Einsichten und Gottesfurcht von iedermann bewun- derten Männern in eine Klaße gesetzt, sondern ih- nen auch vorgezogen. Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr, sind weit geschickter an den Wohlthaten des Meßias Antheil zu nehmen denn ihr.
Wenn diese Rede Jesu dem gegenwärtigen Volke bedenklich scheinen konnte, so wurde durch die folgenden Worte alles Mißverständnis auf ein- mahl gehoben; Denn in denselben giebt er die Ur- sache zu erkennen, warum er dieses Urtheil gefällt habe. Johannes kam zu euch, und lehrete euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht: aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Man wird hieraus leicht erkennen, daß Jesus von solchen Sündern redet, die ehedem in allerhand Lastern lebten, nun aber in sich giengen, und ihr Leben beßerten. Diese waren fähig und geschickt, die Wohlthaten des Meßias zu genießen, weil sie den Ermahnungen Johannis zur Buße, Gehör ge- geben, und einen ernstlichen Anfang zur Beßerung gemacht hatten. Sie konnten leicht überzeugt wer- den, daß sie sich wegen ihrer bisherigen Sünden in einem sehr unglückseligen Zustande befänden, und daß sie ganz andere Leute werden müsten, wenn sie an dem Wohlgefallen Gottes und an den Wohltha- ten seines Reiches Antheil haben wollten. Und diese Ueberzeugung brachte sie zu dem seeligen Ent- schluß, sich mit Betrübnis und Reue zu Gott zu wenden, seine Gnade demüthig zu suchen, und aufrichtige Beßerung anzugeloben. Hingegen iene in ihren eigenen und anderer Menschen Gedanken
so
ſeiner ſelbſt gebracht werde.
Einſichten und Gottesfurcht von iedermann bewun- derten Männern in eine Klaße geſetzt, ſondern ih- nen auch vorgezogen. Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr, ſind weit geſchickter an den Wohlthaten des Meßias Antheil zu nehmen denn ihr.
Wenn dieſe Rede Jeſu dem gegenwärtigen Volke bedenklich ſcheinen konnte, ſo wurde durch die folgenden Worte alles Mißverſtändnis auf ein- mahl gehoben; Denn in denſelben giebt er die Ur- ſache zu erkennen, warum er dieſes Urtheil gefällt habe. Johannes kam zu euch, und lehrete euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht: aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Man wird hieraus leicht erkennen, daß Jeſus von ſolchen Sündern redet, die ehedem in allerhand Laſtern lebten, nun aber in ſich giengen, und ihr Leben beßerten. Dieſe waren fähig und geſchickt, die Wohlthaten des Meßias zu genießen, weil ſie den Ermahnungen Johannis zur Buße, Gehör ge- geben, und einen ernſtlichen Anfang zur Beßerung gemacht hatten. Sie konnten leicht überzeugt wer- den, daß ſie ſich wegen ihrer bisherigen Sünden in einem ſehr unglückſeligen Zuſtande befänden, und daß ſie ganz andere Leute werden müſten, wenn ſie an dem Wohlgefallen Gottes und an den Wohltha- ten ſeines Reiches Antheil haben wollten. Und dieſe Ueberzeugung brachte ſie zu dem ſeeligen Ent- ſchluß, ſich mit Betrübnis und Reue zu Gott zu wenden, ſeine Gnade demüthig zu ſuchen, und aufrichtige Beßerung anzugeloben. Hingegen iene in ihren eigenen und anderer Menſchen Gedanken
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ſeiner ſelbſt gebracht werde.
Einſichten und Gottesfurcht von iedermann bewun-
derten Männern in eine Klaße geſetzt, ſondern ih-
nen auch vorgezogen. Die Zöllner und Huren
mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn
ihr, ſind weit geſchickter an den Wohlthaten des
Meßias Antheil zu nehmen denn ihr.
Wenn dieſe Rede Jeſu dem gegenwärtigen
Volke bedenklich ſcheinen konnte, ſo wurde durch
die folgenden Worte alles Mißverſtändnis auf ein-
mahl gehoben; Denn in denſelben giebt er die Ur-
ſache zu erkennen, warum er dieſes Urtheil gefällt
habe. Johannes kam zu euch, und lehrete euch
den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht:
aber die Zöllner und Huren glaubten ihm.
Man wird hieraus leicht erkennen, daß Jeſus von
ſolchen Sündern redet, die ehedem in allerhand
Laſtern lebten, nun aber in ſich giengen, und ihr
Leben beßerten. Dieſe waren fähig und geſchickt,
die Wohlthaten des Meßias zu genießen, weil ſie
den Ermahnungen Johannis zur Buße, Gehör ge-
geben, und einen ernſtlichen Anfang zur Beßerung
gemacht hatten. Sie konnten leicht überzeugt wer-
den, daß ſie ſich wegen ihrer bisherigen Sünden in
einem ſehr unglückſeligen Zuſtande befänden, und
daß ſie ganz andere Leute werden müſten, wenn ſie
an dem Wohlgefallen Gottes und an den Wohltha-
ten ſeines Reiches Antheil haben wollten. Und
dieſe Ueberzeugung brachte ſie zu dem ſeeligen Ent-
ſchluß, ſich mit Betrübnis und Reue zu Gott zu
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Rosenmüller, Johann Georg: Betrachtungen über auserlesene Stellen der Heil. Schrift zur häuslichen Erbauung. Nürnberg, 1778, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rosenmueller_betrachtungen_1789/43>, abgerufen am 23.09.2024.
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