Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Verkehr zu Lande.
[Abbildung] Fig. 405.

Trevithicks Dampfwagen.

sons, als sie einen liegenden Cylinder besaß, ferner einen Dampfkessel
für höheren Dampfdruck, eine Speisepumpe und eine Einrichtung, durch
welche der Dampf aus dem Cylinder nach vollbrachter Arbeit durch
den Schornstein entwich und auf diese Weise das Feuer stetig anfachte.
Wie wir später noch sehen werden, war diese letzterwähnte Einrichtung
dasjenige, was den Sieg Stephensons entschied. Trevithick hatte zur
Entfachung des Feuers zuerst besondere Blasebälge angewendet und
war höchlichst erstaunt über die günstige Wirkung des durch den
Schornstein abziehenden Dampfes. Seinen verbesserten Dampfwagen
ließ Trevithick im Jahre 1803 auf einer Schienenbahn in London
laufen und zeigte ihn dem erstaunten Publikum für Geld; merkwürdiger
Weise war die Stelle dieser eigenartigen Schaustellung derselbe Ort,
wo sich jetzt einer der größten Bahnhöfe der South-West-Railway in
London ausdehnt.

Trevithick endete gleich Dionysius Papin in tiefem Elend. Beide
hochbegabten Männer, denen die Nachwelt zu größtem Danke verpflichtet
bleibt, litten an einer Unstetigkeit, welche einen anhaltenden Erfolg
nicht zu erzielen vermochte. Mit Hinterlassung einer Schuldenlast von
60 Pfd. Sterling starb Trevithick im Jahre 1833. Die Idee, die ge-
wöhnlichen Straßenfuhrwerke mit Dampfkraft zu betreiben, ist dann in
neuerer Zeit wiederum in der Bolleeschen Dampfdroschke, jedoch ohne
durchschlagenden Erfolg zur Ausführung gebracht worden.

Eine besondere Anwendung findet die Dampfkraft in der von
Savery, Cugnot und Trevithick angegebenen Weise, bei den Straßen-
walzen und den Straßenlokomotiven. Die Einrichtung ist teils die
gleiche, wie diejenige der später zu beschreibenden Eisenbahn-Locomotive,

Der Verkehr zu Lande.
[Abbildung] Fig. 405.

Trevithicks Dampfwagen.

ſons, als ſie einen liegenden Cylinder beſaß, ferner einen Dampfkeſſel
für höheren Dampfdruck, eine Speiſepumpe und eine Einrichtung, durch
welche der Dampf aus dem Cylinder nach vollbrachter Arbeit durch
den Schornſtein entwich und auf dieſe Weiſe das Feuer ſtetig anfachte.
Wie wir ſpäter noch ſehen werden, war dieſe letzterwähnte Einrichtung
dasjenige, was den Sieg Stephenſons entſchied. Trevithick hatte zur
Entfachung des Feuers zuerſt beſondere Blaſebälge angewendet und
war höchlichſt erſtaunt über die günſtige Wirkung des durch den
Schornſtein abziehenden Dampfes. Seinen verbeſſerten Dampfwagen
ließ Trevithick im Jahre 1803 auf einer Schienenbahn in London
laufen und zeigte ihn dem erſtaunten Publikum für Geld; merkwürdiger
Weiſe war die Stelle dieſer eigenartigen Schauſtellung derſelbe Ort,
wo ſich jetzt einer der größten Bahnhöfe der South-West-Railway in
London ausdehnt.

Trevithick endete gleich Dionyſius Papin in tiefem Elend. Beide
hochbegabten Männer, denen die Nachwelt zu größtem Danke verpflichtet
bleibt, litten an einer Unſtetigkeit, welche einen anhaltenden Erfolg
nicht zu erzielen vermochte. Mit Hinterlaſſung einer Schuldenlaſt von
60 Pfd. Sterling ſtarb Trevithick im Jahre 1833. Die Idee, die ge-
wöhnlichen Straßenfuhrwerke mit Dampfkraft zu betreiben, iſt dann in
neuerer Zeit wiederum in der Bolléeſchen Dampfdroſchke, jedoch ohne
durchſchlagenden Erfolg zur Ausführung gebracht worden.

Eine beſondere Anwendung findet die Dampfkraft in der von
Savery, Cugnot und Trevithick angegebenen Weiſe, bei den Straßen-
walzen und den Straßenlokomotiven. Die Einrichtung iſt teils die
gleiche, wie diejenige der ſpäter zu beſchreibenden Eiſenbahn-Locomotive,

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0750" n="732"/><fw place="top" type="header">Der Verkehr zu Lande.</fw><lb/><figure><head>Fig. 405. </head><p>Trevithicks Dampfwagen.</p></figure><lb/>
&#x017F;ons, als &#x017F;ie einen liegenden Cylinder be&#x017F;aß, ferner einen Dampfke&#x017F;&#x017F;el<lb/>
für höheren Dampfdruck, eine Spei&#x017F;epumpe und eine Einrichtung, durch<lb/>
welche der Dampf aus dem Cylinder nach vollbrachter Arbeit durch<lb/>
den Schorn&#x017F;tein entwich und auf die&#x017F;e Wei&#x017F;e das Feuer &#x017F;tetig anfachte.<lb/>
Wie wir &#x017F;päter noch &#x017F;ehen werden, war die&#x017F;e letzterwähnte Einrichtung<lb/>
dasjenige, was den Sieg Stephen&#x017F;ons ent&#x017F;chied. Trevithick hatte zur<lb/>
Entfachung des Feuers zuer&#x017F;t be&#x017F;ondere Bla&#x017F;ebälge angewendet und<lb/>
war höchlich&#x017F;t er&#x017F;taunt über die gün&#x017F;tige Wirkung des durch den<lb/>
Schorn&#x017F;tein abziehenden Dampfes. Seinen verbe&#x017F;&#x017F;erten Dampfwagen<lb/>
ließ Trevithick im Jahre 1803 auf einer Schienenbahn in London<lb/>
laufen und zeigte ihn dem er&#x017F;taunten Publikum für Geld; merkwürdiger<lb/>
Wei&#x017F;e war die Stelle die&#x017F;er eigenartigen Schau&#x017F;tellung der&#x017F;elbe Ort,<lb/>
wo &#x017F;ich jetzt einer der größten Bahnhöfe der <hi rendition="#aq">South-West-Railway</hi> in<lb/>
London ausdehnt.</p><lb/>
              <p>Trevithick endete gleich Diony&#x017F;ius Papin in tiefem Elend. Beide<lb/>
hochbegabten Männer, denen die Nachwelt zu größtem Danke verpflichtet<lb/>
bleibt, litten an einer Un&#x017F;tetigkeit, welche einen anhaltenden Erfolg<lb/>
nicht zu erzielen vermochte. Mit Hinterla&#x017F;&#x017F;ung einer Schuldenla&#x017F;t von<lb/>
60 Pfd. Sterling &#x017F;tarb Trevithick im Jahre 1833. Die Idee, die ge-<lb/>
wöhnlichen Straßenfuhrwerke mit Dampfkraft zu betreiben, i&#x017F;t dann in<lb/>
neuerer Zeit wiederum in der Boll<hi rendition="#aq">é</hi>e&#x017F;chen Dampfdro&#x017F;chke, jedoch ohne<lb/>
durch&#x017F;chlagenden Erfolg zur Ausführung gebracht worden.</p><lb/>
              <p>Eine be&#x017F;ondere Anwendung findet die Dampfkraft in der von<lb/>
Savery, Cugnot und Trevithick angegebenen Wei&#x017F;e, bei den Straßen-<lb/>
walzen und den Straßenlokomotiven. Die Einrichtung i&#x017F;t teils die<lb/>
gleiche, wie diejenige der &#x017F;päter zu be&#x017F;chreibenden Ei&#x017F;enbahn-Locomotive,<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[732/0750] Der Verkehr zu Lande. [Abbildung Fig. 405. Trevithicks Dampfwagen.] ſons, als ſie einen liegenden Cylinder beſaß, ferner einen Dampfkeſſel für höheren Dampfdruck, eine Speiſepumpe und eine Einrichtung, durch welche der Dampf aus dem Cylinder nach vollbrachter Arbeit durch den Schornſtein entwich und auf dieſe Weiſe das Feuer ſtetig anfachte. Wie wir ſpäter noch ſehen werden, war dieſe letzterwähnte Einrichtung dasjenige, was den Sieg Stephenſons entſchied. Trevithick hatte zur Entfachung des Feuers zuerſt beſondere Blaſebälge angewendet und war höchlichſt erſtaunt über die günſtige Wirkung des durch den Schornſtein abziehenden Dampfes. Seinen verbeſſerten Dampfwagen ließ Trevithick im Jahre 1803 auf einer Schienenbahn in London laufen und zeigte ihn dem erſtaunten Publikum für Geld; merkwürdiger Weiſe war die Stelle dieſer eigenartigen Schauſtellung derſelbe Ort, wo ſich jetzt einer der größten Bahnhöfe der South-West-Railway in London ausdehnt. Trevithick endete gleich Dionyſius Papin in tiefem Elend. Beide hochbegabten Männer, denen die Nachwelt zu größtem Danke verpflichtet bleibt, litten an einer Unſtetigkeit, welche einen anhaltenden Erfolg nicht zu erzielen vermochte. Mit Hinterlaſſung einer Schuldenlaſt von 60 Pfd. Sterling ſtarb Trevithick im Jahre 1833. Die Idee, die ge- wöhnlichen Straßenfuhrwerke mit Dampfkraft zu betreiben, iſt dann in neuerer Zeit wiederum in der Bolléeſchen Dampfdroſchke, jedoch ohne durchſchlagenden Erfolg zur Ausführung gebracht worden. Eine beſondere Anwendung findet die Dampfkraft in der von Savery, Cugnot und Trevithick angegebenen Weiſe, bei den Straßen- walzen und den Straßenlokomotiven. Die Einrichtung iſt teils die gleiche, wie diejenige der ſpäter zu beſchreibenden Eiſenbahn-Locomotive,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/750
Zitationshilfe: Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896, S. 732. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/750>, abgerufen am 09.08.2022.