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Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 2. Berlin, 1842.

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glücklichen Beendigung des Krieges der Russen ge- N002
gen die Türken veranstaltet hatte. Er liegt in eini- N003
ger Entfernung von dem fürstlichen Wohnhause nach N004
der Steppe zu und war ein länglich-viereckiges Ge- N005
bäude mit einem japanischen Dache. Der Eingang N006
lag an einer der schmalen Seiten, und von dieser gin- N007
gen zu beiden Seiten bogenförmige Säulengänge aus, N008
wie bei der Kasanischen Kirche in Petersburg. Diese N009
hatte der Fürst nach eigener Idee seiner Kirche hin- N010
zufügen lassen, die sonst streng nach tibetanischen N011
Modellen, wie man uns sagte, erbaut war.

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Das Innere des Tempels hatte in der Anordnung N002
der einzelnen Theile grosse Aehnlickeit mit dem In- N003
nern des Kalmückentempels, den wir auf der Hinreise N004
bei Astrachan besucht hatten; nur war hier alles in N005
einem grossartigeren Styl eingerichtet. Der innere N006
Raum war im Allgemeinen hell, die Fenster befanden N007
sich an den längeren Seiten, und alle Wände waren N008
weiss getüncht. Zwei Reihen viereckiger Pfeiler N009
gingen von beiden Seiten der Thür aus der Länge N010
nach durch den Tempel, und theilten das Innere gleich- N011
sam in 3 Abtheilungen, zwei äussere und eine innere, N012
welche letztere aber eine grössere Tiefe als die äus- N013
seren hatte, und daher am Ende einen etwas finsteren N014
Raum bildete. Hier befand sich, dem Eingange ge- N015
genüber, der Altar mit dem terrassenförmigen Aufsatze, N016
worauf die Figuren der Götzen aufgestellt waren, und N017
der hier durch angezündete Lichter erleuchtet war. N018
An den Wänden der äusseren Abtheilungen, zwischen N019
und unter den Fenstern, hingen die Abbildungen der N020
Götzen, die der Burchanen oder guten Geister, des N021
Dschagschaimuni, Abida und Maidariu in betender N022
Stellung und mit untergeschlagenen Beinen, die Figur N023
des bösen Geistes Erlik-Chan in stehender drohender N024
Stellung. In der mittleren Abtheilung sassen auch hier N025
die Priester, wie in dem Tempel bei Astrachan in zwei

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glücklichen Beendigung des Krieges der Russen ge- N002
gen die Türken veranstaltet hatte. Er liegt in eini- N003
ger Entfernung von dem fürstlichen Wohnhause nach N004
der Steppe zu und war ein länglich-viereckiges Ge- N005
bäude mit einem japanischen Dache. Der Eingang N006
lag an einer der schmalen Seiten, und von dieser gin- N007
gen zu beiden Seiten bogenförmige Säulengänge aus, N008
wie bei der Kasanischen Kirche in Petersburg. Diese N009
hatte der Fürst nach eigener Idee seiner Kirche hin- N010
zufügen lassen, die sonst streng nach tibetanischen N011
Modellen, wie man uns sagte, erbaut war.

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Das Innere des Tempels hatte in der Anordnung N002
der einzelnen Theile grosse Aehnlickeit mit dem In- N003
nern des Kalmückentempels, den wir auf der Hinreise N004
bei Astrachan besucht hatten; nur war hier alles in N005
einem grossartigeren Styl eingerichtet. Der innere N006
Raum war im Allgemeinen hell, die Fenster befanden N007
sich an den längeren Seiten, und alle Wände waren N008
weiss getüncht. Zwei Reihen viereckiger Pfeiler N009
gingen von beiden Seiten der Thür aus der Länge N010
nach durch den Tempel, und theilten das Innere gleich- N011
sam in 3 Abtheilungen, zwei äussere und eine innere, N012
welche letztere aber eine grössere Tiefe als die äus- N013
seren hatte, und daher am Ende einen etwas finsteren N014
Raum bildete. Hier befand sich, dem Eingange ge- N015
genüber, der Altar mit dem terrassenförmigen Aufsatze, N016
worauf die Figuren der Götzen aufgestellt waren, und N017
der hier durch angezündete Lichter erleuchtet war. N018
An den Wänden der äusseren Abtheilungen, zwischen N019
und unter den Fenstern, hingen die Abbildungen der N020
Götzen, die der Burchanen oder guten Geister, des N021
Dschagschaimuni, Abida und Maidariu in betender N022
Stellung und mit untergeschlagenen Beinen, die Figur N023
des bösen Geistes Erlik-Chan in stehender drohender N024
Stellung. In der mittleren Abtheilung sassen auch hier N025
die Priester, wie in dem Tempel bei Astrachan in zwei

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[339/0357] N001 glücklichen Beendigung des Krieges der Russen ge- N002 gen die Türken veranstaltet hatte. Er liegt in eini- N003 ger Entfernung von dem fürstlichen Wohnhause nach N004 der Steppe zu und war ein länglich-viereckiges Ge- N005 bäude mit einem japanischen Dache. Der Eingang N006 lag an einer der schmalen Seiten, und von dieser gin- N007 gen zu beiden Seiten bogenförmige Säulengänge aus, N008 wie bei der Kasanischen Kirche in Petersburg. Diese N009 hatte der Fürst nach eigener Idee seiner Kirche hin- N010 zufügen lassen, die sonst streng nach tibetanischen N011 Modellen, wie man uns sagte, erbaut war. N001 Das Innere des Tempels hatte in der Anordnung N002 der einzelnen Theile grosse Aehnlickeit mit dem In- N003 nern des Kalmückentempels, den wir auf der Hinreise N004 bei Astrachan besucht hatten; nur war hier alles in N005 einem grossartigeren Styl eingerichtet. Der innere N006 Raum war im Allgemeinen hell, die Fenster befanden N007 sich an den längeren Seiten, und alle Wände waren N008 weiss getüncht. Zwei Reihen viereckiger Pfeiler N009 gingen von beiden Seiten der Thür aus der Länge N010 nach durch den Tempel, und theilten das Innere gleich- N011 sam in 3 Abtheilungen, zwei äussere und eine innere, N012 welche letztere aber eine grössere Tiefe als die äus- N013 seren hatte, und daher am Ende einen etwas finsteren N014 Raum bildete. Hier befand sich, dem Eingange ge- N015 genüber, der Altar mit dem terrassenförmigen Aufsatze, N016 worauf die Figuren der Götzen aufgestellt waren, und N017 der hier durch angezündete Lichter erleuchtet war. N018 An den Wänden der äusseren Abtheilungen, zwischen N019 und unter den Fenstern, hingen die Abbildungen der N020 Götzen, die der Burchanen oder guten Geister, des N021 Dschagschaimuni, Abida und Maidariu in betender N022 Stellung und mit untergeschlagenen Beinen, die Figur N023 des bösen Geistes Erlik-Chan in stehender drohender N024 Stellung. In der mittleren Abtheilung sassen auch hier N025 die Priester, wie in dem Tempel bei Astrachan in zwei N001 22*

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Zitationshilfe: Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 2. Berlin, 1842, S. 339. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rose_ural02_1842/357>, abgerufen am 01.12.2021.