Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679.[Spaltenumbruch] wann sie recht temperirt und gemässigt ist. Dafern auch der natürlichen Hitze/ in einem Leibe/ nicht gnug ist/ die Kochung der Speisen zu verrichten/ und dieselben zu verzehren/ so geht alle Hoffnung oder Erhaltung des Lebens aus/ und allerdings verloren: dannenhero den auch von ihm gesagt worden/ daß er den Göttern/ zu ihrer Beschirmung/ die Waffen schmiedete. Zu Nebengesellen oder Mitarbeitern/ hatte er/ den Brontes/ Steropes und Pyracmon. Deren erster/ in Griechische Sprache/ den Donner anzeigt; Der ander/ ein Wetter-Leuchten: Der dritte ein gewaltig Feuer/ dann wann keine grobe dicke Menge des Feuers da ist/ geschiehet nur eine Wetterleuchtung/ und Donner/ aber kein Blitz: Wann nun dieses unreine Feuer noch gleichsam in seiner Materi begriffen/ dringet Jupiter/ mit grosser Krafft und Gewalt/ wie des Blitzes Art und Eigenschafft zu seyn pfleget/ hinabwarts. Nicht als ob der Blitz Eisen/ Stein oder einige andere dichte Materi wäre/ die wir/ mit so grosser und schneller Gewalt/ drehen und wenden sehen: sondern er wird geursacht/ aus der Kraft des groben materialischen Feuers/ auch gebrochen und von einander gespalten/ durch die grosse Kälte in der Lufft/ die ihn von allen Seiten bezwinget/ und machet/ daß er/ mit grossem Krachen/ grausamlich darnieder schläget. Es dichten auch die Poeten/ daß Vulcanus/ mit Erlaubnus des Jupiters/ getrachtet habe die Jungfräuliche Minerva zu schwächen/ dieweil er hefftig in sie verliebt gewesen/ sie aber habe ihn weg gestossen: und weil er seinen Samen auf die Erden geschüttet/ sey daher ein Kind/ als ein Drach/ oder mit Drachen-Füssen/ entsprungen/ und Erichthonius genennet worden. Hiervon schreibet Servius/ über das dritte Buch der Ackerwercke des Vergils. Auch hatte er einen Sohn/ genannt Bronteus/ der/ weiln er sehr ungestalt/ und einen schändlichen Mund hatte/ von jederman belachet wurde/ auch dannenhero sich selbst ins Feuer stürtzte/ und verbrante. Daß Minerva die Heyraht mit dem Vulcan ausschluge/ und ewige Jungfrauschafft gelobte/ zeiget an/ daß sie sey der allerreineste Theil der Lufft/ und nichts generire oder zeuge/ so einig Leben hat. Daß auch von dem Samen des Vulcans eine so mißgeschaffene Frucht kommen/ bedeutet/ daß die Natur des obersten Reichs/ oder feurigen reinen Himmels/ so vollkommen nicht hernieder dringe in die untere Cörper: dann die Hitze/ so zur Fortpflantzung beförderlich/ entstehet von einer groben verschmischten Materi. Dann Vulcan muß genommen werden für ein Feuer/ so dick vermischt/ und zur Fortzielung geschick ist. Er machte die Pandora/ als die Gab aller Götter. Welches zu merken giebt/ daß dieses Feuers Hitze alle Erfindungen der Ceres/ des Bachus/ der Pallas/ und anderer mehr/ so für Götter gehalten worden/ übertreffe; dieweil sie doch aller Künste und Handthierungen Ursacherin und Erfinderin ist: und das zwar darum/ weil diejenige/ so eine feurige Krafft in sich haben/ rein von Geblüt/ und schlanck von Leibe sind/ gemeiniglich einen/ hurtigen lebhafften Geist/ und guten Verstand haben. Daß Vulcanus den Mars und die Venus/ als sie heimlich mit einander buhlten/ in einem Netze bestrickte/ und vor den andern Göttern[Spaltenumbruch] zu Schanden machte/ darüber setzt es verschiedene Auslegungen. Mir aber gefällt am besten die Meinung/ welche Homerus disfalls zu haben scheinet/ indem er durch diese Fabel den Menschen zur Aufrichtigkeit/ Unschuld/ und Lebens-Vollkommenheit/ vermahnen und anleiten wil/ in Erwegung/ daß Gott die Sünder/ wie starck und listig sie auch sind/ dannoch zu erhaschen und zu straffen allezeit Mittel weiß. Wann er also singet: Schau/ alle Unthat nur mit rechten Au- gen an/ und was die Grausamkeit der Himmels- Rache kan: Ob sie schon langsam ist/ doch eh man es gedencket/ hat sie die Flüchtigen in ihre Strick gesen- cket. Wer seine grosse Krafft nicht wol zu brauchen weiß/ den übertrifft Vernunfft und unverdroß- ner Fleiß/ ist Mars im Himmel schon/ der schnelste/ auf den Füssen/ Vulcan der trägste kan ihn doch in Fessel schliessen. Dann wo ist jemals ein böser ungerechter Mensch/ lange glücklig gewesen? kein Ding/ auf dem gantzen Erdboden/ kan einen gottlosen Menschen/ wider die Rach-hand Gottes beschirmen/ daß er nicht endlich/ wie lange es auch anstehet/ den Lohn seiner Missethaten empfange? es ist zwar nit ohne/ daß man seine böse Wercke vor den Menschen/ so etwas verbergen kan; vor Gott aber/ der die Tieffe unsers Hertzens klärlich durchsiehet/ ja/ auch unsere verborgneste Gedancken und Neigungen kennet/ ist es unmüglich. Also ist nichts/ als ein gutes Gemüht eines unschuldigen aufrichtigen Lebens/ so für Göttlich und menschlicher Rache unerschrocken/ und in angenehmer Ruhe bestehen kan. Dieses Gedicht nun von dem Mars/ welcher des Jupiters Dienst/ und aller GötterGesellschafft/ verließ/ damit er bey der Venus seyn möchte/ bildet uns vor/ wie diejenige/ so Gott verlassen/ und den Wollüsten nachhängen/ zu Schanden werden/ wiewoln einige sind/ so diese Händel auf die Chimie/ oder zu den Schmeltztiegeln der Metallen ziehen/ und deren Natur verändern wollen/ dahero sie/ über des Vulcanus Himmel-Fall/ und dessen Liebe zur Minerva/ viel seltsame Erklärungen machen/ welche allhier zu erzehlen zu lang fallen würden. Diese Gold-liebende Geister bauen vielleicht zu viel auf die Worte/ derer dorten Svidas gedencket/ wann er saget: die Alchimia ist eine Bereitung des Goldes und Silbers. Diocletianus/ Was die Alchimia sey. der Römische Kayser/ ließ eins alle Chimische Bücher zu sammen suchen und verbrennen/ worzu ihn bewegten die Aufruhren/ so ihm die Egypter erregt hatten. Er ließ sie grausamlich hinrichten/ versammlete alle Bücher/ so die alten/ von der Chymia und Bereitung des Golds und Silbers/ geschrieben hatten/ und warff sie ins Feuer/ weiln er besorgte/ es möchten die Egypter/ durch solch Mittel/ zu reich werden/ und ins künfftige sich mehr unterstehen/ der Gehorsamkeit der Römer sich zu entziehen/ [Spaltenumbruch] wann sie recht temperirt und gemässigt ist. Dafern auch der natürlichen Hitze/ in einem Leibe/ nicht gnug ist/ die Kochung der Speisen zu verrichten/ und dieselben zu verzehren/ so geht alle Hoffnung oder Erhaltung des Lebens aus/ und allerdings verloren: dannenhero den auch von ihm gesagt worden/ daß er den Göttern/ zu ihrer Beschirmung/ die Waffen schmiedete. Zu Nebengesellen oder Mitarbeitern/ hatte er/ den Brontes/ Steropes und Pyracmon. Deren erster/ in Griechische Sprache/ den Donner anzeigt; Der ander/ ein Wetter-Leuchten: Der dritte ein gewaltig Feuer/ dann wann keine grobe dicke Menge des Feuers da ist/ geschiehet nur eine Wetterleuchtung/ und Donner/ aber kein Blitz: Wann nun dieses unreine Feuer noch gleichsam in seiner Materi begriffen/ dringet Jupiter/ mit grosser Krafft und Gewalt/ wie des Blitzes Art und Eigenschafft zu seyn pfleget/ hinabwarts. Nicht als ob der Blitz Eisen/ Stein oder einige andere dichte Materi wäre/ die wir/ mit so grosser und schneller Gewalt/ drehen und wenden sehen: sondern er wird geursacht/ aus der Kraft des groben materialischen Feuers/ auch gebrochen und von einander gespalten/ durch die grosse Kälte in der Lufft/ die ihn von allen Seiten bezwinget/ und machet/ daß er/ mit grossem Krachen/ grausamlich darnieder schläget. Es dichten auch die Poeten/ daß Vulcanus/ mit Erlaubnus des Jupiters/ getrachtet habe die Jungfräuliche Minerva zu schwächen/ dieweil er hefftig in sie verliebt gewesen/ sie aber habe ihn weg gestossen: und weil er seinen Samen auf die Erden geschüttet/ sey daher ein Kind/ als ein Drach/ oder mit Drachen-Füssen/ entsprungen/ und Erichthonius genennet worden. Hiervon schreibet Servius/ über das dritte Buch der Ackerwercke des Vergils. Auch hatte er einen Sohn/ genannt Bronteus/ der/ weiln er sehr ungestalt/ und einen schändlichen Mund hatte/ von jederman belachet wurde/ auch dannenhero sich selbst ins Feuer stürtzte/ und verbrante. Daß Minerva die Heyraht mit dem Vulcan ausschluge/ und ewige Jungfrauschafft gelobte/ zeiget an/ daß sie sey der allerreineste Theil der Lufft/ und nichts generire oder zeuge/ so einig Leben hat. Daß auch von dem Samen des Vulcans eine so mißgeschaffene Frucht kommen/ bedeutet/ daß die Natur des obersten Reichs/ oder feurigen reinen Himmels/ so vollkommen nicht hernieder dringe in die untere Cörper: dann die Hitze/ so zur Fortpflantzung beförderlich/ entstehet von einer groben verschmischten Materi. Dann Vulcan muß genommen werden für ein Feuer/ so dick vermischt/ und zur Fortzielung geschick ist. Er machte die Pandora/ als die Gab aller Götter. Welches zu merken giebt/ daß dieses Feuers Hitze alle Erfindungen der Ceres/ des Bachus/ der Pallas/ und anderer mehr/ so für Götter gehalten worden/ übertreffe; dieweil sie doch aller Künste und Handthierungen Ursacherin und Erfinderin ist: und das zwar darum/ weil diejenige/ so eine feurige Krafft in sich haben/ rein von Geblüt/ und schlanck von Leibe sind/ gemeiniglich einen/ hurtigen lebhafften Geist/ und guten Verstand haben. Daß Vulcanus den Mars und die Venus/ als sie heimlich mit einander buhlten/ in einem Netze bestrickte/ und vor den andern Göttern[Spaltenumbruch] zu Schanden machte/ darüber setzt es verschiedene Auslegungen. Mir aber gefällt am besten die Meinung/ welche Homerus disfalls zu haben scheinet/ indem er durch diese Fabel den Menschen zur Aufrichtigkeit/ Unschuld/ und Lebens-Vollkommenheit/ vermahnen und anleiten wil/ in Erwegung/ daß Gott die Sünder/ wie starck und listig sie auch sind/ dannoch zu erhaschen und zu straffen allezeit Mittel weiß. Wann er also singet: Schau/ alle Unthat nur mit rechten Au- gen an/ und was die Grausamkeit der Himmels- Rache kan: Ob sie schon langsam ist/ doch eh man es gedencket/ hat sie die Flüchtigen in ihre Strick gesen- cket. Wer seine grosse Krafft nicht wol zu brauchen weiß/ den übertrifft Vernunfft und unverdroß- ner Fleiß/ ist Mars im Himmel schon/ der schnelste/ auf den Füssen/ Vulcan der trägste kan ihn doch in Fessel schliessen. Dann wo ist jemals ein böser ungerechter Mensch/ lange glücklig gewesen? kein Ding/ auf dem gantzen Erdboden/ kan einen gottlosen Menschen/ wider die Rach-hand Gottes beschirmen/ daß er nicht endlich/ wie lange es auch anstehet/ den Lohn seiner Missethaten empfange? es ist zwar nit ohne/ daß man seine böse Wercke vor den Menschen/ so etwas verbergen kan; vor Gott aber/ der die Tieffe unsers Hertzens klärlich durchsiehet/ ja/ auch unsere verborgneste Gedancken und Neigungen kennet/ ist es unmüglich. Also ist nichts/ als ein gutes Gemüht eines unschuldigen aufrichtigen Lebens/ so für Göttlich und menschlicher Rache unerschrocken/ und in angenehmer Ruhe bestehen kan. Dieses Gedicht nun von dem Mars/ welcher des Jupiters Dienst/ und aller GötterGesellschafft/ verließ/ damit er bey der Venus seyn möchte/ bildet uns vor/ wie diejenige/ so Gott verlassen/ und den Wollüsten nachhängen/ zu Schanden werden/ wiewoln einige sind/ so diese Händel auf die Chimie/ oder zu den Schmeltztiegeln der Metallen ziehen/ und deren Natur verändern wollen/ dahero sie/ über des Vulcanus Himmel-Fall/ und dessen Liebe zur Minerva/ viel seltsame Erklärungen machen/ welche allhier zu erzehlen zu lang fallen würden. Diese Gold-liebende Geister bauen vielleicht zu viel auf die Worte/ derer dorten Svidas gedencket/ wann er saget: die Alchimia ist eine Bereitung des Goldes und Silbers. Diocletianus/ Was die Alchimia sey. der Römische Kayser/ ließ eins alle Chimische Bücher zu sammen suchen und verbrennen/ worzu ihn bewegten die Aufruhren/ so ihm die Egypter erregt hatten. Er ließ sie grausamlich hinrichten/ versammlete alle Bücher/ so die alten/ von der Chymia und Bereitung des Golds und Silbers/ geschrieben hatten/ und warff sie ins Feuer/ weiln er besorgte/ es möchten die Egypter/ durch solch Mittel/ zu reich werden/ und ins künfftige sich mehr unterstehen/ der Gehorsamkeit der Römer sich zu entziehen/ <TEI> <text> <body> <div> <div> <div> <p><pb facs="#f0201" xml:id="pb-1148" n="[Metamorphosis, S. 25]"/><cb/> wann sie recht temperirt und gemässigt ist. Dafern auch der natürlichen Hitze/ in einem Leibe/ nicht gnug ist/ die Kochung der Speisen zu verrichten/ und dieselben zu verzehren/ so geht alle Hoffnung oder Erhaltung des Lebens aus/ und allerdings verloren: dannenhero den auch von ihm gesagt worden/ daß er den Göttern/ zu ihrer Beschirmung/ die Waffen schmiedete. 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wann sie recht temperirt und gemässigt ist. Dafern auch der natürlichen Hitze/ in einem Leibe/ nicht gnug ist/ die Kochung der Speisen zu verrichten/ und dieselben zu verzehren/ so geht alle Hoffnung oder Erhaltung des Lebens aus/ und allerdings verloren: dannenhero den auch von ihm gesagt worden/ daß er den Göttern/ zu ihrer Beschirmung/ die Waffen schmiedete. Zu Nebengesellen oder Mitarbeitern/ hatte er/ den Brontes/ Steropes und Pyracmon. Deren erster/ in Griechische Sprache/ den Donner anzeigt; Der ander/ ein Wetter-Leuchten: Der dritte ein gewaltig Feuer/ dann wann keine grobe dicke Menge des Feuers da ist/ geschiehet nur eine Wetterleuchtung/ und Donner/ aber kein Blitz: Wann nun dieses unreine Feuer noch gleichsam in seiner Materi begriffen/ dringet Jupiter/ mit grosser Krafft und Gewalt/ wie des Blitzes Art und Eigenschafft zu seyn pfleget/ hinabwarts. Nicht als ob der Blitz Eisen/ Stein oder einige andere dichte Materi wäre/ die wir/ mit so grosser und schneller Gewalt/ drehen und wenden sehen: sondern er wird geursacht/ aus der Kraft des groben materialischen Feuers/ auch gebrochen und von einander gespalten/ durch die grosse Kälte in der Lufft/ die ihn von allen Seiten bezwinget/ und machet/ daß er/ mit grossem Krachen/ grausamlich darnieder schläget.
Es dichten auch die Poeten/ daß Vulcanus/ mit Erlaubnus des Jupiters/ getrachtet habe die Jungfräuliche Minerva zu schwächen/ dieweil er hefftig in sie verliebt gewesen/ sie aber habe ihn weg gestossen: und weil er seinen Samen auf die Erden geschüttet/ sey daher ein Kind/ als ein Drach/ oder mit Drachen-Füssen/ entsprungen/ und Erichthonius genennet worden. Hiervon schreibet Servius/ über das dritte Buch der Ackerwercke des Vergils. Auch hatte er einen Sohn/ genannt Bronteus/ der/ weiln er sehr ungestalt/ und einen schändlichen Mund hatte/ von jederman belachet wurde/ auch dannenhero sich selbst ins Feuer stürtzte/ und verbrante. Daß Minerva die Heyraht mit dem Vulcan ausschluge/ und ewige Jungfrauschafft gelobte/ zeiget an/ daß sie sey der allerreineste Theil der Lufft/ und nichts generire oder zeuge/ so einig Leben hat. Daß auch von dem Samen des Vulcans eine so mißgeschaffene Frucht kommen/ bedeutet/ daß die Natur des obersten Reichs/ oder feurigen reinen Himmels/ so vollkommen nicht hernieder dringe in die untere Cörper: dann die Hitze/ so zur Fortpflantzung beförderlich/ entstehet von einer groben verschmischten Materi. Dann Vulcan muß genommen werden für ein Feuer/ so dick vermischt/ und zur Fortzielung geschick ist. Er machte die Pandora/ als die Gab aller Götter. Welches zu merken giebt/ daß dieses Feuers Hitze alle Erfindungen der Ceres/ des Bachus/ der Pallas/ und anderer mehr/ so für Götter gehalten worden/ übertreffe; dieweil sie doch aller Künste und Handthierungen Ursacherin und Erfinderin ist: und das zwar darum/ weil diejenige/ so eine feurige Krafft in sich haben/ rein von Geblüt/ und schlanck von Leibe sind/ gemeiniglich einen/ hurtigen lebhafften Geist/ und guten Verstand haben. Daß Vulcanus den Mars und die Venus/ als sie heimlich mit einander buhlten/ in einem Netze bestrickte/ und vor den andern Göttern
zu Schanden machte/ darüber setzt es verschiedene Auslegungen. Mir aber gefällt am besten die Meinung/ welche Homerus disfalls zu haben scheinet/ indem er durch diese Fabel den Menschen zur Aufrichtigkeit/ Unschuld/ und Lebens-Vollkommenheit/ vermahnen und anleiten wil/ in Erwegung/ daß Gott die Sünder/ wie starck und listig sie auch sind/ dannoch zu erhaschen und zu straffen allezeit Mittel weiß. Wann er also singet:
Schau/ alle Unthat nur mit rechten Au-
gen an/
und was die Grausamkeit der Himmels-
Rache kan:
Ob sie schon langsam ist/ doch eh man es
gedencket/
hat sie die Flüchtigen in ihre Strick gesen-
cket.
Wer seine grosse Krafft nicht wol zu
brauchen weiß/
den übertrifft Vernunfft und unverdroß-
ner Fleiß/
ist Mars im Himmel schon/ der schnelste/ auf
den Füssen/
Vulcan der trägste kan ihn doch in Fessel
schliessen.
Dann wo ist jemals ein böser ungerechter Mensch/ lange glücklig gewesen? kein Ding/ auf dem gantzen Erdboden/ kan einen gottlosen Menschen/ wider die Rach-hand Gottes beschirmen/ daß er nicht endlich/ wie lange es auch anstehet/ den Lohn seiner Missethaten empfange? es ist zwar nit ohne/ daß man seine böse Wercke vor den Menschen/ so etwas verbergen kan; vor Gott aber/ der die Tieffe unsers Hertzens klärlich durchsiehet/ ja/ auch unsere verborgneste Gedancken und Neigungen kennet/ ist es unmüglich. Also ist nichts/ als ein gutes Gemüht eines unschuldigen aufrichtigen Lebens/ so für Göttlich und menschlicher Rache unerschrocken/ und in angenehmer Ruhe bestehen kan. Dieses Gedicht nun von dem Mars/ welcher des Jupiters Dienst/ und aller GötterGesellschafft/ verließ/ damit er bey der Venus seyn möchte/ bildet uns vor/ wie diejenige/ so Gott verlassen/ und den Wollüsten nachhängen/ zu Schanden werden/ wiewoln einige sind/ so diese Händel auf die Chimie/ oder zu den Schmeltztiegeln der Metallen ziehen/ und deren Natur verändern wollen/ dahero sie/ über des Vulcanus Himmel-Fall/ und dessen Liebe zur Minerva/ viel seltsame Erklärungen machen/ welche allhier zu erzehlen zu lang fallen würden. Diese Gold-liebende Geister bauen vielleicht zu viel auf die Worte/ derer dorten Svidas gedencket/ wann er saget: die Alchimia ist eine Bereitung des Goldes und Silbers. Diocletianus/ der Römische Kayser/ ließ eins alle Chimische Bücher zu sammen suchen und verbrennen/ worzu ihn bewegten die Aufruhren/ so ihm die Egypter erregt hatten. Er ließ sie grausamlich hinrichten/ versammlete alle Bücher/ so die alten/ von der Chymia und Bereitung des Golds und Silbers/ geschrieben hatten/ und warff sie ins Feuer/ weiln er besorgte/ es möchten die Egypter/ durch solch Mittel/ zu reich werden/ und ins künfftige sich mehr unterstehen/ der Gehorsamkeit der Römer sich zu entziehen/
Was die Alchimia sey.
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| Zitationshilfe: | Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679, S. [Metamorphosis, S. 25]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/201>, abgerufen am 25.09.2024. |


