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Rost, Johann Leonhard: Leben und Thaten Derer berühmtesten Englischen Coquetten und Maitressen. Nürnberg, 1721.

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VI.
Helena Gvvin,
Königs Caroli
des Andern Maitresse.

DHelena Gwin von gar geringen
und unbekannten Eltern, in einem Keller
im Cole-Yard in Drury-Lane, ge-
bohren worden, ist fast iedermann bekannt; Weil
sie aber unter dem Gezüchte derer von St. Giles
in the Fields
auferzogen worden, besasse sie von
Natur einen grossen Vorrath von Schamlosigkeit,
welches sie zur Profession, Pomerantzen feil zu
haben, unvergleichlich geschickt machte, biß Herr
Duncan, ein vornehmer Kauffmann in der Stadt
London, den Narren an ihr fraß, der sie, nicht
sowohl ihrer Schönheit, die eben nicht extraor-
dinair
war, als ihrer guten Gestalt, durchdrin-
genden Verstandes und netten Fusses wegen, und
weil sie den kleinsten Fuß unter allem Frauenzim-
mer in England haben sollte, zu seiner Concubine
erwählte, und ihr einen sehr ansehnlichen Unterhalt
bestimmte, daher sie sich zwey Jahre lang gar
propre und staatisch halten kunnte. Als aber
derselbe sich dieser schweren Fesseln, nachdem er ih-
rer müde und überdrüßig wurde, zu entschütten such-
te, that er sie ins Comoedien-Hauß, allwo sie ihre
Person so meisterlich zu spielen wuste, daß sie gar

bald
VI.
Helena Gvvin,
Koͤnigs Caroli
des Andern Maitreſſe.

DHelena Gwin von gar geringen
und unbekannten Eltern, in einem Keller
im Cole-Yard in Drury-Lane, ge-
bohren worden, iſt faſt iedermann bekannt; Weil
ſie aber unter dem Gezuͤchte derer von St. Giles
in the Fields
auferzogen worden, beſaſſe ſie von
Natur einen groſſen Vorrath von Schamloſigkeit,
welches ſie zur Profeſſion, Pomerantzen feil zu
haben, unvergleichlich geſchickt machte, biß Herr
Duncan, ein vornehmer Kauffmann in der Stadt
London, den Narren an ihr fraß, der ſie, nicht
ſowohl ihrer Schoͤnheit, die eben nicht extraor-
dinair
war, als ihrer guten Geſtalt, durchdrin-
genden Verſtandes und netten Fuſſes wegen, und
weil ſie den kleinſten Fuß unter allem Frauenzim-
mer in England haben ſollte, zu ſeiner Concubine
erwaͤhlte, und ihr einen ſehr anſehnlichen Unterhalt
beſtimmte, daher ſie ſich zwey Jahre lang gar
propre und ſtaatiſch halten kunnte. Als aber
derſelbe ſich dieſer ſchweren Feſſeln, nachdem er ih-
rer muͤde und uͤberdruͤßig wurde, zu entſchuͤtten ſuch-
te, that er ſie ins Comœdien-Hauß, allwo ſie ihre
Perſon ſo meiſterlich zu ſpielen wuſte, daß ſie gar

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[61/0081] VI. Helena Gvvin, Koͤnigs Caroli des Andern Maitreſſe. DAß Helena Gwin von gar geringen und unbekannten Eltern, in einem Keller im Cole-Yard in Drury-Lane, ge- bohren worden, iſt faſt iedermann bekannt; Weil ſie aber unter dem Gezuͤchte derer von St. Giles in the Fields auferzogen worden, beſaſſe ſie von Natur einen groſſen Vorrath von Schamloſigkeit, welches ſie zur Profeſſion, Pomerantzen feil zu haben, unvergleichlich geſchickt machte, biß Herr Duncan, ein vornehmer Kauffmann in der Stadt London, den Narren an ihr fraß, der ſie, nicht ſowohl ihrer Schoͤnheit, die eben nicht extraor- dinair war, als ihrer guten Geſtalt, durchdrin- genden Verſtandes und netten Fuſſes wegen, und weil ſie den kleinſten Fuß unter allem Frauenzim- mer in England haben ſollte, zu ſeiner Concubine erwaͤhlte, und ihr einen ſehr anſehnlichen Unterhalt beſtimmte, daher ſie ſich zwey Jahre lang gar propre und ſtaatiſch halten kunnte. Als aber derſelbe ſich dieſer ſchweren Feſſeln, nachdem er ih- rer muͤde und uͤberdruͤßig wurde, zu entſchuͤtten ſuch- te, that er ſie ins Comœdien-Hauß, allwo ſie ihre Perſon ſo meiſterlich zu ſpielen wuſte, daß ſie gar bald

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Zitationshilfe: Rost, Johann Leonhard: Leben und Thaten Derer berühmtesten Englischen Coquetten und Maitressen. Nürnberg, 1721, S. 61. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rost_thaten_1721/81>, abgerufen am 18.04.2021.