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Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708.

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N. 15.)



Schweizerische
Berg-Reisen.


ETwann geschihets/ daß/ sonderlich die so genante/ in Bergwerken vor-
kommende/ Berg-Crystallen nicht nur bedecket/ oder besprengt
werden mit Erdichten Theilen/ sondern auch mit Metallischen/ ins
besonder aber mit Schwefelkieß. Wo Metall auß der Erden hervorgegra-
ben werden/ sein dergleichen Flüsse gemein/ und gehöret hieher Crystallus
guttis aureis, seu verius Sabulo aurifero undique conspersa.
Ein mit
Goldsand/
villeicht Goldkieß/ besprengter Crystall in Velsch. Heca-
tost. 1. p. 55. Crystallus, in quo Massulae Marcasitae aureae eminent an-
gulares, octaedrae, decaedrae, & dodecaedrae.
Ein mir 8-10- und 12- sei-
tigem Goldkieß besezter Crystall.
Id. l. c. Bey mir ist zu sehen ein
Faust grosser Crystall auß unseren Alpgebirgen/ dessen einte seiten mit
Schwefelkieß/ gleich als mit einem Netze überzogen.

Wann bisher erzellte farbichte Erden/ oder Kieß/ denen sonst inwendig
hell-lauteren Crystallen nur ausserlich angeleget seyn/ so ist leicht zu erachten/
daß vorerst die Crystallen selbs ihre festigkeit bekommen/ und hernach der-
gleichen frömde Theil in einem holen Felsgewölb auf sie hinunter gefallen/
und vermittelst eines zähen Steinsafts angewachsen; oder auch/ daß die
frömde irrdische oder metallische Materi allzu grob gewesen/ als daß sie sich
hette können in die enge Löchlein der flüssigen Crystall-Materi einsenken.
Wann aber die färbende Materi so subtil/ daß sie sich durch den ganzen
Crystallfluß zertheilen kan/ so kommen Crystallen herauß/ welche nicht nur
in ihrer ausseren Fläche eine frömde Farb zeigen/ sondern durch und durch/
oder wenigstens/ so weit die Farb gelangen mögen/ tingirt seyn.

Jst die färbende Materi von solcher Art/ daß in ihro die einfallende
Sonnenstralen verschlungen werden/ so wird gezeuget Crystallus nigra,
quam atramentum est,
ein Dintenschwarzer Crystall. Velsch. l. c.
Cristallo nerissimo;
ein kohlschwarzer Crystall: Settal. Mus. p. 49.
Fluores subnigri,
schwarzlechte Flüsse. Worm. Mus pag 101. Crystal-
lus opaca nigricans,
ein schwarzdunkler Crystall. Boccon. Museo
di Piante. pag. 159. Iris vulgaris, Adamas Bristoliensium, coloris Anthraci-
ni:
Ein schwarzer Englischer Diamantfluß von Bristol. Luid.
Lithoph. Brittannic. n.
16. 17.

Auf
N. 15.)



Schweizeriſche
Berg-Reiſen.


ETwann geſchihets/ daß/ ſonderlich die ſo genante/ in Bergwerken vor-
kommende/ Berg-Cryſtallen nicht nur bedecket/ oder beſprengt
werden mit Erdichten Theilen/ ſondern auch mit Metalliſchen/ ins
beſonder aber mit Schwefelkieß. Wo Metall auß der Erden hervorgegra-
ben werden/ ſein dergleichen Flüſſe gemein/ und gehoͤret hieher Cryſtallus
guttis aureis, ſeu veriùs Sabulo aurifero undique conſperſa.
Ein mit
Goldſand/
villeicht Goldkieß/ beſprengter Cryſtall in Velſch. Heca-
toſt. 1. p. 55. Cryſtallus, in quo Maſſulæ Marcaſitæ aureæ eminent an-
gulares, octaedræ, decaedræ, & dodecaedræ.
Ein mir 8-10- und 12- ſei-
tigem Goldkieß beſezter Cryſtall.
Id. l. c. Bey mir iſt zu ſehen ein
Fauſt groſſer Cryſtall auß unſeren Alpgebirgen/ deſſen einte ſeiten mit
Schwefelkieß/ gleich als mit einem Netze uͤberzogen.

Wann bisher erzellte farbichte Erden/ oder Kieß/ denen ſonſt inwendig
hell-lauteren Cryſtallen nur auſſerlich angeleget ſeyn/ ſo iſt leicht zu erachten/
daß vorerſt die Cryſtallen ſelbs ihre feſtigkeit bekommen/ und hernach der-
gleichen froͤmde Theil in einem holen Felsgewoͤlb auf ſie hinunter gefallen/
und vermittelſt eines zaͤhen Steinſafts angewachſen; oder auch/ daß die
froͤmde irꝛdiſche oder metalliſche Materi allzu grob geweſen/ als daß ſie ſich
hette koͤnnen in die enge Loͤchlein der fluͤſſigen Cryſtall-Materi einſenken.
Wann aber die faͤrbende Materi ſo ſubtil/ daß ſie ſich durch den ganzen
Cryſtallfluß zertheilen kan/ ſo kommen Cryſtallen herauß/ welche nicht nur
in ihrer auſſeren Flaͤche eine froͤmde Farb zeigen/ ſondern durch und durch/
oder wenigſtens/ ſo weit die Farb gelangen moͤgen/ tingirt ſeyn.

Jſt die faͤrbende Materi von ſolcher Art/ daß in ihro die einfallende
Sonnenſtralen verſchlungen werden/ ſo wird gezeuget Cryſtallus nigra,
quàm atramentum eſt,
ein Dintenſchwarzer Cryſtall. Velſch. l. c.
Criſtallo neriſſimo;
ein kohlſchwarzer Cryſtall: Settal. Muſ. p. 49.
Fluores ſubnigri,
ſchwarzlechte Flüſſe. Worm. Muſ pag 101. Cryſtal-
lus opaca nigricans,
ein ſchwarzdunkler Cryſtall. Boccon. Muſeo
di Piante. pag. 159. Iris vulgaris, Adamas Briſtolienſium, coloris Anthraci-
ni:
Ein ſchwarzer Engliſcher Diamantfluß von Briſtol. Luid.
Lithoph. Brittannic. n.
16. 17.

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[(57)[57]/0070] N. 15.) (Den 13. April. 1707. Schweizeriſche Berg-Reiſen. ETwann geſchihets/ daß/ ſonderlich die ſo genante/ in Bergwerken vor- kommende/ Berg-Cryſtallen nicht nur bedecket/ oder beſprengt werden mit Erdichten Theilen/ ſondern auch mit Metalliſchen/ ins beſonder aber mit Schwefelkieß. Wo Metall auß der Erden hervorgegra- ben werden/ ſein dergleichen Flüſſe gemein/ und gehoͤret hieher Cryſtallus guttis aureis, ſeu veriùs Sabulo aurifero undique conſperſa. Ein mit Goldſand/ villeicht Goldkieß/ beſprengter Cryſtall in Velſch. Heca- toſt. 1. p. 55. Cryſtallus, in quo Maſſulæ Marcaſitæ aureæ eminent an- gulares, octaedræ, decaedræ, & dodecaedræ. Ein mir 8-10- und 12- ſei- tigem Goldkieß beſezter Cryſtall. Id. l. c. Bey mir iſt zu ſehen ein Fauſt groſſer Cryſtall auß unſeren Alpgebirgen/ deſſen einte ſeiten mit Schwefelkieß/ gleich als mit einem Netze uͤberzogen. Wann bisher erzellte farbichte Erden/ oder Kieß/ denen ſonſt inwendig hell-lauteren Cryſtallen nur auſſerlich angeleget ſeyn/ ſo iſt leicht zu erachten/ daß vorerſt die Cryſtallen ſelbs ihre feſtigkeit bekommen/ und hernach der- gleichen froͤmde Theil in einem holen Felsgewoͤlb auf ſie hinunter gefallen/ und vermittelſt eines zaͤhen Steinſafts angewachſen; oder auch/ daß die froͤmde irꝛdiſche oder metalliſche Materi allzu grob geweſen/ als daß ſie ſich hette koͤnnen in die enge Loͤchlein der fluͤſſigen Cryſtall-Materi einſenken. Wann aber die faͤrbende Materi ſo ſubtil/ daß ſie ſich durch den ganzen Cryſtallfluß zertheilen kan/ ſo kommen Cryſtallen herauß/ welche nicht nur in ihrer auſſeren Flaͤche eine froͤmde Farb zeigen/ ſondern durch und durch/ oder wenigſtens/ ſo weit die Farb gelangen moͤgen/ tingirt ſeyn. Jſt die faͤrbende Materi von ſolcher Art/ daß in ihro die einfallende Sonnenſtralen verſchlungen werden/ ſo wird gezeuget Cryſtallus nigra, quàm atramentum eſt, ein Dintenſchwarzer Cryſtall. Velſch. l. c. Criſtallo neriſſimo; ein kohlſchwarzer Cryſtall: Settal. Muſ. p. 49. Fluores ſubnigri, ſchwarzlechte Flüſſe. Worm. Muſ pag 101. Cryſtal- lus opaca nigricans, ein ſchwarzdunkler Cryſtall. Boccon. Muſeo di Piante. pag. 159. Iris vulgaris, Adamas Briſtolienſium, coloris Anthraci- ni: Ein ſchwarzer Engliſcher Diamantfluß von Briſtol. Luid. Lithoph. Brittannic. n. 16. 17. Auf

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Zitationshilfe: Scheuchzer, Johann Jacob: Beschreibung Der Natur-Geschichten Des Schweitzerlands. Bd. 3. Zürich, 1708, S. (57)[57]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/scheuchzer_naturgeschichten03_1708/70>, abgerufen am 15.04.2021.