Schüler spricht wie ein Historiker, spricht gar wie der Depositär der gesammten Ge- schichtswissenschaft.
Vermutlich versteht Hr. H. seinen eige- nen hier geäusserten Zweifel nicht. Jch will ihn ihm erklären; und ihm faßlich machen, daß dieses Eine in der Weltgeschichte zwar eine schwere, aber doch nicht unmögliche Sa- che, sei. I. Das Menschengeschlecht ist ei- ne Einheit: es stammt von Einem Anherrn, wohnt auf Einem Planeten, behält bei aller seiner Zerstreuung einerlei Natur, und sei- ne zerstreuete Teile wirken durch weite Distan- zen von Raum und Zeit, durch Eroberun- gen, Reisen, und Handel, kenntlich und un- sichtbar, in einander. II. Diese gegenseiti- ge Wirkungen des einen Teils (oder Volks) in den andern, des andern in den dritten, des dritten in den vierten, u. s. w. nach allen Directionen von Osten nach Westen, von Sü- den nach Norden hin, in den Annalen zu be- merken, zu erklären, zu sammlen, und in Harmonie zu bringen: das ist das große Ge- schäfte der Universalhistorie. Mohäm- med schwärmt, und niemand fängt ihn ein: in Mecka geht darüber eine Bewegung vor, deren Undulationen sich bis nach Sina, Tur-
kestan,
Schuͤler ſpricht wie ein Hiſtoriker, ſpricht gar wie der Depoſitaͤr der geſammten Ge- ſchichtswiſſenſchaft.
Vermutlich verſteht Hr. H. ſeinen eige- nen hier geaͤuſſerten Zweifel nicht. Jch will ihn ihm erklaͤren; und ihm faßlich machen, daß dieſes Eine in der Weltgeſchichte zwar eine ſchwere, aber doch nicht unmoͤgliche Sa- che, ſei. I. Das Menſchengeſchlecht iſt ei- ne Einheit: es ſtammt von Einem Anherrn, wohnt auf Einem Planeten, behaͤlt bei aller ſeiner Zerſtreuung einerlei Natur, und ſei- ne zerſtreuete Teile wirken durch weite Diſtan- zen von Raum und Zeit, durch Eroberun- gen, Reiſen, und Handel, kenntlich und un- ſichtbar, in einander. II. Dieſe gegenſeiti- ge Wirkungen des einen Teils (oder Volks) in den andern, des andern in den dritten, des dritten in den vierten, u. ſ. w. nach allen Directionen von Oſten nach Weſten, von Suͤ- den nach Norden hin, in den Annalen zu be- merken, zu erklaͤren, zu ſammlen, und in Harmonie zu bringen: das iſt das große Ge- ſchaͤfte der Univerſalhiſtorie. Mohaͤm- med ſchwaͤrmt, und niemand faͤngt ihn ein: in Mecka geht daruͤber eine Bewegung vor, deren Undulationen ſich bis nach Sina, Tur-
keſtan,
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[271[47]/0067]
Schuͤler ſpricht wie ein Hiſtoriker, ſpricht
gar wie der Depoſitaͤr der geſammten Ge-
ſchichtswiſſenſchaft.
Vermutlich verſteht Hr. H. ſeinen eige-
nen hier geaͤuſſerten Zweifel nicht. Jch will
ihn ihm erklaͤren; und ihm faßlich machen,
daß dieſes Eine in der Weltgeſchichte zwar
eine ſchwere, aber doch nicht unmoͤgliche Sa-
che, ſei. I. Das Menſchengeſchlecht iſt ei-
ne Einheit: es ſtammt von Einem Anherrn,
wohnt auf Einem Planeten, behaͤlt bei aller
ſeiner Zerſtreuung einerlei Natur, und ſei-
ne zerſtreuete Teile wirken durch weite Diſtan-
zen von Raum und Zeit, durch Eroberun-
gen, Reiſen, und Handel, kenntlich und un-
ſichtbar, in einander. II. Dieſe gegenſeiti-
ge Wirkungen des einen Teils (oder Volks)
in den andern, des andern in den dritten,
des dritten in den vierten, u. ſ. w. nach allen
Directionen von Oſten nach Weſten, von Suͤ-
den nach Norden hin, in den Annalen zu be-
merken, zu erklaͤren, zu ſammlen, und in
Harmonie zu bringen: das iſt das große Ge-
ſchaͤfte der Univerſalhiſtorie. Mohaͤm-
med ſchwaͤrmt, und niemand faͤngt ihn ein:
in Mecka geht daruͤber eine Bewegung vor,
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keſtan,
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Schlözer, August Ludwig von: August Ludwig Schlözers [...] Vorstellung seiner Universal-Historie. Bd. 2. Göttingen u. a., 1773, S. 271[47]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schloezer_universalhistorie02_1773/67>, abgerufen am 11.09.2024.
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