Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847.

Bild:
<< vorherige Seite

Appellatio und Provocatio.
drücke provocatio und appellatio in ihrer eigenthümlichen
Bedeutung streng aus einander gehalten (Note p. q.).
Bald aber verschwindet diese Unterscheidung, so daß nun
beide Ausdrücke als ganz gleichbedeutende Bezeichnungen
eines und desselben Begriffs gebraucht werden, wie wir
Dieses namentlich in unseren Rechtsquellen durchaus wahr-
nehmen.

Plinius hist. nat. VI. 22 (von einem Indischen Volk):
"sic quoque appellationem esse ad populum."
Gellius IV. 4: "Mamilia ad tribunos plebei pro-
vocavit.
"
Gellius VII. 19: "Scipio Africanus fratris nomine ad
collegium tribunorum provocabat."
L. 1 § 1 quae sent. (49. 8): "nec appellare necesse
est, et citra provocationem corrigitur."
L. 1 § 1 a quib. app. (49. 2): "Et quidem stultum
est, illud admonere, a principe appellare fas non
esse, cum ipse sit qui provocatur."
XIII.

Man könnte nun glauben, neben dem neuen, in der
kaiserlichen Gewalt vereinigten, Instanzenzug seyen die
alten, getrennten Institute der provocatio und appellatio
in ihrer Eigenthümlichkeit völlig verschwunden. Allerdings
war jetzt von einer provocatio an die Volksversammlung
durchaus nicht mehr die Nede. Dagegen dauerte das
frühere Recht der einzelnen Volkstribunen, Appellationen

32*

Appellatio und Provocatio.
drücke provocatio und appellatio in ihrer eigenthümlichen
Bedeutung ſtreng aus einander gehalten (Note p. q.).
Bald aber verſchwindet dieſe Unterſcheidung, ſo daß nun
beide Ausdrücke als ganz gleichbedeutende Bezeichnungen
eines und deſſelben Begriffs gebraucht werden, wie wir
Dieſes namentlich in unſeren Rechtsquellen durchaus wahr-
nehmen.

Plinius hist. nat. VI. 22 (von einem Indiſchen Volk):
„sic quoque appellationem esse ad populum.
Gellius IV. 4: „Mamilia ad tribunos plebei pro-
vocavit.
Gellius VII. 19: „Scipio Africanus fratris nomine ad
collegium tribunorum provocabat.
L. 1 § 1 quae sent. (49. 8): „nec appellare necesse
est, et citra provocationem corrigitur.“
L. 1 § 1 a quib. app. (49. 2): „Et quidem stultum
est, illud admonere, a principe appellare fas non
esse, cum ipse sit qui provocatur.
XIII.

Man könnte nun glauben, neben dem neuen, in der
kaiſerlichen Gewalt vereinigten, Inſtanzenzug ſeyen die
alten, getrennten Inſtitute der provocatio und appellatio
in ihrer Eigenthümlichkeit völlig verſchwunden. Allerdings
war jetzt von einer provocatio an die Volksverſammlung
durchaus nicht mehr die Nede. Dagegen dauerte das
frühere Recht der einzelnen Volkstribunen, Appellationen

32*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0517" n="499"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq">Appellatio</hi> und <hi rendition="#aq">Provocatio.</hi></fw><lb/>
drücke <hi rendition="#aq">provocatio</hi> und <hi rendition="#aq">appellatio</hi> in ihrer eigenthümlichen<lb/>
Bedeutung &#x017F;treng aus einander gehalten (Note <hi rendition="#aq">p. q.</hi>).<lb/>
Bald aber ver&#x017F;chwindet die&#x017F;e Unter&#x017F;cheidung, &#x017F;o daß nun<lb/>
beide Ausdrücke als ganz gleichbedeutende Bezeichnungen<lb/>
eines und de&#x017F;&#x017F;elben Begriffs gebraucht werden, wie wir<lb/>
Die&#x017F;es namentlich in un&#x017F;eren Rechtsquellen durchaus wahr-<lb/>
nehmen.</p><lb/>
            <list>
              <item><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Plinius</hi> hist. nat. VI.</hi> 22 (von einem Indi&#x017F;chen Volk):<lb/><hi rendition="#aq">&#x201E;sic quoque <hi rendition="#i">appellationem</hi> esse <hi rendition="#i">ad populum.</hi>&#x201C;</hi></item><lb/>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Gellius</hi> IV. 4: &#x201E;Mamilia ad tribunos plebei <hi rendition="#i">pro-<lb/>
vocavit.</hi>&#x201C;</hi> </item><lb/>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Gellius</hi> VII. 19: &#x201E;Scipio Africanus fratris nomine ad<lb/>
collegium tribunorum <hi rendition="#i">provocabat.</hi>&#x201C;</hi> </item><lb/>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">L.</hi> 1 § 1 <hi rendition="#i">quae sent.</hi> (49. 8): &#x201E;nec <hi rendition="#i">appellare</hi> necesse<lb/>
est, et <hi rendition="#i">citra provocationem</hi> corrigitur.&#x201C;</hi> </item><lb/>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">L.</hi> 1 § 1 <hi rendition="#i">a quib. app.</hi> (49. 2): &#x201E;Et quidem stultum<lb/>
est, illud admonere, a principe <hi rendition="#i">appellare</hi> fas non<lb/>
esse, cum ipse sit <hi rendition="#i">qui provocatur.</hi>&#x201C;</hi> </item>
            </list>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head> <hi rendition="#b"> <hi rendition="#aq">XIII.</hi> </hi> </head><lb/>
            <p>Man könnte nun glauben, neben dem neuen, in der<lb/>
kai&#x017F;erlichen Gewalt vereinigten, In&#x017F;tanzenzug &#x017F;eyen die<lb/>
alten, getrennten In&#x017F;titute der <hi rendition="#aq">provocatio</hi> und <hi rendition="#aq">appellatio</hi><lb/>
in ihrer Eigenthümlichkeit völlig ver&#x017F;chwunden. Allerdings<lb/>
war jetzt von einer <hi rendition="#aq">provocatio</hi> an die Volksver&#x017F;ammlung<lb/>
durchaus nicht mehr die Nede. Dagegen dauerte das<lb/>
frühere Recht der einzelnen Volkstribunen, Appellationen<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">32*</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[499/0517] Appellatio und Provocatio. drücke provocatio und appellatio in ihrer eigenthümlichen Bedeutung ſtreng aus einander gehalten (Note p. q.). Bald aber verſchwindet dieſe Unterſcheidung, ſo daß nun beide Ausdrücke als ganz gleichbedeutende Bezeichnungen eines und deſſelben Begriffs gebraucht werden, wie wir Dieſes namentlich in unſeren Rechtsquellen durchaus wahr- nehmen. Plinius hist. nat. VI. 22 (von einem Indiſchen Volk): „sic quoque appellationem esse ad populum.“ Gellius IV. 4: „Mamilia ad tribunos plebei pro- vocavit.“ Gellius VII. 19: „Scipio Africanus fratris nomine ad collegium tribunorum provocabat.“ L. 1 § 1 quae sent. (49. 8): „nec appellare necesse est, et citra provocationem corrigitur.“ L. 1 § 1 a quib. app. (49. 2): „Et quidem stultum est, illud admonere, a principe appellare fas non esse, cum ipse sit qui provocatur.“ XIII. Man könnte nun glauben, neben dem neuen, in der kaiſerlichen Gewalt vereinigten, Inſtanzenzug ſeyen die alten, getrennten Inſtitute der provocatio und appellatio in ihrer Eigenthümlichkeit völlig verſchwunden. Allerdings war jetzt von einer provocatio an die Volksverſammlung durchaus nicht mehr die Nede. Dagegen dauerte das frühere Recht der einzelnen Volkstribunen, Appellationen 32*

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847/517
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 6. Berlin, 1847, S. 499. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system06_1847/517>, abgerufen am 14.04.2021.