te, halten: der wird den Titel eben nicht unschicklich finden.
Mit dem Planmachen ist es freilich so eine Sache - - und Hr. Herder hat völlig recht, daß sich etwas leichter sagen als thun lasse. Aberhier, wo von Welt- geschichte die Rede ist, meine ich, muß es auch gesagt werden, ehe es gethan wird. Der Begriff von Weltgeschichte ist so leicht nicht, als mancher wähnet; ich weiß so gar nicht einmal, ob bereits eine vollstän- dige und ganz untadelhafte Definition von ihr existire? Jst man aber in dem Begriffe nicht einmal eins: wie kan man in den praktischen Negeln der Einrichtung dieser Wissenschaft Uebereinstimmung hoffen? Der eine wird sie so behandeln, der andre anders; der eine wird vorsetzlich Dinge auslassen, die der andre durchaus mit hin- ein haben will; der eine wird Dinge hin- einsetzen, die der andre, als gar nicht zur Universalhistorie gehörig, verspottet: jeder wird seinen Grundsätzen getreu handeln; aber um die Streitenden auseinander zu bringen, müssen diese Grundsätze entwik- kelt, muß ein Plan, eine Theorie, ein Jdeal dieser Wissenschaft, verfasset werden.
Wenn
Vorbericht.
te, halten: der wird den Titel eben nicht unſchicklich finden.
Mit dem Planmachen iſt es freilich ſo eine Sache ‒ ‒ und Hr. Herder hat voͤllig recht, daß ſich etwas leichter ſagen als thun laſſe. Aberhier, wo von Welt- geſchichte die Rede iſt, meine ich, muß es auch geſagt werden, ehe es gethan wird. Der Begriff von Weltgeſchichte iſt ſo leicht nicht, als mancher waͤhnet; ich weiß ſo gar nicht einmal, ob bereits eine vollſtaͤn- dige und ganz untadelhafte Definition von ihr exiſtire? Jſt man aber in dem Begriffe nicht einmal eins: wie kan man in den praktiſchen Negeln der Einrichtung dieſer Wiſſenſchaft Uebereinſtimmung hoffen? Der eine wird ſie ſo behandeln, der andre anders; der eine wird vorſetzlich Dinge auslaſſen, die der andre durchaus mit hin- ein haben will; der eine wird Dinge hin- einſetzen, die der andre, als gar nicht zur Univerſalhiſtorie gehoͤrig, verſpottet: jeder wird ſeinen Grundſaͤtzen getreu handeln; aber um die Streitenden auseinander zu bringen, muͤſſen dieſe Grundſaͤtze entwik- kelt, muß ein Plan, eine Theorie, ein Jdeal dieſer Wiſſenſchaft, verfaſſet werden.
Wenn
<TEI><text><front><divn="1"><p><pbfacs="#f0008"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b">Vorbericht.</hi></fw><lb/>
te, halten: der wird den Titel eben nicht<lb/>
unſchicklich finden.</p><lb/><p>Mit dem <hirendition="#fr">Planmachen</hi> iſt es freilich<lb/>ſo eine Sache ‒‒ und Hr. Herder hat<lb/>
voͤllig recht, daß ſich etwas <hirendition="#fr">leichter ſagen<lb/>
als thun</hi> laſſe. Aberhier, wo von Welt-<lb/>
geſchichte die Rede iſt, meine ich, muß es<lb/>
auch <hirendition="#fr">geſagt</hi> werden, ehe es <hirendition="#fr">gethan</hi> wird.<lb/>
Der Begriff von Weltgeſchichte iſt ſo leicht<lb/>
nicht, als mancher waͤhnet; ich weiß ſo<lb/>
gar nicht einmal, ob bereits eine vollſtaͤn-<lb/>
dige und ganz untadelhafte Definition von<lb/>
ihr exiſtire? Jſt man aber in dem Begriffe<lb/>
nicht einmal eins: wie kan man in den<lb/>
praktiſchen Negeln der Einrichtung dieſer<lb/>
Wiſſenſchaft Uebereinſtimmung hoffen?<lb/>
Der eine wird ſie ſo behandeln, der andre<lb/>
anders; der eine wird vorſetzlich Dinge<lb/>
auslaſſen, die der andre durchaus mit hin-<lb/>
ein haben will; der eine wird Dinge hin-<lb/>
einſetzen, die der andre, als gar nicht zur<lb/>
Univerſalhiſtorie gehoͤrig, verſpottet: jeder<lb/>
wird ſeinen Grundſaͤtzen getreu handeln;<lb/>
aber um die Streitenden auseinander zu<lb/>
bringen, muͤſſen dieſe Grundſaͤtze <hirendition="#fr">entwik-<lb/>
kelt,</hi> muß ein <hirendition="#fr">Plan,</hi> eine <hirendition="#fr">Theorie,</hi> ein<lb/><hirendition="#fr">Jdeal</hi> dieſer Wiſſenſchaft, verfaſſet werden.</p><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Wenn</fw><lb/></div></front></text></TEI>
[0008]
Vorbericht.
te, halten: der wird den Titel eben nicht
unſchicklich finden.
Mit dem Planmachen iſt es freilich
ſo eine Sache ‒ ‒ und Hr. Herder hat
voͤllig recht, daß ſich etwas leichter ſagen
als thun laſſe. Aberhier, wo von Welt-
geſchichte die Rede iſt, meine ich, muß es
auch geſagt werden, ehe es gethan wird.
Der Begriff von Weltgeſchichte iſt ſo leicht
nicht, als mancher waͤhnet; ich weiß ſo
gar nicht einmal, ob bereits eine vollſtaͤn-
dige und ganz untadelhafte Definition von
ihr exiſtire? Jſt man aber in dem Begriffe
nicht einmal eins: wie kan man in den
praktiſchen Negeln der Einrichtung dieſer
Wiſſenſchaft Uebereinſtimmung hoffen?
Der eine wird ſie ſo behandeln, der andre
anders; der eine wird vorſetzlich Dinge
auslaſſen, die der andre durchaus mit hin-
ein haben will; der eine wird Dinge hin-
einſetzen, die der andre, als gar nicht zur
Univerſalhiſtorie gehoͤrig, verſpottet: jeder
wird ſeinen Grundſaͤtzen getreu handeln;
aber um die Streitenden auseinander zu
bringen, muͤſſen dieſe Grundſaͤtze entwik-
kelt, muß ein Plan, eine Theorie, ein
Jdeal dieſer Wiſſenſchaft, verfaſſet werden.
Wenn
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Schlözer, August Ludwig von: August Ludwig Schlözers [...] Vorstellung seiner Universal-Historie. Bd. 2. Göttingen u. a., 1773, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schloezer_universalhistorie02_1773/8>, abgerufen am 11.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.