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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,2. Nürnberg, 1675.

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[Spaltenumbruch] zu sehen. Doch sind auch viel seiner Werke zu Grund gegangen/ nachdem sie zulezt durch ganz Italien verstreuet worden. Man muß sich aber höchlich verwundern/ wann man jezt seine Arbeit besichtiget/ wie dieser Mann/ bey so dunkler Zeit/ in der Kunst so hell-leuchtend werden können.

Seine Werke zu Florenz Eines von seinen Stucken wurde zu Florenz/ aus seinem Hause/ mit lieblichstem Schall von allerley Musicalischen Instrumenten/ und in einer herrlichen procession, in die Marien-Kirche gebracht. Zu Pisa.Zu Pisa mahlte er auf eine Tafel mit Eyerfarb/ einen Christum am Creutz/ samt etlichen weinenden Engeln/ welche Zetteln mit Worten/ von Christi Mund/ gegen der weinenden Jungfrau Maria und Johanne ausgehend/ in Händen halten/ da auf dem ersten zur rechten stehet: Mulier! Ecce filius tuus! Auf dem andern zur linken Seite: Ecce Mater tua! Ein anderer führte diese Zettel-Schrift: Ex illa hora accepit eam discipulus in suam. Also fieng er an/ den Weg zu den Erfindungen zu öfnen/ und anzuweisen/ wie man einen Sinn und Meinung mit Worten anmelden könne: welches damals etwas neues und wunderbares ware. Er ist auch ein treflicher Baumeister gewesen. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Er starb Anno 1300/ in seinem 60sten Jahr/ und bekame dieses zur Grab-Schrift:

Seine Grabschrift. Credidit ut Cimabos picturae castra tenere,
Sic tenuit: Verum nunc tenet astra poli.

Welches Teutsch also lauten möchte:

Gleichwie Cimabue geliebt die Mahler-
Kunst/

Also geniest er jezt des Höchsten Himmels-
Gunst.

Er verließe nach sich viele Lehr-Jünger/ und Giotto wird sein Lehrjünger/ unter andern den Giotto, welcher ein fürtreflicher Mahler worden/ und in seines Meisters Hauß wohnhaft geblieben: und ist gewiß/ wann dieser Lehrling seinen Meister nicht so hoch übertroffen hätte/ so wäre Cimabue mit seinem Ruhm viel Verdunkelt desselben Kunst-Ruhm. höher gestiegen/ welches der Poet Dantes, in seinem Gedicht/ welches er purgatorium betitelt/ mit diesen Zeilen bestättiget:

Es hieß Cimabue der Mahler Zier und
Blum:

Hätt' nicht Giottens Kunst verdunkelt seinen
Ruhm.

Der Ausleger über den Dantes, welcher Anno 1334. geschrieben/ vermeldet bey diesen Versen/ Cimabue, Mahler von Florenz/ sey ein Mahler edler und künstlicher Werke/ auch so muhtig und scharpf gewesen/ daß/ wann jemand anderer/ oder er selbst/ einigen Mangel an seiner Arbeit gespüret/ wie es dann bißweilen aus Mangel der materie oder des Werkzeugs beschiehet/ er solche selber/ wie köstlich sie auch ware/ zerbrochen und verderbet habe.

[Spaltenumbruch]

GLeichwie des Cimabue Arbeit/ weil sie der Mahlerey viel eine bässere Art gegeben/ als vorhin die Griechen gebrauchet/ bey den Leuten nicht eine kleine Veränderung verursachet: also II. ANDREA TAFFI, von Florenz. waren auch/ die Mosaikische Sachen/ des ANDREA TAFFI, zu selbiger Zeit hoch gehalten. Dieser zoge von Florenz nach Venedig/ alda etliche Griechen in S. Marx Kirche solche Stücke ausfärtigten/ machte sich mit ihnen bekandt/ und brachte soviel zuwegen/ daß Apollonius , einer von diesen Meistern/ mit ihm nach Florenz reisete/ Das Mosaikische Glaß-Werk bringen die Griechen in Italien. und ihn das Mosaikische Glaßwerk brennen/ auch den Kalk zurüsten lehrte/ worein sie geleget werden. Diese beyde machten miteinander viel Arbeit/ die selbiger Zeit höchlich gelobet wurden; Doch hatte Andrea hiebey das Glück/ daß schlechte Erkentnis und Wissenschaft des Unterschieds zwischen schlecht und gut (die Zeichen-Kunst betreffend) bey den Leuten gewesen. Er lebte 81. Jahre/ und starbe vor dem Cimabue, Anno 1294. Seine Großachtbarkeit und Ehr/ so er mit der Mosaikischen Arbeit erlanget/ weil er/ vor allen andern/ in Toscana sie herfürgebracht/ reitzete den Gaddo Gaddi, Giotto und andere/ daß sie ihn in der Kunst überstiegen/ und einen unsterblichen Namen erworben.

EIne bässere Zeichnung aber/ als dieser Taffi, III. GADDO GADDI, Florentinischer Mahler/ hat der damals auch lebende GADDO GADDI gehabt/ wie er dann auch bässer auf Griechische Art gearbeitet: Dieses mag daher kommen seyn/ daß er große Gemeinschaft mit dem Cimabue gehalten/ und dieser beyder oftmaltige nuzliche Gespräche/ wegen der schwersten Sachen in der Mahler-Kunst/ manchen schönen Anschlag gebohren: worzu nebenhin der subtile Florentinische Luft/ ferner mag behülflich gewesen seyn. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Arbeitet wol in Mosaik/ zu Florenz/Zu Florenz hat er viel Mosaikische Arbeit gemacht/ mit weit bässerer Zeichnung und verständigerm Urtheil/ dann sonst in einigem Ort von Italien gesehen und gefunden wird. Also wurde er hoch berühmet/ und deßwegen Anno 1308. nach Rom und andern Orten. Rom erfordert/ alda machte er viele Sachen von Mosaik/ die aber von der alten Griechischen Manier weit unterschieden ware. Nachdem er in etlichen Städten in Toscana gearbeitet hatte/ kehrte wieder nach Florenz/ und nahme ihm vor/ ein ruhiges Leben zu führen. Er machte daselbst viel kleine Arbeit/ als etliche Stüklein von Mosaik/ auch mit Eyerschalen/ worinn er große Gedult gebrauchet. Er hat auch sonst viele Mahlereyen verfärtiget/ und war ein feiner Meister/ in beyden Künsten/ erlangte auch/ neben der Ehre/ einen guten Verdienst. Er starbe Anno 1312. seines Alters im 73sten Jahr.

IV. MARGARITON, Mahler/ Bildschneider und Baumeister.UNter den alten Mahlern/ die sich entsezten/ als sie hörten das große/ und zwar gebührliche Lob/ welches dem Cimabue, Giotto und andern ihren Lehrjüngern/ wegen ihrer treflichen Kunst/ durch ganz Italien gegeben wurde/ ware auch dieser MARGARITON, der/ neben andern seinen Zeitgenossen/ wol merkte/ daß derselben Ruhm sein Lob

[Spaltenumbruch] zu sehen. Doch sind auch viel seiner Werke zu Grund gegangen/ nachdem sie zulezt durch ganz Italien verstreuet worden. Man muß sich aber höchlich verwundern/ wann man jezt seine Arbeit besichtiget/ wie dieser Mann/ bey so dunkler Zeit/ in der Kunst so hell-leuchtend werden können.

Seine Werke zu Florenz Eines von seinen Stucken wurde zu Florenz/ aus seinem Hause/ mit lieblichstem Schall von allerley Musicalischen Instrumenten/ und in einer herrlichen procession, in die Marien-Kirche gebracht. Zu Pisa.Zu Pisa mahlte er auf eine Tafel mit Eyerfarb/ einen Christum am Creutz/ samt etlichen weinenden Engeln/ welche Zetteln mit Worten/ von Christi Mund/ gegen der weinenden Jungfrau Maria und Johanne ausgehend/ in Händen halten/ da auf dem ersten zur rechten stehet: Mulier! Ecce filius tuus! Auf dem andern zur linken Seite: Ecce Mater tua! Ein anderer führte diese Zettel-Schrift: Ex illâ horâ accepit eam discipulus in suam. Also fieng er an/ den Weg zu den Erfindungen zu öfnen/ und anzuweisen/ wie man einen Sinn und Meinung mit Worten anmelden könne: welches damals etwas neues und wunderbares ware. Er ist auch ein treflicher Baumeister gewesen. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Er starb Anno 1300/ in seinem 60sten Jahr/ und bekame dieses zur Grab-Schrift:

Seine Grabschrift. Credidit ut Cimabos picturae castra tenere,
Sic tenuit: Verùm nunc tenet astra poli.

Welches Teutsch also lauten möchte:

Gleichwie Cimabue geliebt die Mahler-
Kunst/

Also geniest er jezt des Höchsten Himmels-
Gunst.

Er verließe nach sich viele Lehr-Jünger/ und Giotto wird sein Lehrjünger/ unter andern den Giotto, welcher ein fürtreflicher Mahler worden/ und in seines Meisters Hauß wohnhaft geblieben: und ist gewiß/ wann dieser Lehrling seinen Meister nicht so hoch übertroffen hätte/ so wäre Cimabue mit seinem Ruhm viel Verdunkelt desselben Kunst-Ruhm. höher gestiegen/ welches der Poët Dantes, in seinem Gedicht/ welches er purgatorium betitelt/ mit diesen Zeilen bestättiget:

Es hieß Cimabue der Mahler Zier und
Blum:

Hätt’ nicht Giottens Kunst verdunkelt seinen
Ruhm.

Der Ausleger über den Dantes, welcher Anno 1334. geschrieben/ vermeldet bey diesen Versen/ Cimabue, Mahler von Florenz/ sey ein Mahler edler und künstlicher Werke/ auch so muhtig und scharpf gewesen/ daß/ wann jemand anderer/ oder er selbst/ einigen Mangel an seiner Arbeit gespüret/ wie es dann bißweilen aus Mangel der materie oder des Werkzeugs beschiehet/ er solche selber/ wie köstlich sie auch ware/ zerbrochen und verderbet habe.

[Spaltenumbruch]

GLeichwie des Cimabue Arbeit/ weil sie der Mahlerey viel eine bässere Art gegeben/ als vorhin die Griechen gebrauchet/ bey den Leuten nicht eine kleine Veränderung verursachet: also II. ANDREA TAFFI, von Florenz. waren auch/ die Mosaikische Sachen/ des ANDREA TAFFI, zu selbiger Zeit hoch gehalten. Dieser zoge von Florenz nach Venedig/ alda etliche Griechen in S. Marx Kirche solche Stücke ausfärtigten/ machte sich mit ihnen bekandt/ und brachte soviel zuwegen/ daß Apollonius , einer von diesen Meistern/ mit ihm nach Florenz reisete/ Das Mosaikische Glaß-Werk bringen die Griechen in Italien. und ihn das Mosaikische Glaßwerk brennen/ auch den Kalk zurüsten lehrte/ worein sie geleget werden. Diese beyde machten miteinander viel Arbeit/ die selbiger Zeit höchlich gelobet wurden; Doch hatte Andrea hiebey das Glück/ daß schlechte Erkentnis und Wissenschaft des Unterschieds zwischen schlecht und gut (die Zeichen-Kunst betreffend) bey den Leuten gewesen. Er lebte 81. Jahre/ und starbe vor dem Cimabue, Anno 1294. Seine Großachtbarkeit und Ehr/ so er mit der Mosaikischen Arbeit erlanget/ weil er/ vor allen andern/ in Toscana sie herfürgebracht/ reitzete den Gaddo Gaddi, Giotto und andere/ daß sie ihn in der Kunst überstiegen/ und einen unsterblichen Namen erworben.

EIne bässere Zeichnung aber/ als dieser Taffi, III. GADDO GADDI, Florentinischer Mahler/ hat der damals auch lebende GADDO GADDI gehabt/ wie er dann auch bässer auf Griechische Art gearbeitet: Dieses mag daher kommen seyn/ daß er große Gemeinschaft mit dem Cimabue gehalten/ und dieser beyder oftmaltige nuzliche Gespräche/ wegen der schwersten Sachen in der Mahler-Kunst/ manchen schönen Anschlag gebohren: worzu nebenhin der subtile Florentinische Luft/ ferner mag behülflich gewesen seyn. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Arbeitet wol in Mosaik/ zu Florenz/Zu Florenz hat er viel Mosaikische Arbeit gemacht/ mit weit bässerer Zeichnung und verständigerm Urtheil/ dann sonst in einigem Ort von Italien gesehen und gefunden wird. Also wurde er hoch berühmet/ und deßwegen Anno 1308. nach Rom und andern Orten. Rom erfordert/ alda machte er viele Sachen von Mosaik/ die aber von der alten Griechischen Manier weit unterschieden ware. Nachdem er in etlichen Städten in Toscana gearbeitet hatte/ kehrte wieder nach Florenz/ und nahme ihm vor/ ein ruhiges Leben zu führen. Er machte daselbst viel kleine Arbeit/ als etliche Stüklein von Mosaik/ auch mit Eyerschalen/ worinn er große Gedult gebrauchet. Er hat auch sonst viele Mahlereyen verfärtiget/ und war ein feiner Meister/ in beyden Künsten/ erlangte auch/ neben der Ehre/ einen guten Verdienst. Er starbe Anno 1312. seines Alters im 73sten Jahr.

IV. MARGARITON, Mahler/ Bildschneider und Baumeister.UNter den alten Mahlern/ die sich entsezten/ als sie hörten das große/ und zwar gebührliche Lob/ welches dem Cimabue, Giotto und andern ihren Lehrjüngern/ wegen ihrer treflichen Kunst/ durch ganz Italien gegeben wurde/ ware auch dieser MARGARITON, der/ neben andern seinen Zeitgenossen/ wol merkte/ daß derselben Ruhm sein Lob

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[[II, Buch 2 (italienische Künstler), S. 58]/0076] zu sehen. Doch sind auch viel seiner Werke zu Grund gegangen/ nachdem sie zulezt durch ganz Italien verstreuet worden. Man muß sich aber höchlich verwundern/ wann man jezt seine Arbeit besichtiget/ wie dieser Mann/ bey so dunkler Zeit/ in der Kunst so hell-leuchtend werden können. Eines von seinen Stucken wurde zu Florenz/ aus seinem Hause/ mit lieblichstem Schall von allerley Musicalischen Instrumenten/ und in einer herrlichen procession, in die Marien-Kirche gebracht. Zu Pisa mahlte er auf eine Tafel mit Eyerfarb/ einen Christum am Creutz/ samt etlichen weinenden Engeln/ welche Zetteln mit Worten/ von Christi Mund/ gegen der weinenden Jungfrau Maria und Johanne ausgehend/ in Händen halten/ da auf dem ersten zur rechten stehet: Mulier! Ecce filius tuus! Auf dem andern zur linken Seite: Ecce Mater tua! Ein anderer führte diese Zettel-Schrift: Ex illâ horâ accepit eam discipulus in suam. Also fieng er an/ den Weg zu den Erfindungen zu öfnen/ und anzuweisen/ wie man einen Sinn und Meinung mit Worten anmelden könne: welches damals etwas neues und wunderbares ware. Er ist auch ein treflicher Baumeister gewesen. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Er starb Anno 1300/ in seinem 60sten Jahr/ und bekame dieses zur Grab-Schrift: Seine Werke zu Florenz Zu Pisa. Credidit ut Cimabos picturae castra tenere, Sic tenuit: Verùm nunc tenet astra poli. Welches Teutsch also lauten möchte: Gleichwie Cimabue geliebt die Mahler- Kunst/ Also geniest er jezt des Höchsten Himmels- Gunst. Er verließe nach sich viele Lehr-Jünger/ und unter andern den Giotto, welcher ein fürtreflicher Mahler worden/ und in seines Meisters Hauß wohnhaft geblieben: und ist gewiß/ wann dieser Lehrling seinen Meister nicht so hoch übertroffen hätte/ so wäre Cimabue mit seinem Ruhm viel höher gestiegen/ welches der Poët Dantes, in seinem Gedicht/ welches er purgatorium betitelt/ mit diesen Zeilen bestättiget: Giotto wird sein Lehrjünger/ Verdunkelt desselben Kunst-Ruhm. Es hieß Cimabue der Mahler Zier und Blum: Hätt’ nicht Giottens Kunst verdunkelt seinen Ruhm. Der Ausleger über den Dantes, welcher Anno 1334. geschrieben/ vermeldet bey diesen Versen/ Cimabue, Mahler von Florenz/ sey ein Mahler edler und künstlicher Werke/ auch so muhtig und scharpf gewesen/ daß/ wann jemand anderer/ oder er selbst/ einigen Mangel an seiner Arbeit gespüret/ wie es dann bißweilen aus Mangel der materie oder des Werkzeugs beschiehet/ er solche selber/ wie köstlich sie auch ware/ zerbrochen und verderbet habe. GLeichwie des Cimabue Arbeit/ weil sie der Mahlerey viel eine bässere Art gegeben/ als vorhin die Griechen gebrauchet/ bey den Leuten nicht eine kleine Veränderung verursachet: also waren auch/ die Mosaikische Sachen/ des ANDREA TAFFI, zu selbiger Zeit hoch gehalten. Dieser zoge von Florenz nach Venedig/ alda etliche Griechen in S. Marx Kirche solche Stücke ausfärtigten/ machte sich mit ihnen bekandt/ und brachte soviel zuwegen/ daß Apollonius , einer von diesen Meistern/ mit ihm nach Florenz reisete/ und ihn das Mosaikische Glaßwerk brennen/ auch den Kalk zurüsten lehrte/ worein sie geleget werden. Diese beyde machten miteinander viel Arbeit/ die selbiger Zeit höchlich gelobet wurden; Doch hatte Andrea hiebey das Glück/ daß schlechte Erkentnis und Wissenschaft des Unterschieds zwischen schlecht und gut (die Zeichen-Kunst betreffend) bey den Leuten gewesen. Er lebte 81. Jahre/ und starbe vor dem Cimabue, Anno 1294. Seine Großachtbarkeit und Ehr/ so er mit der Mosaikischen Arbeit erlanget/ weil er/ vor allen andern/ in Toscana sie herfürgebracht/ reitzete den Gaddo Gaddi, Giotto und andere/ daß sie ihn in der Kunst überstiegen/ und einen unsterblichen Namen erworben. II. ANDREA TAFFI, von Florenz. Das Mosaikische Glaß-Werk bringen die Griechen in Italien. EIne bässere Zeichnung aber/ als dieser Taffi, hat der damals auch lebende GADDO GADDI gehabt/ wie er dann auch bässer auf Griechische Art gearbeitet: Dieses mag daher kommen seyn/ daß er große Gemeinschaft mit dem Cimabue gehalten/ und dieser beyder oftmaltige nuzliche Gespräche/ wegen der schwersten Sachen in der Mahler-Kunst/ manchen schönen Anschlag gebohren: worzu nebenhin der subtile Florentinische Luft/ ferner mag behülflich gewesen seyn. Sein Conterfät ist in der Kupferblatten/ mit K bezeichnet/ zu finden. Zu Florenz hat er viel Mosaikische Arbeit gemacht/ mit weit bässerer Zeichnung und verständigerm Urtheil/ dann sonst in einigem Ort von Italien gesehen und gefunden wird. Also wurde er hoch berühmet/ und deßwegen Anno 1308. nach Rom erfordert/ alda machte er viele Sachen von Mosaik/ die aber von der alten Griechischen Manier weit unterschieden ware. Nachdem er in etlichen Städten in Toscana gearbeitet hatte/ kehrte wieder nach Florenz/ und nahme ihm vor/ ein ruhiges Leben zu führen. Er machte daselbst viel kleine Arbeit/ als etliche Stüklein von Mosaik/ auch mit Eyerschalen/ worinn er große Gedult gebrauchet. Er hat auch sonst viele Mahlereyen verfärtiget/ und war ein feiner Meister/ in beyden Künsten/ erlangte auch/ neben der Ehre/ einen guten Verdienst. Er starbe Anno 1312. seines Alters im 73sten Jahr. III. GADDO GADDI, Florentinischer Mahler/ Arbeitet wol in Mosaik/ zu Florenz/ Rom und andern Orten. UNter den alten Mahlern/ die sich entsezten/ als sie hörten das große/ und zwar gebührliche Lob/ welches dem Cimabue, Giotto und andern ihren Lehrjüngern/ wegen ihrer treflichen Kunst/ durch ganz Italien gegeben wurde/ ware auch dieser MARGARITON, der/ neben andern seinen Zeitgenossen/ wol merkte/ daß derselben Ruhm sein Lob IV. MARGARITON, Mahler/ Bildschneider und Baumeister.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,2. Nürnberg, 1675, S. [II, Buch 2 (italienische Künstler), S. 58]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0102_1675/76>, abgerufen am 27.06.2022.