Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

Bild:
<< vorherige Seite

Wolf, da er den Brand für eine Misgeburt
in dem Pflanzenreich hielte, weil darinen die
Saftröhren, Gefäße und Canäle nicht in der
natürlichen Ordnung wären.

Allein die Mikroskope widerlegen dieses.
Ihr Bau ist wie der bey den gesunden beschaf-
fen; die Zerstörung desselben entstehet erst
durch diese Krankheit. Hr. Hofr. Gleditsch
brachte eine neue Theorie auf, in den Bemer-
kungen über den Brand. r) Er zeigte, wie die-
se Krankheit nicht allein, dem Getraide,
sondern auch noch den andern Pflanzen gemein
sey; wiewohl sie bey dem Getraide am wich-
tigsten ward, je nothwendiger dasselbe ist. Er
suchte den eigentlichen Sitz und Ursprung des
Brandes zu bestimmen. Er zeigte, daß er sich
nicht nur an allen Gewächsen, die in freyer Luft
sich bey uns erhalten, sondern auch an den ein-
zelnen Theilen derselben befinde; daß er sonder-
lich in jungen, schwammigen, saftreichen, zarten
Gewächsen und in allen neuen Pflanzentheilen,
die in ihrer Ausbildung begriffen sind, entste-
he, und daß sie leichter damit befallen werden,
als alte, feste, trockne, und deren Wachsthum
geendiget ist; daß der Brand die Blumen und
Saamen am ersten betreffe. Er glaubt endlich,
durch Erfahrungen bestätigt zu finden, daß es in
dem Saamen von zeitigen oder auch unzeitigen
ungleich getrockneten, naß eingebrachten und er-

hitz-
r) S. Vermischte Abhandungen von Gleditschen
im 11ten Theile.

Wolf, da er den Brand fuͤr eine Misgeburt
in dem Pflanzenreich hielte, weil darinen die
Saftroͤhren, Gefaͤße und Canaͤle nicht in der
natuͤrlichen Ordnung waͤren.

Allein die Mikroſkope widerlegen dieſes.
Ihr Bau iſt wie der bey den geſunden beſchaf-
fen; die Zerſtoͤrung deſſelben entſtehet erſt
durch dieſe Krankheit. Hr. Hofr. Gleditſch
brachte eine neue Theorie auf, in den Bemer-
kungen uͤber den Brand. r) Er zeigte, wie die-
ſe Krankheit nicht allein, dem Getraide,
ſondern auch noch den andern Pflanzen gemein
ſey; wiewohl ſie bey dem Getraide am wich-
tigſten ward, je nothwendiger daſſelbe iſt. Er
ſuchte den eigentlichen Sitz und Urſprung des
Brandes zu beſtimmen. Er zeigte, daß er ſich
nicht nur an allen Gewaͤchſen, die in freyer Luft
ſich bey uns erhalten, ſondern auch an den ein-
zelnen Theilen derſelben befinde; daß er ſonder-
lich in jungen, ſchwammigen, ſaftreichen, zarten
Gewaͤchſen und in allen neuen Pflanzentheilen,
die in ihrer Ausbildung begriffen ſind, entſte-
he, und daß ſie leichter damit befallen werden,
als alte, feſte, trockne, und deren Wachsthum
geendiget iſt; daß der Brand die Blumen und
Saamen am erſten betreffe. Er glaubt endlich,
durch Erfahrungen beſtaͤtigt zu finden, daß es in
dem Saamen von zeitigen oder auch unzeitigen
ungleich getrockneten, naß eingebrachten und er-

hitz-
r) S. Vermiſchte Abhandungen von Gleditſchen
im 11ten Theile.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0165" n="139"/>
Wolf, da er den Brand fu&#x0364;r eine Misgeburt<lb/>
in dem Pflanzenreich hielte, weil darinen die<lb/>
Saftro&#x0364;hren, Gefa&#x0364;ße und Cana&#x0364;le nicht in der<lb/>
natu&#x0364;rlichen Ordnung wa&#x0364;ren.</p><lb/>
        <p>Allein die Mikro&#x017F;kope widerlegen die&#x017F;es.<lb/>
Ihr Bau i&#x017F;t wie der bey den ge&#x017F;unden be&#x017F;chaf-<lb/>
fen; die Zer&#x017F;to&#x0364;rung de&#x017F;&#x017F;elben ent&#x017F;tehet er&#x017F;t<lb/>
durch die&#x017F;e Krankheit. Hr. Hofr. Gledit&#x017F;ch<lb/>
brachte eine neue Theorie auf, in den Bemer-<lb/>
kungen u&#x0364;ber den Brand. <note place="foot" n="r)">S. Vermi&#x017F;chte Abhandungen von Gledit&#x017F;chen<lb/>
im 11ten Theile.</note> Er zeigte, wie die-<lb/>
&#x017F;e Krankheit nicht allein, dem Getraide,<lb/>
&#x017F;ondern auch noch den andern Pflanzen gemein<lb/>
&#x017F;ey; wiewohl &#x017F;ie bey dem Getraide am wich-<lb/>
tig&#x017F;ten ward, je nothwendiger da&#x017F;&#x017F;elbe i&#x017F;t. Er<lb/>
&#x017F;uchte den eigentlichen Sitz und Ur&#x017F;prung des<lb/>
Brandes zu be&#x017F;timmen. Er zeigte, daß er &#x017F;ich<lb/>
nicht nur an allen Gewa&#x0364;ch&#x017F;en, die in freyer Luft<lb/>
&#x017F;ich bey uns erhalten, &#x017F;ondern auch an den ein-<lb/>
zelnen Theilen der&#x017F;elben befinde; daß er &#x017F;onder-<lb/>
lich in jungen, &#x017F;chwammigen, &#x017F;aftreichen, zarten<lb/>
Gewa&#x0364;ch&#x017F;en und in allen neuen Pflanzentheilen,<lb/>
die in ihrer Ausbildung begriffen &#x017F;ind, ent&#x017F;te-<lb/>
he, und daß &#x017F;ie leichter damit befallen werden,<lb/>
als alte, fe&#x017F;te, trockne, und deren Wachsthum<lb/>
geendiget i&#x017F;t; daß der Brand die Blumen und<lb/>
Saamen am er&#x017F;ten betreffe. Er glaubt endlich,<lb/>
durch Erfahrungen be&#x017F;ta&#x0364;tigt zu finden, daß es in<lb/>
dem Saamen von zeitigen oder auch unzeitigen<lb/>
ungleich getrockneten, naß eingebrachten und er-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">hitz-</fw><lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[139/0165] Wolf, da er den Brand fuͤr eine Misgeburt in dem Pflanzenreich hielte, weil darinen die Saftroͤhren, Gefaͤße und Canaͤle nicht in der natuͤrlichen Ordnung waͤren. Allein die Mikroſkope widerlegen dieſes. Ihr Bau iſt wie der bey den geſunden beſchaf- fen; die Zerſtoͤrung deſſelben entſtehet erſt durch dieſe Krankheit. Hr. Hofr. Gleditſch brachte eine neue Theorie auf, in den Bemer- kungen uͤber den Brand. r) Er zeigte, wie die- ſe Krankheit nicht allein, dem Getraide, ſondern auch noch den andern Pflanzen gemein ſey; wiewohl ſie bey dem Getraide am wich- tigſten ward, je nothwendiger daſſelbe iſt. Er ſuchte den eigentlichen Sitz und Urſprung des Brandes zu beſtimmen. Er zeigte, daß er ſich nicht nur an allen Gewaͤchſen, die in freyer Luft ſich bey uns erhalten, ſondern auch an den ein- zelnen Theilen derſelben befinde; daß er ſonder- lich in jungen, ſchwammigen, ſaftreichen, zarten Gewaͤchſen und in allen neuen Pflanzentheilen, die in ihrer Ausbildung begriffen ſind, entſte- he, und daß ſie leichter damit befallen werden, als alte, feſte, trockne, und deren Wachsthum geendiget iſt; daß der Brand die Blumen und Saamen am erſten betreffe. Er glaubt endlich, durch Erfahrungen beſtaͤtigt zu finden, daß es in dem Saamen von zeitigen oder auch unzeitigen ungleich getrockneten, naß eingebrachten und er- hitz- r) S. Vermiſchte Abhandungen von Gleditſchen im 11ten Theile.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/165
Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 139. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/165>, abgerufen am 14.04.2021.