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Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

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Man machte Schäfer- und Hirtenordnun-
gen; verschiedene Mast-Edikte. Sachsen,
Brandenburg und Pommern l) ließen sich es
in diesen Zeiten vornämlich angelegen seyn, je
mehr sie auch durch den unglücklichen Krieg ge-
litten. Hierzu kam, daß sie beyde durch das
Unglück und die Staatsfehler anderer Länder
und Reiche gewannen. So erhielt Sachsen
viel vortheilhaften Anwuchs durch die Staats-
fehler, welche Boheim machte, indem es die
wahre Religion durch Gewissenszwang entehrte,
und wodurch das meißnische Gebirge große Be-
völkerung erhielt, wie auch die Viehzucht ge-
wann. Das Haus Oesterreich suchte damals
das so sehr zum Aufruhr geneigte und sich sei-
ner Macht bewußte Boheim zu schwächen, und
bis in die neuern Zeiten scheint man diesen
Grundsatz einer falschen Politik zu befolgen.

Der
gen Ver- und Aufkauf des Viehes; 1620 eine
Gesinde-Hirten- und Schäferordnung, 1629
Verneuerung des Wolledikts; 1644 und 1645
eine Hirten- und Schäferordnung; 1664 eine
Schäferordnung für die Uckermark; v. 1681
das Mastedikt: v. 1682 wider die Ausfuhre der
Wolle, ingleichen eine Hirten- und Schäferord-
nung von eben diesem Jahre; ein Wolledikt v.
1690; ein Mastedikt v. 1694; v. 1695 wider
Aufkauf und Ausfuhr der Ochsen und Schaafe;
und von 1699 eine Schäferordnung.
l) In dem Pommerischen finden sich Bauer- und
Schäferordnungen v. J. 1616, 1647, 1663,
1669, 1673, welches aber wahrscheinlich Wie-
derholungen der v. J. 1582 sind.

Man machte Schaͤfer- und Hirtenordnun-
gen; verſchiedene Maſt-Edikte. Sachſen,
Brandenburg und Pommern l) ließen ſich es
in dieſen Zeiten vornaͤmlich angelegen ſeyn, je
mehr ſie auch durch den ungluͤcklichen Krieg ge-
litten. Hierzu kam, daß ſie beyde durch das
Ungluͤck und die Staatsfehler anderer Laͤnder
und Reiche gewannen. So erhielt Sachſen
viel vortheilhaften Anwuchs durch die Staats-
fehler, welche Boheim machte, indem es die
wahre Religion durch Gewiſſenszwang entehrte,
und wodurch das meißniſche Gebirge große Be-
voͤlkerung erhielt, wie auch die Viehzucht ge-
wann. Das Haus Oeſterreich ſuchte damals
das ſo ſehr zum Aufruhr geneigte und ſich ſei-
ner Macht bewußte Boheim zu ſchwaͤchen, und
bis in die neuern Zeiten ſcheint man dieſen
Grundſatz einer falſchen Politik zu befolgen.

Der
gen Ver- und Aufkauf des Viehes; 1620 eine
Geſinde-Hirten- und Schaͤferordnung, 1629
Verneuerung des Wolledikts; 1644 und 1645
eine Hirten- und Schaͤferordnung; 1664 eine
Schaͤferordnung fuͤr die Uckermark; v. 1681
das Maſtedikt: v. 1682 wider die Ausfuhre der
Wolle, ingleichen eine Hirten- und Schaͤferord-
nung von eben dieſem Jahre; ein Wolledikt v.
1690; ein Maſtedikt v. 1694; v. 1695 wider
Aufkauf und Ausfuhr der Ochſen und Schaafe;
und von 1699 eine Schaͤferordnung.
l) In dem Pommeriſchen finden ſich Bauer- und
Schaͤferordnungen v. J. 1616, 1647, 1663,
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derholungen der v. J. 1582 ſind.
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[210/0236] Man machte Schaͤfer- und Hirtenordnun- gen; verſchiedene Maſt-Edikte. Sachſen, Brandenburg und Pommern l) ließen ſich es in dieſen Zeiten vornaͤmlich angelegen ſeyn, je mehr ſie auch durch den ungluͤcklichen Krieg ge- litten. Hierzu kam, daß ſie beyde durch das Ungluͤck und die Staatsfehler anderer Laͤnder und Reiche gewannen. So erhielt Sachſen viel vortheilhaften Anwuchs durch die Staats- fehler, welche Boheim machte, indem es die wahre Religion durch Gewiſſenszwang entehrte, und wodurch das meißniſche Gebirge große Be- voͤlkerung erhielt, wie auch die Viehzucht ge- wann. Das Haus Oeſterreich ſuchte damals das ſo ſehr zum Aufruhr geneigte und ſich ſei- ner Macht bewußte Boheim zu ſchwaͤchen, und bis in die neuern Zeiten ſcheint man dieſen Grundſatz einer falſchen Politik zu befolgen. Der k) l) In dem Pommeriſchen finden ſich Bauer- und Schaͤferordnungen v. J. 1616, 1647, 1663, 1669, 1673, welches aber wahrſcheinlich Wie- derholungen der v. J. 1582 ſind. k) gen Ver- und Aufkauf des Viehes; 1620 eine Geſinde-Hirten- und Schaͤferordnung, 1629 Verneuerung des Wolledikts; 1644 und 1645 eine Hirten- und Schaͤferordnung; 1664 eine Schaͤferordnung fuͤr die Uckermark; v. 1681 das Maſtedikt: v. 1682 wider die Ausfuhre der Wolle, ingleichen eine Hirten- und Schaͤferord- nung von eben dieſem Jahre; ein Wolledikt v. 1690; ein Maſtedikt v. 1694; v. 1695 wider Aufkauf und Ausfuhr der Ochſen und Schaafe; und von 1699 eine Schaͤferordnung.

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Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/236>, abgerufen am 01.03.2021.