Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schiller, Friedrich: Dom Karlos, Infant von Spanien. Leipzig, 1787.

Bild:
<< vorherige Seite
Dom Karlos.
Bloße Namen --
nur Namen stehen hier, und nicht einmal
Erwähnung des Verdiensts, dem sie den Platz
auf dieser Tafel danken -- und was ist
vergeßlicher als Dankbarkeit? Doch hier
auf dieser andern Tafel les' ich jede
Vergehung pünktlich beigeschrieben. Wie?
Das ist nicht gut. Braucht etwa das Ge-
dächtniß
der Rache dieser Hülfe noch?

Lies't weiter.
Graf Egmont?
Was will der hier? -- Der Sieg bei Saint
Quentin
war längst verwirkt. Ich werf' ihn zu den
Todten.

Er löscht diesen Namen aus und schreibt ihn auf die an-
dere Tafel. Nachdem er weiter gelesen:

Marquis von Posa? -- Posa? -- Posa?
Kann
ich dieses Menschen mich doch kaum besinnen!
Und zweifach angestrichen -- ein Beweis,
daß ich zu großen Zwecken ihn bestimmte.
Und war es möglich? dieser Mensch entzog
sich meiner Gegenwart bis jetzt? vermied
die Augen seines königlichen Schuldners?
Dom Karlos.
Bloße Namen —
nur Namen ſtehen hier, und nicht einmal
Erwähnung des Verdienſts, dem ſie den Platz
auf dieſer Tafel danken — und was iſt
vergeßlicher als Dankbarkeit? Doch hier
auf dieſer andern Tafel leſ’ ich jede
Vergehung pünktlich beigeſchrieben. Wie?
Das iſt nicht gut. Braucht etwa das Ge-
dächtniß
der Rache dieſer Hülfe noch?

Lieſ’t weiter.
Graf Egmont?
Was will der hier? — Der Sieg bei Saint
Quentin
war längſt verwirkt. Ich werf’ ihn zu den
Todten.

Er löſcht dieſen Namen aus und ſchreibt ihn auf die an-
dere Tafel. Nachdem er weiter geleſen:

Marquis von Poſa? — Poſa? — Poſa?
Kann
ich dieſes Menſchen mich doch kaum beſinnen!
Und zweifach angeſtrichen — ein Beweis,
daß ich zu großen Zwecken ihn beſtimmte.
Und war es möglich? dieſer Menſch entzog
ſich meiner Gegenwart bis jetzt? vermied
die Augen ſeines königlichen Schuldners?
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <sp who="#KOENIG">
              <pb facs="#f0256" n="244"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#g">Dom Karlos.</hi> </fw><lb/>
              <p><hi rendition="#et">Bloße Namen &#x2014;</hi><lb/>
nur Namen &#x017F;tehen hier, und nicht einmal<lb/>
Erwähnung des Verdien&#x017F;ts, dem &#x017F;ie den Platz<lb/>
auf die&#x017F;er Tafel danken &#x2014; und was i&#x017F;t<lb/>
vergeßlicher als Dankbarkeit? Doch hier<lb/>
auf die&#x017F;er andern Tafel le&#x017F;&#x2019; ich jede<lb/>
Vergehung pünktlich beige&#x017F;chrieben. Wie?<lb/>
Das i&#x017F;t nicht gut. Braucht etwa das Ge-<lb/>
dächtniß<lb/>
der Rache die&#x017F;er Hülfe noch?</p><lb/>
              <stage>Lie&#x017F;&#x2019;t weiter.</stage><lb/>
              <p><hi rendition="#et">Graf Egmont?</hi><lb/>
Was will der hier? &#x2014; Der Sieg bei Saint<lb/>
Quentin<lb/>
war läng&#x017F;t verwirkt. Ich werf&#x2019; ihn zu den<lb/>
Todten.</p><lb/>
              <stage>Er lö&#x017F;cht die&#x017F;en Namen aus und &#x017F;chreibt ihn auf die an-<lb/>
dere Tafel. Nachdem er weiter gele&#x017F;en:</stage><lb/>
              <p>Marquis von Po&#x017F;a? &#x2014; Po&#x017F;a? &#x2014; Po&#x017F;a?<lb/>
Kann<lb/>
ich die&#x017F;es Men&#x017F;chen mich doch kaum be&#x017F;innen!<lb/>
Und zweifach ange&#x017F;trichen &#x2014; ein Beweis,<lb/>
daß ich zu großen Zwecken ihn be&#x017F;timmte.<lb/>
Und war es möglich? die&#x017F;er Men&#x017F;ch entzog<lb/>
&#x017F;ich meiner Gegenwart bis jetzt? vermied<lb/>
die Augen &#x017F;eines königlichen Schuldners?<lb/></p>
            </sp>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[244/0256] Dom Karlos. Bloße Namen — nur Namen ſtehen hier, und nicht einmal Erwähnung des Verdienſts, dem ſie den Platz auf dieſer Tafel danken — und was iſt vergeßlicher als Dankbarkeit? Doch hier auf dieſer andern Tafel leſ’ ich jede Vergehung pünktlich beigeſchrieben. Wie? Das iſt nicht gut. Braucht etwa das Ge- dächtniß der Rache dieſer Hülfe noch? Lieſ’t weiter. Graf Egmont? Was will der hier? — Der Sieg bei Saint Quentin war längſt verwirkt. Ich werf’ ihn zu den Todten. Er löſcht dieſen Namen aus und ſchreibt ihn auf die an- dere Tafel. Nachdem er weiter geleſen: Marquis von Poſa? — Poſa? — Poſa? Kann ich dieſes Menſchen mich doch kaum beſinnen! Und zweifach angeſtrichen — ein Beweis, daß ich zu großen Zwecken ihn beſtimmte. Und war es möglich? dieſer Menſch entzog ſich meiner Gegenwart bis jetzt? vermied die Augen ſeines königlichen Schuldners?

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_domkarlos_1787
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_domkarlos_1787/256
Zitationshilfe: Schiller, Friedrich: Dom Karlos, Infant von Spanien. Leipzig, 1787, S. 244. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_domkarlos_1787/256>, abgerufen am 27.02.2024.