Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896.

Bild:
<< vorherige Seite

Nahrungs- und Genußmittel.
aus der Familie der Urticaceen. Diese Hopfenblüten enthalten unter ihren
schuppenartigen Blättchen goldgelbe, nierenförmige Körner, das sog.
Hopfenbitter. Die für die Brauer in Betracht kommenden Bestandteile
des Hopfens sind das Hopfenöl, die Gerbsäure und einige mineralische
Substanzen. Das Hopfenöl oxydiert außerordentlich rasch und bildet
Valeriansäure, welche die Ursache der Minderwertigkeit des alten Hopfens
ist und diesem auch den eigentümlichen Käsegeruch verleiht. Gerbsäure
enthalten die verschiedenen Hopfensorten 2 bis 5 %. Den bitteren
Geschmack, den sie auch dem Biere mitteilen, verdanken sie dem so-
genannten Hopfenharz. Die mineralischen Bestandteile des Hopfens
-- 100 Teile lufttrockenen Hopfens enthalten 9 bis 10 % Asche --
sind ca. 17 % Kali, 15 % Phosphorsäure etc.

Die Qualität des Hopfens ist von außerordentlich hoher Bedeutung
für Feinheit, Geschmack und Haltbarkeit des Bieres, und da die Qualität
selbst des besten Hopfens mit der Zeit leidet, so war man stets
auf die neue Ernte angewiesen, was -- je nach Ausfall derselben --
zu außerordentlich schwankenden Preisen führte, welche in neuerer Zeit
einigermaßen durch die Konservierungsmethoden des Hopfens geregelt
werden. Der Hopfen wird, um ihn haltbar zu machen, geschwefelt d. h.
man setzt den getrockneten Hopfen den Dämpfen brennenden Schwefels
aus und preßt ihn, nachdem er abgedarrt ist, fest in luftdichtverschließ-
bare große Metallcylinder. Dieser sogenannte Büchsenhopfen ist --
besonders kühl und trocken aufbewahrt -- jahrelang haltbar.

Die Hefe (Saccharomyces cerevisiae) gehört zur Gruppe der
Sproßpilze und soll bei der Bereitung des Bieres selbst und zwar bei
der Gährung näher beschrieben werden.

Das Wasser ist je nach seinen Beimengungen von großem Einfluß
auf die Bierbereitung. Wir unterscheiden zwischen "hartem" und
"weichem" Wasser. Letzteres setzt beim Kochen keinen Pfannenstein ab und
ist kalkfrei, während hartes Wasser einen mehr oder weniger hohen
Gehalt an kohlensaurem oder schwefelsaurem Calcium hat. In den
meisten Fällen sind daher Quellwasser und Brunnenwasser hartes
Wasser, während Flußwasser und besonders Regenwasser zu den weichen
Wässern zählen. Für die Bereitung des Malzes ist weiches Wasser
vorzuziehen, während zum Einmaischen ein gewisser Kalkgehalt nicht
schadet; auf jeden Fall aber ist ein Wasser, das durch organische Sub-
stanzen verunreinigt ist, als zur Bierbereitung ganz ungeeignet zu ver-
werfen, und wo kein anderes Wasser zur Verfügung steht, muß es vor
der Verwendung durch geeignete Behandlung -- auf die hier nicht näher
eingegangen werden kann -- gereinigt werden.

Die Bereitung des Bieres selbst zerfällt in drei von einander ge-
trennte Abschnitte, und zwar in:

1. die Malzbereitung,
2. die Bereitung der Bierwürze und
3. die Gährung der Bierwürze.

Nahrungs- und Genußmittel.
aus der Familie der Urticaceen. Dieſe Hopfenblüten enthalten unter ihren
ſchuppenartigen Blättchen goldgelbe, nierenförmige Körner, das ſog.
Hopfenbitter. Die für die Brauer in Betracht kommenden Beſtandteile
des Hopfens ſind das Hopfenöl, die Gerbſäure und einige mineraliſche
Subſtanzen. Das Hopfenöl oxydiert außerordentlich raſch und bildet
Valerianſäure, welche die Urſache der Minderwertigkeit des alten Hopfens
iſt und dieſem auch den eigentümlichen Käſegeruch verleiht. Gerbſäure
enthalten die verſchiedenen Hopfenſorten 2 bis 5 %. Den bitteren
Geſchmack, den ſie auch dem Biere mitteilen, verdanken ſie dem ſo-
genannten Hopfenharz. Die mineraliſchen Beſtandteile des Hopfens
— 100 Teile lufttrockenen Hopfens enthalten 9 bis 10 % Aſche —
ſind ca. 17 % Kali, 15 % Phosphorſäure ꝛc.

Die Qualität des Hopfens iſt von außerordentlich hoher Bedeutung
für Feinheit, Geſchmack und Haltbarkeit des Bieres, und da die Qualität
ſelbſt des beſten Hopfens mit der Zeit leidet, ſo war man ſtets
auf die neue Ernte angewieſen, was — je nach Ausfall derſelben —
zu außerordentlich ſchwankenden Preiſen führte, welche in neuerer Zeit
einigermaßen durch die Konſervierungsmethoden des Hopfens geregelt
werden. Der Hopfen wird, um ihn haltbar zu machen, geſchwefelt d. h.
man ſetzt den getrockneten Hopfen den Dämpfen brennenden Schwefels
aus und preßt ihn, nachdem er abgedarrt iſt, feſt in luftdichtverſchließ-
bare große Metallcylinder. Dieſer ſogenannte Büchſenhopfen iſt —
beſonders kühl und trocken aufbewahrt — jahrelang haltbar.

Die Hefe (Saccharomyces cerevisiae) gehört zur Gruppe der
Sproßpilze und ſoll bei der Bereitung des Bieres ſelbſt und zwar bei
der Gährung näher beſchrieben werden.

Das Waſſer iſt je nach ſeinen Beimengungen von großem Einfluß
auf die Bierbereitung. Wir unterſcheiden zwiſchen „hartem“ und
„weichem“ Waſſer. Letzteres ſetzt beim Kochen keinen Pfannenſtein ab und
iſt kalkfrei, während hartes Waſſer einen mehr oder weniger hohen
Gehalt an kohlenſaurem oder ſchwefelſaurem Calcium hat. In den
meiſten Fällen ſind daher Quellwaſſer und Brunnenwaſſer hartes
Waſſer, während Flußwaſſer und beſonders Regenwaſſer zu den weichen
Wäſſern zählen. Für die Bereitung des Malzes iſt weiches Waſſer
vorzuziehen, während zum Einmaiſchen ein gewiſſer Kalkgehalt nicht
ſchadet; auf jeden Fall aber iſt ein Waſſer, das durch organiſche Sub-
ſtanzen verunreinigt iſt, als zur Bierbereitung ganz ungeeignet zu ver-
werfen, und wo kein anderes Waſſer zur Verfügung ſteht, muß es vor
der Verwendung durch geeignete Behandlung — auf die hier nicht näher
eingegangen werden kann — gereinigt werden.

Die Bereitung des Bieres ſelbſt zerfällt in drei von einander ge-
trennte Abſchnitte, und zwar in:

1. die Malzbereitung,
2. die Bereitung der Bierwürze und
3. die Gährung der Bierwürze.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0504" n="486"/><fw place="top" type="header">Nahrungs- und Genußmittel.</fw><lb/>
aus der Familie der Urticaceen. Die&#x017F;e Hopfenblüten enthalten unter ihren<lb/>
&#x017F;chuppenartigen Blättchen goldgelbe, nierenförmige Körner, das &#x017F;og.<lb/>
Hopfenbitter. Die für die Brauer in Betracht kommenden Be&#x017F;tandteile<lb/>
des Hopfens &#x017F;ind das Hopfenöl, die Gerb&#x017F;äure und einige minerali&#x017F;che<lb/>
Sub&#x017F;tanzen. Das Hopfenöl oxydiert außerordentlich ra&#x017F;ch und bildet<lb/>
Valerian&#x017F;äure, welche die Ur&#x017F;ache der Minderwertigkeit des alten Hopfens<lb/>
i&#x017F;t und die&#x017F;em auch den eigentümlichen Kä&#x017F;egeruch verleiht. Gerb&#x017F;äure<lb/>
enthalten die ver&#x017F;chiedenen Hopfen&#x017F;orten 2 bis 5 %. Den bitteren<lb/>
Ge&#x017F;chmack, den &#x017F;ie auch dem Biere mitteilen, verdanken &#x017F;ie dem &#x017F;o-<lb/>
genannten Hopfenharz. Die minerali&#x017F;chen Be&#x017F;tandteile des Hopfens<lb/>
&#x2014; 100 Teile lufttrockenen Hopfens enthalten 9 bis 10 % A&#x017F;che &#x2014;<lb/>
&#x017F;ind ca. 17 % Kali, 15 % Phosphor&#x017F;äure &#xA75B;c.</p><lb/>
              <p>Die Qualität des Hopfens i&#x017F;t von außerordentlich hoher Bedeutung<lb/>
für Feinheit, Ge&#x017F;chmack und Haltbarkeit des Bieres, und da die Qualität<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t des be&#x017F;ten Hopfens mit der Zeit leidet, &#x017F;o war man &#x017F;tets<lb/>
auf die neue Ernte angewie&#x017F;en, was &#x2014; je nach Ausfall der&#x017F;elben &#x2014;<lb/>
zu außerordentlich &#x017F;chwankenden Prei&#x017F;en führte, welche in neuerer Zeit<lb/>
einigermaßen durch die Kon&#x017F;ervierungsmethoden des Hopfens geregelt<lb/>
werden. Der Hopfen wird, um ihn haltbar zu machen, ge&#x017F;chwefelt d. h.<lb/>
man &#x017F;etzt den getrockneten Hopfen den Dämpfen brennenden Schwefels<lb/>
aus und preßt ihn, nachdem er abgedarrt i&#x017F;t, fe&#x017F;t in luftdichtver&#x017F;chließ-<lb/>
bare große Metallcylinder. Die&#x017F;er &#x017F;ogenannte Büch&#x017F;enhopfen i&#x017F;t &#x2014;<lb/>
be&#x017F;onders kühl und trocken aufbewahrt &#x2014; jahrelang haltbar.</p><lb/>
              <p>Die Hefe (<hi rendition="#aq">Saccharomyces cerevisiae</hi>) gehört zur Gruppe der<lb/>
Sproßpilze und &#x017F;oll bei der Bereitung des Bieres &#x017F;elb&#x017F;t und zwar bei<lb/>
der Gährung näher be&#x017F;chrieben werden.</p><lb/>
              <p>Das Wa&#x017F;&#x017F;er i&#x017F;t je nach &#x017F;einen Beimengungen von großem Einfluß<lb/>
auf die Bierbereitung. Wir unter&#x017F;cheiden zwi&#x017F;chen &#x201E;hartem&#x201C; und<lb/>
&#x201E;weichem&#x201C; Wa&#x017F;&#x017F;er. Letzteres &#x017F;etzt beim Kochen keinen Pfannen&#x017F;tein ab und<lb/>
i&#x017F;t kalkfrei, während hartes Wa&#x017F;&#x017F;er einen mehr oder weniger hohen<lb/>
Gehalt an kohlen&#x017F;aurem oder &#x017F;chwefel&#x017F;aurem Calcium hat. In den<lb/>
mei&#x017F;ten Fällen &#x017F;ind daher Quellwa&#x017F;&#x017F;er und Brunnenwa&#x017F;&#x017F;er hartes<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er, während Flußwa&#x017F;&#x017F;er und be&#x017F;onders Regenwa&#x017F;&#x017F;er zu den weichen<lb/>&#x017F;&#x017F;ern zählen. Für die Bereitung des Malzes i&#x017F;t weiches Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
vorzuziehen, während zum Einmai&#x017F;chen ein gewi&#x017F;&#x017F;er Kalkgehalt nicht<lb/>
&#x017F;chadet; auf jeden Fall aber i&#x017F;t ein Wa&#x017F;&#x017F;er, das durch organi&#x017F;che Sub-<lb/>
&#x017F;tanzen verunreinigt i&#x017F;t, als zur Bierbereitung ganz ungeeignet zu ver-<lb/>
werfen, und wo kein anderes Wa&#x017F;&#x017F;er zur Verfügung &#x017F;teht, muß es vor<lb/>
der Verwendung durch geeignete Behandlung &#x2014; auf die hier nicht näher<lb/>
eingegangen werden kann &#x2014; gereinigt werden.</p><lb/>
              <p>Die Bereitung des Bieres &#x017F;elb&#x017F;t zerfällt in drei von einander ge-<lb/>
trennte Ab&#x017F;chnitte, und zwar in:</p><lb/>
              <list>
                <item>1. die Malzbereitung,</item><lb/>
                <item>2. die Bereitung der Bierwürze und</item><lb/>
                <item>3. die Gährung der Bierwürze.</item>
              </list><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[486/0504] Nahrungs- und Genußmittel. aus der Familie der Urticaceen. Dieſe Hopfenblüten enthalten unter ihren ſchuppenartigen Blättchen goldgelbe, nierenförmige Körner, das ſog. Hopfenbitter. Die für die Brauer in Betracht kommenden Beſtandteile des Hopfens ſind das Hopfenöl, die Gerbſäure und einige mineraliſche Subſtanzen. Das Hopfenöl oxydiert außerordentlich raſch und bildet Valerianſäure, welche die Urſache der Minderwertigkeit des alten Hopfens iſt und dieſem auch den eigentümlichen Käſegeruch verleiht. Gerbſäure enthalten die verſchiedenen Hopfenſorten 2 bis 5 %. Den bitteren Geſchmack, den ſie auch dem Biere mitteilen, verdanken ſie dem ſo- genannten Hopfenharz. Die mineraliſchen Beſtandteile des Hopfens — 100 Teile lufttrockenen Hopfens enthalten 9 bis 10 % Aſche — ſind ca. 17 % Kali, 15 % Phosphorſäure ꝛc. Die Qualität des Hopfens iſt von außerordentlich hoher Bedeutung für Feinheit, Geſchmack und Haltbarkeit des Bieres, und da die Qualität ſelbſt des beſten Hopfens mit der Zeit leidet, ſo war man ſtets auf die neue Ernte angewieſen, was — je nach Ausfall derſelben — zu außerordentlich ſchwankenden Preiſen führte, welche in neuerer Zeit einigermaßen durch die Konſervierungsmethoden des Hopfens geregelt werden. Der Hopfen wird, um ihn haltbar zu machen, geſchwefelt d. h. man ſetzt den getrockneten Hopfen den Dämpfen brennenden Schwefels aus und preßt ihn, nachdem er abgedarrt iſt, feſt in luftdichtverſchließ- bare große Metallcylinder. Dieſer ſogenannte Büchſenhopfen iſt — beſonders kühl und trocken aufbewahrt — jahrelang haltbar. Die Hefe (Saccharomyces cerevisiae) gehört zur Gruppe der Sproßpilze und ſoll bei der Bereitung des Bieres ſelbſt und zwar bei der Gährung näher beſchrieben werden. Das Waſſer iſt je nach ſeinen Beimengungen von großem Einfluß auf die Bierbereitung. Wir unterſcheiden zwiſchen „hartem“ und „weichem“ Waſſer. Letzteres ſetzt beim Kochen keinen Pfannenſtein ab und iſt kalkfrei, während hartes Waſſer einen mehr oder weniger hohen Gehalt an kohlenſaurem oder ſchwefelſaurem Calcium hat. In den meiſten Fällen ſind daher Quellwaſſer und Brunnenwaſſer hartes Waſſer, während Flußwaſſer und beſonders Regenwaſſer zu den weichen Wäſſern zählen. Für die Bereitung des Malzes iſt weiches Waſſer vorzuziehen, während zum Einmaiſchen ein gewiſſer Kalkgehalt nicht ſchadet; auf jeden Fall aber iſt ein Waſſer, das durch organiſche Sub- ſtanzen verunreinigt iſt, als zur Bierbereitung ganz ungeeignet zu ver- werfen, und wo kein anderes Waſſer zur Verfügung ſteht, muß es vor der Verwendung durch geeignete Behandlung — auf die hier nicht näher eingegangen werden kann — gereinigt werden. Die Bereitung des Bieres ſelbſt zerfällt in drei von einander ge- trennte Abſchnitte, und zwar in: 1. die Malzbereitung, 2. die Bereitung der Bierwürze und 3. die Gährung der Bierwürze.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/504
Zitationshilfe: Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896, S. 486. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/504>, abgerufen am 27.06.2022.