daß er sie öffters besuchte, und mit derjenigen ent- zückenden Vergnüglichkeit, nach welcher er so lange vergeblich geseufftzet, von ihr beseeliget wurde. Diese Conversation kam dem Herrn Needham, dessen Nahmen sie auf ihrem Sterbe-Bette an- nahm, endlich gar verdächtig vor: Dahero er dem Cole einsmals in der Nacht unten auf der Trep- pe aufpassete, und, als derselbe von ihr hinweg gehen wollte, ihn mit seinem blossen Degen durchs Hertz rennete, von welcher Wunde er alsbald todt zur Erden fiel; Hierauf schickte er geschwind nach einen guten Freund, und machte ihm sein gegen- wärtiges Unglück bekannt, vertraute die Aufsicht seines Hauses und Güter seinen Händen an, nahm seiner falschen Concubine allen Schmuck wie- der, jagte sie von sich, und nahm hierauf die Flucht; Er muste aber auf seiner Reise von Harwich nach den Brill elendiglich ersauffen.
Weil Madame Needham noch etwas Geld davon gebracht, kleidete sie sich in einen schlechten bürgerlichen Habit, begab sich an einen abgelege- nen Ort in der Stadt, wo sie eine bequeme Stu- be miethete, und sich für eine Heiligin ausgab, auch alle Privat-Conventicula, von denen sie nur Nachricht einziehen kunnte, besuchte: Da seufftzete sie, verkehrte die Augen, machte Posituren, war so fleißig in denen Lectionibus und Auslegun- gen, daß sie in kurtzem anfienge bekannt zu werden,
und
und William Penn, ein Quacker.
daß er ſie oͤffters beſuchte, und mit derjenigen ent- zuͤckenden Vergnuͤglichkeit, nach welcher er ſo lange vergeblich geſeufftzet, von ihr beſeeliget wurde. Dieſe Converſation kam dem Herrn Needham, deſſen Nahmen ſie auf ihrem Sterbe-Bette an- nahm, endlich gar verdaͤchtig vor: Dahero er dem Cole einsmals in der Nacht unten auf der Trep- pe aufpaſſete, und, als derſelbe von ihr hinweg gehen wollte, ihn mit ſeinem bloſſen Degen durchs Hertz rennete, von welcher Wunde er alsbald todt zur Erden fiel; Hierauf ſchickte er geſchwind nach einen guten Freund, und machte ihm ſein gegen- waͤrtiges Ungluͤck bekannt, vertraute die Aufſicht ſeines Hauſes und Guͤter ſeinen Haͤnden an, nahm ſeiner falſchen Concubine allen Schmuck wie- der, jagte ſie von ſich, und nahm hierauf die Flucht; Er muſte aber auf ſeiner Reiſe von Harwich nach den Brill elendiglich erſauffen.
Weil Madame Needham noch etwas Geld davon gebracht, kleidete ſie ſich in einen ſchlechten buͤrgerlichen Habit, begab ſich an einen abgelege- nen Ort in der Stadt, wo ſie eine bequeme Stu- be miethete, und ſich fuͤr eine Heiligin ausgab, auch alle Privat-Conventicula, von denen ſie nur Nachricht einziehen kunnte, beſuchte: Da ſeufftzete ſie, verkehrte die Augen, machte Poſituren, war ſo fleißig in denen Lectionibus und Auslegun- gen, daß ſie in kurtzem anfienge bekannt zu werden,
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und William Penn, ein Quacker.
daß er ſie oͤffters beſuchte, und mit derjenigen ent-
zuͤckenden Vergnuͤglichkeit, nach welcher er ſo lange
vergeblich geſeufftzet, von ihr beſeeliget wurde. Dieſe
Converſation kam dem Herrn Needham,
deſſen Nahmen ſie auf ihrem Sterbe-Bette an-
nahm, endlich gar verdaͤchtig vor: Dahero er dem
Cole einsmals in der Nacht unten auf der Trep-
pe aufpaſſete, und, als derſelbe von ihr hinweg
gehen wollte, ihn mit ſeinem bloſſen Degen durchs
Hertz rennete, von welcher Wunde er alsbald todt
zur Erden fiel; Hierauf ſchickte er geſchwind nach
einen guten Freund, und machte ihm ſein gegen-
waͤrtiges Ungluͤck bekannt, vertraute die Aufſicht
ſeines Hauſes und Guͤter ſeinen Haͤnden an, nahm
ſeiner falſchen Concubine allen Schmuck wie-
der, jagte ſie von ſich, und nahm hierauf die Flucht;
Er muſte aber auf ſeiner Reiſe von Harwich nach
den Brill elendiglich erſauffen.
Weil Madame Needham noch etwas Geld
davon gebracht, kleidete ſie ſich in einen ſchlechten
buͤrgerlichen Habit, begab ſich an einen abgelege-
nen Ort in der Stadt, wo ſie eine bequeme Stu-
be miethete, und ſich fuͤr eine Heiligin ausgab, auch
alle Privat-Conventicula, von denen ſie nur
Nachricht einziehen kunnte, beſuchte: Da ſeufftzete
ſie, verkehrte die Augen, machte Poſituren, war
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Kommentar zur DTA-Ausgabe
Die Angaben des Verlagsortes und des Verlegers si… [mehr]
Die Angaben des Verlagsortes und des Verlegers sind fingiert. Die Angaben basieren auf dem Katalogeintrag der Bayerische Staatsbibliothek München sowie Weller (Druckorte), Bd. 1, S. 70. - Bibliogr. Nachweis: BLC to 1975, Bd. 186, S. 449.
Rost, Johann Leonhard: Leben und Thaten Derer berühmtesten Englischen Coquetten und Maitressen. Nürnberg, 1721, S. 219. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rost_thaten_1721/239>, abgerufen am 23.09.2024.
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