Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rosegger, Peter: Die Schriften des Waldschulmeisters. Pest, 1875.

Bild:
<< vorherige Seite
Bei den Hirten.

Das Hirtenvolk ist das erste gewesen. Die
Hirten sind von den Menschen, denen man in
diesen Waldbergen begegnen kann, die harm-
losesten. So habe ich mit dem Hirtenvolke an-
gefangen.

Hab jetztund auch schon ein gut Stück Schä-
ferleben ausgekundschaftet. Bis auf die Zweie oben
in der Miesenbachhütte sind sie aber nicht allhier
daheim; die Hirten sind nirgends daheim, sind
Wandersleute. Zur Winterszeit leben sie in den
unteren, vorderen Gegenden, hausen in Bauern-
höfen, denen sie angehören. Sie leben bei den
Menschen und schlafen bei den Rindern und
Ziegen. Dann kommt das Frühjahr; die Aehren
auf dem Felde gucken schon ein wenig aus den
grünen Hülsen hervor und gen Himmel auf, zu
sehen, ob nicht die Schwalben schon da. Die
Frühlingsgießbäche schwinden und trocknen. -- Jetzt
thun sie ihren Viehstand aus dem Stall und ziehen

Bei den Hirten.

Das Hirtenvolk iſt das erſte geweſen. Die
Hirten ſind von den Menſchen, denen man in
dieſen Waldbergen begegnen kann, die harm-
loſeſten. So habe ich mit dem Hirtenvolke an-
gefangen.

Hab jetztund auch ſchon ein gut Stück Schä-
ferleben ausgekundſchaftet. Bis auf die Zweie oben
in der Mieſenbachhütte ſind ſie aber nicht allhier
daheim; die Hirten ſind nirgends daheim, ſind
Wandersleute. Zur Winterszeit leben ſie in den
unteren, vorderen Gegenden, hauſen in Bauern-
höfen, denen ſie angehören. Sie leben bei den
Menſchen und ſchlafen bei den Rindern und
Ziegen. Dann kommt das Frühjahr; die Aehren
auf dem Felde gucken ſchon ein wenig aus den
grünen Hülſen hervor und gen Himmel auf, zu
ſehen, ob nicht die Schwalben ſchon da. Die
Frühlingsgießbäche ſchwinden und trocknen. — Jetzt
thun ſie ihren Viehſtand aus dem Stall und ziehen

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0095" n="85"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Bei den Hirten.</hi> </head><lb/>
          <p>Das Hirtenvolk i&#x017F;t das er&#x017F;te gewe&#x017F;en. Die<lb/>
Hirten &#x017F;ind von den Men&#x017F;chen, denen man in<lb/>
die&#x017F;en Waldbergen begegnen kann, die harm-<lb/>
lo&#x017F;e&#x017F;ten. So habe ich mit dem Hirtenvolke an-<lb/>
gefangen.</p><lb/>
          <p>Hab jetztund auch &#x017F;chon ein gut Stück Schä-<lb/>
ferleben ausgekund&#x017F;chaftet. Bis auf die Zweie oben<lb/>
in der Mie&#x017F;enbachhütte &#x017F;ind &#x017F;ie aber nicht allhier<lb/>
daheim; die Hirten &#x017F;ind nirgends daheim, &#x017F;ind<lb/>
Wandersleute. Zur Winterszeit leben &#x017F;ie in den<lb/>
unteren, vorderen Gegenden, hau&#x017F;en in Bauern-<lb/>
höfen, denen &#x017F;ie angehören. Sie leben bei den<lb/>
Men&#x017F;chen und &#x017F;chlafen bei den Rindern und<lb/>
Ziegen. Dann kommt das Frühjahr; die Aehren<lb/>
auf dem Felde gucken &#x017F;chon ein wenig aus den<lb/>
grünen Hül&#x017F;en hervor und gen Himmel auf, zu<lb/>
&#x017F;ehen, ob nicht die Schwalben &#x017F;chon da. Die<lb/>
Frühlingsgießbäche &#x017F;chwinden und trocknen. &#x2014; Jetzt<lb/>
thun &#x017F;ie ihren Vieh&#x017F;tand aus dem Stall und ziehen<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[85/0095] Bei den Hirten. Das Hirtenvolk iſt das erſte geweſen. Die Hirten ſind von den Menſchen, denen man in dieſen Waldbergen begegnen kann, die harm- loſeſten. So habe ich mit dem Hirtenvolke an- gefangen. Hab jetztund auch ſchon ein gut Stück Schä- ferleben ausgekundſchaftet. Bis auf die Zweie oben in der Mieſenbachhütte ſind ſie aber nicht allhier daheim; die Hirten ſind nirgends daheim, ſind Wandersleute. Zur Winterszeit leben ſie in den unteren, vorderen Gegenden, hauſen in Bauern- höfen, denen ſie angehören. Sie leben bei den Menſchen und ſchlafen bei den Rindern und Ziegen. Dann kommt das Frühjahr; die Aehren auf dem Felde gucken ſchon ein wenig aus den grünen Hülſen hervor und gen Himmel auf, zu ſehen, ob nicht die Schwalben ſchon da. Die Frühlingsgießbäche ſchwinden und trocknen. — Jetzt thun ſie ihren Viehſtand aus dem Stall und ziehen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/rosegger_waldschulmeister_1875
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/rosegger_waldschulmeister_1875/95
Zitationshilfe: Rosegger, Peter: Die Schriften des Waldschulmeisters. Pest, 1875, S. 85. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rosegger_waldschulmeister_1875/95>, abgerufen am 07.08.2022.