Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848.

Bild:
<< vorherige Seite

§. 321. Bedingungen der Restitution. II. Ausnahmen.
keinesweges eine Abweichung von den eben dargestellten
Vorschriften (v), sondern vielmehr eine reine, einfache An-
wendung derselben. Denn die actio tutelae ist bedingt
durch den Beweis einer eigenthümlichen Verschuldung des
Vormundes (w), dessen Führung stets unsicher ist, und
wodurch also der Erfolg dieser Klage weit unsicherer wird,
als der Erfolg der Restitution.

§. 322.
Restitution. -- Einzelne Gründe. -- I. Minderjährigkeit.

Nachdem die allgemeinen Bedingungen der Restitution
angegeben worden sind, sollen nunmehr die besonderen
Arten derselben dargestellt werden, deren Zusammenhang
mit den einzelnen Restitutionsgründen schon oben (§ 320)
bemerkt worden ist.

An die Spitze dieser einzelnen Restitutionsgründe stelle
ich die Minderjährigkeit, weil in ihr das ganze Institut

gar nicht als Grund und Be-
dingung der vorhergehenden Ent-
scheidung angiebt. Auch geht
diese Entscheidung selbst gar nicht
auf Versagung der Restitution,
sondern auf Zulassung derselben,
nur unter Voraussetzung der Er-
stattung der Auslagen an den
Gegner. Ohne diese Erstattung
aber erhielte ja der Minderjährige
eine Bereicherung auf fremde Kosten,
wozu die Restitution niemals führen
soll, s. o. §. 318 Note h.
(v) Manche behaupten mit Un-
recht nicht nur eine solche Ab-
weichung, sondern sie gehen noch
weiter, indem sie annehmen, die
Minderjährigen könnten nach dem
neuesten Recht Restitution suchen
ohne alle Rücksicht auf das Daseyn
irgend eines ordentlichen Rechts-
schutzes. Göschen Vorlesungen I.
S. 537. 538. 557.
(w) L. 1 pr. de tutelae (27.3),
"praestando dolum, culpam,
et quantam in rebus suis dili-
gentiam."
VII. 10

§. 321. Bedingungen der Reſtitution. II. Ausnahmen.
keinesweges eine Abweichung von den eben dargeſtellten
Vorſchriften (v), ſondern vielmehr eine reine, einfache An-
wendung derſelben. Denn die actio tutelae iſt bedingt
durch den Beweis einer eigenthümlichen Verſchuldung des
Vormundes (w), deſſen Führung ſtets unſicher iſt, und
wodurch alſo der Erfolg dieſer Klage weit unſicherer wird,
als der Erfolg der Reſtitution.

§. 322.
Reſtitution. — Einzelne Gründe. — I. Minderjährigkeit.

Nachdem die allgemeinen Bedingungen der Reſtitution
angegeben worden ſind, ſollen nunmehr die beſonderen
Arten derſelben dargeſtellt werden, deren Zuſammenhang
mit den einzelnen Reſtitutionsgründen ſchon oben (§ 320)
bemerkt worden iſt.

An die Spitze dieſer einzelnen Reſtitutionsgründe ſtelle
ich die Minderjährigkeit, weil in ihr das ganze Inſtitut

gar nicht als Grund und Be-
dingung der vorhergehenden Ent-
ſcheidung angiebt. Auch geht
dieſe Entſcheidung ſelbſt gar nicht
auf Verſagung der Reſtitution,
ſondern auf Zulaſſung derſelben,
nur unter Vorausſetzung der Er-
ſtattung der Auslagen an den
Gegner. Ohne dieſe Erſtattung
aber erhielte ja der Minderjährige
eine Bereicherung auf fremde Koſten,
wozu die Reſtitution niemals führen
ſoll, ſ. o. §. 318 Note h.
(v) Manche behaupten mit Un-
recht nicht nur eine ſolche Ab-
weichung, ſondern ſie gehen noch
weiter, indem ſie annehmen, die
Minderjährigen könnten nach dem
neueſten Recht Reſtitution ſuchen
ohne alle Rückſicht auf das Daſeyn
irgend eines ordentlichen Rechts-
ſchutzes. Göſchen Vorleſungen I.
S. 537. 538. 557.
(w) L. 1 pr. de tutelae (27.3),
„praestando dolum, culpam,
et quantam in rebus suis dili-
gentiam.“
VII. 10
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0167" n="145"/><fw place="top" type="header">§. 321. Bedingungen der Re&#x017F;titution. <hi rendition="#aq">II.</hi> Ausnahmen.</fw><lb/>
keinesweges eine Abweichung von den eben darge&#x017F;tellten<lb/>
Vor&#x017F;chriften <note place="foot" n="(v)">Manche behaupten mit Un-<lb/>
recht nicht nur eine &#x017F;olche Ab-<lb/>
weichung, &#x017F;ondern &#x017F;ie gehen noch<lb/>
weiter, indem &#x017F;ie annehmen, die<lb/>
Minderjährigen könnten nach dem<lb/>
neue&#x017F;ten Recht Re&#x017F;titution &#x017F;uchen<lb/>
ohne alle Rück&#x017F;icht auf das Da&#x017F;eyn<lb/>
irgend eines ordentlichen Rechts-<lb/>
&#x017F;chutzes. <hi rendition="#g">&#x017F;chen</hi> Vorle&#x017F;ungen <hi rendition="#aq">I.</hi><lb/>
S. 537. 538. 557.</note>, &#x017F;ondern vielmehr eine reine, einfache An-<lb/>
wendung der&#x017F;elben. Denn die <hi rendition="#aq">actio tutelae</hi> i&#x017F;t bedingt<lb/>
durch den Beweis einer eigenthümlichen Ver&#x017F;chuldung des<lb/>
Vormundes <note place="foot" n="(w)"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">L.</hi> 1 <hi rendition="#i">pr. de tutelae</hi> (27.3),<lb/>
&#x201E;praestando dolum, culpam,<lb/>
et quantam in rebus suis dili-<lb/>
gentiam.&#x201C;</hi></note>, de&#x017F;&#x017F;en Führung &#x017F;tets un&#x017F;icher i&#x017F;t, und<lb/>
wodurch al&#x017F;o der Erfolg die&#x017F;er Klage weit un&#x017F;icherer wird,<lb/>
als der Erfolg der Re&#x017F;titution.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 322.<lb/><hi rendition="#g">Re&#x017F;titution</hi>. &#x2014; <hi rendition="#g">Einzelne Gründe</hi>. &#x2014; <hi rendition="#aq">I.</hi> <hi rendition="#g">Minderjährigkeit</hi>.</head><lb/>
            <p>Nachdem die allgemeinen Bedingungen der Re&#x017F;titution<lb/>
angegeben worden &#x017F;ind, &#x017F;ollen nunmehr die be&#x017F;onderen<lb/>
Arten der&#x017F;elben darge&#x017F;tellt werden, deren Zu&#x017F;ammenhang<lb/>
mit den einzelnen Re&#x017F;titutionsgründen &#x017F;chon oben (§ 320)<lb/>
bemerkt worden i&#x017F;t.</p><lb/>
            <p>An die Spitze die&#x017F;er einzelnen Re&#x017F;titutionsgründe &#x017F;telle<lb/>
ich die Minderjährigkeit, weil in ihr das ganze In&#x017F;titut<lb/><note xml:id="seg2pn_7_2" prev="#seg2pn_7_1" place="foot" n="(u)">gar nicht als Grund und Be-<lb/>
dingung der vorhergehenden Ent-<lb/>
&#x017F;cheidung angiebt. Auch geht<lb/>
die&#x017F;e Ent&#x017F;cheidung &#x017F;elb&#x017F;t gar nicht<lb/>
auf Ver&#x017F;agung der Re&#x017F;titution,<lb/>
&#x017F;ondern auf Zula&#x017F;&#x017F;ung der&#x017F;elben,<lb/>
nur unter Voraus&#x017F;etzung der Er-<lb/>
&#x017F;tattung der Auslagen an den<lb/>
Gegner. Ohne die&#x017F;e Er&#x017F;tattung<lb/>
aber erhielte ja der Minderjährige<lb/>
eine Bereicherung auf fremde Ko&#x017F;ten,<lb/>
wozu die Re&#x017F;titution niemals führen<lb/>
&#x017F;oll, &#x017F;. o. §. 318 Note <hi rendition="#aq">h.</hi></note><lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#aq">VII.</hi> 10</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[145/0167] §. 321. Bedingungen der Reſtitution. II. Ausnahmen. keinesweges eine Abweichung von den eben dargeſtellten Vorſchriften (v), ſondern vielmehr eine reine, einfache An- wendung derſelben. Denn die actio tutelae iſt bedingt durch den Beweis einer eigenthümlichen Verſchuldung des Vormundes (w), deſſen Führung ſtets unſicher iſt, und wodurch alſo der Erfolg dieſer Klage weit unſicherer wird, als der Erfolg der Reſtitution. §. 322. Reſtitution. — Einzelne Gründe. — I. Minderjährigkeit. Nachdem die allgemeinen Bedingungen der Reſtitution angegeben worden ſind, ſollen nunmehr die beſonderen Arten derſelben dargeſtellt werden, deren Zuſammenhang mit den einzelnen Reſtitutionsgründen ſchon oben (§ 320) bemerkt worden iſt. An die Spitze dieſer einzelnen Reſtitutionsgründe ſtelle ich die Minderjährigkeit, weil in ihr das ganze Inſtitut (u) (v) Manche behaupten mit Un- recht nicht nur eine ſolche Ab- weichung, ſondern ſie gehen noch weiter, indem ſie annehmen, die Minderjährigen könnten nach dem neueſten Recht Reſtitution ſuchen ohne alle Rückſicht auf das Daſeyn irgend eines ordentlichen Rechts- ſchutzes. Göſchen Vorleſungen I. S. 537. 538. 557. (w) L. 1 pr. de tutelae (27.3), „praestando dolum, culpam, et quantam in rebus suis dili- gentiam.“ (u) gar nicht als Grund und Be- dingung der vorhergehenden Ent- ſcheidung angiebt. Auch geht dieſe Entſcheidung ſelbſt gar nicht auf Verſagung der Reſtitution, ſondern auf Zulaſſung derſelben, nur unter Vorausſetzung der Er- ſtattung der Auslagen an den Gegner. Ohne dieſe Erſtattung aber erhielte ja der Minderjährige eine Bereicherung auf fremde Koſten, wozu die Reſtitution niemals führen ſoll, ſ. o. §. 318 Note h. VII. 10

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/167
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/167>, abgerufen am 11.05.2021.