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Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680.

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Daß die Thetis die Sonne in der rechten/ den Mond aber in der lincken Hand hält/ dardurch will Severianus (wie Janus Parrhasius in seinem Commentario über den Claudianus erzehlet) verstanden haben/ daß Gott/ als dieses grossen Weldrundes einiger Werckmeister/ zu erst die Sonne geschaffen/ hernach den Mond/ welchen er an das eusserste End gegen Abend/ jene aber/ nämlich die Sonne/ an den gegen über stehenden Theil des Himmels gesetzet. Nach deß Hyginus Meinung aber/ wird der rechte Theil deß Himmels der Aufgang/ und der lincke der Niedergang genennet. Die Hetrurischen Wahrsager haben aus dem Einschauen und Besichtigung der Opffer-Thiere (wie gleichfalls Hyginus erzehlet) den Erdkreiß nach dem Lauffe der Sonnen in zwey Theile getheilt/ und den rechten genennt was gegen Mitternacht/ den Lincken aber/ das gegen Mittag siehet. Es könte auch nicht unfüglich gesagt werden/ daß die Sonne die rechte/ der Mond aber die lincke Seite wäre/ weil jene weit grössere und mehrere Kräffte als dieser hat.Und so viel vor dießmahl von der Sonne/ nun wollen wir uns zur Morgenröte/ als der Sonnen Vorgeherin und Heroldin wenden.

Aurora. Ob wol die Morgenröte vor der Sonne hergehet/ und daher für deroselben Heroldin und Ankündigerin gehalten wird/ so haben wir sie doch nicht unbillig nachgesetzt/ weil sie von ihr ihren Ursprung und Wesen hat: dann die Morgenröhte von den Strahlen der Sonne enntstehet/ sobald dieselben diesen unsern Erdkreiß frühmorgens erleuchten;dahero kommts/ daß von dem güldnen Sonnen-Feuer der Lufft gleichsam vergüldet wird. Woraus die Poeten/ nach Gelegenheit der Umstände/ bald diese/ bald eine andere Fabel erdichtet/ und sie auf mancherley Weise beschrieben haben/ welche aber zu unserm Vorhaben wenig dienen; dannenhero wir nur die jenigen berühren wollen/ so zu dero Bildnussen gezogen werden können. Ob wol die Aurora von den Alten unter die Götter gerechnet worden/ so erinnere ich mich doch nicht/ iemahln gelesen zu haben/ daß ihr[Spaltenumbruch] eine Bildnuß aufgerichtet worden: ausser daß beym Pausanias stehet/ es seye zu Athen der Aurora Bildnus aus Doon gemacht zu sehen gewesen/ und zwar in Gestalt wie sie den Cephalus entführt; von ihrem eigentlichen Bilde aber ist nicht das geringste zu finden. Dannenhero wir sie auf solche Weise auszubilden uns befleissen wollen/ wie sie von den Poeten beschrieben wird.

Homerus beschreibet sie mit einem goldgelden Haar auf einem güldnen Thron sitzend/ und mit einem güldnen Kleide angethan. Virgilius sagt/ daß sie mit ihren Rosenfarbigen Händen die Gestirne verjage. Ovidius dichtet/ daß sie/ wann Phoebus/ oder die Sonne/ von Morgen hervorbrechen wolle/ die glänzenden Thore deß Himmels aufmache/ die allezeit mit den annehmlichsten frischen Rosen bestreuet wären. Die jenige/ so vorgeben/ daß sie auf einem Wagen sitze/ eine brennende Pferd der Aurora oder Morgenröte. Fackel oder Windliecht in der Hand habe/ und vom Pegasus/ dem geflügelten Pferd/ gezogen werde/sagen/ sie habe selbiges vom Jupiter erhalten/ nachdem er den Bellerophon herunter geschmissen. Welches vielleicht dahin zu deuten ist/ daß die Morgenstunde zur Poesie und Pegasus. andern studien die allerbeqvemste seye. Von dem Pferd Pegasus wird gemeldet/ daß es mit einem Fuß auf die Erde gestampfft/ und dardurch den Brunn Hippocrene, der hernach von den Musen so offt besucht worden/ eröffnet und gemacht habe. Homerus eignet dieser Göttin in der 23 Odyssea die Pferde Lampus und Phaeton zu. Andere dichten/ daß die Aurora/ so mit dem allerfrühesten zu gläntzen pfleget/ vom Himmel komme/ und die Lufft mit braunroten Rosen und Blumen von allerley Farben bestreue. Andere beschreiben sie wiederumb auf andere Weise/ umb die jenige Farben auszudrucken/ welche die Sonnenstrahlen mit hervorbrechendem Tage von sich zu geben/ und ins gemein gelblicht-roht zu seyn pflegen.



Von der Diana. [Spaltenumbruch]

Diana. PLATTE D.DIe Diana ist von den Alten die Jagt-Göttin genennt/ und vor eine Beschützerin der Haine und Wälder gehalten worden: weil selbige an menschlicher Conversation. einen Eckel gehabt/ und daselbsten[Spaltenumbruch] ihr Leben mit Jagen zugebracht/ damit sie ihre Jungfrauschafft desto besser erhalten möchte. Dannenhero man ihr den Habit einer Nimpfen zugeeignet/ und sie sonst also gebildet/ wie sie Claudianus im 2. Buch von Entführung der Proserpina dieses Innhalts beschreibet:

[Spaltenumbruch]

Daß die Thetis die Sonne in der rechten/ den Mond aber in der lincken Hand hält/ dardurch will Severianus (wie Janus Parrhasius in seinem Commentario über den Claudianus erzehlet) verstanden haben/ daß Gott/ als dieses grossen Weldrundes einiger Werckmeister/ zu erst die Sonne geschaffen/ hernach den Mond/ welchen er an das eusserste End gegen Abend/ jene aber/ nämlich die Sonne/ an den gegen über stehenden Theil des Himmels gesetzet. Nach deß Hyginus Meinung aber/ wird der rechte Theil deß Himmels der Aufgang/ und der lincke der Niedergang genennet. Die Hetrurischen Wahrsager haben aus dem Einschauen und Besichtigung der Opffer-Thiere (wie gleichfalls Hyginus erzehlet) den Erdkreiß nach dem Lauffe der Sonnen in zwey Theile getheilt/ und den rechten genennt was gegen Mitternacht/ den Lincken aber/ das gegen Mittag siehet. Es könte auch nicht unfüglich gesagt werden/ daß die Sonne die rechte/ der Mond aber die lincke Seite wäre/ weil jene weit grössere und mehrere Kräffte als dieser hat.Und so viel vor dießmahl von der Sonne/ nun wollen wir uns zur Morgenröte/ als der Sonnen Vorgeherin und Heroldin wenden.

Aurora. Ob wol die Morgenröte vor der Sonne hergehet/ und daher für deroselben Heroldin und Ankündigerin gehalten wird/ so haben wir sie doch nicht unbillig nachgesetzt/ weil sie von ihr ihren Ursprung und Wesen hat: dann die Morgenröhte von den Strahlen der Sonne enntstehet/ sobald dieselben diesen unsern Erdkreiß frühmorgens erleuchten;dahero kommts/ daß von dem güldnen Sonnen-Feuer der Lufft gleichsam vergüldet wird. Woraus die Poeten/ nach Gelegenheit der Umstände/ bald diese/ bald eine andere Fabel erdichtet/ und sie auf mancherley Weise beschrieben haben/ welche aber zu unserm Vorhaben wenig dienen; dannenhero wir nur die jenigen berühren wollen/ so zu dero Bildnussen gezogen werden können. Ob wol die Aurora von den Alten unter die Götter gerechnet worden/ so erinnere ich mich doch nicht/ iemahln gelesen zu haben/ daß ihr[Spaltenumbruch] eine Bildnuß aufgerichtet worden: ausser daß beym Pausanias stehet/ es seye zu Athen der Aurora Bildnus aus Doon gemacht zu sehen gewesen/ und zwar in Gestalt wie sie den Cephalus entführt; von ihrem eigentlichen Bilde aber ist nicht das geringste zu finden. Dannenhero wir sie auf solche Weise auszubilden uns befleissen wollen/ wie sie von den Poeten beschrieben wird.

Homerus beschreibet sie mit einem goldgelden Haar auf einem güldnen Thron sitzend/ und mit einem güldnen Kleide angethan. Virgilius sagt/ daß sie mit ihren Rosenfarbigen Händen die Gestirne verjage. Ovidius dichtet/ daß sie/ wann Phoebus/ oder die Sonne/ von Morgen hervorbrechen wolle/ die glänzenden Thore deß Himmels aufmache/ die allezeit mit den annehmlichsten frischen Rosen bestreuet wären. Die jenige/ so vorgeben/ daß sie auf einem Wagen sitze/ eine brennende Pferd der Aurora oder Morgenröte. Fackel oder Windliecht in der Hand habe/ und vom Pegasus/ dem geflügelten Pferd/ gezogen werde/sagen/ sie habe selbiges vom Jupiter erhalten/ nachdem er den Bellerophon herunter geschmissen. Welches vielleicht dahin zu deuten ist/ daß die Morgenstunde zur Poesie und Pegasus. andern studien die allerbeqvemste seye. Von dem Pferd Pegasus wird gemeldet/ daß es mit einem Fuß auf die Erde gestampfft/ und dardurch den Brunn Hippocrene, der hernach von den Musen so offt besucht worden/ eröffnet und gemacht habe. Homerus eignet dieser Göttin in der 23 Odyssea die Pferde Lampus und Phaeton zu. Andere dichten/ daß die Aurora/ so mit dem allerfrühesten zu gläntzen pfleget/ vom Himmel komme/ und die Lufft mit braunroten Rosen und Blumen von allerley Farben bestreue. Andere beschreiben sie wiederumb auf andere Weise/ umb die jenige Farben auszudrucken/ welche die Sonnenstrahlen mit hervorbrechendem Tage von sich zu geben/ und ins gemein gelblicht-roht zu seyn pflegen.



Von der Diana. [Spaltenumbruch]

Diana. PLATTE D.DIe Diana ist von den Alten die Jagt-Göttin genennt/ und vor eine Beschützerin der Haine und Wälder gehalten worden: weil selbige an menschlicher Conversation. einen Eckel gehabt/ und daselbsten[Spaltenumbruch] ihr Leben mit Jagen zugebracht/ damit sie ihre Jungfrauschafft desto besser erhalten möchte. Dannenhero man ihr den Habit einer Nimpfen zugeeignet/ und sie sonst also gebildet/ wie sie Claudianus im 2. Buch von Entführung der Proserpina dieses Innhalts beschreibet:

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[TA 1680, Iconologia Deorum, S. 35/0093] Daß die Thetis die Sonne in der rechten/ den Mond aber in der lincken Hand hält/ dardurch will Severianus (wie Janus Parrhasius in seinem Commentario über den Claudianus erzehlet) verstanden haben/ daß Gott/ als dieses grossen Weldrundes einiger Werckmeister/ zu erst die Sonne geschaffen/ hernach den Mond/ welchen er an das eusserste End gegen Abend/ jene aber/ nämlich die Sonne/ an den gegen über stehenden Theil des Himmels gesetzet. Nach deß Hyginus Meinung aber/ wird der rechte Theil deß Himmels der Aufgang/ und der lincke der Niedergang genennet. Die Hetrurischen Wahrsager haben aus dem Einschauen und Besichtigung der Opffer-Thiere (wie gleichfalls Hyginus erzehlet) den Erdkreiß nach dem Lauffe der Sonnen in zwey Theile getheilt/ und den rechten genennt was gegen Mitternacht/ den Lincken aber/ das gegen Mittag siehet. Es könte auch nicht unfüglich gesagt werden/ daß die Sonne die rechte/ der Mond aber die lincke Seite wäre/ weil jene weit grössere und mehrere Kräffte als dieser hat.Und so viel vor dießmahl von der Sonne/ nun wollen wir uns zur Morgenröte/ als der Sonnen Vorgeherin und Heroldin wenden. Ob wol die Morgenröte vor der Sonne hergehet/ und daher für deroselben Heroldin und Ankündigerin gehalten wird/ so haben wir sie doch nicht unbillig nachgesetzt/ weil sie von ihr ihren Ursprung und Wesen hat: dann die Morgenröhte von den Strahlen der Sonne enntstehet/ sobald dieselben diesen unsern Erdkreiß frühmorgens erleuchten;dahero kommts/ daß von dem güldnen Sonnen-Feuer der Lufft gleichsam vergüldet wird. Woraus die Poeten/ nach Gelegenheit der Umstände/ bald diese/ bald eine andere Fabel erdichtet/ und sie auf mancherley Weise beschrieben haben/ welche aber zu unserm Vorhaben wenig dienen; dannenhero wir nur die jenigen berühren wollen/ so zu dero Bildnussen gezogen werden können. Ob wol die Aurora von den Alten unter die Götter gerechnet worden/ so erinnere ich mich doch nicht/ iemahln gelesen zu haben/ daß ihr eine Bildnuß aufgerichtet worden: ausser daß beym Pausanias stehet/ es seye zu Athen der Aurora Bildnus aus Doon gemacht zu sehen gewesen/ und zwar in Gestalt wie sie den Cephalus entführt; von ihrem eigentlichen Bilde aber ist nicht das geringste zu finden. Dannenhero wir sie auf solche Weise auszubilden uns befleissen wollen/ wie sie von den Poeten beschrieben wird. Aurora.Homerus beschreibet sie mit einem goldgelden Haar auf einem güldnen Thron sitzend/ und mit einem güldnen Kleide angethan. Virgilius sagt/ daß sie mit ihren Rosenfarbigen Händen die Gestirne verjage. Ovidius dichtet/ daß sie/ wann Phoebus/ oder die Sonne/ von Morgen hervorbrechen wolle/ die glänzenden Thore deß Himmels aufmache/ die allezeit mit den annehmlichsten frischen Rosen bestreuet wären. Die jenige/ so vorgeben/ daß sie auf einem Wagen sitze/ eine brennende Fackel oder Windliecht in der Hand habe/ und vom Pegasus/ dem geflügelten Pferd/ gezogen werde/sagen/ sie habe selbiges vom Jupiter erhalten/ nachdem er den Bellerophon herunter geschmissen. Welches vielleicht dahin zu deuten ist/ daß die Morgenstunde zur Poesie und andern studien die allerbeqvemste seye. Von dem Pferd Pegasus wird gemeldet/ daß es mit einem Fuß auf die Erde gestampfft/ und dardurch den Brunn Hippocrene, der hernach von den Musen so offt besucht worden/ eröffnet und gemacht habe. Homerus eignet dieser Göttin in der 23 Odyssea die Pferde Lampus und Phaeton zu. Andere dichten/ daß die Aurora/ so mit dem allerfrühesten zu gläntzen pfleget/ vom Himmel komme/ und die Lufft mit braunroten Rosen und Blumen von allerley Farben bestreue. Andere beschreiben sie wiederumb auf andere Weise/ umb die jenige Farben auszudrucken/ welche die Sonnenstrahlen mit hervorbrechendem Tage von sich zu geben/ und ins gemein gelblicht-roht zu seyn pflegen. Pferd der Aurora oder Morgenröte. Pegasus. Von der Diana. DIe Diana ist von den Alten die Jagt-Göttin genennt/ und vor eine Beschützerin der Haine und Wälder gehalten worden: weil selbige an menschlicher Conversation. einen Eckel gehabt/ und daselbsten ihr Leben mit Jagen zugebracht/ damit sie ihre Jungfrauschafft desto besser erhalten möchte. Dannenhero man ihr den Habit einer Nimpfen zugeeignet/ und sie sonst also gebildet/ wie sie Claudianus im 2. Buch von Entführung der Proserpina dieses Innhalts beschreibet: Diana. PLATTE D.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: ICONOLOGIA DEORUM. Nürnberg, 1680, S. TA 1680, Iconologia Deorum, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_iconologia_1680/93>, abgerufen am 06.03.2021.