Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680.[Spaltenumbruch] als Begleiterinnen des Apollo/ oder der Sonnen verstanden/ vermittels deren die Zeiten verändert werden. Sie wurden auch für Göttinnen der Freundlichkeit/ Schönheit/ Anmuthigkeit/ item für Göttinnen des Wohlgefallens/ Spielens und der Barmhertzigkeit gehalten. Sie spanneten die Pferde an Apollo Wagen ein und ab/ waren mit Blumen bekräntzt/ mit flüchtigen Purpur bekleidet/ und hatten Flügel wie Feld-Papilionen oder Sommervögel/ und wurden für Bewahrerinnen der Himmels-Pforten verehret; auch bedeuteten sie die Dünsten in den Wolcken/ wie auch den Thau und Nebel. 1. Maschera Symbolica, Ausbildung des Schlafs PLATTE C.C. Die Mascheram zeiget uns ein anticher Carniol/ mit welcher der Schlaff ausgebildet wird. Sein Haupt ist mit Papaver oder Mahnblumen gezieret/ darauf/ in Form einer Mütze/ ein Geschirr gebildet/ welches mit der Feuchte der Vergessenheit angefüllet: weil/ wann die Feuchtigkeit des Hertzens sich in die Höhe begiebet/ und durch das Gehirn erkühlet wird/ solche hernach den Schlaff gebieret. Hierbey sind auch zwey Schwanen-Häupter/ und zwar darum zu ersehen/ weil diese Thiere in allen Stücken sich dem Schlaffe vergleichen/ und wann sie sterben wollen/ vorher ihre Glückseeligkeit/ so sie durch den Tod erlangen/ gleichsam auf das lieblichste besingen. Es können aber alle diese Gleichniße auf den Tod selbst gezogen werden/ insonderheit die Aschen in dem Geschirr/ woraus die Mahnblumen des ewigen Schlaffs hervorgehen. Ein Poet schreibt hiervon also: Nobis cum semel occiderit bre- vis lux, Nox est perpetuo una dormienda. Wann dir dis kurtze Liecht/ O Mensch! löscht einmahl aus/ so schläffst du ewig dann im schwartzen Todes-Haus. Die Schwanen lassen sich auch schicklich dem Tode zugesellen/ welches Cicero und Socrates bezeugen/ massen insonderheit dieser Letzere/ als er sterben wollen/ gegen seine umstehende Freunde in solche Worte ausgebrochen: Wie? Wollt ihr mich geringer als einen Schwan achten/ der bey Herannahung seines Endes darum zu singen anfähet/ weil er bald zu seinem GOtte/ dessen Diener er bisher gewesen/ kommen wird? 2. Maschera Bacchanalis Sileni. Die Theatra oder Schaubühnen/ wurden dem Baccho/ als ersten Erfinder der Schauspiele gewiedmet: Und hat Scaliger diese/ nach Sileni und Satyri Namen/ die des Bacchi Gesellen gewesen/ zweygetheilet. Die zwey Mascheren dieses Carniols/ haben die erste wegen des einen Kaalkopfs und Affen-Nasen[Spaltenumbruch] mit Sileno/ die andere/ wegen des Barts und Ziegen-Angesichts mit Satyro/ eine grosse Gleichheit. Es führeten aber die Poeten in ihren Handlungen die Satyren und Silenen darum ein/ weil selbige dem Volck gemeinlich/ wie heutigs Tags der Pickelhering/ denen Zuschauern sonderliche Lust zu erwecken pflegten. Wie sie dann auch gedichtet/ daß Bacchus annoch lebend mit ihnen herum dantze/ und allerhand lächerliche Possen mit ihnen treibe: Daher sie auch/ zu dieses Gottes Fest-Zeiten/ dessen Statuen/ mit wunderlichen und artlichen Mascheren auf Bäurische und Satyrische Art/ behänget haben. Und solches ist auch in diesem alten Marmorstein zu ersehen/ von welchem Cassiodorus Rhodius beym Athenaeo ein mehrers anführet. 3. Satyrische Maschera/ ein Faunus. Hier folget eine Satyrische Maschera/ ein Faunus mit einer Flöte und Tympano. Die Flöte oder Rohrpfeiffe/ nenneten sie sonsten in Dorischer Sprach Tityria/ wie Athenodorus schreibt; daher Theocritus und Virgilius sich Tityros genennt. Das andere untenher zu sehen kommende Musicalische Instrument/ ist eine Art von runden Tympanen oder Paucken/ welche zuweilen einen Boden vom Leder hatten/ und mit der Faust geschlagen wurden; zuweilen hengte man selbige in die Lufft/ da sie/ wegen der vom Wind daran getriebenen messenen Klinglein einen schönen und hellautenden Thon von sich gaben. Solches ist an denen alten Bacchanalischen Marmor-Seulen/ und sonderlich aus diesem Carniol/ abzunehmen: Und ist dieses Instrument/ so bey den Feld-Göttern sehr im Gebrauch gewesen/ vom Athenaeo Crembalum genennet worden. 4. Bild der Warheit.An dem Mund der folgenden Bildnus/ sihet man ein Pfersing-Blat herab hangen/ welches dann/ weil die Frucht mit dem Laub gleichfärbig/ für ein Zeichen der Warheit oder Veritatis gehalten wird. Diese Figur ist in einem alten Cameo eingeschnitten/ und um die Hälfft größer/ als sie in gegenwärtiger Abbildung zu ersehen. 5. Chimaera, oder Amuletum.Das nachfolgende Stuck soll ein Chimaera seyn: das ich aber viel eigentlicher ein Amuletum wider Zauberey und alles Böse/ oder eine sonst günstige und glückbringende Sache/ nennen wollte. An dieser ist das Haupt des Widers/ sonst Ammon Salutaris genennt/ oben auf über das glückseelige Cornucopiae zu ersehen. Der Han tritt das Meerschwein/ gleichwie das Ungewitter/ oder auch den Neid/ welcher unter der Figur dieses Fisches verstanden wird. Der Palmzweig/ ist ein Zeichen des Siegs und Triumfs wider die Feinde. Der weise Han ward dem Anubi oder Mercurio aufgeopfert: damit anzuzeigen/ daß die jenigen Dinge/ so von oben herab kommen/ rein und aufrichtig seyen. Und solches erscheinet in gegenwärtiger Bildnus/ da der Han mit seinem [Spaltenumbruch] als Begleiterinnen des Apollo/ oder der Sonnen verstanden/ vermittels deren die Zeiten verändert werden. Sie wurden auch für Göttinnen der Freundlichkeit/ Schönheit/ Anmuthigkeit/ item für Göttinnen des Wohlgefallens/ Spielens und der Barmhertzigkeit gehalten. Sie spanneten die Pferde an Apollo Wagen ein und ab/ waren mit Blumen bekräntzt/ mit flüchtigen Purpur bekleidet/ und hatten Flügel wie Feld-Papilionen oder Sommervögel/ und wurden für Bewahrerinnen der Himmels-Pforten verehret; auch bedeuteten sie die Dünsten in den Wolcken/ wie auch den Thau und Nebel. 1. Maschera Symbolica, Ausbildung des Schlafs PLATTE C.C. Die Mascheram zeiget uns ein anticher Carniol/ mit welcher der Schlaff ausgebildet wird. Sein Haupt ist mit Papaver oder Mahnblumen gezieret/ darauf/ in Form einer Mütze/ ein Geschirr gebildet/ welches mit der Feuchte der Vergessenheit angefüllet: weil/ wann die Feuchtigkeit des Hertzens sich in die Höhe begiebet/ und durch das Gehirn erkühlet wird/ solche hernach den Schlaff gebieret. Hierbey sind auch zwey Schwanen-Häupter/ und zwar darum zu ersehen/ weil diese Thiere in allen Stücken sich dem Schlaffe vergleichen/ und wann sie sterben wollen/ vorher ihre Glückseeligkeit/ so sie durch den Tod erlangen/ gleichsam auf das lieblichste besingen. Es können aber alle diese Gleichniße auf den Tod selbst gezogen werden/ insonderheit die Aschen in dem Geschirr/ woraus die Mahnblumen des ewigen Schlaffs hervorgehen. Ein Poet schreibt hiervon also: Nobis cum semel occiderit bre- vis lux, Nox est perpetuò una dormienda. Wann dir dis kurtze Liecht/ O Mensch! löscht einmahl aus/ so schläffst du ewig dann im schwartzen Todes-Haus. Die Schwanen lassen sich auch schicklich dem Tode zugesellen/ welches Cicero und Socrates bezeugen/ massen insonderheit dieser Letzere/ als er sterben wollen/ gegen seine umstehende Freunde in solche Worte ausgebrochen: Wie? Wollt ihr mich geringer als einen Schwan achten/ der bey Herannahung seines Endes darum zu singen anfähet/ weil er bald zu seinem GOtte/ dessen Diener er bisher gewesen/ kommen wird? 2. Maschera Bacchanalis Sileni. Die Theatra oder Schaubühnen/ wurden dem Baccho/ als ersten Erfinder der Schauspiele gewiedmet: Und hat Scaliger diese/ nach Sileni und Satyri Namen/ die des Bacchi Gesellen gewesen/ zweygetheilet. Die zwey Mascheren dieses Carniols/ haben die erste wegen des einen Kaalkopfs und Affen-Nasen[Spaltenumbruch] mit Sileno/ die andere/ wegen des Barts und Ziegen-Angesichts mit Satyro/ eine grosse Gleichheit. Es führeten aber die Poeten in ihren Handlungen die Satyren und Silenen darum ein/ weil selbige dem Volck gemeinlich/ wie heutigs Tags der Pickelhering/ denen Zuschauern sonderliche Lust zu erwecken pflegten. Wie sie dann auch gedichtet/ daß Bacchus annoch lebend mit ihnen herum dantze/ und allerhand lächerliche Possen mit ihnen treibe: Daher sie auch/ zu dieses Gottes Fest-Zeiten/ dessen Statuen/ mit wunderlichen und artlichen Mascheren auf Bäurische und Satyrische Art/ behänget haben. Und solches ist auch in diesem alten Marmorstein zu ersehen/ von welchem Cassiodorus Rhodius beym Athenaeo ein mehrers anführet. 3. Satyrische Maschera/ ein Faunus. Hier folget eine Satyrische Maschera/ ein Faunus mit einer Flöte und Tympano. Die Flöte oder Rohrpfeiffe/ nenneten sie sonsten in Dorischer Sprach Tityria/ wie Athenodorus schreibt; daher Theocritus und Virgilius sich Tityros genennt. 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Chimaera, oder Amuletum.Das nachfolgende Stuck soll ein Chimaera seyn: das ich aber viel eigentlicher ein Amuletum wider Zauberey und alles Böse/ oder eine sonst günstige und glückbringende Sache/ nennen wollte. An dieser ist das Haupt des Widers/ sonst Ammon Salutaris genennt/ oben auf über das glückseelige Cornucopiae zu ersehen. Der Han tritt das Meerschwein/ gleichwie das Ungewitter/ oder auch den Neid/ welcher unter der Figur dieses Fisches verstanden wird. Der Palmzweig/ ist ein Zeichen des Siegs und Triumfs wider die Feinde. Der weise Han ward dem Anubi oder Mercurio aufgeopfert: damit anzuzeigen/ daß die jenigen Dinge/ so von oben herab kommen/ rein und aufrichtig seyen. 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als Begleiterinnen des Apollo/ oder der Sonnen verstanden/ vermittels deren die Zeiten verändert werden. Sie wurden auch für Göttinnen der Freundlichkeit/ Schönheit/ Anmuthigkeit/ item für Göttinnen des Wohlgefallens/ Spielens und der Barmhertzigkeit gehalten. Sie spanneten die Pferde an Apollo Wagen ein und ab/ waren mit Blumen bekräntzt/ mit flüchtigen Purpur bekleidet/ und hatten Flügel wie Feld-Papilionen oder Sommervögel/ und wurden für Bewahrerinnen der Himmels-Pforten verehret; auch bedeuteten sie die Dünsten in den Wolcken/ wie auch den Thau und Nebel.
Die Mascheram zeiget uns ein anticher Carniol/ mit welcher der Schlaff ausgebildet wird. Sein Haupt ist mit Papaver oder Mahnblumen gezieret/ darauf/ in Form einer Mütze/ ein Geschirr gebildet/ welches mit der Feuchte der Vergessenheit angefüllet: weil/ wann die Feuchtigkeit des Hertzens sich in die Höhe begiebet/ und durch das Gehirn erkühlet wird/ solche hernach den Schlaff gebieret. Hierbey sind auch zwey Schwanen-Häupter/ und zwar darum zu ersehen/ weil diese Thiere in allen Stücken sich dem Schlaffe vergleichen/ und wann sie sterben wollen/ vorher ihre Glückseeligkeit/ so sie durch den Tod erlangen/ gleichsam auf das lieblichste besingen. Es können aber alle diese Gleichniße auf den Tod selbst gezogen werden/ insonderheit die Aschen in dem Geschirr/ woraus die Mahnblumen des ewigen Schlaffs hervorgehen. Ein Poet schreibt hiervon also:
1. Maschera Symbolica, Ausbildung des Schlafs PLATTE C.C.Nobis cum semel occiderit bre-
vis lux,
Nox est perpetuò una dormienda.
Wann dir dis kurtze Liecht/ O Mensch!
löscht einmahl aus/
so schläffst du ewig dann im schwartzen
Todes-Haus.
Die Schwanen lassen sich auch schicklich dem Tode zugesellen/ welches Cicero und Socrates bezeugen/ massen insonderheit dieser Letzere/ als er sterben wollen/ gegen seine umstehende Freunde in solche Worte ausgebrochen: Wie? Wollt ihr mich geringer als einen Schwan achten/ der bey Herannahung seines Endes darum zu singen anfähet/ weil er bald zu seinem GOtte/ dessen Diener er bisher gewesen/ kommen wird?
Die Theatra oder Schaubühnen/ wurden dem Baccho/ als ersten Erfinder der Schauspiele gewiedmet: Und hat Scaliger diese/ nach Sileni und Satyri Namen/ die des Bacchi Gesellen gewesen/ zweygetheilet. Die zwey Mascheren dieses Carniols/ haben die erste wegen des einen Kaalkopfs und Affen-Nasen
mit Sileno/ die andere/ wegen des Barts und Ziegen-Angesichts mit Satyro/ eine grosse Gleichheit. Es führeten aber die Poeten in ihren Handlungen die Satyren und Silenen darum ein/ weil selbige dem Volck gemeinlich/ wie heutigs Tags der Pickelhering/ denen Zuschauern sonderliche Lust zu erwecken pflegten. Wie sie dann auch gedichtet/ daß Bacchus annoch lebend mit ihnen herum dantze/ und allerhand lächerliche Possen mit ihnen treibe: Daher sie auch/ zu dieses Gottes Fest-Zeiten/ dessen Statuen/ mit wunderlichen und artlichen Mascheren auf Bäurische und Satyrische Art/ behänget haben. Und solches ist auch in diesem alten Marmorstein zu ersehen/ von welchem Cassiodorus Rhodius beym Athenaeo ein mehrers anführet.
2. Maschera Bacchanalis Sileni. Hier folget eine Satyrische Maschera/ ein Faunus mit einer Flöte und Tympano. Die Flöte oder Rohrpfeiffe/ nenneten sie sonsten in Dorischer Sprach Tityria/ wie Athenodorus schreibt; daher Theocritus und Virgilius sich Tityros genennt. Das andere untenher zu sehen kommende Musicalische Instrument/ ist eine Art von runden Tympanen oder Paucken/ welche zuweilen einen Boden vom Leder hatten/ und mit der Faust geschlagen wurden; zuweilen hengte man selbige in die Lufft/ da sie/ wegen der vom Wind daran getriebenen messenen Klinglein einen schönen und hellautenden Thon von sich gaben. Solches ist an denen alten Bacchanalischen Marmor-Seulen/ und sonderlich aus diesem Carniol/ abzunehmen: Und ist dieses Instrument/ so bey den Feld-Göttern sehr im Gebrauch gewesen/ vom Athenaeo Crembalum genennet worden.
3. Satyrische Maschera/ ein Faunus.An dem Mund der folgenden Bildnus/ sihet man ein Pfersing-Blat herab hangen/ welches dann/ weil die Frucht mit dem Laub gleichfärbig/ für ein Zeichen der Warheit oder Veritatis gehalten wird. Diese Figur ist in einem alten Cameo eingeschnitten/ und um die Hälfft größer/ als sie in gegenwärtiger Abbildung zu ersehen.
4. Bild der Warheit.Das nachfolgende Stuck soll ein Chimaera seyn: das ich aber viel eigentlicher ein Amuletum wider Zauberey und alles Böse/ oder eine sonst günstige und glückbringende Sache/ nennen wollte. An dieser ist das Haupt des Widers/ sonst Ammon Salutaris genennt/ oben auf über das glückseelige Cornucopiae zu ersehen. Der Han tritt das Meerschwein/ gleichwie das Ungewitter/ oder auch den Neid/ welcher unter der Figur dieses Fisches verstanden wird. Der Palmzweig/ ist ein Zeichen des Siegs und Triumfs wider die Feinde. Der weise Han ward dem Anubi oder Mercurio aufgeopfert: damit anzuzeigen/ daß die jenigen Dinge/ so von oben herab kommen/ rein und aufrichtig seyen. Und solches erscheinet in gegenwärtiger Bildnus/ da der Han mit seinem
5. Chimaera, oder Amuletum.
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| Zitationshilfe: | Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680, S. TA 1680, Iconologia Deorum, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/296>, abgerufen am 26.09.2024. |


