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Rost, Johann Leonhard: Leben und Thaten Derer berühmtesten Englischen Coquetten und Maitressen. Nürnberg, 1721.

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und der Graf von Warwick.
sie aber von dem Grafen, so bald seine gröste Liebes-
Brunst ausgebrauset hatte, wieder zugesendet wur-
de, welches noch vor der Verfliessung eines Mo-
nathes geschahe. Gleichwie sie aber der Hahnrey
gar kaltsinnig empfienge; also wehrete es auch nicht
lange, als er sie mit gleicher Müntze baar bezahlte:
Denn, weil er mit eines andern Mannes Weib ei-
nen Liebes-Vertrag aufrichtete, traff der Pfeil sei-
nes Verlangens so hurtig ins Schwartze, daß sie
einwilligte, mit ihm nach Marryland zu gehen,
wo sie nunmehro leben; und betreffend Mabel-
lah,
starb solche, als sie sich von demjenigen, wel-
cher das näheste Recht zu ihrer Liebe hatte, verlas-
sen sahe, in kurtzem für Traurigkeit gantz rasend
und unsinnig; der wir wohl zur Grab-Schrifft
setzen möchten:

Hic jacet Mabellah bella,
Post multa bella imbella;
Quae erat bella Puella,
Et nulla imbella foemella,
Nunc splendet ut fatua stella.


XVI.
Madame Mordaunt,
und Mon-
sieur Germain.

DJe Fräulein Mary Mordaunt, Toch-
ter des hochgebohrnen Grafen von Peter-

borough,
L 4

und der Graf von Warwick.
ſie aber von dem Grafen, ſo bald ſeine groͤſte Liebes-
Brunſt ausgebrauſet hatte, wieder zugeſendet wur-
de, welches noch vor der Verflieſſung eines Mo-
nathes geſchahe. Gleichwie ſie aber der Hahnrey
gar kaltſinnig empfienge; alſo wehrete es auch nicht
lange, als er ſie mit gleicher Muͤntze baar bezahlte:
Denn, weil er mit eines andern Mannes Weib ei-
nen Liebes-Vertrag aufrichtete, traff der Pfeil ſei-
nes Verlangens ſo hurtig ins Schwartze, daß ſie
einwilligte, mit ihm nach Marryland zu gehen,
wo ſie nunmehro leben; und betreffend Mabel-
lah,
ſtarb ſolche, als ſie ſich von demjenigen, wel-
cher das naͤheſte Recht zu ihrer Liebe hatte, verlaſ-
ſen ſahe, in kurtzem fuͤr Traurigkeit gantz raſend
und unſinnig; der wir wohl zur Grab-Schrifft
ſetzen moͤchten:

Hic jacet Mabellah bella,
Poſt multa bella imbella;
Quæ erat bella Puella,
Et nulla imbella fœmella,
Nunc ſplendet ut fatua ſtella.


XVI.
Madame Mordaunt,
und Mon-
ſieur Germain.

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ter des hochgebohrnen Grafen von Peter-

borough,
L 4
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[167/0187] und der Graf von Warwick. ſie aber von dem Grafen, ſo bald ſeine groͤſte Liebes- Brunſt ausgebrauſet hatte, wieder zugeſendet wur- de, welches noch vor der Verflieſſung eines Mo- nathes geſchahe. Gleichwie ſie aber der Hahnrey gar kaltſinnig empfienge; alſo wehrete es auch nicht lange, als er ſie mit gleicher Muͤntze baar bezahlte: Denn, weil er mit eines andern Mannes Weib ei- nen Liebes-Vertrag aufrichtete, traff der Pfeil ſei- nes Verlangens ſo hurtig ins Schwartze, daß ſie einwilligte, mit ihm nach Marryland zu gehen, wo ſie nunmehro leben; und betreffend Mabel- lah, ſtarb ſolche, als ſie ſich von demjenigen, wel- cher das naͤheſte Recht zu ihrer Liebe hatte, verlaſ- ſen ſahe, in kurtzem fuͤr Traurigkeit gantz raſend und unſinnig; der wir wohl zur Grab-Schrifft ſetzen moͤchten: Hic jacet Mabellah bella, Poſt multa bella imbella; Quæ erat bella Puella, Et nulla imbella fœmella, Nunc ſplendet ut fatua ſtella. XVI. Madame Mordaunt, und Mon- ſieur Germain. DJe Fraͤulein Mary Mordaunt, Toch- ter des hochgebohrnen Grafen von Peter- borough, L 4

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Zitationshilfe: Rost, Johann Leonhard: Leben und Thaten Derer berühmtesten Englischen Coquetten und Maitressen. Nürnberg, 1721, S. 167. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rost_thaten_1721/187>, abgerufen am 18.04.2021.