Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848.

Bild:
<< vorherige Seite
§. 308. Surrogate. I. Geständniß. Heutiges Recht.

Jedes Geständniß kann widerrufen werden, aber es ist
nicht genug, das Gegentheil des Eingestandenen zu beweisen,
sondern es muß in allen Fällen der Irrthum nachgewiesen
werden, welches nur dadurch geschehen kann, daß dessen
Entstehung aus wahrscheinlichen Gründen dargethan wird.
Jedem Widerruf steht die Vermuthung der Wahrheit des
Eingestandenen entgegen, jedoch in verschiedenen Graden,
das heißt, der Richter soll mit der Zulassung des Widerrufs
mehr oder weniger schwierig und strenge seyn; am strengsten
bei dem gerichtlichen Geständniß im gegenwärtigen Prozeß,
weniger bei dem, in einem anderen Prozeß abgegebenen
gerichtlichen Geständniß; am wenigsten bei dem außergericht-
lichen. -- Durch diese Strenge, und die damit verbundene
Abstufung, wird die grundsätzlich unrichtige Behandlung
der Sache großentheils wieder gut gemacht.

§. 309.
Surrogate des Urtheils. -- II. Eid. -- Einleitung.

Quellen:

Dig. XII. 2 (de jurejurando, sive voluntario, sive neces-
sario, sive judiciali).
Cod. IV. 1 (de rebus creditis et jurejurando).
Paulus II. 1.

Schriftsteller:

Malblanc doctrina de jurejurando Nor. 1781. 8 (enthält
viel praktisches Material).
Zimmern Rechtsgeschichte B. 3 § 127. 135. 150.

§. 308. Surrogate. I. Geſtändniß. Heutiges Recht.

Jedes Geſtändniß kann widerrufen werden, aber es iſt
nicht genug, das Gegentheil des Eingeſtandenen zu beweiſen,
ſondern es muß in allen Fällen der Irrthum nachgewieſen
werden, welches nur dadurch geſchehen kann, daß deſſen
Entſtehung aus wahrſcheinlichen Gründen dargethan wird.
Jedem Widerruf ſteht die Vermuthung der Wahrheit des
Eingeſtandenen entgegen, jedoch in verſchiedenen Graden,
das heißt, der Richter ſoll mit der Zulaſſung des Widerrufs
mehr oder weniger ſchwierig und ſtrenge ſeyn; am ſtrengſten
bei dem gerichtlichen Geſtändniß im gegenwärtigen Prozeß,
weniger bei dem, in einem anderen Prozeß abgegebenen
gerichtlichen Geſtändniß; am wenigſten bei dem außergericht-
lichen. — Durch dieſe Strenge, und die damit verbundene
Abſtufung, wird die grundſätzlich unrichtige Behandlung
der Sache großentheils wieder gut gemacht.

§. 309.
Surrogate des Urtheils. — II. Eid. — Einleitung.

Quellen:

Dig. XII. 2 (de jurejurando, sive voluntario, sive neces-
sario, sive judiciali).
Cod. IV. 1 (de rebus creditis et jurejurando).
Paulus II. 1.

Schriftſteller:

Malblanc doctrina de jurejurando Nor. 1781. 8 (enthält
viel praktiſches Material).
Zimmern Rechtsgeſchichte B. 3 § 127. 135. 150.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0069" n="47"/>
            <fw place="top" type="header">§. 308. Surrogate. <hi rendition="#aq">I.</hi> Ge&#x017F;tändniß. Heutiges Recht.</fw><lb/>
            <p>Jedes Ge&#x017F;tändniß kann widerrufen werden, aber es i&#x017F;t<lb/>
nicht genug, das Gegentheil des Einge&#x017F;tandenen zu bewei&#x017F;en,<lb/>
&#x017F;ondern es muß in allen Fällen der <hi rendition="#g">Irrthum</hi> nachgewie&#x017F;en<lb/>
werden, welches nur dadurch ge&#x017F;chehen kann, daß de&#x017F;&#x017F;en<lb/><hi rendition="#g">Ent&#x017F;tehung</hi> aus wahr&#x017F;cheinlichen Gründen dargethan wird.<lb/>
Jedem Widerruf &#x017F;teht die Vermuthung der Wahrheit des<lb/>
Einge&#x017F;tandenen entgegen, jedoch in ver&#x017F;chiedenen Graden,<lb/>
das heißt, der Richter &#x017F;oll mit der Zula&#x017F;&#x017F;ung des Widerrufs<lb/>
mehr oder weniger &#x017F;chwierig und &#x017F;trenge &#x017F;eyn; am &#x017F;treng&#x017F;ten<lb/>
bei dem gerichtlichen Ge&#x017F;tändniß im gegenwärtigen Prozeß,<lb/>
weniger bei dem, in einem anderen Prozeß abgegebenen<lb/>
gerichtlichen Ge&#x017F;tändniß; am wenig&#x017F;ten bei dem außergericht-<lb/>
lichen. &#x2014; Durch die&#x017F;e Strenge, und die damit verbundene<lb/>
Ab&#x017F;tufung, wird die grund&#x017F;ätzlich unrichtige Behandlung<lb/>
der Sache großentheils wieder gut gemacht.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 309.<lb/><hi rendition="#g">Surrogate des Urtheils. &#x2014; <hi rendition="#aq">II.</hi> Eid. &#x2014; Einleitung</hi>.</head><lb/>
            <p><hi rendition="#g">Quellen</hi>:</p><lb/>
            <list>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Dig.</hi> XII. 2 (de jurejurando, sive voluntario, sive neces-<lb/>
sario, sive judiciali).</hi> </item><lb/>
              <item> <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Cod.</hi> IV. 1 (de rebus creditis et jurejurando).</hi> </item><lb/>
              <item><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Paulus</hi> II.</hi> 1.</item>
            </list><lb/>
            <p><hi rendition="#g">Schrift&#x017F;teller</hi>:</p><lb/>
            <list>
              <item><hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Malblanc</hi> doctrina de jurejurando Nor.</hi> 1781. 8 (enthält<lb/>
viel prakti&#x017F;ches Material).</item><lb/>
              <item><hi rendition="#g">Zimmern</hi> Rechtsge&#x017F;chichte B. 3 § 127. 135. 150.</item>
            </list><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[47/0069] §. 308. Surrogate. I. Geſtändniß. Heutiges Recht. Jedes Geſtändniß kann widerrufen werden, aber es iſt nicht genug, das Gegentheil des Eingeſtandenen zu beweiſen, ſondern es muß in allen Fällen der Irrthum nachgewieſen werden, welches nur dadurch geſchehen kann, daß deſſen Entſtehung aus wahrſcheinlichen Gründen dargethan wird. Jedem Widerruf ſteht die Vermuthung der Wahrheit des Eingeſtandenen entgegen, jedoch in verſchiedenen Graden, das heißt, der Richter ſoll mit der Zulaſſung des Widerrufs mehr oder weniger ſchwierig und ſtrenge ſeyn; am ſtrengſten bei dem gerichtlichen Geſtändniß im gegenwärtigen Prozeß, weniger bei dem, in einem anderen Prozeß abgegebenen gerichtlichen Geſtändniß; am wenigſten bei dem außergericht- lichen. — Durch dieſe Strenge, und die damit verbundene Abſtufung, wird die grundſätzlich unrichtige Behandlung der Sache großentheils wieder gut gemacht. §. 309. Surrogate des Urtheils. — II. Eid. — Einleitung. Quellen: Dig. XII. 2 (de jurejurando, sive voluntario, sive neces- sario, sive judiciali). Cod. IV. 1 (de rebus creditis et jurejurando). Paulus II. 1. Schriftſteller: Malblanc doctrina de jurejurando Nor. 1781. 8 (enthält viel praktiſches Material). Zimmern Rechtsgeſchichte B. 3 § 127. 135. 150.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/69
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 7. Berlin, 1848, S. 47. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system07_1848/69>, abgerufen am 20.04.2021.