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Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847.

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§. 266. Wirkung der L. C. -- Erweiterungen. (Forts.)
alten Juristen von der Erbschaftsklage auch auf die Eigen-
thumsklage ausgedehnt (g).

Die hier aufgestellten Grundsätze über die Wirkung der
L. C. bei der Eigenthumsklage waren ihrem Princip nach
keine neue Erfindung der Römischen Juristen, sondern bloß
die genauere Entwicklung uralter Rechtsregeln. Diese sind
anerkannt schon in den alten praedes litis et vindiciarum (h),
in welchem Kunstausdruck vindiciae die Früchte bedeutet.
Daneben galt im älteren Recht sogar noch eine Verpflichtung
des Beklagten zum doppelten Ersatz der Früchte, welche
jedoch im neuesten Recht spurlos verschwunden ist (i).

3. Die actio ad exhibendum ist zwar eine persönliche
Klage, wird aber in Hinsicht auf die hier vor-
liegende Frage ganz nach den Grundsätzen der Eigen-
thumsklage beurtheilt (k). Dasselbe gilt von folgenden
Klagen:
4. A. finium regundorum (l).
5. A. confessoria (m).
6. A. hypothecaria (n).

(g) L. 27 § 3 de rei vind.
(6. 1).
(h) Gajus IV. § 91. 94.
(i) Paulus V. 19 § 2, L. 1
pr. C. Th. de us. rei jud. (4. 19),
L. 1 C. Th. de fruct.
(4. 18),
aus welcher interpolirt ist, die L. 2
C. de fruct.
(7. 51); beide Texte
zusammengestellt bei Heimbach
Lehre von der Frucht S. 160. --
L. Rom. Burg. ed. Barkow
Tit. 8 lin. 17--20, Tit. 35 lin.
11
bis 13. -- Der sehr dunkle Zu-
sammenhang dieses Rechtsinstituts
soll hier nicht weiter verfolgt werden,
da er auf das neueste Recht ganz
ohne Einfluß ist. Vgl. darüber
Heimbach S. 163--166.
(k) § 3 J. de off. jud. (4. 17),
L. 9 § 5--8 ad exhib.
(10. 4).
(l) L. 4 § 2 fin. reg. (10. 1).
(m) L. 5 § 4 si ususfr. (7. 6),
L. 19 § 1 de usur.
(22. 1).
(n) L. 16 § 4 de pign. (20. 1).

§. 266. Wirkung der L. C. — Erweiterungen. (Fortſ.)
alten Juriſten von der Erbſchaftsklage auch auf die Eigen-
thumsklage ausgedehnt (g).

Die hier aufgeſtellten Grundſätze über die Wirkung der
L. C. bei der Eigenthumsklage waren ihrem Princip nach
keine neue Erfindung der Römiſchen Juriſten, ſondern bloß
die genauere Entwicklung uralter Rechtsregeln. Dieſe ſind
anerkannt ſchon in den alten praedes litis et vindiciarum (h),
in welchem Kunſtausdruck vindiciae die Früchte bedeutet.
Daneben galt im älteren Recht ſogar noch eine Verpflichtung
des Beklagten zum doppelten Erſatz der Früchte, welche
jedoch im neueſten Recht ſpurlos verſchwunden iſt (i).

3. Die actio ad exhibendum iſt zwar eine perſönliche
Klage, wird aber in Hinſicht auf die hier vor-
liegende Frage ganz nach den Grundſätzen der Eigen-
thumsklage beurtheilt (k). Daſſelbe gilt von folgenden
Klagen:
4. A. finium regundorum (l).
5. A. confessoria (m).
6. A. hypothecaria (n).

(g) L. 27 § 3 de rei vind.
(6. 1).
(h) Gajus IV. § 91. 94.
(i) Paulus V. 19 § 2, L. 1
pr. C. Th. de us. rei jud. (4. 19),
L. 1 C. Th. de fruct.
(4. 18),
aus welcher interpolirt iſt, die L. 2
C. de fruct.
(7. 51); beide Texte
zuſammengeſtellt bei Heimbach
Lehre von der Frucht S. 160. —
L. Rom. Burg. ed. Barkow
Tit. 8 lin. 17—20, Tit. 35 lin.
11
bis 13. — Der ſehr dunkle Zu-
ſammenhang dieſes Rechtsinſtituts
ſoll hier nicht weiter verfolgt werden,
da er auf das neueſte Recht ganz
ohne Einfluß iſt. Vgl. darüber
Heimbach S. 163—166.
(k) § 3 J. de off. jud. (4. 17),
L. 9 § 5—8 ad exhib.
(10. 4).
(l) L. 4 § 2 fin. reg. (10. 1).
(m) L. 5 § 4 si ususfr. (7. 6),
L. 19 § 1 de usur.
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(n) L. 16 § 4 de pign. (20. 1).
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[109/0127] §. 266. Wirkung der L. C. — Erweiterungen. (Fortſ.) alten Juriſten von der Erbſchaftsklage auch auf die Eigen- thumsklage ausgedehnt (g). Die hier aufgeſtellten Grundſätze über die Wirkung der L. C. bei der Eigenthumsklage waren ihrem Princip nach keine neue Erfindung der Römiſchen Juriſten, ſondern bloß die genauere Entwicklung uralter Rechtsregeln. Dieſe ſind anerkannt ſchon in den alten praedes litis et vindiciarum (h), in welchem Kunſtausdruck vindiciae die Früchte bedeutet. Daneben galt im älteren Recht ſogar noch eine Verpflichtung des Beklagten zum doppelten Erſatz der Früchte, welche jedoch im neueſten Recht ſpurlos verſchwunden iſt (i). 3. Die actio ad exhibendum iſt zwar eine perſönliche Klage, wird aber in Hinſicht auf die hier vor- liegende Frage ganz nach den Grundſätzen der Eigen- thumsklage beurtheilt (k). Daſſelbe gilt von folgenden Klagen: 4. A. finium regundorum (l). 5. A. confessoria (m). 6. A. hypothecaria (n). (g) L. 27 § 3 de rei vind. (6. 1). (h) Gajus IV. § 91. 94. (i) Paulus V. 19 § 2, L. 1 pr. C. Th. de us. rei jud. (4. 19), L. 1 C. Th. de fruct. (4. 18), aus welcher interpolirt iſt, die L. 2 C. de fruct. (7. 51); beide Texte zuſammengeſtellt bei Heimbach Lehre von der Frucht S. 160. — L. Rom. Burg. ed. Barkow Tit. 8 lin. 17—20, Tit. 35 lin. 11 bis 13. — Der ſehr dunkle Zu- ſammenhang dieſes Rechtsinſtituts ſoll hier nicht weiter verfolgt werden, da er auf das neueſte Recht ganz ohne Einfluß iſt. Vgl. darüber Heimbach S. 163—166. (k) § 3 J. de off. jud. (4. 17), L. 9 § 5—8 ad exhib. (10. 4). (l) L. 4 § 2 fin. reg. (10. 1). (m) L. 5 § 4 si ususfr. (7. 6), L. 19 § 1 de usur. (22. 1). (n) L. 16 § 4 de pign. (20. 1).

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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847, S. 109. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847/127>, abgerufen am 10.05.2021.