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Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695.

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Judas hat kein gute Meynung/
derenthalben nicht gelobt worden/ sondern der HErr hat ihnen
noch ernsthafft befohlen/ sie sollen das Maul halten. Warumb
aber dieses? Petrus und die Teuffel haben gut geredt/ haben gleich
geredt/ aber nicht gleich gemeint; dann Petrus hat es von gantzen
Hertzen gemeint/ die bösen Geister aber das Widerspiel. Und
GOtt erwögt nur/ was gut und recht Cordebonisch.

Cesarius verzeichnet ein wunderbarliche Geschicht. Der
böse Feind nimmt auf ein Zeit an sich die Gestalt eines sehr wackern
Jünglings/ und meldet sich an bey einem vorhin gewesten Kriegs-
Officier/ so dazumal ein kleines Gut auf dem Land besessen/ bey
demselben in Dienst zu tretten. Des Jünglings gute Gestalt und
wohlgeschaffene Geberden haben gleich ein Wohlgefallen verur-
sachet/ daß er vor allen andern ist an- und aufgenommen worden/
und sich nachgehends so treu und embsig verhalten/ daß mehr-
mal der Herr sich verlauten lassen/ als habe er bißhero dergleichen
guten und anständigen Dienstbotten nicht gehabt. Nach etlichen
Jahren hat sich zugetragen/ daß der Herr von seinen abgesagten
Feinden dergestalten verfolget worden/ daß er auch muste sich mit
der Flucht salvirn; Weil aber ein grosser Wasser-Strohm ihme
die fernere Flucht eingestellt/ zugleich aber der nachstellende Feind
ihme auf den Rucken nahete/ also wuste er nicht/ wie er dieser
äussersten Lebens-Gefahr kundte entrinnen. Der Diener aber
hatte sich also bald urbietig erzeigt/ den Herrn ohne Schaden
durch das Wasser zu salviren/ so auch geschehen/ und der nach-
kommende Feind sich nicht ohne höchste Verwunderung bestan-
den/ daß er natürlich der Tieffe des Wassers nicht seye entrunnen/
sondern der lebendige Teuffel müsse ihme hinüber geholffen haben/
welches auch also ware/ jedoch ohne seinen Wissen und Willen.
Ein geraume Zeit hernach erkrancket auch tödtlich dieses Herrn
Gemahlin dergestalten/ daß ihres Aufkommens die wenigste Hof-
nung nicht gewesen/ biß endlich mehrbesagter Diener eingera-
then/ daß diesem gefährlichen Zustand zu wenden kein gewissers
und bewerthers Mittel seye/ als ein frische Milch von einer Lö-

win/

Judas hat kein gute Meynung/
derenthalben nicht gelobt worden/ ſondern der HErꝛ hat ihnen
noch ernſthafft befohlen/ ſie ſollen das Maul halten. Warumb
aber dieſes? Petrus und die Teuffel haben gut geredt/ haben gleich
geredt/ aber nicht gleich gemeint; dann Petrus hat es von gantzen
Hertzen gemeint/ die boͤſen Geiſter aber das Widerſpiel. Und
GOtt erwoͤgt nur/ was gut und recht Cordeboniſch.

Ceſarius verzeichnet ein wunderbarliche Geſchicht. Der
boͤſe Feind nimmt auf ein Zeit an ſich die Geſtalt eines ſehr wackern
Juͤnglings/ und meldet ſich an bey einem vorhin geweſten Kriegs-
Officier/ ſo dazumal ein kleines Gut auf dem Land beſeſſen/ bey
demſelben in Dienſt zu tretten. Des Juͤnglings gute Geſtalt und
wohlgeſchaffene Geberden haben gleich ein Wohlgefallen verur-
ſachet/ daß er vor allen andern iſt an- und aufgenommen worden/
und ſich nachgehends ſo treu und embſig verhalten/ daß mehr-
mal der Herꝛ ſich verlauten laſſen/ als habe er bißhero dergleichen
guten und anſtaͤndigen Dienſtbotten nicht gehabt. Nach etlichen
Jahren hat ſich zugetragen/ daß der Herꝛ von ſeinen abgeſagten
Feinden dergeſtalten verfolget worden/ daß er auch muſte ſich mit
der Flucht ſalvirn; Weil aber ein groſſer Waſſer-Strohm ihme
die fernere Flucht eingeſtellt/ zugleich aber der nachſtellende Feind
ihme auf den Rucken nahete/ alſo wuſte er nicht/ wie er dieſer
aͤuſſerſten Lebens-Gefahr kundte entrinnen. Der Diener aber
hatte ſich alſo bald urbietig erzeigt/ den Herꝛn ohne Schaden
durch das Waſſer zu ſalviren/ ſo auch geſchehen/ und der nach-
kommende Feind ſich nicht ohne hoͤchſte Verwunderung beſtan-
den/ daß er natuͤrlich der Tieffe des Waſſers nicht ſeye entrunnen/
ſondern der lebendige Teuffel muͤſſe ihme hinuͤber geholffen haben/
welches auch alſo ware/ jedoch ohne ſeinen Wiſſen und Willen.
Ein geraume Zeit hernach erkrancket auch toͤdtlich dieſes Herꝛn
Gemahlin dergeſtalten/ daß ihres Aufkommens die wenigſte Hof-
nung nicht geweſen/ biß endlich mehrbeſagter Diener eingera-
then/ daß dieſem gefaͤhrlichen Zuſtand zu wenden kein gewiſſers
und bewerthers Mittel ſeye/ als ein friſche Milch von einer Loͤ-

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[166/0178] Judas hat kein gute Meynung/ derenthalben nicht gelobt worden/ ſondern der HErꝛ hat ihnen noch ernſthafft befohlen/ ſie ſollen das Maul halten. Warumb aber dieſes? Petrus und die Teuffel haben gut geredt/ haben gleich geredt/ aber nicht gleich gemeint; dann Petrus hat es von gantzen Hertzen gemeint/ die boͤſen Geiſter aber das Widerſpiel. Und GOtt erwoͤgt nur/ was gut und recht Cordeboniſch. Ceſarius verzeichnet ein wunderbarliche Geſchicht. Der boͤſe Feind nimmt auf ein Zeit an ſich die Geſtalt eines ſehr wackern Juͤnglings/ und meldet ſich an bey einem vorhin geweſten Kriegs- Officier/ ſo dazumal ein kleines Gut auf dem Land beſeſſen/ bey demſelben in Dienſt zu tretten. Des Juͤnglings gute Geſtalt und wohlgeſchaffene Geberden haben gleich ein Wohlgefallen verur- ſachet/ daß er vor allen andern iſt an- und aufgenommen worden/ und ſich nachgehends ſo treu und embſig verhalten/ daß mehr- mal der Herꝛ ſich verlauten laſſen/ als habe er bißhero dergleichen guten und anſtaͤndigen Dienſtbotten nicht gehabt. Nach etlichen Jahren hat ſich zugetragen/ daß der Herꝛ von ſeinen abgeſagten Feinden dergeſtalten verfolget worden/ daß er auch muſte ſich mit der Flucht ſalvirn; Weil aber ein groſſer Waſſer-Strohm ihme die fernere Flucht eingeſtellt/ zugleich aber der nachſtellende Feind ihme auf den Rucken nahete/ alſo wuſte er nicht/ wie er dieſer aͤuſſerſten Lebens-Gefahr kundte entrinnen. Der Diener aber hatte ſich alſo bald urbietig erzeigt/ den Herꝛn ohne Schaden durch das Waſſer zu ſalviren/ ſo auch geſchehen/ und der nach- kommende Feind ſich nicht ohne hoͤchſte Verwunderung beſtan- den/ daß er natuͤrlich der Tieffe des Waſſers nicht ſeye entrunnen/ ſondern der lebendige Teuffel muͤſſe ihme hinuͤber geholffen haben/ welches auch alſo ware/ jedoch ohne ſeinen Wiſſen und Willen. Ein geraume Zeit hernach erkrancket auch toͤdtlich dieſes Herꝛn Gemahlin dergeſtalten/ daß ihres Aufkommens die wenigſte Hof- nung nicht geweſen/ biß endlich mehrbeſagter Diener eingera- then/ daß dieſem gefaͤhrlichen Zuſtand zu wenden kein gewiſſers und bewerthers Mittel ſeye/ als ein friſche Milch von einer Loͤ- win/

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Zitationshilfe: Clara, Abraham a Sancta: Judas Der Ertz-Schelm. Bd. 4. Salzburg, 1695, S. 166. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/santa_judas04_1695/178>, abgerufen am 13.06.2021.