Schmause, bey dem frohe Gasconische Lieder ge- sungen, und der Becher, aus dem mit wollustvoller Hitze ein neuer Lebensgeist durch alle Adern blitzt, öfters geleert worden, zur Ruhe auf den Polstern, die, wie beseelt von innerlichem Leben bey jedem Druck sanftblähend sich erheben. Als er da liegt, zwischen Schlaf und Wa- chen, da tönt es, als ob ringsum auf jedem Baum ein jedes Blatt zur Kehle worden wäre. Und Mara's Engelston, der Zauber aller Seelen, Erschallte tausendfach aus allen diesen Kehlen. Er schläft ein, und gegen Morgen steht auf einmal vor seinen Augen -- ein göttergleiches Weib im großen Auge des Himmels reinste Milde. Der Liebe Reitz um ihren ganzen Leib.
Die Entzückung, die er bey diesem Anblicke fühlt, ist ihm zu neu, zu gewaltig, als daß sie ihm ein reines Lustgefühl gewähren sollte.
-- -- Bald wird das Uebermaaß der Lust zum Schmerz. -- -- --
Die Farbe seines Traums ändert sich: aus Tag wird schwarzgewölkte Nacht.
Von
Schmauſe, bey dem frohe Gaſconiſche Lieder ge- ſungen, und der Becher, aus dem mit wolluſtvoller Hitze ein neuer Lebensgeiſt durch alle Adern blitzt, oͤfters geleert worden, zur Ruhe auf den Polſtern, die, wie beſeelt von innerlichem Leben bey jedem Druck ſanftblaͤhend ſich erheben. Als er da liegt, zwiſchen Schlaf und Wa- chen, da toͤnt es, als ob ringsum auf jedem Baum ein jedes Blatt zur Kehle worden waͤre. Und Mara's Engelston, der Zauber aller Seelen, Erſchallte tauſendfach aus allen dieſen Kehlen. Er ſchlaͤft ein, und gegen Morgen ſteht auf einmal vor ſeinen Augen — ein goͤttergleiches Weib im großen Auge des Himmels reinſte Milde. Der Liebe Reitz um ihren ganzen Leib.
Die Entzuͤckung, die er bey dieſem Anblicke fuͤhlt, iſt ihm zu neu, zu gewaltig, als daß ſie ihm ein reines Luſtgefuͤhl gewaͤhren ſollte.
— — Bald wird das Uebermaaß der Luſt zum Schmerz. — — —
Die Farbe ſeines Traums aͤndert ſich: aus Tag wird ſchwarzgewoͤlkte Nacht.
Von
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Schmauſe, bey dem frohe Gaſconiſche Lieder ge-
ſungen, und der Becher, aus dem
mit wolluſtvoller Hitze
ein neuer Lebensgeiſt durch alle Adern blitzt,
oͤfters geleert worden, zur Ruhe auf den Polſtern,
die, wie beſeelt von innerlichem Leben
bey jedem Druck ſanftblaͤhend ſich erheben.
Als er da liegt, zwiſchen Schlaf und Wa-
chen, da
toͤnt es, als ob ringsum auf jedem Baum
ein jedes Blatt zur Kehle worden waͤre.
Und Mara's Engelston, der Zauber aller
Seelen,
Erſchallte tauſendfach aus allen dieſen Kehlen.
Er ſchlaͤft ein, und gegen Morgen ſteht auf
einmal vor ſeinen Augen
— ein goͤttergleiches Weib
im großen Auge des Himmels reinſte Milde.
Der Liebe Reitz um ihren ganzen Leib.
Die Entzuͤckung, die er bey dieſem Anblicke
fuͤhlt, iſt ihm zu neu, zu gewaltig, als daß ſie
ihm ein reines Luſtgefuͤhl gewaͤhren ſollte.
— — Bald wird das Uebermaaß der Luſt
zum Schmerz. — — —
Die Farbe ſeines Traums aͤndert ſich: aus
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Schaumann, Johann Christian Gottlieb: Psyche oder Unterhaltungen über die Seele. Bd. 1. Halle, 1791, S. 84. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schaumann_psyche01_1791/108>, abgerufen am 25.09.2024.
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