ordnet; der siebente und oberste Kopf trug einen grossen runden Hut, wohl als Symbol der verhüllenden Winterwolken. Alle sieben Köpfe des Rugewit haben einen Bart, während die vier Köpfe des Swantewit bartlos sind, dieser daher die Jahresjugend, jener das Jahresalter bezeichnet. Dem Rugewit soll die Schwalbe geheiligt gewesen sein, was nur ausdrücken könnte, dass Rugewit zum Swantewit werde, wenn die Schwalben zurückkehren.
Die drei Aepfel der Hesperiden, welche Herakles von dem Baume des Lebens entweder selbst pflückt oder auch durch den Atlas pflücken lässt,1) sind nur ein anderes und wahrscheinlich ursprünglich orientalisches Bild der drei Wintermonate, welche Herakles im Grabe schläft, oder des Scheiterhaufens, auf dem er sich selbst verbrennt, um als der unsterbliche Sonnen- und Naturgott verjüngt wieder zu erstehen. Den drei Aepfeln der Hesperiden würden also auch die drei ungetreuen Gesellen, die drei Tage des Grabes des Hiram gleichstehen. Das Holen der fetten Rinderheerden des dreileibigen und dreiköpfigen Riesen Gerynoeus oder Geryon von den Fluren des abendlichen Okeanos, wo auch der Garten der Hesperiden liegt, durch Herakles2) - ist in aller Hinsicht mit dem Holen der Aepfel gleichbedeutend; in den Rinderheerden, den Wolken, des erschlagenen Riesen und in den Aepfeln holte Herakles sich die Kraft des neu zu beginnenden Lebensjahres. Creuzer, Symbolik, II. S. 220, deutet die drei Aepfel des Herakles auf die drei alten Jahreszeiten des Frühlings, Sommers und Winters. Die Dreizahl der Aepfel ergibt sich aus der Neunzahl der Dienstjahre des Herakles und den neun treuen Gesellen des Hiram. Die drei Aepfel, welche Herakles aus dem Göttergarten geraubt hatte, müssen dahin zurückgebracht werden, damit Herakles sie stets von neuem rauben und mit ihnen sich siegreich verjüngen könne. Derselbe Gedanke wird bei Herakles dadurch ausgedrückt, dass ihn die Haut des nemeischen Löwen unverwundbar macht,3) und bei Hiram, dass ihn die drei
1) Preller, griech. Mythol., II. S. 149 ff.
2) Preller, a. a. O., II. S. 142 ff.
3) Preller, a. a. O., II. S. 130.
ordnet; der siebente und oberste Kopf trug einen grossen runden Hut, wohl als Symbol der verhüllenden Winterwolken. Alle sieben Köpfe des Rugewit haben einen Bart, während die vier Köpfe des Swantewit bartlos sind, dieser daher die Jahresjugend, jener das Jahresalter bezeichnet. Dem Rugewit soll die Schwalbe geheiligt gewesen sein, was nur ausdrücken könnte, dass Rugewit zum Swantewit werde, wenn die Schwalben zurückkehren.
Die drei Aepfel der Hesperiden, welche Herakles von dem Baume des Lebens entweder selbst pflückt oder auch durch den Atlas pflücken lässt,1) sind nur ein anderes und wahrscheinlich ursprünglich orientalisches Bild der drei Wintermonate, welche Herakles im Grabe schläft, oder des Scheiterhaufens, auf dem er sich selbst verbrennt, um als der unsterbliche Sonnen- und Naturgott verjüngt wieder zu erstehen. Den drei Aepfeln der Hesperiden würden also auch die drei ungetreuen Gesellen, die drei Tage des Grabes des Hiram gleichstehen. Das Holen der fetten Rinderheerden des dreileibigen und dreiköpfigen Riesen Gerynoeus oder Geryon von den Fluren des abendlichen Okeanos, wo auch der Garten der Hesperiden liegt, durch Herakles2) - ist in aller Hinsicht mit dem Holen der Aepfel gleichbedeutend; in den Rinderheerden, den Wolken, des erschlagenen Riesen und in den Aepfeln holte Herakles sich die Kraft des neu zu beginnenden Lebensjahres. Creuzer, Symbolik, II. S. 220, deutet die drei Aepfel des Herakles auf die drei alten Jahreszeiten des Frühlings, Sommers und Winters. Die Dreizahl der Aepfel ergibt sich aus der Neunzahl der Dienstjahre des Herakles und den neun treuen Gesellen des Hiram. Die drei Aepfel, welche Herakles aus dem Göttergarten geraubt hatte, müssen dahin zurückgebracht werden, damit Herakles sie stets von neuem rauben und mit ihnen sich siegreich verjüngen könne. Derselbe Gedanke wird bei Herakles dadurch ausgedrückt, dass ihn die Haut des nemeischen Löwen unverwundbar macht,3) und bei Hiram, dass ihn die drei
1) Preller, griech. Mythol., II. S. 149 ff.
2) Preller, a. a. O., II. S. 142 ff.
3) Preller, a. a. O., II. S. 130.
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0682"n="662"/>
ordnet; der siebente und oberste Kopf trug einen grossen runden Hut, wohl als Symbol der verhüllenden Winterwolken. Alle sieben Köpfe des Rugewit haben einen Bart, während die vier Köpfe des Swantewit bartlos sind, dieser daher die Jahresjugend, jener das Jahresalter bezeichnet. Dem Rugewit soll die Schwalbe geheiligt gewesen sein, was nur ausdrücken könnte, dass Rugewit zum Swantewit werde, wenn die Schwalben zurückkehren.</p><p>
Die drei Aepfel der Hesperiden, welche Herakles von dem Baume des Lebens entweder selbst pflückt oder auch durch den Atlas pflücken lässt,<noteplace="foot"n="1)">Preller, griech. Mythol., II. S. 149 ff.<lb/></note> sind nur ein anderes und wahrscheinlich ursprünglich orientalisches Bild der drei Wintermonate, welche Herakles im Grabe schläft, oder des Scheiterhaufens, auf dem er sich selbst verbrennt, um als der unsterbliche Sonnen- und Naturgott verjüngt wieder zu erstehen. Den drei Aepfeln der Hesperiden würden also auch die drei ungetreuen Gesellen, die drei Tage des Grabes des Hiram gleichstehen. Das Holen der fetten Rinderheerden des <hirendition="#g">drei</hi>leibigen und <hirendition="#g">drei</hi>köpfigen Riesen Gerynoeus oder Geryon von den Fluren des abendlichen Okeanos, wo auch der Garten der Hesperiden liegt, durch Herakles<noteplace="foot"n="2)">Preller, a. a. O., II. S. 142 ff.<lb/></note> - ist in aller Hinsicht mit dem Holen der Aepfel gleichbedeutend; in den Rinderheerden, den Wolken, des erschlagenen Riesen und in den Aepfeln holte Herakles sich die Kraft des neu zu beginnenden Lebensjahres. Creuzer, Symbolik, II. S. 220, deutet die drei Aepfel des Herakles auf die drei alten Jahreszeiten des Frühlings, Sommers und Winters. Die Dreizahl der Aepfel ergibt sich aus der Neunzahl der Dienstjahre des Herakles und den neun treuen Gesellen des Hiram. Die drei Aepfel, welche Herakles aus dem Göttergarten geraubt hatte, müssen dahin zurückgebracht werden, damit Herakles sie stets von neuem rauben und mit ihnen sich siegreich verjüngen könne. Derselbe Gedanke wird bei Herakles dadurch ausgedrückt, dass ihn die Haut des nemeischen Löwen unverwundbar macht,<noteplace="foot"n="3)">Preller, a. a. O., II. S. 130.<lb/></note> und bei Hiram, dass ihn die drei
</p></div></body></text></TEI>
[662/0682]
ordnet; der siebente und oberste Kopf trug einen grossen runden Hut, wohl als Symbol der verhüllenden Winterwolken. Alle sieben Köpfe des Rugewit haben einen Bart, während die vier Köpfe des Swantewit bartlos sind, dieser daher die Jahresjugend, jener das Jahresalter bezeichnet. Dem Rugewit soll die Schwalbe geheiligt gewesen sein, was nur ausdrücken könnte, dass Rugewit zum Swantewit werde, wenn die Schwalben zurückkehren.
Die drei Aepfel der Hesperiden, welche Herakles von dem Baume des Lebens entweder selbst pflückt oder auch durch den Atlas pflücken lässt, 1) sind nur ein anderes und wahrscheinlich ursprünglich orientalisches Bild der drei Wintermonate, welche Herakles im Grabe schläft, oder des Scheiterhaufens, auf dem er sich selbst verbrennt, um als der unsterbliche Sonnen- und Naturgott verjüngt wieder zu erstehen. Den drei Aepfeln der Hesperiden würden also auch die drei ungetreuen Gesellen, die drei Tage des Grabes des Hiram gleichstehen. Das Holen der fetten Rinderheerden des dreileibigen und dreiköpfigen Riesen Gerynoeus oder Geryon von den Fluren des abendlichen Okeanos, wo auch der Garten der Hesperiden liegt, durch Herakles 2) - ist in aller Hinsicht mit dem Holen der Aepfel gleichbedeutend; in den Rinderheerden, den Wolken, des erschlagenen Riesen und in den Aepfeln holte Herakles sich die Kraft des neu zu beginnenden Lebensjahres. Creuzer, Symbolik, II. S. 220, deutet die drei Aepfel des Herakles auf die drei alten Jahreszeiten des Frühlings, Sommers und Winters. Die Dreizahl der Aepfel ergibt sich aus der Neunzahl der Dienstjahre des Herakles und den neun treuen Gesellen des Hiram. Die drei Aepfel, welche Herakles aus dem Göttergarten geraubt hatte, müssen dahin zurückgebracht werden, damit Herakles sie stets von neuem rauben und mit ihnen sich siegreich verjüngen könne. Derselbe Gedanke wird bei Herakles dadurch ausgedrückt, dass ihn die Haut des nemeischen Löwen unverwundbar macht, 3) und bei Hiram, dass ihn die drei
1) Preller, griech. Mythol., II. S. 149 ff.
2) Preller, a. a. O., II. S. 142 ff.
3) Preller, a. a. O., II. S. 130.
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Internetloge: Bereitstellung der Texttranskription.
(2013-08-21T13:44:32Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2013-08-21T13:44:32Z)
Christian Thomas: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2013-08-21T13:44:32Z)
Maxi Grubert: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2013-08-21T13:44:32Z)
Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 2. Schaffhausen, 1861, S. 662. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schauberg_freimaurerei02_1861/682>, abgerufen am 25.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.