Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] Setz mir ein' Hauben auf/ der Bacchus
werd ich heissen.

Gib eine Leyer her/ wie Phoebus werd
ich gleissen.

Ein aufgefaßtes Garn mich auch zum
Jäger macht;

Zum Vogler/ Faunus selbst/ die Ruth
und Voglers-Tracht.

Ein Fuhrmann bin ich auch/ und so pflegt
man zu nennen/

die bald von einem Pferd aufs ander springen
können.

Mit dieser Ruth von mir wird Fischen
nachgestellt.

Bald zieh ich sauber auf/ wie sich ein
Kauffmann hält.

Ich kan mich als ein Hirt deß Hirten-Stabs
bedienen/

und wenn es Rosen giebt/ erlösen Geld aus
ihnen.

[Spaltenumbruch] Was? soll ich sagen mehr/ so allem gehet
für?

in meinen Händen steht der Gärten
Nutz und Zier.

Köhl/ Kirbis/ Cucumern mit ihren dicken
Bäuchen/

sind Zeugen meiner Kunst/ der Gunst gewisse
Zeichen.

Ja auch in Feldern sich kein Blümlein
finden wird/

das nicht zuvor mein Haupt/ obs gleich
erwelket/ ziert/

Gewiß ists/ weil ich mich so wandelbar er-
wiesen/

hab ich daher auch so dem Landsmann
heissen müssen.



Von dem Pluto. [Spaltenumbruch]

Pluto. PLATTE L.OB gleich in Theilung der Weltherrschafft unter deß Saturnus Söhne/ einem das Himmelreich/ dem andern das Wasserreich/ und dem dritten das Höllenreich zugefallen/ wie aus den Fabeln bekannt; (wordurch/ wann wir der Sachen eigentliche Bewandtnus genauer ansehen/ anders nichts angedeutet worden/ als daß dem Jupiter durchs Loß die Theile gegen Morgen/ dem Pluto die gegen Abend/ dem Neptunus die Insulen im Meer zugeeignet worden) So wird doch in den Poetischen Schrifften gelesen/ daß unterweilen ein ieder unter ihnen allenthalben seine Gewalt ausübe; dann es drohet Neptunus beym Virgilius im 1. Buch Aeneidos den Winden/ daß sie ohne seine Erlaubnus sich unterstanden den Himmel und die Erde zu beunruhigen; Jupiter verwaltet offtmahls das Höllen-Regiment/ wie auch Pluto bißweilen sein Reich biß in den Himmel ausstreckt. Aus dieser Ursache pflegten die Alten zu sagen/ deß Jupiters Donnerstrahl seye dreyspitzig/ der Neptunus habe einen Dreyzanck/ und der Pluto einen dreyköpffigen Hund. Wird es also niemand verwunderlich vorkommen/ wann wir bey Beschreibung der Bildnus des Gottes Pluto unter andern sagen werden/ daß er unterweilen an Macht und Gewalt der Sonnen/ unterweilen aber der Erden gleich/ nichts destoweniger auch für der Höllen Gott zu halten sey/ als der allda seine gröste Macht erweise/ und über die von denen Banden deß Leibes befreyete Seelen das Ober-Gebiet [Spaltenumbruch] und Herrschafft habe. Von diesem hat man gedichtet/ daß er/ damit ein ieder nach seinem Verdienst gebürlich abgestrafft oder belohnt werden möge/ drey gerechte Richter habe/ welche in der Höllen zu Gerichte sitzen/ Höllische Richter. deren einer Aeacus/ der ander Minos/ der dritte Rhadamanthus genennet wurde/ von denen wir/ ehe wir vom Pluto reden/ eines und anders aus dem Plato erzehlen wollen/ als welches insonderheit sehr annehmlich zu wissen ist/ und nicht wenig hierzu dienen wird/ umb zu verstehen/ wie und auf was Weise deren Bildnussen auszudrücken seyn mögen/ theils auch daraus zu lernen/ wie die Richter billig beschaffen seyn sollen. Deß Plato Worte aber sind diese: Zur Zeit deß Saturnus war ein Gesetz/ das auch noch diese Stunde bey den Göttern gültig ist/ und sonst allezeit beobachtet worden/ vermöge dessen die jenige/ so ihr Leben in Gerechtigkeit beschlossen/ nach dem Tode/ in die glückseligen Insulen gelangen; hingegen die/ so ein ungerecht gottloß Leben geführt/ nach ihrem Absterben/ an einen solchen Ort kommen/ allda sie für ihre boßhafftige Wercke den wolverdienten Lohn empfangen sollten. Als nun dieser Saturnus regierte und Jupiter das Reich gleichfalls anfienge zu beherrschen/ wurden die Menschen am letzten Tage ihres Lebens von den lebendigen Richtern geurtheilet/ da dann offtermahls zu geschehen pflegte/ daß ihrer viel nicht nach ihren Verdiensten gerichtet wurden. Sobald nun Jupiter vom Pluto/ und den jenigen/ welche den glückseligen Insuln vorstunden/ dieses erfahren hatte/ daß nämlich viel dahin gesandt

[Spaltenumbruch] Setz mir ein’ Hauben auf/ der Bacchus
werd ich heissen.

Gib eine Leyer her/ wie Phoebus werd
ich gleissen.

Ein aufgefaßtes Garn mich auch zum
Jäger macht;

Zum Vogler/ Faunus selbst/ die Ruth
und Voglers-Tracht.

Ein Fuhrmann bin ich auch/ und so pflegt
man zu nennen/

die bald von einem Pferd aufs ander springen
können.

Mit dieser Ruth von mir wird Fischen
nachgestellt.

Bald zieh ich sauber auf/ wie sich ein
Kauffmann hält.

Ich kan mich als ein Hirt deß Hirten-Stabs
bedienen/

und wenn es Rosen giebt/ erlösen Geld aus
ihnen.

[Spaltenumbruch] Was? soll ich sagen mehr/ so allem gehet
für?

in meinen Händen steht der Gärten
Nutz und Zier.

Köhl/ Kirbis/ Cucumern mit ihren dicken
Bäuchen/

sind Zeugen meiner Kunst/ der Gunst gewisse
Zeichen.

Ja auch in Feldern sich kein Blümlein
finden wird/

das nicht zuvor mein Haupt/ obs gleich
erwelket/ ziert/

Gewiß ists/ weil ich mich so wandelbar er-
wiesen/

hab ich daher auch so dem Landsmann
heissen müssen.



Von dem Pluto. [Spaltenumbruch]

Pluto. PLATTE L.OB gleich in Theilung der Weltherrschafft unter deß Saturnus Söhne/ einem das Himmelreich/ dem andern das Wasserreich/ und dem dritten das Höllenreich zugefallen/ wie aus den Fabeln bekannt; (wordurch/ wann wir der Sachen eigentliche Bewandtnus genauer ansehen/ anders nichts angedeutet worden/ als daß dem Jupiter durchs Loß die Theile gegen Morgen/ dem Pluto die gegen Abend/ dem Neptunus die Insulen im Meer zugeeignet worden) So wird doch in den Poetischen Schrifften gelesen/ daß unterweilen ein ieder unter ihnen allenthalben seine Gewalt ausübe; dann es drohet Neptunus beym Virgilius im 1. Buch Aeneidos den Winden/ daß sie ohne seine Erlaubnus sich unterstanden den Himmel und die Erde zu beunruhigen; Jupiter verwaltet offtmahls das Höllen-Regiment/ wie auch Pluto bißweilen sein Reich biß in den Himmel ausstreckt. Aus dieser Ursache pflegten die Alten zu sagen/ deß Jupiters Donnerstrahl seye dreyspitzig/ der Neptunus habe einen Dreyzanck/ und der Pluto einen dreyköpffigen Hund. Wird es also niemand verwunderlich vorkommen/ wann wir bey Beschreibung der Bildnus des Gottes Pluto unter andern sagen werden/ daß er unterweilen an Macht und Gewalt der Sonnen/ unterweilen aber der Erden gleich/ nichts destoweniger auch für der Höllen Gott zu halten sey/ als der allda seine gröste Macht erweise/ und über die von denen Banden deß Leibes befreyete Seelen das Ober-Gebiet [Spaltenumbruch] und Herrschafft habe. Von diesem hat man gedichtet/ daß er/ damit ein ieder nach seinem Verdienst gebürlich abgestrafft oder belohnt werden möge/ drey gerechte Richter habe/ welche in der Höllen zu Gerichte sitzen/ Höllische Richter. deren einer Aeacus/ der ander Minos/ der dritte Rhadamanthus genennet wurde/ von denen wir/ ehe wir vom Pluto reden/ eines und anders aus dem Plato erzehlen wollen/ als welches insonderheit sehr annehmlich zu wissen ist/ und nicht wenig hierzu dienen wird/ umb zu verstehen/ wie und auf was Weise deren Bildnussen auszudrücken seyn mögen/ theils auch daraus zu lernen/ wie die Richter billig beschaffen seyn sollen. Deß Plato Worte aber sind diese: Zur Zeit deß Saturnus war ein Gesetz/ das auch noch diese Stunde bey den Göttern gültig ist/ und sonst allezeit beobachtet worden/ vermöge dessen die jenige/ so ihr Leben in Gerechtigkeit beschlossen/ nach dem Tode/ in die glückseligen Insulen gelangen; hingegen die/ so ein ungerecht gottloß Leben geführt/ nach ihrem Absterben/ an einen solchen Ort kommen/ allda sie für ihre boßhafftige Wercke den wolverdienten Lohn empfangen sollten. Als nun dieser Saturnus regierte und Jupiter das Reich gleichfalls anfienge zu beherrschen/ wurden die Menschen am letzten Tage ihres Lebens von den lebendigen Richtern geurtheilet/ da dann offtermahls zu geschehen pflegte/ daß ihrer viel nicht nach ihren Verdiensten gerichtet wurden. Sobald nun Jupiter vom Pluto/ und den jenigen/ welche den glückseligen Insuln vorstunden/ dieses erfahren hatte/ daß nämlich viel dahin gesandt

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div>
          <lg>
            <pb facs="#f0166" xml:id="pb-1450" n="TA 1680, Iconologia Deorum, S. 96"/>
            <cb/>
            <l>Setz mir ein&#x2019; Hauben auf/ der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-133 http://d-nb.info/gnd/118651439 http://viaf.org/viaf/27864934">Bacchus</persName><lb/>
werd ich heissen.</l><lb/>
            <l>Gib eine Leyer her/ wie <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-59 http://d-nb.info/gnd/118503642 http://viaf.org/viaf/3261638">Phoebus</persName> werd<lb/>
ich gleissen.</l><lb/>
            <l>Ein aufgefaßtes Garn mich auch zum<lb/>
Jäger macht;</l><lb/>
            <l>Zum Vogler/ <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-605 http://d-nb.info/gnd/11892088X http://viaf.org/viaf/74652040">Faunus</persName> selbst/ die Ruth<lb/>
und Voglers-Tracht.</l><lb/>
            <l>Ein Fuhrmann bin ich auch/ und so pflegt<lb/>
man zu nennen/</l><lb/>
            <l>die bald von einem Pferd aufs ander springen<lb/>
können.</l><lb/>
            <l>Mit dieser Ruth von mir wird Fischen<lb/>
nachgestellt.</l><lb/>
            <l>Bald zieh ich sauber auf/ wie sich ein<lb/>
Kauffmann hält.</l><lb/>
            <l>Ich kan mich als ein Hirt deß Hirten-Stabs<lb/>
bedienen/</l><lb/>
            <l>und wenn es Rosen giebt/ erlösen Geld aus<lb/>
ihnen.</l><lb/>
            <cb/>
            <l>Was? soll ich sagen mehr/ so allem gehet<lb/>
für?</l><lb/>
            <l>in meinen Händen steht der Gärten<lb/>
Nutz und Zier.</l><lb/>
            <l>Köhl/ Kirbis/ Cucumern mit ihren dicken<lb/>
Bäuchen/</l><lb/>
            <l>sind Zeugen meiner Kunst/ der Gunst gewisse<lb/>
Zeichen.</l><lb/>
            <l>Ja auch in Feldern sich kein Blümlein<lb/>
finden wird/</l><lb/>
            <l>das nicht zuvor mein Haupt/ obs gleich<lb/>
erwelket/ ziert/</l><lb/>
            <l>Gewiß ists/ weil ich mich so wandelbar er-<lb/>
wiesen/</l><lb/>
            <l>hab ich daher auch so dem Landsmann<lb/>
heissen müssen.</l><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div xml:id="d1450.1">
          <head>Von dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName>.</head>
          <cb/>
          <p><note place="right"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName>. <ref rendition="#aq" target="#figure-1451.1">PLATTE L.</ref></note><hi rendition="#in">O</hi>B gleich in Theilung der Weltherrschafft unter deß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-98 http://d-nb.info/gnd/118804758 http://viaf.org/viaf/67261976">Saturnus</persName> Söhne/ einem das Himmelreich/ dem andern das Wasserreich/ und dem dritten das Höllenreich zugefallen/ wie aus den Fabeln bekannt; (wordurch/ wann wir der Sachen eigentliche Bewandtnus genauer ansehen/ anders nichts angedeutet worden/ als daß dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiter</persName> durchs Loß die Theile gegen Morgen/ dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName> die gegen Abend/ dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-528 http://d-nb.info/gnd/11952354X http://viaf.org/viaf/8199845">Neptunus</persName> die Insulen im Meer zugeeignet worden) So wird doch in den Poetischen Schrifften gelesen/ daß unterweilen ein ieder unter ihnen allenthalben seine Gewalt ausübe; dann es drohet <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-528 http://d-nb.info/gnd/11952354X http://viaf.org/viaf/8199845">Neptunus</persName> beym <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-410 http://d-nb.info/gnd/118626574 http://viaf.org/viaf/8194433">Virgilius</persName> im 1. Buch <hi rendition="#aq">Aeneidos</hi> den Winden/ daß sie ohne seine Erlaubnus sich unterstanden den Himmel und die Erde zu beunruhigen; <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiter</persName> verwaltet offtmahls das Höllen-Regiment/ wie auch <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName> bißweilen sein Reich biß in den Himmel ausstreckt. Aus dieser Ursache pflegten die Alten zu sagen/ deß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiters</persName> Donnerstrahl seye dreyspitzig/ der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-528 http://d-nb.info/gnd/11952354X http://viaf.org/viaf/8199845">Neptunus</persName> habe einen Dreyzanck/ und der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName> einen dreyköpffigen Hund. Wird es also niemand verwunderlich vorkommen/ wann wir bey Beschreibung der Bildnus des Gottes <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName> unter andern sagen werden/ daß er unterweilen an Macht und Gewalt der Sonnen/ unterweilen aber der Erden gleich/ nichts destoweniger auch für der Höllen Gott zu halten sey/ als der allda seine gröste Macht erweise/ und über die von denen Banden deß Leibes befreyete Seelen das Ober-Gebiet
<cb/>
und Herrschafft habe. Von diesem hat man gedichtet/ daß er/ damit ein ieder nach seinem Verdienst gebürlich abgestrafft oder belohnt werden möge/ drey gerechte Richter habe/ welche in der Höllen zu Gerichte sitzen/ <note xml:id="n1450.1" place="right"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5632">Höllische Richter</persName>.</note> deren einer <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3416 http://d-nb.info/gnd/12972033X http://viaf.org/viaf/65094032">Aeacus</persName>/ der ander <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1566 http://d-nb.info/gnd/119146487 http://viaf.org/viaf/50029271">Minos</persName>/ der dritte <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3417">Rhadamanthus</persName> genennet wurde/ von denen wir/ ehe wir vom <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName> reden/ eines und anders aus dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-892 http://d-nb.info/gnd/118594893 http://viaf.org/viaf/79033288">Plato</persName> erzehlen wollen/ als welches insonderheit sehr annehmlich zu wissen ist/ und nicht wenig hierzu dienen wird/ umb zu verstehen/ wie und auf was Weise deren Bildnussen auszudrücken seyn mögen/ theils auch daraus zu lernen/ wie die Richter billig beschaffen seyn sollen. Deß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-892 http://d-nb.info/gnd/118594893 http://viaf.org/viaf/79033288">Plato</persName> Worte aber sind diese: Zur Zeit deß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-98 http://d-nb.info/gnd/118804758 http://viaf.org/viaf/67261976">Saturnus</persName> war ein Gesetz/ das auch noch diese Stunde bey den Göttern gültig ist/ und sonst allezeit beobachtet worden/ vermöge dessen die jenige/ so ihr Leben in Gerechtigkeit beschlossen/ nach dem Tode/ in die glückseligen Insulen gelangen; hingegen die/ so ein ungerecht gottloß Leben geführt/ nach ihrem Absterben/ an einen solchen Ort kommen/ allda sie für ihre boßhafftige Wercke den wolverdienten Lohn empfangen sollten. Als nun dieser <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-98 http://d-nb.info/gnd/118804758 http://viaf.org/viaf/67261976">Saturnus</persName> regierte und <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiter</persName> das Reich gleichfalls anfienge zu beherrschen/ wurden die Menschen am letzten Tage ihres Lebens von den lebendigen Richtern geurtheilet/ da dann offtermahls zu geschehen pflegte/ daß ihrer viel nicht nach ihren Verdiensten gerichtet wurden. Sobald nun <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jupiter</persName> vom <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-340">Pluto</persName>/ und den jenigen/ welche den glückseligen Insuln vorstunden/ dieses erfahren hatte/ daß nämlich viel dahin gesandt
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[TA 1680, Iconologia Deorum, S. 96/0166] Setz mir ein’ Hauben auf/ der Bacchus werd ich heissen. Gib eine Leyer her/ wie Phoebus werd ich gleissen. Ein aufgefaßtes Garn mich auch zum Jäger macht; Zum Vogler/ Faunus selbst/ die Ruth und Voglers-Tracht. Ein Fuhrmann bin ich auch/ und so pflegt man zu nennen/ die bald von einem Pferd aufs ander springen können. Mit dieser Ruth von mir wird Fischen nachgestellt. Bald zieh ich sauber auf/ wie sich ein Kauffmann hält. Ich kan mich als ein Hirt deß Hirten-Stabs bedienen/ und wenn es Rosen giebt/ erlösen Geld aus ihnen. Was? soll ich sagen mehr/ so allem gehet für? in meinen Händen steht der Gärten Nutz und Zier. Köhl/ Kirbis/ Cucumern mit ihren dicken Bäuchen/ sind Zeugen meiner Kunst/ der Gunst gewisse Zeichen. Ja auch in Feldern sich kein Blümlein finden wird/ das nicht zuvor mein Haupt/ obs gleich erwelket/ ziert/ Gewiß ists/ weil ich mich so wandelbar er- wiesen/ hab ich daher auch so dem Landsmann heissen müssen. Von dem Pluto. OB gleich in Theilung der Weltherrschafft unter deß Saturnus Söhne/ einem das Himmelreich/ dem andern das Wasserreich/ und dem dritten das Höllenreich zugefallen/ wie aus den Fabeln bekannt; (wordurch/ wann wir der Sachen eigentliche Bewandtnus genauer ansehen/ anders nichts angedeutet worden/ als daß dem Jupiter durchs Loß die Theile gegen Morgen/ dem Pluto die gegen Abend/ dem Neptunus die Insulen im Meer zugeeignet worden) So wird doch in den Poetischen Schrifften gelesen/ daß unterweilen ein ieder unter ihnen allenthalben seine Gewalt ausübe; dann es drohet Neptunus beym Virgilius im 1. Buch Aeneidos den Winden/ daß sie ohne seine Erlaubnus sich unterstanden den Himmel und die Erde zu beunruhigen; Jupiter verwaltet offtmahls das Höllen-Regiment/ wie auch Pluto bißweilen sein Reich biß in den Himmel ausstreckt. Aus dieser Ursache pflegten die Alten zu sagen/ deß Jupiters Donnerstrahl seye dreyspitzig/ der Neptunus habe einen Dreyzanck/ und der Pluto einen dreyköpffigen Hund. Wird es also niemand verwunderlich vorkommen/ wann wir bey Beschreibung der Bildnus des Gottes Pluto unter andern sagen werden/ daß er unterweilen an Macht und Gewalt der Sonnen/ unterweilen aber der Erden gleich/ nichts destoweniger auch für der Höllen Gott zu halten sey/ als der allda seine gröste Macht erweise/ und über die von denen Banden deß Leibes befreyete Seelen das Ober-Gebiet und Herrschafft habe. Von diesem hat man gedichtet/ daß er/ damit ein ieder nach seinem Verdienst gebürlich abgestrafft oder belohnt werden möge/ drey gerechte Richter habe/ welche in der Höllen zu Gerichte sitzen/ deren einer Aeacus/ der ander Minos/ der dritte Rhadamanthus genennet wurde/ von denen wir/ ehe wir vom Pluto reden/ eines und anders aus dem Plato erzehlen wollen/ als welches insonderheit sehr annehmlich zu wissen ist/ und nicht wenig hierzu dienen wird/ umb zu verstehen/ wie und auf was Weise deren Bildnussen auszudrücken seyn mögen/ theils auch daraus zu lernen/ wie die Richter billig beschaffen seyn sollen. Deß Plato Worte aber sind diese: Zur Zeit deß Saturnus war ein Gesetz/ das auch noch diese Stunde bey den Göttern gültig ist/ und sonst allezeit beobachtet worden/ vermöge dessen die jenige/ so ihr Leben in Gerechtigkeit beschlossen/ nach dem Tode/ in die glückseligen Insulen gelangen; hingegen die/ so ein ungerecht gottloß Leben geführt/ nach ihrem Absterben/ an einen solchen Ort kommen/ allda sie für ihre boßhafftige Wercke den wolverdienten Lohn empfangen sollten. Als nun dieser Saturnus regierte und Jupiter das Reich gleichfalls anfienge zu beherrschen/ wurden die Menschen am letzten Tage ihres Lebens von den lebendigen Richtern geurtheilet/ da dann offtermahls zu geschehen pflegte/ daß ihrer viel nicht nach ihren Verdiensten gerichtet wurden. Sobald nun Jupiter vom Pluto/ und den jenigen/ welche den glückseligen Insuln vorstunden/ dieses erfahren hatte/ daß nämlich viel dahin gesandt Pluto. PLATTE L. Höllische Richter.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2014-06-24T13:18:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2014-06-24T13:18:31Z)
Benjamin Fiechter: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2014-06-24T13:18:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/166
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680, S. TA 1680, Iconologia Deorum, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/166>, abgerufen am 02.03.2021.