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Rohr, Julius Bernhard von: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der Privat-Personen. Berlin, 1728.

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Das XIII. Capitul.
Von der Kleidung.

§. 1.

Es ist nicht nur zugelassen, sondern auch ver-
nünfftig, unsern guten Eigenschafften da-
durch zu helffen, damit sie eine Hochach-
tung überkommen, daß wir nemlich die
Gelegenheit ergreiffen, die Menschen, so zu reden,
mit dem ersten Augenwinck einzunehmen, also, daß
sie uns gewogen seyn müssen. Die Eigenschaff-
ten einer Person, und deren Zustand, darein sie das
Glück gesetzet hat, sprechen offtermahls ein gutes
Urtheil vor dieselbe, wenn sie manierlich gekleidet ist,
wenn sie in einem erbaren Kleide erscheinet, an wel-
chem alles sauber und ordentlich, aber nichts nach-
läßiges und liederliches zu spühren ist. Hiedurch
gewinnet sie alsobald bey dem ersten Anblick das
Hertz der Menschen da hingegen diejenigen, welche
sich mit ihrer Pracht und Prahlerey vor den Au-
gen der Menschen gerne breit machen, und das
Ebenbild eines Pfauen vorstellen, selten etwas an-
ders damit ausrichten, als daß sie eine böse Mey-
nung von ihrem Verstande und von ihren Sinnen
bey andern Leuten verursachen. S. den ersten Theil
des von Ernst Ludwig von Faramond übersetzten
Englischen Spectateurs. p. 104.

§. 2. Die Haupt-Regeln, die von einem ver-
nünfftigen Menschen bey seiner Kleidung in Obacht

zu


Das XIII. Capitul.
Von der Kleidung.

§. 1.

Es iſt nicht nur zugelaſſen, ſondern auch ver-
nuͤnfftig, unſern guten Eigenſchafften da-
durch zu helffen, damit ſie eine Hochach-
tung uͤberkommen, daß wir nemlich die
Gelegenheit ergreiffen, die Menſchen, ſo zu reden,
mit dem erſten Augenwinck einzunehmen, alſo, daß
ſie uns gewogen ſeyn muͤſſen. Die Eigenſchaff-
ten einer Perſon, und deren Zuſtand, darein ſie das
Gluͤck geſetzet hat, ſprechen offtermahls ein gutes
Urtheil vor dieſelbe, wenn ſie manierlich gekleidet iſt,
wenn ſie in einem erbaren Kleide erſcheinet, an wel-
chem alles ſauber und ordentlich, aber nichts nach-
laͤßiges und liederliches zu ſpuͤhren iſt. Hiedurch
gewinnet ſie alſobald bey dem erſten Anblick das
Hertz der Menſchen da hingegen diejenigen, welche
ſich mit ihrer Pracht und Prahlerey vor den Au-
gen der Menſchen gerne breit machen, und das
Ebenbild eines Pfauen vorſtellen, ſelten etwas an-
ders damit ausrichten, als daß ſie eine boͤſe Mey-
nung von ihrem Verſtande und von ihren Sinnen
bey andern Leuten verurſachen. S. den erſten Theil
des von Ernſt Ludwig von Faramond uͤberſetzten
Engliſchen Spectateurs. p. 104.

§. 2. Die Haupt-Regeln, die von einem ver-
nuͤnfftigen Menſchen bey ſeiner Kleidung in Obacht

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[543/0563] Das XIII. Capitul. Von der Kleidung. §. 1. Es iſt nicht nur zugelaſſen, ſondern auch ver- nuͤnfftig, unſern guten Eigenſchafften da- durch zu helffen, damit ſie eine Hochach- tung uͤberkommen, daß wir nemlich die Gelegenheit ergreiffen, die Menſchen, ſo zu reden, mit dem erſten Augenwinck einzunehmen, alſo, daß ſie uns gewogen ſeyn muͤſſen. Die Eigenſchaff- ten einer Perſon, und deren Zuſtand, darein ſie das Gluͤck geſetzet hat, ſprechen offtermahls ein gutes Urtheil vor dieſelbe, wenn ſie manierlich gekleidet iſt, wenn ſie in einem erbaren Kleide erſcheinet, an wel- chem alles ſauber und ordentlich, aber nichts nach- laͤßiges und liederliches zu ſpuͤhren iſt. Hiedurch gewinnet ſie alſobald bey dem erſten Anblick das Hertz der Menſchen da hingegen diejenigen, welche ſich mit ihrer Pracht und Prahlerey vor den Au- gen der Menſchen gerne breit machen, und das Ebenbild eines Pfauen vorſtellen, ſelten etwas an- ders damit ausrichten, als daß ſie eine boͤſe Mey- nung von ihrem Verſtande und von ihren Sinnen bey andern Leuten verurſachen. S. den erſten Theil des von Ernſt Ludwig von Faramond uͤberſetzten Engliſchen Spectateurs. p. 104. §. 2. Die Haupt-Regeln, die von einem ver- nuͤnfftigen Menſchen bey ſeiner Kleidung in Obacht zu

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Zitationshilfe: Rohr, Julius Bernhard von: Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der Privat-Personen. Berlin, 1728, S. 543. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rohr_einleitung_1728/563>, abgerufen am 12.04.2021.