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Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781.

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nugsam das Schicksal der Oekonomie, in so fern
sie als eine Wissenschaft angesehen, und von den
Gelehrten als solche betrieben, oder als ein für
den Staat sehr wichtiges Geschäfft von den Höfen
geachtet und unterstützet worden, von demjenigen,
welches sie in den Händen der niedern Klasse der
Menschen hatte, ob sie schon von den Großen und
Gelehrten nicht geachtet, und selbst deswegen vor-
züglich verächtlich war, weil sich der niedrige Stand
damit beschäfftigte. Jenes ist das Verdienst der
folgenden und vorzüglich unserer Zeiten, daß sie
von Seiten der Höfe mehrere und allgemeinere
Unterstützung fand, und von den Gelehrten mehr
wissenschaftlich betrieben, und die Hülfswissen-
schaften, die Chemie, Naturgeschichte und Natur-
lehre angewendet wurden.

Doch so weit konnte es in den mittlern Zeiten
selbst der Natur der Sache nach nicht kommen, daß
man sie ganz verdrängt hätte. Es finden sich
hier und da, obschon selten, Fürsten, die ihre Wich-
tigkeit einsahen. Einzelne Theile der Oekonomie
schätzten selbst die Hohen, in so fern sie eine Art
von Vergnügen für die Höfe und den herrschen-
den Militairgeist ausmachten; es gehört hierher
vorzüglich die Jagd. Daher finden wir in die-
sen und den vorigen Zeiten auch Schriften über
die Jagd sowohl von Gelehrten als Fürsten, d)
welche wir aber unten bey der Jagd sehen werden.

Aber
d) Fridericus II. de arte venandi cum avibus,
welches unter andern erst erschien Augustae Vind.
1596.
A 4

nugſam das Schickſal der Oekonomie, in ſo fern
ſie als eine Wiſſenſchaft angeſehen, und von den
Gelehrten als ſolche betrieben, oder als ein fuͤr
den Staat ſehr wichtiges Geſchaͤfft von den Hoͤfen
geachtet und unterſtuͤtzet worden, von demjenigen,
welches ſie in den Haͤnden der niedern Klaſſe der
Menſchen hatte, ob ſie ſchon von den Großen und
Gelehrten nicht geachtet, und ſelbſt deswegen vor-
zuͤglich veraͤchtlich war, weil ſich der niedrige Stand
damit beſchaͤfftigte. Jenes iſt das Verdienſt der
folgenden und vorzuͤglich unſerer Zeiten, daß ſie
von Seiten der Hoͤfe mehrere und allgemeinere
Unterſtuͤtzung fand, und von den Gelehrten mehr
wiſſenſchaftlich betrieben, und die Huͤlfswiſſen-
ſchaften, die Chemie, Naturgeſchichte und Natur-
lehre angewendet wurden.

Doch ſo weit konnte es in den mittlern Zeiten
ſelbſt der Natur der Sache nach nicht kommen, daß
man ſie ganz verdraͤngt haͤtte. Es finden ſich
hier und da, obſchon ſelten, Fuͤrſten, die ihre Wich-
tigkeit einſahen. Einzelne Theile der Oekonomie
ſchaͤtzten ſelbſt die Hohen, in ſo fern ſie eine Art
von Vergnuͤgen fuͤr die Hoͤfe und den herrſchen-
den Militairgeiſt ausmachten; es gehoͤrt hierher
vorzuͤglich die Jagd. Daher finden wir in die-
ſen und den vorigen Zeiten auch Schriften uͤber
die Jagd ſowohl von Gelehrten als Fuͤrſten, d)
welche wir aber unten bey der Jagd ſehen werden.

Aber
d) Fridericus II. de arte venandi cum avibus,
welches unter andern erſt erſchien Auguſtae Vind.
1596.
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[7/0033] nugſam das Schickſal der Oekonomie, in ſo fern ſie als eine Wiſſenſchaft angeſehen, und von den Gelehrten als ſolche betrieben, oder als ein fuͤr den Staat ſehr wichtiges Geſchaͤfft von den Hoͤfen geachtet und unterſtuͤtzet worden, von demjenigen, welches ſie in den Haͤnden der niedern Klaſſe der Menſchen hatte, ob ſie ſchon von den Großen und Gelehrten nicht geachtet, und ſelbſt deswegen vor- zuͤglich veraͤchtlich war, weil ſich der niedrige Stand damit beſchaͤfftigte. Jenes iſt das Verdienſt der folgenden und vorzuͤglich unſerer Zeiten, daß ſie von Seiten der Hoͤfe mehrere und allgemeinere Unterſtuͤtzung fand, und von den Gelehrten mehr wiſſenſchaftlich betrieben, und die Huͤlfswiſſen- ſchaften, die Chemie, Naturgeſchichte und Natur- lehre angewendet wurden. Doch ſo weit konnte es in den mittlern Zeiten ſelbſt der Natur der Sache nach nicht kommen, daß man ſie ganz verdraͤngt haͤtte. Es finden ſich hier und da, obſchon ſelten, Fuͤrſten, die ihre Wich- tigkeit einſahen. Einzelne Theile der Oekonomie ſchaͤtzten ſelbſt die Hohen, in ſo fern ſie eine Art von Vergnuͤgen fuͤr die Hoͤfe und den herrſchen- den Militairgeiſt ausmachten; es gehoͤrt hierher vorzuͤglich die Jagd. Daher finden wir in die- ſen und den vorigen Zeiten auch Schriften uͤber die Jagd ſowohl von Gelehrten als Fuͤrſten, d) welche wir aber unten bey der Jagd ſehen werden. Aber d) Fridericus II. de arte venandi cum avibus, welches unter andern erſt erſchien Auguſtae Vind. 1596. A 4

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Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 1. Leipzig, 1781, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie01_1781/33>, abgerufen am 02.03.2021.