Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,1. Nürnberg, 1675.[Spaltenumbruch] Muzian und Titian, die beste Italiäner im Landschaft-Mahlen. darunter Muzian und der lobwürdige Titian, sehr verwunderbar gewesen: wie theils Holzschnitte des letzern bezeugen/ denen er einen guten Horizont gegeben/ mit festen Gründen/ darauf jedesmal vornher etwas großes stehet/ und alles andere hintan weichet; dergleichen auch des berühmten Breugels Gemälde und Kupferstücke/ in Abbildung der Tyrolischen Gebirge/ vor Augen stellen. Bäume/ sind der Landschaft Musculen/ und mus darinn wol studiret werden.In den Bäumen/ welche der Landschaften Musculen sind/ bestehet alles das gut- oder böse Landschaft-Mahlen: weswegen eine besondere Sorgfalt vorzukehren/ um hierinn eine schöne natürliche Wissenschaft von allerley großen Bäumen und deren Blättern oder Baumschlägen/ so wol in die nähe/ als in die weite/ zu erlangen. Sie müßen aber nicht oben rund/ als ob sie geschoren wären/ auch nicht platt oder spitzig/ sondern sich allerseits wol schwingend und rührend/ und also gemahlt werden/ daß alles natürlich anzusehen sey. Und weil aller Arten der Bäume/ deren Blätter/ Farben und Stämme/ gleichwie anderweit auch der Menschen Haar und Kleidung-Falten/ zu erlernen schwer fällt: als ist hierbey desto mehr Mühe und Fleiß anzuwenden/ daß man zur perfection gelangen möge/ und angewöhne eine natürliche angenehme Bilder/ in Landschaften nur ein Beysatz. Manier/ Schlag und Gebrauch. Die Bilder und das Vieh in den Landschaften/ sollen nicht sonders Liecht/ Schönheit und Farben bekommen: damit sie/ als nur ein Beysatz/ der Landschaft sich untergeben. Die Länderey coloririt wol/ nach Regen und bey Donnerwetter/ Eine Landschaft im Leben/ ist allemal angenehmer und vollkommener anzusehen/ wann ein Regen vorüber ist/ auch wann ein Donnerwetter die Luft zertheilet: dann da erscheinen die Wolken in unersinnlich-seltsamen Formen und Coloriten. auch in der Herbst-Zeit. Diß befindet sich auch in der Herbst-Zeit: da die Bäume und ihre Blätter theils rötlich/ theils gelb/ [Spaltenumbruch] coloriren/ und Form und Farben sich veränderlich zeigen: welches dann den Gemälden große Anmutigkeit gibet. Mahlen ist besser/ als Zeichnen/ nach dem Leben. Die Landschaft-Mahler/ haben hierinn/ indem sie viel nach dem Leben gezeichnet/ sich wol-erfahren gemacht: maßen sie solcher Handriße sich nachmals überall bedienen können.Ich selbst thäte solches/ etliche Jahre lang. Endlich aber/ als mein nächster Nachbar und Hausgenoß zu Rom/ der berühmte Der Autor, und Claudius Gilli übeten sich hierinn zu Rom. Claudius Gilli, sonst Loraines genant/ immer mit ins Feld wolte/ um nach dem Leben zu zeichnen/ aber hierzu von der Natur gar nicht begunstet war/ hingegen zum Nachmahlen eine sonderbare Fähigkeit hatte: als haben wir ursach genommen/ (an statt des Zeichnens oder Tuschens mit schwarzer Kreide und dem Pensel) in offnem Feld/ zu Tivoli, Frescada, Subiaca, und anderer Orten/ auch al S. Benedetto, die Berge/ Grotten/ Thäler und Einöden/ die abscheuliche Wasserfälle der Tyber/ den Tempel der Sibylla , und dergleichen/ mit Farben/ auf gegründt Papier und Tücher völlig nach dem Leben auszumahlen. Dieses ist/ meines darfürhaltens/ die beste Manier/ dem Verstande die Warheit eigentlich einzudrucken: weil gleichsam dadurch Leib und Seele zusammen gebracht wird. In den Zeichnungen wird hingegen alzuweit zuruck gegangen/ da die wahre Gestalt der Sachen nimmermehr also pur eigentlich heraus kommet. Es ist auch besagter Claudius, wiewol langsam genug/ endlich in dem Landschaft-Mahlen/ gründen und coloriren/ so perfect worden und hoch gestiegen/ daß er wunder gethan/ und billich ein Antecessor und Ubertreffer aller der andern Noch andere fürtreffliche Landschaft-Mahlere. mag genennet werden. Von ihme/ wie auch von Adam Elzheimer/ Paulo Bril/ Fochier, Bothe, und andern Teutschen und Niederländischen fürtreflichen Landschaft-Mahlern/ wird im Andern Theil ein mehrers zu lesen seyn. [Abbildung]
[Spaltenumbruch] Muzian und Titian, die beste Italiäner im Landschaft-Mahlen. darunter Muzian und der lobwürdige Titian, sehr verwunderbar gewesen: wie theils Holzschnitte des letzern bezeugen/ denen er einen guten Horizont gegeben/ mit festen Gründen/ darauf jedesmal vornher etwas großes stehet/ und alles andere hintan weichet; dergleichen auch des berühmten Breugels Gemälde und Kupferstücke/ in Abbildung der Tyrolischen Gebirge/ vor Augen stellen. Bäume/ sind der Landschaft Musculen/ und mus darinn wol studiret werden.In den Bäumen/ welche der Landschaften Musculen sind/ bestehet alles das gut- oder böse Landschaft-Mahlen: weswegen eine besondere Sorgfalt vorzukehren/ um hierinn eine schöne natürliche Wissenschaft von allerley großen Bäumen und deren Blättern oder Baumschlägen/ so wol in die nähe/ als in die weite/ zu erlangen. Sie müßen aber nicht oben rund/ als ob sie geschoren wären/ auch nicht platt oder spitzig/ sondern sich allerseits wol schwingend und rührend/ und also gemahlt werden/ daß alles natürlich anzusehen sey. Und weil aller Arten der Bäume/ deren Blätter/ Farben und Stämme/ gleichwie anderweit auch der Menschen Haar und Kleidung-Falten/ zu erlernen schwer fällt: als ist hierbey desto mehr Mühe und Fleiß anzuwenden/ daß man zur perfection gelangen möge/ und angewöhne eine natürliche angenehme Bilder/ in Landschaften nur ein Beysatz. Manier/ Schlag und Gebrauch. Die Bilder und das Vieh in den Landschaften/ sollen nicht sonders Liecht/ Schönheit und Farben bekommen: damit sie/ als nur ein Beysatz/ der Landschaft sich untergeben. Die Länderey coloririt wol/ nach Regen und bey Donnerwetter/ Eine Landschaft im Leben/ ist allemal angenehmer und vollkommener anzusehen/ wann ein Regen vorüber ist/ auch wann ein Donnerwetter die Luft zertheilet: dann da erscheinen die Wolken in unersinnlich-seltsamen Formen und Coloriten. auch in der Herbst-Zeit. Diß befindet sich auch in der Herbst-Zeit: da die Bäume und ihre Blätter theils rötlich/ theils gelb/ [Spaltenumbruch] coloriren/ und Form und Farben sich veränderlich zeigen: welches dann den Gemälden große Anmutigkeit gibet. Mahlen ist besser/ als Zeichnen/ nach dem Leben. Die Landschaft-Mahler/ haben hierinn/ indem sie viel nach dem Leben gezeichnet/ sich wol-erfahren gemacht: maßen sie solcher Handriße sich nachmals überall bedienen können.Ich selbst thäte solches/ etliche Jahre lang. Endlich aber/ als mein nächster Nachbar und Hausgenoß zu Rom/ der berühmte Der Autor, und Claudius Gilli übeten sich hierinn zu Rom. Claudius Gilli, sonst Loraines genant/ immer mit ins Feld wolte/ um nach dem Leben zu zeichnen/ aber hierzu von der Natur gar nicht begunstet war/ hingegen zum Nachmahlen eine sonderbare Fähigkeit hatte: als haben wir ursach genommen/ (an statt des Zeichnens oder Tuschens mit schwarzer Kreide und dem Pensel) in offnem Feld/ zu Tivoli, Frescada, Subiaca, und anderer Orten/ auch al S. Benedetto, die Berge/ Grotten/ Thäler und Einöden/ die abscheuliche Wasserfälle der Tyber/ den Tempel der Sibylla , und dergleichen/ mit Farben/ auf gegründt Papier und Tücher völlig nach dem Leben auszumahlen. Dieses ist/ meines darfürhaltens/ die beste Manier/ dem Verstande die Warheit eigentlich einzudrucken: weil gleichsam dadurch Leib und Seele zusammen gebracht wird. In den Zeichnungen wird hingegen alzuweit zuruck gegangen/ da die wahre Gestalt der Sachen nimmermehr also pur eigentlich heraus kommet. Es ist auch besagter Claudius, wiewol langsam genug/ endlich in dem Landschaft-Mahlen/ gründen und coloriren/ so perfect worden und hoch gestiegen/ daß er wunder gethan/ und billich ein Antecessor und Ubertreffer aller der andern Noch andere fürtreffliche Landschaft-Mahlere. mag genennet werden. Von ihme/ wie auch von Adam Elzheimer/ Paulo Bril/ Fochier, Bothe, und andern Teutschen und Niederländischen fürtreflichen Landschaft-Mahlern/ wird im Andern Theil ein mehrers zu lesen seyn. [Abbildung]
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Sie müßen aber nicht oben rund/ als ob sie geschoren wären/ auch nicht platt oder spitzig/ sondern sich allerseits wol schwingend und rührend/ und also gemahlt werden/ daß alles natürlich anzusehen sey. Und weil aller Arten der Bäume/ deren Blätter/ Farben und Stämme/ gleichwie anderweit auch der Menschen Haar und Kleidung-Falten/ zu erlernen schwer fällt: als ist hierbey desto mehr Mühe und Fleiß anzuwenden/ daß man zur <hi rendition="#aq">perfection</hi> gelangen möge/ und angewöhne eine natürliche angenehme <note place="right">Bilder/ in Landschaften nur ein Beysatz.</note> Manier/ Schlag und Gebrauch. 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darunter Muzian und der lobwürdige Titian, sehr verwunderbar gewesen: wie theils Holzschnitte des letzern bezeugen/ denen er einen guten Horizont gegeben/ mit festen Gründen/ darauf jedesmal vornher etwas großes stehet/ und alles andere hintan weichet; dergleichen auch des berühmten Breugels Gemälde und Kupferstücke/ in Abbildung der Tyrolischen Gebirge/ vor Augen stellen.
Muzian und Titian, die beste Italiäner im Landschaft-Mahlen.In den Bäumen/ welche der Landschaften Musculen sind/ bestehet alles das gut- oder böse Landschaft-Mahlen: weswegen eine besondere Sorgfalt vorzukehren/ um hierinn eine schöne natürliche Wissenschaft von allerley großen Bäumen und deren Blättern oder Baumschlägen/ so wol in die nähe/ als in die weite/ zu erlangen. Sie müßen aber nicht oben rund/ als ob sie geschoren wären/ auch nicht platt oder spitzig/ sondern sich allerseits wol schwingend und rührend/ und also gemahlt werden/ daß alles natürlich anzusehen sey. Und weil aller Arten der Bäume/ deren Blätter/ Farben und Stämme/ gleichwie anderweit auch der Menschen Haar und Kleidung-Falten/ zu erlernen schwer fällt: als ist hierbey desto mehr Mühe und Fleiß anzuwenden/ daß man zur perfection gelangen möge/ und angewöhne eine natürliche angenehme Manier/ Schlag und Gebrauch. Die Bilder und das Vieh in den Landschaften/ sollen nicht sonders Liecht/ Schönheit und Farben bekommen: damit sie/ als nur ein Beysatz/ der Landschaft sich untergeben.
Bäume/ sind der Landschaft Musculen/ und mus darinn wol studiret werden.
Bilder/ in Landschaften nur ein Beysatz. Eine Landschaft im Leben/ ist allemal angenehmer und vollkommener anzusehen/ wann ein Regen vorüber ist/ auch wann ein Donnerwetter die Luft zertheilet: dann da erscheinen die Wolken in unersinnlich-seltsamen Formen und Coloriten. Diß befindet sich auch in der Herbst-Zeit: da die Bäume und ihre Blätter theils rötlich/ theils gelb/
coloriren/ und Form und Farben sich veränderlich zeigen: welches dann den Gemälden große Anmutigkeit gibet.
Die Länderey coloririt wol/ nach Regen und bey Donnerwetter/
auch in der Herbst-Zeit. Die Landschaft-Mahler/ haben hierinn/ indem sie viel nach dem Leben gezeichnet/ sich wol-erfahren gemacht: maßen sie solcher Handriße sich nachmals überall bedienen können.Ich selbst thäte solches/ etliche Jahre lang. Endlich aber/ als mein nächster Nachbar und Hausgenoß zu Rom/ der berühmte Claudius Gilli, sonst Loraines genant/ immer mit ins Feld wolte/ um nach dem Leben zu zeichnen/ aber hierzu von der Natur gar nicht begunstet war/ hingegen zum Nachmahlen eine sonderbare Fähigkeit hatte: als haben wir ursach genommen/ (an statt des Zeichnens oder Tuschens mit schwarzer Kreide und dem Pensel) in offnem Feld/ zu Tivoli, Frescada, Subiaca, und anderer Orten/ auch al S. Benedetto, die Berge/ Grotten/ Thäler und Einöden/ die abscheuliche Wasserfälle der Tyber/ den Tempel der Sibylla , und dergleichen/ mit Farben/ auf gegründt Papier und Tücher völlig nach dem Leben auszumahlen. Dieses ist/ meines darfürhaltens/ die beste Manier/ dem Verstande die Warheit eigentlich einzudrucken: weil gleichsam dadurch Leib und Seele zusammen gebracht wird. In den Zeichnungen wird hingegen alzuweit zuruck gegangen/ da die wahre Gestalt der Sachen nimmermehr also pur eigentlich heraus kommet. Es ist auch besagter Claudius, wiewol langsam genug/ endlich in dem Landschaft-Mahlen/ gründen und coloriren/ so perfect worden und hoch gestiegen/ daß er wunder gethan/ und billich ein Antecessor und Ubertreffer aller der andern mag genennet werden. Von ihme/ wie auch von Adam Elzheimer/ Paulo Bril/ Fochier, Bothe, und andern Teutschen und Niederländischen fürtreflichen Landschaft-Mahlern/ wird im Andern Theil ein mehrers zu lesen seyn.
Mahlen ist besser/ als Zeichnen/ nach dem Leben.
Der Autor, und Claudius Gilli übeten sich hierinn zu Rom.
Noch andere fürtreffliche Landschaft-Mahlere.
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| Zitationshilfe: | Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,1. Nürnberg, 1675, S. [I, Buch 3 (Malerei), S. 71]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0101_1675/250>, abgerufen am 05.08.2024. |



