Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

§. 274. Wirkung der L. C. -- Verminderungen. (Forts.)
des Zufalls nicht jeden Beklagten überhaupt, obgleich dem-
selben von der Insinuation an ein fingirter unredlicher
Besitz zugeschrieben wird, sondern nur allein den eigent-
lich unredlichen Besitzer
, also den, welcher wirklich
weiß, daß er mit Unrecht besitzt (aa). Dieselbe Verpflich-
tung aber trifft auch den Schuldner, der mit der Ueber-
gabe einer Sache im Verzug sich befindet (bb). -- Es
findet sich hier zwischen beiden Rechten völlige Ueberein-
stimmung, nur unter verschiedenen Ausdrücken, wie sie
aus der Verschiedenheit der allgemeinen Auffassung her-
vorgehen mußte.

§. 274.
Wirkung der Litis Contestation. -- II. Umfang der Ver-
urtheilung
. -- b) Verminderungen. (Fortsetzung.)

Ich wende mich jetzt zu der oben (§ 273) ausgesetzten
Frage wegen der angeblichen Einschränkungen der strengen
Ersatzverbindlichkeit des Beklagten.


(aa) A. L. R., Th. 1 Tit. 7
§ 241. Der "eigentlich unred-
liche Besitzer" ist hier allerdings
zunächst gesagt im Gegensatz des
unrechtfertigen (§ 240), der hierin
gelinder behandelt werden soll.
Wenn aber schon der unrechtfer-
tige, dessen Bewußtseyn doch immer
etwas fehlerhaft ist, von dieser
strengen Verpflichtung frei seyn
soll, so muß dieselbe Befreiung
um so mehr demjenigen gebühren,
dem blos die fingirte Unredlich-
keit wegen der Insinuation (§ 222)
zugeschrieben werden kann, und
dessen Bewußtseyn daneben viel-
leicht vollkommen tadellos ist.
Insofern bezeichnet das eigent-
lich
auch (wenigstens indirect)
einen Gegensatz gegen den § 222. --
Von der Einschränkung am Schluß
des § 241 wird im folgenden §
die Rede seyn.
(bb) A. L. R., Th. 1 Tit. 16
§ 18.

§. 274. Wirkung der L. C. — Verminderungen. (Fortſ.)
des Zufalls nicht jeden Beklagten überhaupt, obgleich dem-
ſelben von der Inſinuation an ein fingirter unredlicher
Beſitz zugeſchrieben wird, ſondern nur allein den eigent-
lich unredlichen Beſitzer
, alſo den, welcher wirklich
weiß, daß er mit Unrecht beſitzt (aa). Dieſelbe Verpflich-
tung aber trifft auch den Schuldner, der mit der Ueber-
gabe einer Sache im Verzug ſich befindet (bb). — Es
findet ſich hier zwiſchen beiden Rechten völlige Ueberein-
ſtimmung, nur unter verſchiedenen Ausdrücken, wie ſie
aus der Verſchiedenheit der allgemeinen Auffaſſung her-
vorgehen mußte.

§. 274.
Wirkung der Litis Conteſtation. — II. Umfang der Ver-
urtheilung
. — b) Verminderungen. (Fortſetzung.)

Ich wende mich jetzt zu der oben (§ 273) ausgeſetzten
Frage wegen der angeblichen Einſchränkungen der ſtrengen
Erſatzverbindlichkeit des Beklagten.


(aa) A. L. R., Th. 1 Tit. 7
§ 241. Der „eigentlich unred-
liche Beſitzer“ iſt hier allerdings
zunächſt geſagt im Gegenſatz des
unrechtfertigen (§ 240), der hierin
gelinder behandelt werden ſoll.
Wenn aber ſchon der unrechtfer-
tige, deſſen Bewußtſeyn doch immer
etwas fehlerhaft iſt, von dieſer
ſtrengen Verpflichtung frei ſeyn
ſoll, ſo muß dieſelbe Befreiung
um ſo mehr demjenigen gebühren,
dem blos die fingirte Unredlich-
keit wegen der Inſinuation (§ 222)
zugeſchrieben werden kann, und
deſſen Bewußtſeyn daneben viel-
leicht vollkommen tadellos iſt.
Inſofern bezeichnet das eigent-
lich
auch (wenigſtens indirect)
einen Gegenſatz gegen den § 222. —
Von der Einſchränkung am Schluß
des § 241 wird im folgenden §
die Rede ſeyn.
(bb) A. L. R., Th. 1 Tit. 16
§ 18.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0201" n="183"/><fw place="top" type="header">§. 274. Wirkung der L. C. &#x2014; Verminderungen. (Fort&#x017F;.)</fw><lb/>
des Zufalls nicht jeden Beklagten überhaupt, obgleich dem-<lb/>
&#x017F;elben von der In&#x017F;inuation an ein fingirter unredlicher<lb/>
Be&#x017F;itz zuge&#x017F;chrieben wird, &#x017F;ondern nur allein den <hi rendition="#g">eigent-<lb/>
lich unredlichen Be&#x017F;itzer</hi>, al&#x017F;o den, welcher wirklich<lb/>
weiß, daß er mit Unrecht be&#x017F;itzt <note place="foot" n="(aa)">A. L. R., Th. 1 Tit. 7<lb/>
§ 241. Der &#x201E;<hi rendition="#g">eigentlich</hi> unred-<lb/>
liche Be&#x017F;itzer&#x201C; i&#x017F;t hier allerdings<lb/>
zunäch&#x017F;t ge&#x017F;agt im Gegen&#x017F;atz des<lb/>
unrechtfertigen (§ 240), der hierin<lb/>
gelinder behandelt werden &#x017F;oll.<lb/>
Wenn aber &#x017F;chon der unrechtfer-<lb/>
tige, de&#x017F;&#x017F;en Bewußt&#x017F;eyn doch immer<lb/>
etwas fehlerhaft i&#x017F;t, von die&#x017F;er<lb/>
&#x017F;trengen Verpflichtung frei &#x017F;eyn<lb/>
&#x017F;oll, &#x017F;o muß die&#x017F;elbe Befreiung<lb/>
um &#x017F;o mehr demjenigen gebühren,<lb/>
dem blos die fingirte Unredlich-<lb/>
keit wegen der In&#x017F;inuation (§ 222)<lb/>
zuge&#x017F;chrieben werden kann, und<lb/>
de&#x017F;&#x017F;en Bewußt&#x017F;eyn daneben viel-<lb/>
leicht vollkommen tadellos i&#x017F;t.<lb/>
In&#x017F;ofern bezeichnet das <hi rendition="#g">eigent-<lb/>
lich</hi> auch (wenig&#x017F;tens indirect)<lb/>
einen Gegen&#x017F;atz gegen den § 222. &#x2014;<lb/>
Von der Ein&#x017F;chränkung am Schluß<lb/>
des § 241 wird im folgenden §<lb/>
die Rede &#x017F;eyn.</note>. Die&#x017F;elbe Verpflich-<lb/>
tung aber trifft auch den Schuldner, der mit der Ueber-<lb/>
gabe einer Sache im Verzug &#x017F;ich befindet <note place="foot" n="(bb)">A. L. R., Th. 1 Tit. 16<lb/>
§ 18.</note>. &#x2014; Es<lb/>
findet &#x017F;ich hier zwi&#x017F;chen beiden Rechten völlige Ueberein-<lb/>
&#x017F;timmung, nur unter ver&#x017F;chiedenen Ausdrücken, wie &#x017F;ie<lb/>
aus der Ver&#x017F;chiedenheit der allgemeinen Auffa&#x017F;&#x017F;ung her-<lb/>
vorgehen mußte.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 274.<lb/><hi rendition="#g">Wirkung der Litis Conte&#x017F;tation</hi>. &#x2014; <hi rendition="#aq">II.</hi> <hi rendition="#g">Umfang der Ver-<lb/>
urtheilung</hi>. &#x2014; <hi rendition="#aq">b</hi>) <hi rendition="#g">Verminderungen. (Fort&#x017F;etzung.)</hi></head><lb/>
            <p>Ich wende mich jetzt zu der oben (§ 273) ausge&#x017F;etzten<lb/>
Frage wegen der angeblichen Ein&#x017F;chränkungen der &#x017F;trengen<lb/>
Er&#x017F;atzverbindlichkeit des Beklagten.</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[183/0201] §. 274. Wirkung der L. C. — Verminderungen. (Fortſ.) des Zufalls nicht jeden Beklagten überhaupt, obgleich dem- ſelben von der Inſinuation an ein fingirter unredlicher Beſitz zugeſchrieben wird, ſondern nur allein den eigent- lich unredlichen Beſitzer, alſo den, welcher wirklich weiß, daß er mit Unrecht beſitzt (aa). Dieſelbe Verpflich- tung aber trifft auch den Schuldner, der mit der Ueber- gabe einer Sache im Verzug ſich befindet (bb). — Es findet ſich hier zwiſchen beiden Rechten völlige Ueberein- ſtimmung, nur unter verſchiedenen Ausdrücken, wie ſie aus der Verſchiedenheit der allgemeinen Auffaſſung her- vorgehen mußte. §. 274. Wirkung der Litis Conteſtation. — II. Umfang der Ver- urtheilung. — b) Verminderungen. (Fortſetzung.) Ich wende mich jetzt zu der oben (§ 273) ausgeſetzten Frage wegen der angeblichen Einſchränkungen der ſtrengen Erſatzverbindlichkeit des Beklagten. (aa) A. L. R., Th. 1 Tit. 7 § 241. Der „eigentlich unred- liche Beſitzer“ iſt hier allerdings zunächſt geſagt im Gegenſatz des unrechtfertigen (§ 240), der hierin gelinder behandelt werden ſoll. Wenn aber ſchon der unrechtfer- tige, deſſen Bewußtſeyn doch immer etwas fehlerhaft iſt, von dieſer ſtrengen Verpflichtung frei ſeyn ſoll, ſo muß dieſelbe Befreiung um ſo mehr demjenigen gebühren, dem blos die fingirte Unredlich- keit wegen der Inſinuation (§ 222) zugeſchrieben werden kann, und deſſen Bewußtſeyn daneben viel- leicht vollkommen tadellos iſt. Inſofern bezeichnet das eigent- lich auch (wenigſtens indirect) einen Gegenſatz gegen den § 222. — Von der Einſchränkung am Schluß des § 241 wird im folgenden § die Rede ſeyn. (bb) A. L. R., Th. 1 Tit. 16 § 18.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847/201
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847, S. 183. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847/201>, abgerufen am 10.04.2021.