Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sanders, Daniel: Brief an Adolf Glaßbrenner. Altstrelitz, 15. März 1869.

Bild:
erste Seite
Lieber Bruder,



Aufrichtigen, innigen Dank sage ich Dir für deinen Brief und der
treuen Freundesgesinnung, die er athmet. Du hast mir mit deinem
[unleserliches Material - 1 Wort fehlt] Zeilen das Herz ganz groß gemacht!

Nur ist die Annahme, von der Du ausgehst, eine irrige.
Leider habe ich mir für dies Jahr soviel Arbeit aufgehalst, daß
sie zu bewältigen selbst mir, der ich einigermaßen auf meine
Arbeitskraft trotzen darf, sehr schwer fällt und so habe ich denn
- so gern ich einmal von der Arbeit rasten und mich erholen
und geistig anregen und erfrischen möchte - doch gar nicht
den Plan gehabt, nach Berlin zu kommen, sondern den lebhaften
Wunsch danach vielmehr pflichtschuldigst zurückgedrängt. Was du
bei Arnoldts gehört hast, bezog sich also wohl nicht auf mich,
sondern wahrscheinlich auf Ida, die allerdings nicht bloß den
Wunsch, sondern auch die Absicht hatte und hat, in diesen
Jahr auf einige Wochen nach Berlin zu reisen, obgleich eben
die Zeit noch gar Nichts bestimmt ist.

Brauche ich Dir zu sagen, wie lebhaft meine Sehnsucht
nach Euch schon ohnehin war und wie sie durch deinen lieb-

Lieber Bruder,



Aufrichtigen, iñigen Dank sage ich Dir für deinen Brief und der
treuen Freundesgesiñung, die er athmet. Du hast mir mit deinem
[unleserliches Material – 1 Wort fehlt] Zeilen das Herz ganz groß gemacht!

Nur ist die Annahme, von der Du ausgehst, eine irrige.
Leider habe ich mir für dies Jahr soviel Arbeit aufgehalst, daß
sie zu bewältigen selbst mir, der ich einigermaßen auf meine
Arbeitskraft trotzen darf, sehr schwer fällt und so habe ich deñ
– so gern ich einmal von der Arbeit rasten und mich erholen
und geistig anregen und erfrischen möchte – doch gar nicht
den Plan gehabt, nach Berlin zu kom̃en, sondern den lebhaften
Wunsch danach vielmehr pflichtschuldigst zurückgedrängt. Was du
bei Arnoldts gehört hast, bezog sich also wohl nicht auf mich,
sondern wahrscheinlich auf Ida, die allerdings nicht bloß den
Wunsch, sondern auch die Absicht hatte und hat, in diesen
Jahr auf einige Wochen nach Berlin zu reisen, obgleich eben
die Zeit noch gar Nichts bestim̃t ist.

Brauche ich Dir zu sagen, wie lebhaft meine Sehnsucht
nach Euch schon ohnehin war und wie sie durch deinen lieb-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0001" n="[1r]"/>
      <div type="letter" n="1">
        <opener>
          <salute>Lieber Bruder,</salute>
        </opener><lb/>
        <space dim="vertical"/><lb/>
        <p>Aufrichtigen, in&#x0303;igen Dank sage ich Dir für deinen Brief und der<lb/>
treuen Freundesgesin&#x0303;ung, die er athmet. Du hast mir mit deinem<lb/><gap reason="illegible" unit="words" quantity="1"/> Zeilen <add place="superlinear">das Herz</add> ganz groß gemacht!</p><lb/>
        <p>Nur ist die Annahme, von der Du ausgehst, eine irrige.<lb/>
Leider habe ich mir für dies Jahr soviel Arbeit aufgehalst, daß<lb/>
sie zu bewältigen selbst mir, der ich einigermaßen auf meine<lb/>
Arbeitskraft trotzen darf, sehr schwer fällt und so habe ich den&#x0303;<lb/>
&#x2013; so gern ich einmal von der Arbeit rasten und mich erholen<lb/>
und geistig anregen und erfrischen möchte &#x2013; doch gar nicht<lb/>
den Plan gehabt, nach <placeName ref="http://www.geonames.org/6547383">Berlin</placeName> zu kom&#x0303;en, sondern den lebhaften<lb/>
Wunsch danach vielmehr pflichtschuldigst zurückgedrängt. Was du<lb/>
bei <hi rendition="#aq"><persName>Arnoldts</persName></hi> gehört hast, bezog sich also wohl nicht auf mich,<lb/>
sondern wahrscheinlich auf <persName>Ida</persName>, die allerdings nicht bloß den<lb/>
Wunsch, sondern auch die Absicht hatte und hat, in diesen<lb/>
Jahr auf einige Wochen nach <placeName ref="http://www.geonames.org/6547383">Berlin</placeName> zu reisen, obgleich eben<lb/>
die Zeit noch gar Nichts bestim&#x0303;t ist.</p><lb/>
        <p>Brauche ich Dir zu sagen, wie lebhaft meine Sehnsucht<lb/>
nach Euch schon ohnehin war und wie sie durch deinen lieb-<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[1r]/0001] Lieber Bruder, Aufrichtigen, iñigen Dank sage ich Dir für deinen Brief und der treuen Freundesgesiñung, die er athmet. Du hast mir mit deinem _ Zeilen das Herz ganz groß gemacht! Nur ist die Annahme, von der Du ausgehst, eine irrige. Leider habe ich mir für dies Jahr soviel Arbeit aufgehalst, daß sie zu bewältigen selbst mir, der ich einigermaßen auf meine Arbeitskraft trotzen darf, sehr schwer fällt und so habe ich deñ – so gern ich einmal von der Arbeit rasten und mich erholen und geistig anregen und erfrischen möchte – doch gar nicht den Plan gehabt, nach Berlin zu kom̃en, sondern den lebhaften Wunsch danach vielmehr pflichtschuldigst zurückgedrängt. Was du bei Arnoldts gehört hast, bezog sich also wohl nicht auf mich, sondern wahrscheinlich auf Ida, die allerdings nicht bloß den Wunsch, sondern auch die Absicht hatte und hat, in diesen Jahr auf einige Wochen nach Berlin zu reisen, obgleich eben die Zeit noch gar Nichts bestim̃t ist. Brauche ich Dir zu sagen, wie lebhaft meine Sehnsucht nach Euch schon ohnehin war und wie sie durch deinen lieb-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sebastian Göttel: Herausgeber.
Sebastian Göttel: Transkription und TEI-Textannotation.

Weitere Informationen:

Dieses Werk wurde in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert. Abweichend davon wurden langes s (ſ) als 's', I/J als Lautwert und Vokale mit übergestelltem e als ä/ö/ü transkribiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/sanders_glassbrenner_1869
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/sanders_glassbrenner_1869/1
Zitationshilfe: Sanders, Daniel: Brief an Adolf Glaßbrenner. Altstrelitz, 15. März 1869, S. [1r]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sanders_glassbrenner_1869/1>, abgerufen am 09.12.2022.