wollen. Zu deutsch hiesse wol die Herder- sche Phrasis: die zusammengefügten Na- men sind nicht wahr, und das müssen sie doch, nach meiner eignen Theorie S. 321; sie müssen historisch und chronologisch wahr seyn. Nun so nenne mir doch Hr. H. nur ein einziges Beispiel von unwahren Na- men in meiner Tabelle!
V. Die starke Kette des natürlichen Wah- ren ist es allein, die dem Gedaechtniße hilft. Nichts weniger als das. Falsche Namen, und erdichtete Erzälungen, behält das Ge- dächniß eben so leicht, als wahre. Roma- nen sind so gar noch leichter zu behalten, als Historien; dort hängt alles zusammen, der Romanschreiber spricht: es werde eine Kette, und es wird eine. Das muß der Historiker bleiben lassen.
VI. Auch über die vielen Abschnitte mei- ner Zusammenordnung klagt Hr. H. Antw. 1) Jch mache so viel Abschnitte, als Jar- hunderte: dawider hat doch Hr. H. nichts? denn das thun ja seit Helwichs Zeiten alle Verfasser chronologischer Tabellen. 2) Wenn nun von Mose zu Christo 15 Säcula sind, und von Christo zu Luthern eben so viel: so muß ich notwendig 2 mal 15 Abschnitte ma-
chen.
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wollen. Zu deutſch hieſſe wol die Herder- ſche Phraſis: die zuſammengefügten Na- men ſind nicht wahr, und das muͤſſen ſie doch, nach meiner eignen Theorie S. 321; ſie muͤſſen hiſtoriſch und chronologiſch wahr ſeyn. Nun ſo nenne mir doch Hr. H. nur ein einziges Beiſpiel von unwahren Na- men in meiner Tabelle!
V. Die ſtarke Kette des natürlichen Wah- ren iſt es allein, die dem Gedæchtniße hilft. Nichts weniger als das. Falſche Namen, und erdichtete Erzaͤlungen, behaͤlt das Ge- daͤchniß eben ſo leicht, als wahre. Roma- nen ſind ſo gar noch leichter zu behalten, als Hiſtorien; dort haͤngt alles zuſammen, der Romanſchreiber ſpricht: es werde eine Kette, und es wird eine. Das muß der Hiſtoriker bleiben laſſen.
VI. Auch uͤber die vielen Abſchnitte mei- ner Zuſammenordnung klagt Hr. H. Antw. 1) Jch mache ſo viel Abſchnitte, als Jar- hunderte: dawider hat doch Hr. H. nichts? denn das thun ja ſeit Helwichs Zeiten alle Verfaſſer chronologiſcher Tabellen. 2) Wenn nun von Moſe zu Chriſto 15 Saͤcula ſind, und von Chriſto zu Luthern eben ſo viel: ſo muß ich notwendig 2 mal 15 Abſchnitte ma-
chen.
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[337[113]/0133]
wollen. Zu deutſch hieſſe wol die Herder-
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men ſind nicht wahr, und das muͤſſen ſie
doch, nach meiner eignen Theorie S. 321;
ſie muͤſſen hiſtoriſch und chronologiſch wahr
ſeyn. Nun ſo nenne mir doch Hr. H. nur
ein einziges Beiſpiel von unwahren Na-
men in meiner Tabelle!
V. Die ſtarke Kette des natürlichen Wah-
ren iſt es allein, die dem Gedæchtniße hilft.
Nichts weniger als das. Falſche Namen,
und erdichtete Erzaͤlungen, behaͤlt das Ge-
daͤchniß eben ſo leicht, als wahre. Roma-
nen ſind ſo gar noch leichter zu behalten, als
Hiſtorien; dort haͤngt alles zuſammen, der
Romanſchreiber ſpricht: es werde eine
Kette, und es wird eine. Das muß der
Hiſtoriker bleiben laſſen.
VI. Auch uͤber die vielen Abſchnitte mei-
ner Zuſammenordnung klagt Hr. H. Antw.
1) Jch mache ſo viel Abſchnitte, als Jar-
hunderte: dawider hat doch Hr. H. nichts?
denn das thun ja ſeit Helwichs Zeiten alle
Verfaſſer chronologiſcher Tabellen. 2) Wenn
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Schlözer, August Ludwig von: August Ludwig Schlözers [...] Vorstellung seiner Universal-Historie. Bd. 2. Göttingen u. a., 1773, S. 337[113]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schloezer_universalhistorie02_1773/133>, abgerufen am 11.09.2024.
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