Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,2. Nürnberg, 1675.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] er ihn zum Ritter gemacht/ und Fürstlich beschenket hat.

Sobald er nach Rom gekommen/ empfienge ihn der Papst ganz freundlich/ und bestelte ihm alsobald Zu Rom eine Capell in Belvedere eine Capell in dem Belvedere zu mahlen/ welches er mit solcher Geschicklichkeit an Gewölb und Mauren verrichtet/ daß es mit Gummi-Farben nicht hätte mögen säuberer gemahlet werden. An dem Altar ist die Tauff Johannis gebildet/ in welcher Taffel einer/ der seinen Strumpf umkehret/ und in dem Gesicht seine große Müh und Arbeit entdecket/ von männiglich mit großer Verwunderung angesehen wird. Als er in dieser Arbeit Seine höfliche Art Geld zu fordern. ware/ und der Papst ihme nicht so oft/ als er verlangte/ wegen anderer obliegenden Geschäften solches vergessend/ Geld geben ließ/ bildete er in grau etliche Tugenden/ und unter andern auch die Discretion, welche der Papst ersehend fragte/ was es für ein Bild seye? und als er derselben Namen nennen hörte/ sagte er: Ich wüste ihr keine bässere Gesellschaft/ als die Patientia zu zuordnen; Der Mahler verstunde des Papsts Meinung wol/ und bezeugte mit erfolgtem Stillschweigen/ daß er schon Gedult haben könte/ welche ihme/ nach Vollendung des Werks/ auch wol belohnet worden/ indem er mit günstigem Willen/ und gnugsamer Bezahlung/ wieder nach Mantua zu dem Marggrafen zuruck geschicket worden. Er zeichnete sehr fleißig/ und tuschte solches mit Saft/ ließ das Papyr die Höhung seyn/ und etliche subtile Wind-Härlein so künstlich darunter fliegen/ daß sich jedermann zum höchsten darüber verwunderte/ und des Künstlers angewandten Fleiß und Müh hoch schäzte und lobte. Sticht auch in Kupfer. Er hat auch etliche Sachen auf Kupfer gestochen/ worunter obgedachter des Julii Caesaris Triumf gewesen/ neben einem Bacchus-Fest/ einem Streit der Meer-Wundere/ wie auch die Abnehmung vom Creutz und Begräbnis Christi/ samt mehr andern Lobens-würdigen Sachen. Er hat auch die allerbäste Manier in Verkürzungen der Bilder gewust/ und in seinen Gemälden gebraucht.

[Spaltenumbruch]

Endlich ist noch von ihm zu melden/daß/ als er schon in hohem Alter ware/ und vernommen hatte/ daß Albrecht Dürer (den er/ wegen seines klugen Verstands/ zu kennen verlangte) in Italien ankommen wäre/ er ihn ließ durch einen freundlichen Botten zu sich einladen/ um mit ihme eine gute Freund- und Kundschaft auszurichten: Dieser/ gleich wie er viel von Mantegna hielte/ also nahme er das Anbott willig an/ und machte sich auf die Reiß/ als er aber eben in Mantua angelangt/ starbe Mantegna im 66sten seines Alters/ und nach Christi Geburt im 1517. Jahr/ mit solcher Bekümmernis des gedachten Dürers/ daß er zu sagen pflegte: Es wäre ihm die Zeit seines Lebens kein kläglicherer Todsfall begegnet. Obwol er aber/ dem Leibe nach/ den Schauplatz dieser Welt verlassen müssen/ so grünet doch sein unsterbliches Lob noch heutiges Tages/ wie ihn dann auch schon damals der fürnehme Poet Ariostus, in dem Anfang seines 33sten Gesangs/ unter die berühmteste Mahlere gesezt/ indem er also redet:

Leonardo, Andrea Mantegna, Gioann
Bellino
.

Auf sein Grab aber ist sein Contrafät von Metall/ wie es auch die Kupferblatte/ mit M bezeichnet/ weiset/ gemacht/ und mit dieser Beyschrift gezieret worden.

Seine Grabschrift Esse parem hunc noris, si non praeponis,
Apelli,

aenea Mantegnae qui simulacra vides.

Die zu Teutsch also lauten möchte:

Wer dieses Bild ansieht/ und seine Schrift
will lesen/

der wiß zuvorderst/ daß Mantegna sey ge-
wesen

den bästen Mahlern gleich. Apelles Ruhm
zerfält/

wann man Mantegna Werk demselben ge-
genhält.

[Abbildung]

[Spaltenumbruch] er ihn zum Ritter gemacht/ und Fürstlich beschenket hat.

Sobald er nach Rom gekommen/ empfienge ihn der Papst ganz freundlich/ und bestelte ihm alsobald Zu Rom eine Capell in Belvedere eine Capell in dem Belvedere zu mahlen/ welches er mit solcher Geschicklichkeit an Gewölb und Mauren verrichtet/ daß es mit Gummi-Farben nicht hätte mögen säuberer gemahlet werden. An dem Altar ist die Tauff Johannis gebildet/ in welcher Taffel einer/ der seinen Strumpf umkehret/ und in dem Gesicht seine große Müh und Arbeit entdecket/ von männiglich mit großer Verwunderung angesehen wird. Als er in dieser Arbeit Seine höfliche Art Geld zu fordern. ware/ und der Papst ihme nicht so oft/ als er verlangte/ wegen anderer obliegenden Geschäften solches vergessend/ Geld geben ließ/ bildete er in grau etliche Tugenden/ und unter andern auch die Discretion, welche der Papst ersehend fragte/ was es für ein Bild seye? und als er derselben Namen nennen hörte/ sagte er: Ich wüste ihr keine bässere Gesellschaft/ als die Patientia zu zuordnen; Der Mahler verstunde des Papsts Meinung wol/ und bezeugte mit erfolgtem Stillschweigen/ daß er schon Gedult haben könte/ welche ihme/ nach Vollendung des Werks/ auch wol belohnet worden/ indem er mit günstigem Willen/ und gnugsamer Bezahlung/ wieder nach Mantua zu dem Marggrafen zuruck geschicket worden. Er zeichnete sehr fleißig/ und tuschte solches mit Saft/ ließ das Papyr die Höhung seyn/ und etliche subtile Wind-Härlein so künstlich darunter fliegen/ daß sich jedermann zum höchsten darüber verwunderte/ und des Künstlers angewandten Fleiß und Müh hoch schäzte und lobte. Sticht auch in Kupfer. Er hat auch etliche Sachen auf Kupfer gestochen/ worunter obgedachter des Julii Caesaris Triumf gewesen/ neben einem Bacchus-Fest/ einem Streit der Meer-Wundere/ wie auch die Abnehmung vom Creutz und Begräbnis Christi/ samt mehr andern Lobens-würdigen Sachen. Er hat auch die allerbäste Manier in Verkürzungen der Bilder gewust/ und in seinen Gemälden gebraucht.

[Spaltenumbruch]

Endlich ist noch von ihm zu melden/daß/ als er schon in hohem Alter ware/ und vernommen hatte/ daß Albrecht Dürer (den er/ wegen seines klugen Verstands/ zu kennen verlangte) in Italien ankommen wäre/ er ihn ließ durch einen freundlichen Botten zu sich einladen/ um mit ihme eine gute Freund- und Kundschaft auszurichten: Dieser/ gleich wie er viel von Mantegna hielte/ also nahme er das Anbott willig an/ und machte sich auf die Reiß/ als er aber eben in Mantua angelangt/ starbe Mantegna im 66sten seines Alters/ und nach Christi Geburt im 1517. Jahr/ mit solcher Bekümmernis des gedachten Dürers/ daß er zu sagen pflegte: Es wäre ihm die Zeit seines Lebens kein kläglicherer Todsfall begegnet. Obwol er aber/ dem Leibe nach/ den Schauplatz dieser Welt verlassen müssen/ so grünet doch sein unsterbliches Lob noch heutiges Tages/ wie ihn dann auch schon damals der fürnehme Poët Ariostus, in dem Anfang seines 33sten Gesangs/ unter die berühmteste Mahlere gesezt/ indem er also redet:

Leonardo, Andrea Mantegna, Gioann
Bellino
.

Auf sein Grab aber ist sein Contrafät von Metall/ wie es auch die Kupferblatte/ mit M bezeichnet/ weiset/ gemacht/ und mit dieser Beyschrift gezieret worden.

Seine Grabschrift Esse parem hunc noris, si non praeponis,
Apelli,

aenea Mantegnae qui simulacra vides.

Die zu Teutsch also lauten möchte:

Wer dieses Bild ansieht/ und seine Schrift
will lesen/

der wiß zuvorderst/ daß Mantegna sey ge-
wesen

den bästen Mahlern gleich. Apelles Ruhm
zerfält/

wann man Mantegna Werk demselben ge-
genhält.

[Abbildung]
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div>
          <p><pb facs="#f0101" xml:id="pb-285" n="[II, Buch 2 (italienische Künstler), S. 77]"/><cb/>
er ihn zum Ritter gemacht/ und Fürstlich beschenket hat.</p>
          <p>Sobald er nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> gekommen/ empfienge ihn der Papst ganz freundlich/ und bestelte ihm alsobald <note place="right">Zu <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> eine <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-481">Capell in <hi rendition="#aq">Belvedere</hi></placeName></note> eine <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-481">Capell in dem <hi rendition="#aq">Belvedere</hi></placeName> zu mahlen/ welches er mit solcher Geschicklichkeit an Gewölb und Mauren verrichtet/ daß es mit <hi rendition="#aq">Gummi</hi>-Farben nicht hätte mögen säuberer gemahlet werden. An dem Altar ist die Tauff <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-10 http://d-nb.info/gnd/118557858 http://viaf.org/viaf/98494815">Johannis</persName> gebildet/ in welcher Taffel einer/ der seinen Strumpf umkehret/ und in dem Gesicht seine große Müh und Arbeit entdecket/ von männiglich mit großer Verwunderung angesehen wird. Als er in dieser Arbeit <note place="right">Seine höfliche Art Geld zu fordern.</note> ware/ und der Papst ihme nicht so oft/ als er verlangte/ wegen anderer obliegenden Geschäften solches vergessend/ Geld geben ließ/ bildete er in grau etliche Tugenden/ und unter andern auch die <hi rendition="#aq">Discretion,</hi> welche der Papst ersehend fragte/ was es für ein Bild seye? und als er derselben Namen nennen hörte/ sagte er: Ich wüste ihr keine bässere Gesellschaft/ als die <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5068"><hi rendition="#aq">Patientia</hi></persName> zu zuordnen; Der Mahler verstunde des Papsts Meinung wol/ und bezeugte mit erfolgtem Stillschweigen/ daß er schon Gedult haben könte/ welche ihme/ nach Vollendung des Werks/ auch wol belohnet worden/ indem er mit günstigem Willen/ und gnugsamer Bezahlung/ wieder nach <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-477 http://www.geonames.org/3174051/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7005879">Mantua</placeName></hi> zu dem Marggrafen zuruck geschicket worden. Er zeichnete sehr fleißig/ und tuschte solches mit Saft/ ließ das Papyr die Höhung seyn/ und etliche <hi rendition="#aq">subtile</hi> Wind-Härlein so künstlich darunter fliegen/ daß sich jedermann zum höchsten darüber verwunderte/ und des Künstlers angewandten Fleiß und Müh hoch schäzte und lobte. <note place="right">Sticht auch in Kupfer.</note> Er hat auch etliche Sachen auf Kupfer gestochen/ worunter obgedachter des <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-628 http://d-nb.info/gnd/118518275 http://viaf.org/viaf/100227925">Julii Caesaris</persName></hi> Triumf gewesen/ neben einem <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-133 http://d-nb.info/gnd/118651439 http://viaf.org/viaf/27864934">Bacchus</persName></hi>-Fest/ einem Streit der Meer-Wundere/ wie auch die Abnehmung vom Creutz und Begräbnis <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-15 http://d-nb.info/gnd/118557513 http://viaf.org/viaf/73945424">Christi</persName>/ samt mehr andern Lobens-würdigen Sachen. Er hat auch die allerbäste Manier in Verkürzungen der Bilder gewust/ und in seinen Gemälden gebraucht.</p>
          <cb/>
          <p>Endlich ist noch von ihm zu melden/daß/ als er schon in hohem Alter ware/ und vernommen hatte/ daß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-12 http://d-nb.info/gnd/11852786X http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115493 http://viaf.org/viaf/54146999">Albrecht Dürer</persName> (den er/ wegen seines klugen Verstands/ zu kennen verlangte) in <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-352 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=1000080"><hi rendition="#aq">Itali</hi>en</placeName> ankommen wäre/ er ihn ließ durch einen freundlichen Botten zu sich einladen/ um mit ihme eine gute Freund- und Kundschaft auszurichten: Dieser/ gleich wie er viel von <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Mantegna</persName></hi> hielte/ also nahme er das Anbott willig an/ und machte sich auf die Reiß/ als er aber eben in <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-477 http://www.geonames.org/3174051/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7005879">Mantua</placeName></hi> angelangt/ starbe <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Mantegna</persName></hi> im 66sten seines Alters/ und nach Christi Geburt im <date when="1517">1517</date>. Jahr/ mit solcher Bekümmernis des gedachten <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-12 http://d-nb.info/gnd/11852786X http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115493 http://viaf.org/viaf/54146999">Dürers</persName>/ daß er zu sagen pflegte: Es wäre ihm die Zeit seines Lebens kein kläglicherer Todsfall begegnet. Obwol er aber/ dem Leibe nach/ den Schauplatz dieser Welt verlassen müssen/ so grünet doch sein unsterbliches Lob noch heutiges Tages/ wie ihn dann auch schon damals der fürnehme <hi rendition="#aq">Poët <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-577 http://d-nb.info/gnd/118503952 http://viaf.org/viaf/71386455">Ariostus</persName>,</hi> in dem Anfang seines 33sten Gesangs/ unter die berühmteste Mahlere gesezt/ indem er also redet:</p>
          <p rendition="#c"><hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-195 http://d-nb.info/gnd/118640445 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500010879 http://viaf.org/viaf/24604287">Leonardo</persName>, <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Andrea Mantegna</persName>, <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1212 http://d-nb.info/gnd/118508679 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500019244 http://viaf.org/viaf/100161245">Gioann<lb/>
Bellino</persName></hi>.</p>
          <p>Auf sein Grab aber ist <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-4023" type="artificialWork">sein <hi rendition="#aq">Contraf</hi>ät von Metall/ wie es auch die <ref target="http://ta.sandrart.net/de/text/284#figure-0284.1">Kupferblatte/ mit <hi rendition="#aq">M</hi> bezeichnet</ref>/ weiset</name>/ gemacht/ und mit dieser Beyschrift gezieret worden.</p>
          <lg rendition="#aq #c" type="poem">
            <note place="right">Seine Grabschrift</note>
            <l>
              <foreign xml:lang="lat">Esse parem hunc noris, si non praeponis,<lb/><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-117 http://d-nb.info/gnd/118649787 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500021288">Apelli</persName>,</foreign>
            </l><lb/>
            <l>
              <foreign xml:lang="lat">aenea <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Mantegnae</persName> qui simulacra vides.</foreign>
            </l><lb/>
          </lg>
          <p rendition="#c">Die zu Teutsch also lauten möchte:</p>
          <lg rendition="#c" type="poem">
            <l>Wer dieses Bild ansieht/ und seine Schrift<lb/>
will lesen/</l><lb/>
            <l>der wiß zuvorderst/ daß <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Mantegna</persName></hi> sey ge-<lb/>
wesen</l><lb/>
            <l>den bästen Mahlern gleich. <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-117 http://d-nb.info/gnd/118649787 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500021288">Apelles</persName></hi> Ruhm<lb/>
zerfält/</l><lb/>
            <l>wann man <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-398 http://d-nb.info/gnd/118577336 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500004218 http://viaf.org/viaf/27084155">Mantegna</persName></hi> Werk demselben ge-<lb/>
genhält.</l><lb/>
          </lg>
          <figure rendition="#c" xml:id="figure-0285.1">
            <figure facs="figure-0285-1.jpg"/>
          </figure>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[II, Buch 2 (italienische Künstler), S. 77]/0101] er ihn zum Ritter gemacht/ und Fürstlich beschenket hat. Sobald er nach Rom gekommen/ empfienge ihn der Papst ganz freundlich/ und bestelte ihm alsobald eine Capell in dem Belvedere zu mahlen/ welches er mit solcher Geschicklichkeit an Gewölb und Mauren verrichtet/ daß es mit Gummi-Farben nicht hätte mögen säuberer gemahlet werden. An dem Altar ist die Tauff Johannis gebildet/ in welcher Taffel einer/ der seinen Strumpf umkehret/ und in dem Gesicht seine große Müh und Arbeit entdecket/ von männiglich mit großer Verwunderung angesehen wird. Als er in dieser Arbeit ware/ und der Papst ihme nicht so oft/ als er verlangte/ wegen anderer obliegenden Geschäften solches vergessend/ Geld geben ließ/ bildete er in grau etliche Tugenden/ und unter andern auch die Discretion, welche der Papst ersehend fragte/ was es für ein Bild seye? und als er derselben Namen nennen hörte/ sagte er: Ich wüste ihr keine bässere Gesellschaft/ als die Patientia zu zuordnen; Der Mahler verstunde des Papsts Meinung wol/ und bezeugte mit erfolgtem Stillschweigen/ daß er schon Gedult haben könte/ welche ihme/ nach Vollendung des Werks/ auch wol belohnet worden/ indem er mit günstigem Willen/ und gnugsamer Bezahlung/ wieder nach Mantua zu dem Marggrafen zuruck geschicket worden. Er zeichnete sehr fleißig/ und tuschte solches mit Saft/ ließ das Papyr die Höhung seyn/ und etliche subtile Wind-Härlein so künstlich darunter fliegen/ daß sich jedermann zum höchsten darüber verwunderte/ und des Künstlers angewandten Fleiß und Müh hoch schäzte und lobte. Er hat auch etliche Sachen auf Kupfer gestochen/ worunter obgedachter des Julii Caesaris Triumf gewesen/ neben einem Bacchus-Fest/ einem Streit der Meer-Wundere/ wie auch die Abnehmung vom Creutz und Begräbnis Christi/ samt mehr andern Lobens-würdigen Sachen. Er hat auch die allerbäste Manier in Verkürzungen der Bilder gewust/ und in seinen Gemälden gebraucht. Zu Rom eine Capell in Belvedere Seine höfliche Art Geld zu fordern. Sticht auch in Kupfer. Endlich ist noch von ihm zu melden/daß/ als er schon in hohem Alter ware/ und vernommen hatte/ daß Albrecht Dürer (den er/ wegen seines klugen Verstands/ zu kennen verlangte) in Italien ankommen wäre/ er ihn ließ durch einen freundlichen Botten zu sich einladen/ um mit ihme eine gute Freund- und Kundschaft auszurichten: Dieser/ gleich wie er viel von Mantegna hielte/ also nahme er das Anbott willig an/ und machte sich auf die Reiß/ als er aber eben in Mantua angelangt/ starbe Mantegna im 66sten seines Alters/ und nach Christi Geburt im 1517. Jahr/ mit solcher Bekümmernis des gedachten Dürers/ daß er zu sagen pflegte: Es wäre ihm die Zeit seines Lebens kein kläglicherer Todsfall begegnet. Obwol er aber/ dem Leibe nach/ den Schauplatz dieser Welt verlassen müssen/ so grünet doch sein unsterbliches Lob noch heutiges Tages/ wie ihn dann auch schon damals der fürnehme Poët Ariostus, in dem Anfang seines 33sten Gesangs/ unter die berühmteste Mahlere gesezt/ indem er also redet: Leonardo, Andrea Mantegna, Gioann Bellino. Auf sein Grab aber ist sein Contrafät von Metall/ wie es auch die Kupferblatte/ mit M bezeichnet/ weiset/ gemacht/ und mit dieser Beyschrift gezieret worden. Esse parem hunc noris, si non praeponis, Apelli, aenea Mantegnae qui simulacra vides. Die zu Teutsch also lauten möchte: Wer dieses Bild ansieht/ und seine Schrift will lesen/ der wiß zuvorderst/ daß Mantegna sey ge- wesen den bästen Mahlern gleich. Apelles Ruhm zerfält/ wann man Mantegna Werk demselben ge- genhält. [Abbildung [Abbildung] ]

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0102_1675
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0102_1675/101
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,2. Nürnberg, 1675, S. [II, Buch 2 (italienische Künstler), S. 77]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0102_1675/101>, abgerufen am 27.06.2022.