; sie befinden sich in der Mitte der Bühne, wo ein Doppelrollenbock zum Legen des Seiles für die eine oder andere Zugrichtung des Seiles sitzt, während sich je eine einfache Umlenkrolle an den Bühnenenden befindet. Das Zugseil ist in der Regel aus Tiegelgußstahldraht und mit abgefedertem Zughaken versehen, der, um nennenswerte Abweichungen des Seiles aus der Gleisrichtung zu vermeiden, an geeigneten seitlichen Stellen des Fahrzeugs (Pufferbohle, Gleitbahnhalter u. dgl.) eingehängt wird. Die Seilgeschwindigkeiten liegen zwischen 40-45 m/Min. bei leichten und 25 m/Min. bei schweren Fahrzeugen. Dem Antrieb als Positivem ist die Bremse als Negatives gegenüberzustellen. Sie ist unentbehrlich, um die S. am gewünschten Ort ohne nochmaliges Anfahren oder ein geringes Wiederrückwärtsfahren zum Stehen bringen zu können. Denn der gewünschte Ort ist hier einerseits nicht etwa nur eine annähernd innezuhaltende Stelle, sondern der ganz bestimmte Punkt, für den die Mitte des Bühnengleises mit der des Aufstellungs- oder Zufahrtgleises zur Deckung kommt, und anderseits ist bei den heutigen Bühnen die Fahrgeschwindigkeit zu groß, um den Auslaufweg genau nur durch Abstellen der Antriebskraft ohne Zuhilfenahme der Bremse, die eine Regelung der Auslaufverzögerung ermöglicht, einstellen zu können. Die Bremse ist in der Regel eine Bandbremse, deren Scheibe auf einer geeigneten Triebwerkswelle sitzt und deren Hebel vom Bühnenwärter mit dem Fuß betätigt wird. Ist die Bühne zum Halten gekommen, so gilt es nun noch, sie in ihrer Stellung festzuhalten, bis das Fahrzeug aufgefahren ist oder die Bühne verlassen hat. Häufig, namentlich bei leichteren unversenkten S., benutzt man als Feststellvorrichtung gleich die Bandbremse, die im gewünschten Augenblick verriegelt Gleichstrom oder Drehstrom zur Verfügung steht, ist die elektrisch angetriebene S. zur Regel geworden; der Elektromotor ist nicht nur anspruchsloser in Raumbedarf, Gewicht, Bedienung und Unterhaltung, sondern auch wirtschaftlicher als die kleine Dampfmaschine mit ihrem mit Pausen arbeitenden Kessel. Seilschiebebühnen, bei denen das Windwerk feststeht und die Bühne vermittels eines sog. endlosen Seiles hin- und hergezogen wird, haben immer nur beschränkte Anwendung gefunden. Über den Fahr- oder Bewegungswiderstand der S., d. h. die für jede t des Bühnen- und Nutzlastgewichts aufzuwendende Zugkraft in kg liegen neuere Versuche nicht vor. Ältere Beobachtungen haben zu dem Urteil geführt, daß der Bewegungswiderstand wesentlich größer ist als der eines Eisenbahnwagens bei langsamer gleichförmiger Bewegung. Wenn auch dieser große Bewegungswiderstand zweifellos wenigstens z. T. auf die bei älteren S. gebräuchlichen durchlaufenden Tragachsen mit ihrer Neigung zum Klemmen in den Lagern bei Durchbiegung u. dgl. zurückzuführen ist, so wird man doch auch heute einem kräftigen Drehmoment in der Antriebswelle großen Wert beimessen müssen. Denn zunächst wird ein Teil davon als Reibungsmoment in den Zahnradübersetzungen des Triebwerks aufgezehrt, bevor es zu den Triebrädern der S. als der eigentlichen Nutzstelle gelangt. Dann aber legt die S. immer nur kurze Wege zurück; das Anfahren aus der Ruhestellung und damit die größere Reibung der Ruhe spielt eine wichtige Rolle. Endlich wird man aus dem gleichen Grund Wert darauf legen, daß von dem ohnehin meist nur kurzen Weg der Anlaufweg keinen großen Betrag ausmacht, d. h. daß die S. mit nicht zu geringer Beschleunigung anfährt. Aus dieser Bedeutung des Anfahrvorgangs heraus fällt dem Fahrwiderstand im engeren Sinn, d. h. dem Widerstand bei gleichförmiger Bewegung nicht die allein ausschlaggebende Rolle zu. Bei gleichen oder ähnlichen Anfahrverhältnissen und gleichem spezifischen Bühnenwiderstand kann man ein Maß für die Leistung zum Verschieben der belasteten Bühne in dem Produkt Gesamtgewicht Qt mal Fahrgeschwindigkeit vm/Sek. erblicken; bezeichnet noch N die Leistung der Antriebsmaschine in PS., so weisen ausgeführte S. mit elektrischem Antrieb Verhältniszahlen N : (Qv) = 0·2–0·4 auf, u. zw. die kleineren Zahlen bei den schweren S. Die Fahrgeschwindigkeiten liegen in verhältnismäßig engeren Grenzen, sie betragen meist 45–60 m/Min. Besondere Einrichtungen. Ein Befahren der S. ohne Hilfsmittel ist nur betriebsbereiten Lokomotiven möglich. In allen anderen Fällen muß das zu verschiebende Fahrzeug, also auch die kalte Lokomotive in der Werkstatt, durch äußere Kräfte auf die Bühne gebracht oder von ihr abgefahren werden. Das Schieben der Fahrzeuge von Hand kommt nur bei geringem Gewicht, eine Verschiebelokomotive nur auf dem Zufahrtgleis in Betracht. Daher werden alle neueren S. mit Seilwinden versehen, meist auch die für Lokomotivschuppen, um auch dort nötigenfalls eine kalte Lokomotive verfahren zu können. Die Seilwinde wird von dem Fahrmotor der Bühne angetrieben, der durch ausrückbare Kupplungen entweder auf das Triebwerk zum Fahren oder den Seiltrieb geschaltet werden kann. Auf den Abbildungen der Tafel sind die Seiltrommeln deutlich zu erkennen; sie befinden sich in der Mitte der Bühne, wo ein Doppelrollenbock zum Legen des Seiles für die eine oder andere Zugrichtung des Seiles sitzt, während sich je eine einfache Umlenkrolle an den Bühnenenden befindet. Das Zugseil ist in der Regel aus Tiegelgußstahldraht und mit abgefedertem Zughaken versehen, der, um nennenswerte Abweichungen des Seiles aus der Gleisrichtung zu vermeiden, an geeigneten seitlichen Stellen des Fahrzeugs (Pufferbohle, Gleitbahnhalter u. dgl.) eingehängt wird. Die Seilgeschwindigkeiten liegen zwischen 40–45 m/Min. bei leichten und 25 m/Min. bei schweren Fahrzeugen. Dem Antrieb als Positivem ist die Bremse als Negatives gegenüberzustellen. Sie ist unentbehrlich, um die S. am gewünschten Ort ohne nochmaliges Anfahren oder ein geringes Wiederrückwärtsfahren zum Stehen bringen zu können. Denn der gewünschte Ort ist hier einerseits nicht etwa nur eine annähernd innezuhaltende Stelle, sondern der ganz bestimmte Punkt, für den die Mitte des Bühnengleises mit der des Aufstellungs- oder Zufahrtgleises zur Deckung kommt, und anderseits ist bei den heutigen Bühnen die Fahrgeschwindigkeit zu groß, um den Auslaufweg genau nur durch Abstellen der Antriebskraft ohne Zuhilfenahme der Bremse, die eine Regelung der Auslaufverzögerung ermöglicht, einstellen zu können. Die Bremse ist in der Regel eine Bandbremse, deren Scheibe auf einer geeigneten Triebwerkswelle sitzt und deren Hebel vom Bühnenwärter mit dem Fuß betätigt wird. Ist die Bühne zum Halten gekommen, so gilt es nun noch, sie in ihrer Stellung festzuhalten, bis das Fahrzeug aufgefahren ist oder die Bühne verlassen hat. 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Endlich wird man aus dem gleichen Grund Wert darauf legen, daß von dem ohnehin meist nur kurzen Weg der Anlaufweg keinen großen Betrag ausmacht, d. h. daß die S. mit nicht zu geringer Beschleunigung anfährt. Aus dieser Bedeutung des Anfahrvorgangs heraus fällt dem Fahrwiderstand im engeren Sinn, d. h. dem Widerstand bei gleichförmiger Bewegung nicht die allein ausschlaggebende Rolle zu. 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Das Zugseil ist in der Regel aus Tiegelgußstahldraht und mit abgefedertem Zughaken versehen, der, um nennenswerte Abweichungen des Seiles aus der Gleisrichtung zu vermeiden, an geeigneten seitlichen Stellen des Fahrzeugs (Pufferbohle, Gleitbahnhalter u. dgl.) eingehängt wird. Die Seilgeschwindigkeiten liegen zwischen 40–45 <hi rendition="#i">m</hi>/Min. bei leichten und 25 <hi rendition="#i">m</hi>/Min. bei schweren Fahrzeugen.</p><lb/> <p>Dem Antrieb als Positivem ist die Bremse als Negatives gegenüberzustellen. Sie ist unentbehrlich, um die S. am gewünschten Ort ohne nochmaliges Anfahren oder ein geringes Wiederrückwärtsfahren zum Stehen bringen zu können. 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Gleichstrom oder Drehstrom zur Verfügung steht, ist die elektrisch angetriebene S. zur Regel geworden; der Elektromotor ist nicht nur anspruchsloser in Raumbedarf, Gewicht, Bedienung und Unterhaltung, sondern auch wirtschaftlicher als die kleine Dampfmaschine mit ihrem mit Pausen arbeitenden Kessel.
Seilschiebebühnen, bei denen das Windwerk feststeht und die Bühne vermittels eines sog. endlosen Seiles hin- und hergezogen wird, haben immer nur beschränkte Anwendung gefunden.
Über den Fahr- oder Bewegungswiderstand der S., d. h. die für jede t des Bühnen- und Nutzlastgewichts aufzuwendende Zugkraft in kg liegen neuere Versuche nicht vor. Ältere Beobachtungen haben zu dem Urteil geführt, daß der Bewegungswiderstand wesentlich größer ist als der eines Eisenbahnwagens bei langsamer gleichförmiger Bewegung. Wenn auch dieser große Bewegungswiderstand zweifellos wenigstens z. T. auf die bei älteren S. gebräuchlichen durchlaufenden Tragachsen mit ihrer Neigung zum Klemmen in den Lagern bei Durchbiegung u. dgl. zurückzuführen ist, so wird man doch auch heute einem kräftigen Drehmoment in der Antriebswelle großen Wert beimessen müssen. Denn zunächst wird ein Teil davon als Reibungsmoment in den Zahnradübersetzungen des Triebwerks aufgezehrt, bevor es zu den Triebrädern der S. als der eigentlichen Nutzstelle gelangt. Dann aber legt die S. immer nur kurze Wege zurück; das Anfahren aus der Ruhestellung und damit die größere Reibung der Ruhe spielt eine wichtige Rolle. Endlich wird man aus dem gleichen Grund Wert darauf legen, daß von dem ohnehin meist nur kurzen Weg der Anlaufweg keinen großen Betrag ausmacht, d. h. daß die S. mit nicht zu geringer Beschleunigung anfährt. Aus dieser Bedeutung des Anfahrvorgangs heraus fällt dem Fahrwiderstand im engeren Sinn, d. h. dem Widerstand bei gleichförmiger Bewegung nicht die allein ausschlaggebende Rolle zu. Bei gleichen oder ähnlichen Anfahrverhältnissen und gleichem spezifischen Bühnenwiderstand kann man ein Maß für die Leistung zum Verschieben der belasteten Bühne in dem Produkt Gesamtgewicht Qt mal Fahrgeschwindigkeit vm/Sek. erblicken; bezeichnet noch N die Leistung der Antriebsmaschine in PS., so weisen ausgeführte S. mit elektrischem Antrieb Verhältniszahlen N : (Qv) = 0·2–0·4 auf, u. zw. die kleineren Zahlen bei den schweren S. Die Fahrgeschwindigkeiten liegen in verhältnismäßig engeren Grenzen, sie betragen meist 45–60 m/Min.
Besondere Einrichtungen. Ein Befahren der S. ohne Hilfsmittel ist nur betriebsbereiten Lokomotiven möglich. In allen anderen Fällen muß das zu verschiebende Fahrzeug, also auch die kalte Lokomotive in der Werkstatt, durch äußere Kräfte auf die Bühne gebracht oder von ihr abgefahren werden. Das Schieben der Fahrzeuge von Hand kommt nur bei geringem Gewicht, eine Verschiebelokomotive nur auf dem Zufahrtgleis in Betracht. Daher werden alle neueren S. mit Seilwinden versehen, meist auch die für Lokomotivschuppen, um auch dort nötigenfalls eine kalte Lokomotive verfahren zu können. Die Seilwinde wird von dem Fahrmotor der Bühne angetrieben, der durch ausrückbare Kupplungen entweder auf das Triebwerk zum Fahren oder den Seiltrieb geschaltet werden kann. Auf den Abbildungen der Tafel sind die Seiltrommeln deutlich zu erkennen; sie befinden sich in der Mitte der Bühne, wo ein Doppelrollenbock zum Legen des Seiles für die eine oder andere Zugrichtung des Seiles sitzt, während sich je eine einfache Umlenkrolle an den Bühnenenden befindet. Das Zugseil ist in der Regel aus Tiegelgußstahldraht und mit abgefedertem Zughaken versehen, der, um nennenswerte Abweichungen des Seiles aus der Gleisrichtung zu vermeiden, an geeigneten seitlichen Stellen des Fahrzeugs (Pufferbohle, Gleitbahnhalter u. dgl.) eingehängt wird. Die Seilgeschwindigkeiten liegen zwischen 40–45 m/Min. bei leichten und 25 m/Min. bei schweren Fahrzeugen.
Dem Antrieb als Positivem ist die Bremse als Negatives gegenüberzustellen. Sie ist unentbehrlich, um die S. am gewünschten Ort ohne nochmaliges Anfahren oder ein geringes Wiederrückwärtsfahren zum Stehen bringen zu können. Denn der gewünschte Ort ist hier einerseits nicht etwa nur eine annähernd innezuhaltende Stelle, sondern der ganz bestimmte Punkt, für den die Mitte des Bühnengleises mit der des Aufstellungs- oder Zufahrtgleises zur Deckung kommt, und anderseits ist bei den heutigen Bühnen die Fahrgeschwindigkeit zu groß, um den Auslaufweg genau nur durch Abstellen der Antriebskraft ohne Zuhilfenahme der Bremse, die eine Regelung der Auslaufverzögerung ermöglicht, einstellen zu können. Die Bremse ist in der Regel eine Bandbremse, deren Scheibe auf einer geeigneten Triebwerkswelle sitzt und deren Hebel vom Bühnenwärter mit dem Fuß betätigt wird.
Ist die Bühne zum Halten gekommen, so gilt es nun noch, sie in ihrer Stellung festzuhalten, bis das Fahrzeug aufgefahren ist oder die Bühne verlassen hat. Häufig, namentlich bei leichteren unversenkten S., benutzt man als Feststellvorrichtung gleich die Bandbremse, die im gewünschten Augenblick verriegelt
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| Zitationshilfe: | Röll, [Victor] von (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. Bd. 8. Berlin, Wien, 1917, S. 310. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roell_eisenbahnwesen08_1917/327>, abgerufen am 11.09.2024. |


