Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. Mannheim, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite

und nichts als mein Herz begleiten mich in diese
stolze Verweisung

(entschlossen zum Schreibpult gehend)
Jezt gleich muß es geschehen -- jezt auf der Stelle,
ehe die Reize des lieben Jünglings den blutigen
Kampf meines Herzens erneuren.

(Sie sezt sich nieder, und fängt an zu schreiben)
Neunte Szene.
Lady. ein Kammerdiener. Sophie, hernach der
Hofmarschall. zulezt Bediente.
Kammerdiener. Hofmarschall von Kalb stehen
im Vorzimmer mit einem Auftrag vom Herzog.

Lady. (in der Hize des Schreibens)
Auftaumeln
wird sie die fürstliche Drahtpuppe! Freilich! der
Einfall ist auch drollig genug, so eine Durchlauchtige
Hirnschaale auseinander zu treiben! -- Seine Hof-
schranzen werden wirbeln -- Das ganze Land wird
in Gährung kommen.

Kammerdiener und Sophie. Der, Hofmar-
schall, Milady --

Lady. (dreht sich um) Wer? Was? -- Desto
besser! Diese Sorte von Geschöpfen ist zum Saktra-
gen auf der Welt. Er soll mir willkommen seyn.

Kammerdiener. (geht ab)
Sophie. (ängstlich näher kommend) Wenn ich
nicht fürchten müßte, Milady, es wäre Vermessen-
heit (Lady schreibt hizig fort) Die Millerin stürzte
außer sich durch den Vorsaal -- Sie glühen -- Sie
sprechen

und nichts als mein Herz begleiten mich in dieſe
ſtolze Verweiſung

(entſchloſſen zum Schreibpult gehend)
Jezt gleich muß es geſchehen — jezt auf der Stelle,
ehe die Reize des lieben Juͤnglings den blutigen
Kampf meines Herzens erneuren.

(Sie ſezt ſich nieder, und faͤngt an zu ſchreiben)
Neunte Szene.
Lady. ein Kammerdiener. Sophie, hernach der
Hofmarſchall. zulezt Bediente.
Kammerdiener. Hofmarſchall von Kalb ſtehen
im Vorzimmer mit einem Auftrag vom Herzog.

Lady. (in der Hize des Schreibens)
Auftaumeln
wird ſie die fuͤrſtliche Drahtpuppe! Freilich! der
Einfall iſt auch drollig genug, ſo eine Durchlauchtige
Hirnſchaale auseinander zu treiben! — Seine Hof-
ſchranzen werden wirbeln — Das ganze Land wird
in Gaͤhrung kommen.

Kammerdiener und Sophie. Der, Hofmar-
ſchall, Milady —

Lady. (dreht ſich um) Wer? Was? — Deſto
beſſer! Dieſe Sorte von Geſchoͤpfen iſt zum Saktra-
gen auf der Welt. Er ſoll mir willkommen ſeyn.

Kammerdiener. (geht ab)
Sophie. (aͤngſtlich naͤher kommend) Wenn ich
nicht fuͤrchten muͤßte, Milady, es waͤre Vermeſſen-
heit (Lady ſchreibt hizig fort) Die Millerin ſtuͤrzte
außer ſich durch den Vorſaal — Sie gluͤhen — Sie
ſprechen
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0127" n="123"/>
und nichts als mein <hi rendition="#fr">Herz</hi> begleiten mich in die&#x017F;e<lb/>
&#x017F;tolze Verwei&#x017F;ung <stage>(ent&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en zum Schreibpult gehend)</stage><lb/>
Jezt gleich muß es ge&#x017F;chehen &#x2014; jezt auf der Stelle,<lb/>
ehe die Reize des lieben Ju&#x0364;nglings den blutigen<lb/>
Kampf meines Herzens erneuren.</p><lb/>
          <stage>(Sie &#x017F;ezt &#x017F;ich nieder, und fa&#x0364;ngt an zu &#x017F;chreiben)</stage>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>Neunte Szene.</head><lb/>
          <stage>Lady. ein Kammerdiener. Sophie, hernach der<lb/>
Hofmar&#x017F;chall. zulezt Bediente.</stage><lb/>
          <sp who="#KAM">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Kammerdiener.</hi> </speaker>
            <p>Hofmar&#x017F;chall von Kalb &#x017F;tehen<lb/>
im Vorzimmer mit einem Auftrag vom Herzog.</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#LAD">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Lady.</hi> </speaker>
            <p><stage>(in der Hize des Schreibens)</stage><lb/>
Auftaumeln<lb/>
wird &#x017F;ie die fu&#x0364;r&#x017F;tliche Drahtpuppe! Freilich! der<lb/>
Einfall i&#x017F;t auch drollig genug, &#x017F;o eine Durchlauchtige<lb/>
Hirn&#x017F;chaale auseinander zu treiben! &#x2014; Seine Hof-<lb/>
&#x017F;chranzen werden wirbeln &#x2014; Das ganze Land wird<lb/>
in Ga&#x0364;hrung kommen.</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#KAM">
            <speaker><hi rendition="#fr">Kammerdiener</hi> und <hi rendition="#fr">Sophie.</hi></speaker>
            <p>Der, Hofmar-<lb/>
&#x017F;chall, Milady &#x2014;</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#LAD">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Lady.</hi> </speaker>
            <p><stage>(dreht &#x017F;ich um)</stage> Wer? Was? &#x2014; De&#x017F;to<lb/>
be&#x017F;&#x017F;er! Die&#x017F;e Sorte von Ge&#x017F;cho&#x0364;pfen i&#x017F;t zum Saktra-<lb/>
gen auf der Welt. Er &#x017F;oll mir willkommen &#x017F;eyn.</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#KAM">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Kammerdiener.</hi> </speaker>
            <p>
              <stage>(geht ab)</stage>
            </p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#SOP">
            <speaker> <hi rendition="#fr">Sophie.</hi> </speaker>
            <p><stage>(a&#x0364;ng&#x017F;tlich na&#x0364;her kommend)</stage> Wenn ich<lb/>
nicht fu&#x0364;rchten mu&#x0364;ßte, Milady, es wa&#x0364;re Verme&#x017F;&#x017F;en-<lb/>
heit <stage>(Lady &#x017F;chreibt hizig fort)</stage> Die Millerin &#x017F;tu&#x0364;rzte<lb/>
außer &#x017F;ich durch den Vor&#x017F;aal &#x2014; Sie glu&#x0364;hen &#x2014; Sie<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;prechen</fw><lb/></p>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[123/0127] und nichts als mein Herz begleiten mich in dieſe ſtolze Verweiſung (entſchloſſen zum Schreibpult gehend) Jezt gleich muß es geſchehen — jezt auf der Stelle, ehe die Reize des lieben Juͤnglings den blutigen Kampf meines Herzens erneuren. (Sie ſezt ſich nieder, und faͤngt an zu ſchreiben) Neunte Szene. Lady. ein Kammerdiener. Sophie, hernach der Hofmarſchall. zulezt Bediente. Kammerdiener. Hofmarſchall von Kalb ſtehen im Vorzimmer mit einem Auftrag vom Herzog. Lady. (in der Hize des Schreibens) Auftaumeln wird ſie die fuͤrſtliche Drahtpuppe! Freilich! der Einfall iſt auch drollig genug, ſo eine Durchlauchtige Hirnſchaale auseinander zu treiben! — Seine Hof- ſchranzen werden wirbeln — Das ganze Land wird in Gaͤhrung kommen. Kammerdiener und Sophie. Der, Hofmar- ſchall, Milady — Lady. (dreht ſich um) Wer? Was? — Deſto beſſer! Dieſe Sorte von Geſchoͤpfen iſt zum Saktra- gen auf der Welt. Er ſoll mir willkommen ſeyn. Kammerdiener. (geht ab) Sophie. (aͤngſtlich naͤher kommend) Wenn ich nicht fuͤrchten muͤßte, Milady, es waͤre Vermeſſen- heit (Lady ſchreibt hizig fort) Die Millerin ſtuͤrzte außer ſich durch den Vorſaal — Sie gluͤhen — Sie ſprechen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_kabale_1784
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_kabale_1784/127
Zitationshilfe: Schiller, Friedrich: Kabale und Liebe. Mannheim, 1784, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schiller_kabale_1784/127>, abgerufen am 19.09.2021.