Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 2,1. Leipzig, 1782.

Bild:
<< vorherige Seite

ordnung von 1614 verordnet, daß die Unter-
thanen nicht aus ihren eigenen Wäldern mehr
verflößen durften, als die Forstbedienten zu
hauen vor gut befunden, und daß sie nicht an
Ausländer zum Verflößen etwas verkaufen
sollten c). Es war nur denen erlaubt, welche
Waldungen hatten und etwa an Flüssen lagen;
allen andern, die etwa den Ackerbau verließen
und vom Flößen leben wollten, wurde es un-
tersagt d). Weil in Ansehung des Maaßes
des geflößten Bauholzes viel Betrug vorgegan-
gen war, so wurde sowohl für den Neckar die
Länge, Breite und Dicke bestimmt, als auch
für das, welches auf der Ens geflößet wur-
de e). Das Holz wurde nun an den Orten,
wo die Flöße eingeführt und ausgeschleift wird,
durch besondere geschworne Personen ausge-
messen. Den Landesunterthanen stand der
Verkauf am Floßholze zu.

Herzog August zu Braunschweig und Bi-
schof zu Osnabrück ließ 1689 zu Hannover am
26 Julius eine Floßordnung ergehen, welche
sonderlich das 1680 einem Forstschreiber am
Harz erstattete Privilegium, auf dem Leinstro-

me
c) Fritsch l. c. S. 156.
d) S. 159. Eine Beschreibung des Würtembergi-
schen Floßwesens s. Scheibe hells. Samml. Theil
2. S. 271.
e) S. 157. und 158. Fritsch.

ordnung von 1614 verordnet, daß die Unter-
thanen nicht aus ihren eigenen Waͤldern mehr
verfloͤßen durften, als die Forſtbedienten zu
hauen vor gut befunden, und daß ſie nicht an
Auslaͤnder zum Verfloͤßen etwas verkaufen
ſollten c). Es war nur denen erlaubt, welche
Waldungen hatten und etwa an Fluͤſſen lagen;
allen andern, die etwa den Ackerbau verließen
und vom Floͤßen leben wollten, wurde es un-
terſagt d). Weil in Anſehung des Maaßes
des gefloͤßten Bauholzes viel Betrug vorgegan-
gen war, ſo wurde ſowohl fuͤr den Neckar die
Laͤnge, Breite und Dicke beſtimmt, als auch
fuͤr das, welches auf der Ens gefloͤßet wur-
de e). Das Holz wurde nun an den Orten,
wo die Floͤße eingefuͤhrt und ausgeſchleift wird,
durch beſondere geſchworne Perſonen ausge-
meſſen. Den Landesunterthanen ſtand der
Verkauf am Floßholze zu.

Herzog Auguſt zu Braunſchweig und Bi-
ſchof zu Osnabruͤck ließ 1689 zu Hannover am
26 Julius eine Floßordnung ergehen, welche
ſonderlich das 1680 einem Forſtſchreiber am
Harz erſtattete Privilegium, auf dem Leinſtro-

me
c) Fritſch l. c. S. 156.
d) S. 159. Eine Beſchreibung des Wuͤrtembergi-
ſchen Floßweſens ſ. Scheibe hellſ. Samml. Theil
2. S. 271.
e) S. 157. und 158. Fritſch.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0640" n="630"/>
ordnung von 1614 verordnet, daß die Unter-<lb/>
thanen nicht aus ihren eigenen Wa&#x0364;ldern mehr<lb/>
verflo&#x0364;ßen durften, als die For&#x017F;tbedienten zu<lb/>
hauen vor gut befunden, und daß &#x017F;ie nicht an<lb/>
Ausla&#x0364;nder zum Verflo&#x0364;ßen etwas verkaufen<lb/>
&#x017F;ollten <note place="foot" n="c)">Frit&#x017F;ch <hi rendition="#aq">l. c.</hi> S. 156.</note>. Es war nur denen erlaubt, welche<lb/>
Waldungen hatten und etwa an Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en lagen;<lb/>
allen andern, die etwa den Ackerbau verließen<lb/>
und vom Flo&#x0364;ßen leben wollten, wurde es un-<lb/>
ter&#x017F;agt <note place="foot" n="d)">S. 159. Eine Be&#x017F;chreibung des Wu&#x0364;rtembergi-<lb/>
&#x017F;chen Floßwe&#x017F;ens &#x017F;. Scheibe hell&#x017F;. Samml. Theil<lb/>
2. S. 271.</note>. Weil in An&#x017F;ehung des Maaßes<lb/>
des geflo&#x0364;ßten Bauholzes viel Betrug vorgegan-<lb/>
gen war, &#x017F;o wurde &#x017F;owohl fu&#x0364;r den Neckar die<lb/>
La&#x0364;nge, Breite und Dicke be&#x017F;timmt, als auch<lb/>
fu&#x0364;r das, welches auf der Ens geflo&#x0364;ßet wur-<lb/>
de <note place="foot" n="e)">S. 157. und 158. Frit&#x017F;ch.</note>. Das Holz wurde nun an den Orten,<lb/>
wo die Flo&#x0364;ße eingefu&#x0364;hrt und ausge&#x017F;chleift wird,<lb/>
durch be&#x017F;ondere ge&#x017F;chworne Per&#x017F;onen ausge-<lb/>
me&#x017F;&#x017F;en. Den Landesunterthanen &#x017F;tand der<lb/>
Verkauf am Floßholze zu.</p><lb/>
          <p>Herzog Augu&#x017F;t zu Braun&#x017F;chweig und Bi-<lb/>
&#x017F;chof zu Osnabru&#x0364;ck ließ 1689 zu Hannover am<lb/>
26 Julius eine Floßordnung ergehen, welche<lb/>
&#x017F;onderlich das 1680 einem For&#x017F;t&#x017F;chreiber am<lb/>
Harz er&#x017F;tattete Privilegium, auf dem Lein&#x017F;tro-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">me</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[630/0640] ordnung von 1614 verordnet, daß die Unter- thanen nicht aus ihren eigenen Waͤldern mehr verfloͤßen durften, als die Forſtbedienten zu hauen vor gut befunden, und daß ſie nicht an Auslaͤnder zum Verfloͤßen etwas verkaufen ſollten c). Es war nur denen erlaubt, welche Waldungen hatten und etwa an Fluͤſſen lagen; allen andern, die etwa den Ackerbau verließen und vom Floͤßen leben wollten, wurde es un- terſagt d). Weil in Anſehung des Maaßes des gefloͤßten Bauholzes viel Betrug vorgegan- gen war, ſo wurde ſowohl fuͤr den Neckar die Laͤnge, Breite und Dicke beſtimmt, als auch fuͤr das, welches auf der Ens gefloͤßet wur- de e). Das Holz wurde nun an den Orten, wo die Floͤße eingefuͤhrt und ausgeſchleift wird, durch beſondere geſchworne Perſonen ausge- meſſen. Den Landesunterthanen ſtand der Verkauf am Floßholze zu. Herzog Auguſt zu Braunſchweig und Bi- ſchof zu Osnabruͤck ließ 1689 zu Hannover am 26 Julius eine Floßordnung ergehen, welche ſonderlich das 1680 einem Forſtſchreiber am Harz erſtattete Privilegium, auf dem Leinſtro- me c) Fritſch l. c. S. 156. d) S. 159. Eine Beſchreibung des Wuͤrtembergi- ſchen Floßweſens ſ. Scheibe hellſ. Samml. Theil 2. S. 271. e) S. 157. und 158. Fritſch.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie02_1782
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie02_1782/640
Zitationshilfe: Rössig, Carl Gottlob: Versuch einer pragmatischen Geschichte der Ökonomie- Polizey- und Cameralwissenschaften. Deutschland. Bd. 2,1. Leipzig, 1782, S. 630. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roessig_oekonomie02_1782/640>, abgerufen am 14.04.2021.