ist der Fall in der Weltgeschichte. Mose, Herodes, Timur, und Doctor Luther, kön- nen nicht in einem Stocke wonen. Mose, Thutmosis, und Cekrops, wol allenfalls: a- ber auch diese müssen doch durch Wände oder Vertäfelungen abgeteilte Zimmer haben.
Soll Hrn. Herders Frage so viel sagen, daß Abteilungen oder Perioden nicht nur kein notwendiges, nicht nur kein schickliches Mittel, sondern so gar ein Hinterniß, der Absicht sind? Dann mag er leider in Ei- nem Falle Recht haben: dann hat er näm- lich eine elende Trivial-Schule im Kopf, wo man Perioden, alberne schwere viele Pe- rioden, und weiter nichts als Perioden, auswendig lernen läßt, und dieses Ge- schichte nennt; wo man ewig Treppen und Gerüste baut, und nie ans Haus selbst kommt. Aber so braucht man sie in Han- nover, Weilburg, Darmstadt etc. nicht. Und wenn von vernünftigen Perioden die Rede ist; wenn diese ausdrücklichnicht für Geschichte selbst, sondern nur für Mittel der bequemern Erlernung der Geschichte, erkläret werden; wenn Hr. H. weiß, daß es in der Weltgeschichte, besonders in der alten, sehr viele insularische Begebenhei-
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iſt der Fall in der Weltgeſchichte. Moſe, Herodes, Timur, und Doctor Luther, koͤn- nen nicht in einem Stocke wonen. Moſe, Thutmoſis, und Cekrops, wol allenfalls: a- ber auch dieſe muͤſſen doch durch Waͤnde oder Vertaͤfelungen abgeteilte Zimmer haben.
Soll Hrn. Herders Frage ſo viel ſagen, daß Abteilungen oder Perioden nicht nur kein notwendiges, nicht nur kein ſchickliches Mittel, ſondern ſo gar ein Hinterniß, der Abſicht ſind? Dann mag er leider in Ei- nem Falle Recht haben: dann hat er naͤm- lich eine elende Trivial-Schule im Kopf, wo man Perioden, alberne ſchwere viele Pe- rioden, und weiter nichts als Perioden, auswendig lernen laͤßt, und dieſes Ge- ſchichte nennt; wo man ewig Treppen und Geruͤſte baut, und nie ans Haus ſelbſt kommt. Aber ſo braucht man ſie in Han- nover, Weilburg, Darmſtadt ꝛc. nicht. Und wenn von vernuͤnftigen Perioden die Rede iſt; wenn dieſe ausdruͤcklichnicht fuͤr Geſchichte ſelbſt, ſondern nur fuͤr Mittel der bequemern Erlernung der Geſchichte, erklaͤret werden; wenn Hr. H. weiß, daß es in der Weltgeſchichte, beſonders in der alten, ſehr viele inſulariſche Begebenhei-
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[300[76]/0096]
iſt der Fall in der Weltgeſchichte. Moſe,
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Thutmoſis, und Cekrops, wol allenfalls: a-
ber auch dieſe muͤſſen doch durch Waͤnde oder
Vertaͤfelungen abgeteilte Zimmer haben.
Soll Hrn. Herders Frage ſo viel ſagen,
daß Abteilungen oder Perioden nicht nur
kein notwendiges, nicht nur kein ſchickliches
Mittel, ſondern ſo gar ein Hinterniß, der
Abſicht ſind? Dann mag er leider in Ei-
nem Falle Recht haben: dann hat er naͤm-
lich eine elende Trivial-Schule im Kopf,
wo man Perioden, alberne ſchwere viele Pe-
rioden, und weiter nichts als Perioden,
auswendig lernen laͤßt, und dieſes Ge-
ſchichte nennt; wo man ewig Treppen und
Geruͤſte baut, und nie ans Haus ſelbſt
kommt. Aber ſo braucht man ſie in Han-
nover, Weilburg, Darmſtadt ꝛc. nicht.
Und wenn von vernuͤnftigen Perioden die
Rede iſt; wenn dieſe ausdruͤcklichnicht fuͤr
Geſchichte ſelbſt, ſondern nur fuͤr Mittel
der bequemern Erlernung der Geſchichte,
erklaͤret werden; wenn Hr. H. weiß, daß
es in der Weltgeſchichte, beſonders in der
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Schlözer, August Ludwig von: August Ludwig Schlözers [...] Vorstellung seiner Universal-Historie. Bd. 2. Göttingen u. a., 1773, S. 300[76]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schloezer_universalhistorie02_1773/96>, abgerufen am 11.09.2024.
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