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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,1. Nürnberg, 1675.

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[Spaltenumbruch] in alten Teppichen/findet/ sich vergleichen/ und/ weil die differenz allein in den Farben bestehet/ nicht zu Kupfer haben können gebracht werden. Beschreibung etlicher ihrer Gemähl-Stucke. Unter denselben befindet sich eine erbare Chineserin/ die/ nach Landes-Gebrauch/ die Milch aus ihrer Brust drücket/ und von ihrem Finger alsofort in des Kindes Mund lauffen lässet. Dann also pflegen sie ihre Kinder zu nehren/ um nicht von ihnen gebissen zu werden/ und damit die Kinder keinen großen Mund/ welches bey ihnen ein sehr schändliches Zeichen ist/ überkommen mögen. Eine andere Figur praesentiret einen von den vornehmsten/ reichsten und ansehnlichsten Herren des Königreichs/ der in seinem Palast/ auf einem schönen Teppich/ kostbar gekleidet/ seine recreation hat/ mit seinen Cucubinen vergesellschaftet/ die ihm aufwarten/ ihn beräuchern/ abkühlen und ihme Wind machen. Wiederum zeiget sich/ ein auf den Kniehen ligender gemeiner Schreiber/ mit einer Schüssel ihres Tee-Getranks/ zum trinken geneigt. In einer andern Figur erscheinet eine Adeliche Dame/ die einen wilden Vogel abrichtet/ welches bey ihnen auf dem Lande sehr gebräuchlich ist. Dann die Chineserinnen haben große Freude und Belieben/ die fliegende Vögelein/ die sie in großer Menge und überaus schöne haben/ zahm und leutliebend zu machen. Noch eine Figur machet vorstellig eine Dänzerin/ deren bey ihnen sehr viele zu finden: welche in den Wirtshäusern/ oder auch sonst bey Gastereyen/ wo sie verlanget werden/ mit ihren Instrumenten auf vielfältige weise aufspielen/ selbst danzen/ als Comödianten singen und springen/ und auf solche weise den Gesellschaften/ um das Geld/ sich dienstfärtig erweisen.

Bevor wir unsern Discurs beschließen/ ist noch Vom Form- und in Holz-Schneiden. etwas weniges zu sagen/ von dem Form- und in Holz-Schneiden: welche schöne Wissenschaft/ besonderlich in den Druck-Büchern/ mit den Anfangs-Buchstaben große Zier gibet. Diese Kunst-Arbeit beschihet auf Birnbäumen-hölzernen Stöcken/ erstlich mit der Feder/ durch einen guten Zeichner/ und alsdann vom Formschneider: welcher mit subtilen Instrumenten/ aus dem Stock alles Nebenholz herausschneidet/ also daß/ bloß der Handriß und was gezeichnet worden/ erhoben und übrig bleibet. Hierauf wird/ dieser geschnittene Stock/ in die Druck-Form an die Buchstaben gesetzet/ und also/ in die Rame eingeschraubt/ durch die Preße auf das Papier mit aufgedrucket. Die Ehre der Erfindung dieser schönen Kunst/ haben unsere Teutschen: aus welcher folgends das Buchdrucken entstanden/ und Diese Kunst hat zur Erfindung der Buchdruckerey-kunst anlaß gegeben. A. 1440 zu Straßburg und Mainz seinen anfang genommen. Maßen/ wie bekant/ ehe man die Buchstaben gießen gelernet/ eine ganze Schrifft-Form auf Holz geschrieben/ hernach ausgegraben/ und folgends abgedruckt worden: wie noch inden allerersten Büchern/ als dem Belials-Process A. 1487, der Nürnbergischen Reformation A. 1488 und mehr andern/ zu ersehen ist.

Künstlere/ in dieser Arbeit/ in den Niderlanden Lucas von Leyden/ Solche Holzschnitte waren bey den alten Teutschen/ als ersten Erfindern/ in großen Würden: denen nachmals in den Niderlanden/ der Schwarze Jan aus Frießland/ Lucas von Leyden in Holland/ und endlich auch in Italien Marco Antonio und [Spaltenumbruch] in Italien/ in Teutschland/ Albrecht Dürer/ Hugo da Carpi, nachgefolget. Unter den Teutschen/ hat der arbeitsame Dürer selbst etliche Stöcke geschnitten. Ihm folgte Tobias Stimmer/ und demselben sein Bruder Christoph Stimmer/ ein vortrefflicher Formschneider. Also waren/ nicht allein zu Nürnberg/ sondern auch zu Augsburg/ Basel und Straßburg/ viel gute Meister dieser Grünwald und Holbein. schönen Wissenschaft: wie in Dürers/ Grünwalds und Pirkheimers auch Holbeins Schriften und Werken ruhmwürdig zu ersehen. Ich hätte gern derer Meistere allhier mit Lob erwehnen wollen/ welche die ausbündige und fürtreffliche Holzschnitte und Figuren in den Schriften Petrarchae Anno 1551, auch Ciceronis A. 1540 gedruckt/ des zu Nürnberg edirten Kirchen-Calenders/ auch in nähern Zeiten vieler Teutsch- und Lateinischen Bibeln/ Operum Homeri, Virgilii und Ovidii, verfärtigt: habe aber ihre Namen nirgends finden noch erfragen können.

Von der sogenannten Schwarzen Kunst in Kupfer. Die also genannte Schwarze Kunst in Kupfer zu arbeiten/ deren hierbey auch billig zu erwehnen/ ist eine Kunst/ vermittels scharffer spitziger Instrumente von Stahl und Eisen/ auf den gepallirten Kupfern zu fahren/ reiben/ drucken und rollen: da dann/ durch die Härte des Zeugs/ ein Bild oder Figur in das linde Kupfer hinein geritzet wird. Diese Arbeit/ gibt etwan 50 oder 60 saubere Abdrücke/ hernach aber schleift es sich bald ab/ weil es nicht tieff ins Kupfer gehet. Sie wird für keine große Kunst gehalten/ und ist nur eine zierliche Ubung. Die ganze Arbeit bestehet allein in der Zeichnung: wer diese in Hand und Verstand hat/ deme sind diese und andere dergleichen Wissenschaften/ nur ein Spiel.

Deren erster Erfinder/ ein Obrist-Leutenant/ N. von Siegen. Der erste Erfinder dieser Kunst ware Anno 1648, nach beschlossenem Teutschen Krieg/ ein Hessischer Obrist-Leutenant/ Namens von Siegen: welcher auf solche weise Ihro Durchl. der regirenden Frau Wittib von Hessen-Cassel Contrafät in halb Lebens-Größe/ wie auch den Prinzen von Oranien/ gebildet. Nach solchem haben Ihr. Durchl. Prinz Robert, Pfalzgraf bey Rhein/ als die in der Zeichen- und Mahlerey Kunst perfect erfahren/ diese Wissenschaft herrlich und zu solcher Vollkommenheit erhoben/ daß darinn ein mehrers nicht zu erfinden ist: wie unterschiedliche Werke von deren fürtrefflicher Hand/ als eine Magdalena/ etliche Contrafäte/ ein sich umsehender Soldat mit seinem glänzenden Harnisch/ Schild und Spieß/ alles unverbesserlich/ vorzelgen. Hiernächst hat W. Vaillant, thut hierinn wunder. W. Vaillant, als ein guter erfahrner Mahler/ in der Zeichnung meisterhaft beschlagen/ diese Manier fortgesetzt/ und eine Menge herrlicher Werke davon in Kupfer zu bringen angefangen/ diezu erzehlen gar zulang fallen würde: welcher durch continuirliche Ubung und Fleiß hierinn fast wunder thut. Es ist aber diese Art den zierlichen Schraffirungen und andern Mühsamkeiten/ die zum Kupferstechen erfordert werden/ nicht untergeben/ sondern wann der Umriß/ neben dem Schatten und Liecht/ accurat ist/ die Schraffirung/ Striche oder Tüpfel mögen gehen wie sie wollen/ so ist der qualitet dadurch nichts benommen. Sonsten gibet diese Arbeit an die Hand/ eine überaus große lieblich

[Spaltenumbruch] in alten Teppichen/findet/ sich vergleichen/ und/ weil die differenz allein in den Farben bestehet/ nicht zu Kupfer haben können gebracht werden. Beschreibung etlicher ihrer Gemähl-Stucke. Unter denselben befindet sich eine erbare Chineserin/ die/ nach Landes-Gebrauch/ die Milch aus ihrer Brust drücket/ und von ihrem Finger alsofort in des Kindes Mund lauffen lässet. Dann also pflegen sie ihre Kinder zu nehren/ um nicht von ihnen gebissen zu werden/ und damit die Kinder keinen großen Mund/ welches bey ihnen ein sehr schändliches Zeichen ist/ überkommen mögen. Eine andere Figur praesentiret einen von den vornehmsten/ reichsten und ansehnlichsten Herren des Königreichs/ der in seinem Palast/ auf einem schönen Teppich/ kostbar gekleidet/ seine recreation hat/ mit seinen Cucubinen vergesellschaftet/ die ihm aufwarten/ ihn beräuchern/ abkühlen und ihme Wind machen. Wiederum zeiget sich/ ein auf den Kniehen ligender gemeiner Schreiber/ mit einer Schüssel ihres Tee-Getranks/ zum trinken geneigt. In einer andern Figur erscheinet eine Adeliche Dame/ die einen wilden Vogel abrichtet/ welches bey ihnen auf dem Lande sehr gebräuchlich ist. Dann die Chineserinnen haben große Freude und Belieben/ die fliegende Vögelein/ die sie in großer Menge und überaus schöne haben/ zahm und leutliebend zu machen. Noch eine Figur machet vorstellig eine Dänzerin/ deren bey ihnen sehr viele zu finden: welche in den Wirtshäusern/ oder auch sonst bey Gastereyen/ wo sie verlanget werden/ mit ihren Instrumenten auf vielfältige weise aufspielen/ selbst danzen/ als Comödianten singen und springen/ und auf solche weise den Gesellschaften/ um das Geld/ sich dienstfärtig erweisen.

Bevor wir unsern Discurs beschließen/ ist noch Vom Form- und in Holz-Schneiden. etwas weniges zu sagen/ von dem Form- und in Holz-Schneiden: welche schöne Wissenschaft/ besonderlich in den Druck-Büchern/ mit den Anfangs-Buchstaben große Zier gibet. Diese Kunst-Arbeit beschihet auf Birnbäumen-hölzernen Stöcken/ erstlich mit der Feder/ durch einen guten Zeichner/ und alsdann vom Formschneider: welcher mit subtilen Instrumenten/ aus dem Stock alles Nebenholz herausschneidet/ also daß/ bloß der Handriß und was gezeichnet worden/ erhoben und übrig bleibet. Hierauf wird/ dieser geschnittene Stock/ in die Druck-Form an die Buchstaben gesetzet/ und also/ in die Rame eingeschraubt/ durch die Preße auf das Papier mit aufgedrucket. Die Ehre der Erfindung dieser schönen Kunst/ haben unsere Teutschen: aus welcher folgends das Buchdrucken entstanden/ und Diese Kunst hat zur Erfindung der Buchdruckerey-kunst anlaß gegeben. A. 1440 zu Straßburg und Mainz seinen anfang genommen. Maßen/ wie bekant/ ehe man die Buchstaben gießen gelernet/ eine ganze Schrifft-Form auf Holz geschrieben/ hernach ausgegraben/ und folgends abgedruckt worden: wie noch inden allerersten Büchern/ als dem Belials-Process A. 1487, der Nürnbergischen Reformation A. 1488 und mehr andern/ zu ersehen ist.

Künstlere/ in dieser Arbeit/ in den Niderlanden Lucas von Leyden/ Solche Holzschnitte waren bey den alten Teutschen/ als ersten Erfindern/ in großen Würden: denen nachmals in den Niderlanden/ der Schwarze Jan aus Frießland/ Lucas von Leyden in Holland/ und endlich auch in Italien Marco Antonio und [Spaltenumbruch] in Italien/ in Teutschland/ Albrecht Dürer/ Hugo da Carpi, nachgefolget. Unter den Teutschen/ hat der arbeitsame Dürer selbst etliche Stöcke geschnitten. Ihm folgte Tobias Stimmer/ und demselben sein Bruder Christoph Stimmer/ ein vortrefflicher Formschneider. Also waren/ nicht allein zu Nürnberg/ sondern auch zu Augsburg/ Basel und Straßburg/ viel gute Meister dieser Grünwald und Holbein. schönen Wissenschaft: wie in Dürers/ Grünwalds und Pirkheimers auch Holbeins Schriften und Werken ruhmwürdig zu ersehen. Ich hätte gern derer Meistere allhier mit Lob erwehnen wollen/ welche die ausbündige und fürtreffliche Holzschnitte und Figuren in den Schriften Petrarchae Anno 1551, auch Ciceronis A. 1540 gedruckt/ des zu Nürnberg edirten Kirchen-Calenders/ auch in nähern Zeiten vieler Teutsch- und Lateinischen Bibeln/ Operum Homeri, Virgilii und Ovidii, verfärtigt: habe aber ihre Namen nirgends finden noch erfragen können.

Von der sogenannten Schwarzen Kunst in Kupfer. Die also genannte Schwarze Kunst in Kupfer zu arbeiten/ deren hierbey auch billig zu erwehnen/ ist eine Kunst/ vermittels scharffer spitziger Instrumente von Stahl und Eisen/ auf den gepallirten Kupfern zu fahren/ reiben/ drucken und rollen: da dann/ durch die Härte des Zeugs/ ein Bild oder Figur in das linde Kupfer hinein geritzet wird. Diese Arbeit/ gibt etwan 50 oder 60 saubere Abdrücke/ hernach aber schleift es sich bald ab/ weil es nicht tieff ins Kupfer gehet. Sie wird für keine große Kunst gehalten/ und ist nur eine zierliche Ubung. Die ganze Arbeit bestehet allein in der Zeichnung: wer diese in Hand und Verstand hat/ deme sind diese und andere dergleichen Wissenschaften/ nur ein Spiel.

Deren erster Erfinder/ ein Obrist-Leutenant/ N. von Siegen. Der erste Erfinder dieser Kunst ware Anno 1648, nach beschlossenem Teutschen Krieg/ ein Hessischer Obrist-Leutenant/ Namens von Siegen: welcher auf solche weise Ihro Durchl. der regirenden Frau Wittib von Hessen-Cassel Contrafät in halb Lebens-Größe/ wie auch den Prinzen von Oranien/ gebildet. Nach solchem haben Ihr. Durchl. Prinz Robert, Pfalzgraf bey Rhein/ als die in der Zeichen- und Mahlerey Kunst perfect erfahren/ diese Wissenschaft herrlich und zu solcher Vollkommenheit erhoben/ daß darinn ein mehrers nicht zu erfinden ist: wie unterschiedliche Werke von deren fürtrefflicher Hand/ als eine Magdalena/ etliche Contrafäte/ ein sich umsehender Soldat mit seinem glänzenden Harnisch/ Schild und Spieß/ alles unverbesserlich/ vorzelgen. Hiernächst hat W. Vaillant, thut hierinn wunder. W. Vaillant, als ein guter erfahrner Mahler/ in der Zeichnung meisterhaft beschlagen/ diese Manier fortgesetzt/ und eine Menge herrlicher Werke davon in Kupfer zu bringen angefangen/ diezu erzehlen gar zulang fallen würde: welcher durch continuirliche Ubung und Fleiß hierinn fast wunder thut. Es ist aber diese Art den zierlichen Schraffirungen und andern Mühsamkeiten/ die zum Kupferstechen erfordert werden/ nicht untergeben/ sondern wann der Umriß/ neben dem Schatten und Liecht/ accurat ist/ die Schraffirung/ Striche oder Tüpfel mögen gehen wie sie wollen/ so ist der qualitet dadurch nichts benommen. Sonsten gibet diese Arbeit an die Hand/ eine überaus große lieblich

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            <p xml:id="p192.4"><note place="right">Deren erster Erfinder/ ein Obrist-Leutenant/ <hi rendition="#aq">N.</hi> <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4244 http://d-nb.info/gnd/129042978 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500002981 http://viaf.org/viaf/23208215">von <hi rendition="#aq">Siegen</hi></persName>.</note> Der erste Erfinder dieser Kunst ware <hi rendition="#aq"><date when="1648">Anno 1648</date>,</hi> nach beschlossenem Teutschen Krieg/ ein Hessischer Obrist-Leutenant/ Namens <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4244 http://d-nb.info/gnd/129042978 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500002981 http://viaf.org/viaf/23208215">von Siegen</persName></hi>: welcher auf solche weise <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-237" type="artificialWork">Ihro Durchl. der regirenden <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4230 http://d-nb.info/gnd/119207826 http://viaf.org/viaf/78022308">Frau Wittib von Hessen-Cassel</persName> Contrafät in halb Lebens-Größe</name>/ wie auch den <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-238 http://www.britishmuseum.org/research/search_the_collection_database/search_results_ids.aspx?IdNum=1848%2C1209.27" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4245 http://d-nb.info/gnd/119357577 http://viaf.org/viaf/20488918">Prinzen von Oranien</persName></name>/ gebildet. Nach solchem haben Ihr. Durchl. <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-4246 http://d-nb.info/gnd/118791621 http://viaf.org/viaf/27852482">Prinz <hi rendition="#aq">Robert,</hi> Pfalzgraf bey Rhein</persName>/ als die in der Zeichen- und Mahlerey Kunst <hi rendition="#aq">perfect</hi> erfahren/ diese Wissenschaft herrlich und zu solcher Vollkommenheit erhoben/ daß darinn ein mehrers nicht zu erfinden ist: wie unterschiedliche Werke von deren fürtrefflicher Hand/ als eine <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2975" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-386 http://d-nb.info/gnd/118577840 http://viaf.org/viaf/25394709">Magdalena</persName></name>/ etliche Contrafäte/ <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-3971" type="artificialWork">ein sich umsehender Soldat mit seinem glänzenden Harnisch/ Schild und Spieß</name>/ alles unverbesserlich/ vorzelgen. Hiernächst hat <note place="right"><hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2085 http://d-nb.info/gnd/123190142 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500025331 http://viaf.org/viaf/18124811">W. Vaillant</persName>,</hi> thut hierinn wunder.</note> <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2085 http://d-nb.info/gnd/123190142 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500025331 http://viaf.org/viaf/18124811">W. Vaillant</persName>,</hi> als ein guter erfahrner Mahler/ in der Zeichnung meisterhaft beschlagen/ diese Manier fortgesetzt/ und eine Menge herrlicher Werke davon in Kupfer zu bringen angefangen/ diezu erzehlen gar zulang fallen würde: welcher durch <hi rendition="#aq">continuirliche</hi> Ubung und Fleiß hierinn fast wunder thut. Es ist aber diese Art den zierlichen Schraffirungen und andern Mühsamkeiten/ die zum Kupferstechen erfordert werden/ nicht untergeben/ sondern wann der Umriß/ neben dem Schatten und Liecht/ <hi rendition="#aq">accurat</hi> ist/ die Schraffirung/ Striche oder Tüpfel mögen gehen wie sie wollen/ so ist der <hi rendition="#aq">qualitet</hi> dadurch nichts benommen. Sonsten gibet diese Arbeit an die Hand/ eine überaus große lieblich
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[[I, Buch 3 (Malerei), S. 101]/0288] in alten Teppichen/findet/ sich vergleichen/ und/ weil die differenz allein in den Farben bestehet/ nicht zu Kupfer haben können gebracht werden. Unter denselben befindet sich eine erbare Chineserin/ die/ nach Landes-Gebrauch/ die Milch aus ihrer Brust drücket/ und von ihrem Finger alsofort in des Kindes Mund lauffen lässet. Dann also pflegen sie ihre Kinder zu nehren/ um nicht von ihnen gebissen zu werden/ und damit die Kinder keinen großen Mund/ welches bey ihnen ein sehr schändliches Zeichen ist/ überkommen mögen. Eine andere Figur praesentiret einen von den vornehmsten/ reichsten und ansehnlichsten Herren des Königreichs/ der in seinem Palast/ auf einem schönen Teppich/ kostbar gekleidet/ seine recreation hat/ mit seinen Cucubinen vergesellschaftet/ die ihm aufwarten/ ihn beräuchern/ abkühlen und ihme Wind machen. Wiederum zeiget sich/ ein auf den Kniehen ligender gemeiner Schreiber/ mit einer Schüssel ihres Tee-Getranks/ zum trinken geneigt. In einer andern Figur erscheinet eine Adeliche Dame/ die einen wilden Vogel abrichtet/ welches bey ihnen auf dem Lande sehr gebräuchlich ist. Dann die Chineserinnen haben große Freude und Belieben/ die fliegende Vögelein/ die sie in großer Menge und überaus schöne haben/ zahm und leutliebend zu machen. Noch eine Figur machet vorstellig eine Dänzerin/ deren bey ihnen sehr viele zu finden: welche in den Wirtshäusern/ oder auch sonst bey Gastereyen/ wo sie verlanget werden/ mit ihren Instrumenten auf vielfältige weise aufspielen/ selbst danzen/ als Comödianten singen und springen/ und auf solche weise den Gesellschaften/ um das Geld/ sich dienstfärtig erweisen. Beschreibung etlicher ihrer Gemähl-Stucke.Bevor wir unsern Discurs beschließen/ ist noch etwas weniges zu sagen/ von dem Form- und in Holz-Schneiden: welche schöne Wissenschaft/ besonderlich in den Druck-Büchern/ mit den Anfangs-Buchstaben große Zier gibet. Diese Kunst-Arbeit beschihet auf Birnbäumen-hölzernen Stöcken/ erstlich mit der Feder/ durch einen guten Zeichner/ und alsdann vom Formschneider: welcher mit subtilen Instrumenten/ aus dem Stock alles Nebenholz herausschneidet/ also daß/ bloß der Handriß und was gezeichnet worden/ erhoben und übrig bleibet. Hierauf wird/ dieser geschnittene Stock/ in die Druck-Form an die Buchstaben gesetzet/ und also/ in die Rame eingeschraubt/ durch die Preße auf das Papier mit aufgedrucket. Die Ehre der Erfindung dieser schönen Kunst/ haben unsere Teutschen: aus welcher folgends das Buchdrucken entstanden/ und A. 1440 zu Straßburg und Mainz seinen anfang genommen. Maßen/ wie bekant/ ehe man die Buchstaben gießen gelernet/ eine ganze Schrifft-Form auf Holz geschrieben/ hernach ausgegraben/ und folgends abgedruckt worden: wie noch inden allerersten Büchern/ als dem Belials-Process A. 1487, der Nürnbergischen Reformation A. 1488 und mehr andern/ zu ersehen ist. Vom Form- und in Holz-Schneiden. Diese Kunst hat zur Erfindung der Buchdruckerey-kunst anlaß gegeben. Solche Holzschnitte waren bey den alten Teutschen/ als ersten Erfindern/ in großen Würden: denen nachmals in den Niderlanden/ der Schwarze Jan aus Frießland/ Lucas von Leyden in Holland/ und endlich auch in Italien Marco Antonio und Hugo da Carpi, nachgefolget. Unter den Teutschen/ hat der arbeitsame Dürer selbst etliche Stöcke geschnitten. Ihm folgte Tobias Stimmer/ und demselben sein Bruder Christoph Stimmer/ ein vortrefflicher Formschneider. Also waren/ nicht allein zu Nürnberg/ sondern auch zu Augsburg/ Basel und Straßburg/ viel gute Meister dieser schönen Wissenschaft: wie in Dürers/ Grünwalds und Pirkheimers auch Holbeins Schriften und Werken ruhmwürdig zu ersehen. Ich hätte gern derer Meistere allhier mit Lob erwehnen wollen/ welche die ausbündige und fürtreffliche Holzschnitte und Figuren in den Schriften Petrarchae Anno 1551, auch Ciceronis A. 1540 gedruckt/ des zu Nürnberg edirten Kirchen-Calenders/ auch in nähern Zeiten vieler Teutsch- und Lateinischen Bibeln/ Operum Homeri, Virgilii und Ovidii, verfärtigt: habe aber ihre Namen nirgends finden noch erfragen können. Künstlere/ in dieser Arbeit/ in den Niderlanden Lucas von Leyden/ in Italien/ in Teutschland/ Albrecht Dürer/ Grünwald und Holbein. Die also genannte Schwarze Kunst in Kupfer zu arbeiten/ deren hierbey auch billig zu erwehnen/ ist eine Kunst/ vermittels scharffer spitziger Instrumente von Stahl und Eisen/ auf den gepallirten Kupfern zu fahren/ reiben/ drucken und rollen: da dann/ durch die Härte des Zeugs/ ein Bild oder Figur in das linde Kupfer hinein geritzet wird. Diese Arbeit/ gibt etwan 50 oder 60 saubere Abdrücke/ hernach aber schleift es sich bald ab/ weil es nicht tieff ins Kupfer gehet. Sie wird für keine große Kunst gehalten/ und ist nur eine zierliche Ubung. Die ganze Arbeit bestehet allein in der Zeichnung: wer diese in Hand und Verstand hat/ deme sind diese und andere dergleichen Wissenschaften/ nur ein Spiel. Von der sogenannten Schwarzen Kunst in Kupfer. Der erste Erfinder dieser Kunst ware Anno 1648, nach beschlossenem Teutschen Krieg/ ein Hessischer Obrist-Leutenant/ Namens von Siegen: welcher auf solche weise Ihro Durchl. der regirenden Frau Wittib von Hessen-Cassel Contrafät in halb Lebens-Größe/ wie auch den Prinzen von Oranien/ gebildet. Nach solchem haben Ihr. Durchl. Prinz Robert, Pfalzgraf bey Rhein/ als die in der Zeichen- und Mahlerey Kunst perfect erfahren/ diese Wissenschaft herrlich und zu solcher Vollkommenheit erhoben/ daß darinn ein mehrers nicht zu erfinden ist: wie unterschiedliche Werke von deren fürtrefflicher Hand/ als eine Magdalena/ etliche Contrafäte/ ein sich umsehender Soldat mit seinem glänzenden Harnisch/ Schild und Spieß/ alles unverbesserlich/ vorzelgen. Hiernächst hat W. Vaillant, als ein guter erfahrner Mahler/ in der Zeichnung meisterhaft beschlagen/ diese Manier fortgesetzt/ und eine Menge herrlicher Werke davon in Kupfer zu bringen angefangen/ diezu erzehlen gar zulang fallen würde: welcher durch continuirliche Ubung und Fleiß hierinn fast wunder thut. Es ist aber diese Art den zierlichen Schraffirungen und andern Mühsamkeiten/ die zum Kupferstechen erfordert werden/ nicht untergeben/ sondern wann der Umriß/ neben dem Schatten und Liecht/ accurat ist/ die Schraffirung/ Striche oder Tüpfel mögen gehen wie sie wollen/ so ist der qualitet dadurch nichts benommen. Sonsten gibet diese Arbeit an die Hand/ eine überaus große lieblich Deren erster Erfinder/ ein Obrist-Leutenant/ N. von Siegen. W. Vaillant, thut hierinn wunder.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,1. Nürnberg, 1675, S. [I, Buch 3 (Malerei), S. 101]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0101_1675/288>, abgerufen am 12.07.2024.