Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896.

Bild:
<< vorherige Seite

Die Brechung des Lichtes. -- Das Mikroskop.
an der Hinterwand aufgestellten Stereoskopbilder infolge der Brechung
scheinbar zur Deckung gebracht werden. Dieser Apparat kann, abge-
sehen von seiner Bedeutung als nützlicher Zeitvertreib, unter anderem
auch dazu dienen, falsches von echtem Papiergeld zu unterscheiden
oder die Frage zu lösen, ob zwei Drucke desselben Werkes einer oder
verschiedenen Auflagen angehören; auch für wissenschaftliche Zwecke
dürfte das Stereoskop unter Umständen ersprießliche Dienste leisten.

3. Das Mikroskop.

Abgesehen von ihrer Bedeutung für die hochentwickelte photogra-
phische Technik finden die Eigenschaften der Sammellinsen ausgedehnte
Verwendung für den wichtigen Zweck, von sehr kleinen oder sehr weit
entfernten Gegenständen Bilder in beträchtlicher Vergrößerung oder in
unmittelbarer Nähe zu erzeugen.

Das Auge erkennt deutlich nur solche Gegenstände, die sich in
einer bestimmten Entfernung befinden, weil nur von diesen deutliche
Bilder auf der Netzhaut entstehen; für ein normales Auge geschieht
dies in der deutlichen Sehweite von etwa 25 cm, während dieselbe für
ein kurzsichtiges Auge geringer ist. An sich würde es nun genügen,
einen sehr kleinen Gegenstand ganz dicht an das Auge zu bringen,
um ihn deutlich zu erkennen; denn dadurch würde der Winkel, unter
welchem das Objekt erscheint, beliebig vergrößert werden können, und
darauf allein kommt es an. Thatsächlich aber besitzt das Auge nur
in mäßigem Grade die Fähigkeit, sich zu accommodieren; denn von solchen
Gegenständen, die nicht genau in der deutlichen Sehweite liegen, kann
es die Strahlen zu einem scharfen Bilde auf der Netzhaut nicht ver-
einigen. Sobald deshalb diese bei verschiedenen Augen verschieden
große Accommodationsfähigkeit nicht mehr ausreicht, pflegt man
zwischen Auge und Gegenstand eine Sammellinse von kurzer Brenn-
weite einzuschalten, deren Wirksamkeit aus der Figur sich mit Leichtig-
keit ergiebt; eine solchermaßen verwendete Konvexlinse hat die Bezeich-
nung "Lupe" oder "einfaches Mikroskop" erhalten. Von dem Gegen-
stande a b, der innerhalb der Brennweite der Linse liegen muß, entsteht
nach früheren Betrachtungen ein ver-
größertes, aufrechtes, aber virtuelles Bild
(Fig. 488), das vom Auge in der deutlichen
Sehweite vermutet wird. Daraus folgt
denn auch, daß dieselbe Lupe für ein kurz-
sichtiges Auge eine geringere Vergrößerung
ergeben wird als für ein normales; es
hängt danach also die Vergrößerung des
einfachen Mikroskopes außer von der Brenn-
weite der Sammellinse auch noch von der
deutlichen Sehweite des Auges ab.

[Abbildung] Fig. 488.

Die Lupe

57*

Die Brechung des Lichtes. — Das Mikroſkop.
an der Hinterwand aufgeſtellten Stereoſkopbilder infolge der Brechung
ſcheinbar zur Deckung gebracht werden. Dieſer Apparat kann, abge-
ſehen von ſeiner Bedeutung als nützlicher Zeitvertreib, unter anderem
auch dazu dienen, falſches von echtem Papiergeld zu unterſcheiden
oder die Frage zu löſen, ob zwei Drucke desſelben Werkes einer oder
verſchiedenen Auflagen angehören; auch für wiſſenſchaftliche Zwecke
dürfte das Stereoſkop unter Umſtänden erſprießliche Dienſte leiſten.

3. Das Mikroſkop.

Abgeſehen von ihrer Bedeutung für die hochentwickelte photogra-
phiſche Technik finden die Eigenſchaften der Sammellinſen ausgedehnte
Verwendung für den wichtigen Zweck, von ſehr kleinen oder ſehr weit
entfernten Gegenſtänden Bilder in beträchtlicher Vergrößerung oder in
unmittelbarer Nähe zu erzeugen.

Das Auge erkennt deutlich nur ſolche Gegenſtände, die ſich in
einer beſtimmten Entfernung befinden, weil nur von dieſen deutliche
Bilder auf der Netzhaut entſtehen; für ein normales Auge geſchieht
dies in der deutlichen Sehweite von etwa 25 cm, während dieſelbe für
ein kurzſichtiges Auge geringer iſt. An ſich würde es nun genügen,
einen ſehr kleinen Gegenſtand ganz dicht an das Auge zu bringen,
um ihn deutlich zu erkennen; denn dadurch würde der Winkel, unter
welchem das Objekt erſcheint, beliebig vergrößert werden können, und
darauf allein kommt es an. Thatſächlich aber beſitzt das Auge nur
in mäßigem Grade die Fähigkeit, ſich zu accommodieren; denn von ſolchen
Gegenſtänden, die nicht genau in der deutlichen Sehweite liegen, kann
es die Strahlen zu einem ſcharfen Bilde auf der Netzhaut nicht ver-
einigen. Sobald deshalb dieſe bei verſchiedenen Augen verſchieden
große Accommodationsfähigkeit nicht mehr ausreicht, pflegt man
zwiſchen Auge und Gegenſtand eine Sammellinſe von kurzer Brenn-
weite einzuſchalten, deren Wirkſamkeit aus der Figur ſich mit Leichtig-
keit ergiebt; eine ſolchermaßen verwendete Konvexlinſe hat die Bezeich-
nung „Lupe“ oder „einfaches Mikroſkop“ erhalten. Von dem Gegen-
ſtande a b, der innerhalb der Brennweite der Linſe liegen muß, entſteht
nach früheren Betrachtungen ein ver-
größertes, aufrechtes, aber virtuelles Bild
(Fig. 488), das vom Auge in der deutlichen
Sehweite vermutet wird. Daraus folgt
denn auch, daß dieſelbe Lupe für ein kurz-
ſichtiges Auge eine geringere Vergrößerung
ergeben wird als für ein normales; es
hängt danach alſo die Vergrößerung des
einfachen Mikroſkopes außer von der Brenn-
weite der Sammellinſe auch noch von der
deutlichen Sehweite des Auges ab.

[Abbildung] Fig. 488.

Die Lupe

57*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0917" n="899"/><fw place="top" type="header">Die Brechung des Lichtes. &#x2014; Das Mikro&#x017F;kop.</fw><lb/>
an der Hinterwand aufge&#x017F;tellten Stereo&#x017F;kopbilder infolge der Brechung<lb/>
&#x017F;cheinbar zur Deckung gebracht werden. Die&#x017F;er Apparat kann, abge-<lb/>
&#x017F;ehen von &#x017F;einer Bedeutung als nützlicher Zeitvertreib, unter anderem<lb/>
auch dazu dienen, fal&#x017F;ches von echtem Papiergeld zu unter&#x017F;cheiden<lb/>
oder die Frage zu lö&#x017F;en, ob zwei Drucke des&#x017F;elben Werkes einer oder<lb/>
ver&#x017F;chiedenen Auflagen angehören; auch für wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftliche Zwecke<lb/>
dürfte das Stereo&#x017F;kop unter Um&#x017F;tänden er&#x017F;prießliche Dien&#x017F;te lei&#x017F;ten.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">3. Das Mikro&#x017F;kop.</hi> </head><lb/>
          <p>Abge&#x017F;ehen von ihrer Bedeutung für die hochentwickelte photogra-<lb/>
phi&#x017F;che Technik finden die Eigen&#x017F;chaften der Sammellin&#x017F;en ausgedehnte<lb/>
Verwendung für den wichtigen Zweck, von &#x017F;ehr kleinen oder &#x017F;ehr weit<lb/>
entfernten Gegen&#x017F;tänden Bilder in beträchtlicher Vergrößerung oder in<lb/>
unmittelbarer Nähe zu erzeugen.</p><lb/>
          <p>Das Auge erkennt deutlich nur &#x017F;olche Gegen&#x017F;tände, die &#x017F;ich in<lb/>
einer be&#x017F;timmten Entfernung befinden, weil nur von die&#x017F;en deutliche<lb/>
Bilder auf der Netzhaut ent&#x017F;tehen; für ein normales Auge ge&#x017F;chieht<lb/>
dies in der deutlichen Sehweite von etwa 25 <hi rendition="#aq">cm</hi>, während die&#x017F;elbe für<lb/>
ein kurz&#x017F;ichtiges Auge geringer i&#x017F;t. An &#x017F;ich würde es nun genügen,<lb/>
einen &#x017F;ehr kleinen Gegen&#x017F;tand ganz dicht an das Auge zu bringen,<lb/>
um ihn deutlich zu erkennen; denn dadurch würde der Winkel, unter<lb/>
welchem das Objekt er&#x017F;cheint, beliebig vergrößert werden können, und<lb/>
darauf allein kommt es an. That&#x017F;ächlich aber be&#x017F;itzt das Auge nur<lb/>
in mäßigem Grade die Fähigkeit, &#x017F;ich zu accommodieren; denn von &#x017F;olchen<lb/>
Gegen&#x017F;tänden, die nicht genau in der deutlichen Sehweite liegen, kann<lb/>
es die Strahlen zu einem &#x017F;charfen Bilde auf der Netzhaut nicht ver-<lb/>
einigen. Sobald deshalb die&#x017F;e bei ver&#x017F;chiedenen Augen ver&#x017F;chieden<lb/>
große Accommodationsfähigkeit nicht mehr ausreicht, pflegt man<lb/>
zwi&#x017F;chen Auge und Gegen&#x017F;tand eine Sammellin&#x017F;e von kurzer Brenn-<lb/>
weite einzu&#x017F;chalten, deren Wirk&#x017F;amkeit aus der Figur &#x017F;ich mit Leichtig-<lb/>
keit ergiebt; eine &#x017F;olchermaßen verwendete Konvexlin&#x017F;e hat die Bezeich-<lb/>
nung &#x201E;Lupe&#x201C; oder &#x201E;einfaches Mikro&#x017F;kop&#x201C; erhalten. Von dem Gegen-<lb/>
&#x017F;tande <hi rendition="#aq">a b</hi>, der innerhalb der Brennweite der Lin&#x017F;e liegen muß, ent&#x017F;teht<lb/>
nach früheren Betrachtungen ein ver-<lb/>
größertes, aufrechtes, aber virtuelles Bild<lb/>
(Fig. 488), das vom Auge in der deutlichen<lb/>
Sehweite vermutet wird. Daraus folgt<lb/>
denn auch, daß die&#x017F;elbe Lupe für ein kurz-<lb/>
&#x017F;ichtiges Auge eine geringere Vergrößerung<lb/>
ergeben wird als für ein normales; es<lb/>
hängt danach al&#x017F;o die Vergrößerung des<lb/>
einfachen Mikro&#x017F;kopes außer von der Brenn-<lb/>
weite der Sammellin&#x017F;e auch noch von der<lb/>
deutlichen Sehweite des Auges ab.</p><lb/>
          <figure>
            <head>Fig. 488. </head>
            <p>Die Lupe</p>
          </figure><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">57*</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[899/0917] Die Brechung des Lichtes. — Das Mikroſkop. an der Hinterwand aufgeſtellten Stereoſkopbilder infolge der Brechung ſcheinbar zur Deckung gebracht werden. Dieſer Apparat kann, abge- ſehen von ſeiner Bedeutung als nützlicher Zeitvertreib, unter anderem auch dazu dienen, falſches von echtem Papiergeld zu unterſcheiden oder die Frage zu löſen, ob zwei Drucke desſelben Werkes einer oder verſchiedenen Auflagen angehören; auch für wiſſenſchaftliche Zwecke dürfte das Stereoſkop unter Umſtänden erſprießliche Dienſte leiſten. 3. Das Mikroſkop. Abgeſehen von ihrer Bedeutung für die hochentwickelte photogra- phiſche Technik finden die Eigenſchaften der Sammellinſen ausgedehnte Verwendung für den wichtigen Zweck, von ſehr kleinen oder ſehr weit entfernten Gegenſtänden Bilder in beträchtlicher Vergrößerung oder in unmittelbarer Nähe zu erzeugen. Das Auge erkennt deutlich nur ſolche Gegenſtände, die ſich in einer beſtimmten Entfernung befinden, weil nur von dieſen deutliche Bilder auf der Netzhaut entſtehen; für ein normales Auge geſchieht dies in der deutlichen Sehweite von etwa 25 cm, während dieſelbe für ein kurzſichtiges Auge geringer iſt. An ſich würde es nun genügen, einen ſehr kleinen Gegenſtand ganz dicht an das Auge zu bringen, um ihn deutlich zu erkennen; denn dadurch würde der Winkel, unter welchem das Objekt erſcheint, beliebig vergrößert werden können, und darauf allein kommt es an. Thatſächlich aber beſitzt das Auge nur in mäßigem Grade die Fähigkeit, ſich zu accommodieren; denn von ſolchen Gegenſtänden, die nicht genau in der deutlichen Sehweite liegen, kann es die Strahlen zu einem ſcharfen Bilde auf der Netzhaut nicht ver- einigen. Sobald deshalb dieſe bei verſchiedenen Augen verſchieden große Accommodationsfähigkeit nicht mehr ausreicht, pflegt man zwiſchen Auge und Gegenſtand eine Sammellinſe von kurzer Brenn- weite einzuſchalten, deren Wirkſamkeit aus der Figur ſich mit Leichtig- keit ergiebt; eine ſolchermaßen verwendete Konvexlinſe hat die Bezeich- nung „Lupe“ oder „einfaches Mikroſkop“ erhalten. Von dem Gegen- ſtande a b, der innerhalb der Brennweite der Linſe liegen muß, entſteht nach früheren Betrachtungen ein ver- größertes, aufrechtes, aber virtuelles Bild (Fig. 488), das vom Auge in der deutlichen Sehweite vermutet wird. Daraus folgt denn auch, daß dieſelbe Lupe für ein kurz- ſichtiges Auge eine geringere Vergrößerung ergeben wird als für ein normales; es hängt danach alſo die Vergrößerung des einfachen Mikroſkopes außer von der Brenn- weite der Sammellinſe auch noch von der deutlichen Sehweite des Auges ab. [Abbildung Fig. 488. Die Lupe] 57*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/917
Zitationshilfe: Samter, Heinrich: Das Reich der Erfindungen. Berlin, 1896, S. 899. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/samter_erfindungen_1896/917>, abgerufen am 16.05.2022.