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Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725.

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intercepisse atque educasse pro suis: Conf. Jacob. Thomas. Dissertat.
Philosoph. de Zingaris
§. 61. 62.

§. 8.

Wir wollen aber von dieser extravagance abbrechen, und zu
unserm Vorhaben uns wieder hinanschwingen. Jn der Quielitzischen
Schencke, so vorm Dorffe auswehrts stehet, waren die viere, Fixel, sein
Weib, Hoffmann und sein Weib beym Brandtewein, ohne Zweiffel zu-
sammen auszugehen, und auf gewöhnliche Bettel-Art Fourage zu holen.
Jn dem sie sich beym Brandtwein-Trincken verweileten, traten vier Zigeu-
ner zu ihnen, so ihren Weibern schon mehr als ihren Männern bekandt wa-
ren, bieten ihnen bey der unsern entlegenen Damm-Mühle das unglückliche
Plünder-Gewerbe an, daß daselbst viel Geld zu holen wäre, sragen sie, ob
sie Lust hätten mitzugehen, und solches Vorhaben wolten helffen ausfüh-
ren, sie würden unfern in einem Gepüsche eine Gesellschafft von noch 18.
Mann, meistens Zigeunern antreffen, mit denen würden sie sich zusammen
ziehen, und den damahligen Abend noch mit gesammter Hand die Mühle
übersallen, die Leute niederschlagen, an Händen und Füssen binden, und so
dann den Raub vollstrecken, das Geraubte solle nachgehends unter ihnen
in gleiche Portiones getheilet werden. Muß also unter ihnen bereits ein gu-
tes Verständniß gewesen seyn, da sie die Zigeuner mit dem geraubten Gelde
weggehen lassen, ohne daß einer von ihnen was gehoben zu haben dem Ge-
richte zustehen wolte.

§. 9.

Der Verrath dieser Mühlen, daß in derselben Geld anzu-
treffen wäre, soll von einem hausirenden Juden an diese Bande geschehen
seyn, der von diesen Zigeunern, (wie mir Fixel erzehlet) gestohlene Leinen
bekommen, und dieselbe in dieser Mühle verkauffet, bey der Auszahlung
aber den Kasten mit Geld an seinem Orte wieder hingestellt bemercket, und
so dann diesen Zigeunern die Nachricht davon gegeben. Ob er selbst per-
sönlich bey der Plünderung gewesen sey, will mir so gewiß nicht mehr bey-
wohnen, es wird aber vielleicht in den Actis observiret worden seyn, da in
der Müllerin Aussage nicht allein dieser Juden-Handel, sondern auch wenn
Fixel darüber befraget seyn möchte, mit angegeben worden. Gleich ietzo
erfahre ich, daß dieser Jude aufm Hoff-Gerichte inquiriret werde, deme
man aber zur Zeit nicht ankommen können.

§. 10.

Das Attentatum der Zigeuner fand unsäumig so wol als
unweigerlich bey allen vieren Ingreß, daß sie zurücke nach Metzdorff gehen,
und ihrer drey, Fixel, sein Weib, und Hoffmann schlüßig werden, mitzu-

zu-

intercepiſſe atque educaſſe pro ſuis: Conf. Jacob. Thomaſ. Diſſertat.
Philoſoph. de Zingaris
§. 61. 62.

§. 8.

Wir wollen aber von dieſer extravagance abbrechen, und zu
unſerm Vorhaben uns wieder hinanſchwingen. Jn der Quielitziſchen
Schencke, ſo vorm Dorffe auswehrts ſtehet, waren die viere, Fixel, ſein
Weib, Hoffmann und ſein Weib beym Brandtewein, ohne Zweiffel zu-
ſammen auszugehen, und auf gewoͤhnliche Bettel-Art Fourage zu holen.
Jn dem ſie ſich beym Brandtwein-Trincken verweileten, traten vier Zigeu-
ner zu ihnen, ſo ihren Weibern ſchon mehr als ihren Maͤnnern bekandt wa-
ren, bieten ihnen bey der unſern entlegenen Damm-Muͤhle das ungluͤckliche
Pluͤnder-Gewerbe an, daß daſelbſt viel Geld zu holen waͤre, ſragen ſie, ob
ſie Luſt haͤtten mitzugehen, und ſolches Vorhaben wolten helffen ausfuͤh-
ren, ſie wuͤrden unfern in einem Gepuͤſche eine Geſellſchafft von noch 18.
Mann, meiſtens Zigeunern antreffen, mit denen wuͤrden ſie ſich zuſammen
ziehen, und den damahligen Abend noch mit geſammter Hand die Muͤhle
uͤberſallen, die Leute niederſchlagen, an Haͤnden und Fuͤſſen binden, und ſo
dann den Raub vollſtrecken, das Geraubte ſolle nachgehends unter ihnen
in gleiche Portiones getheilet werden. Muß alſo unter ihnen bereits ein gu-
tes Verſtaͤndniß geweſen ſeyn, da ſie die Zigeuner mit dem geraubten Gelde
weggehen laſſen, ohne daß einer von ihnen was gehoben zu haben dem Ge-
richte zuſtehen wolte.

§. 9.

Der Verrath dieſer Muͤhlen, daß in derſelben Geld anzu-
treffen waͤre, ſoll von einem hauſirenden Juden an dieſe Bande geſchehen
ſeyn, der von dieſen Zigeunern, (wie mir Fixel erzehlet) geſtohlene Leinen
bekommen, und dieſelbe in dieſer Muͤhle verkauffet, bey der Auszahlung
aber den Kaſten mit Geld an ſeinem Orte wieder hingeſtellt bemercket, und
ſo dann dieſen Zigeunern die Nachricht davon gegeben. Ob er ſelbſt per-
ſoͤnlich bey der Pluͤnderung geweſen ſey, will mir ſo gewiß nicht mehr bey-
wohnen, es wird aber vielleicht in den Actis obſerviret worden ſeyn, da in
der Muͤllerin Auſſage nicht allein dieſer Juden-Handel, ſondern auch wenn
Fixel daruͤber befraget ſeyn moͤchte, mit angegeben worden. Gleich ietzo
erfahre ich, daß dieſer Jude aufm Hoff-Gerichte inquiriret werde, deme
man aber zur Zeit nicht ankommen koͤnnen.

§. 10.

Das Attentatum der Zigeuner fand unſaͤumig ſo wol als
unweigerlich bey allen vieren Ingreß, daß ſie zuruͤcke nach Metzdorff gehen,
und ihrer drey, Fixel, ſein Weib, und Hoffmann ſchluͤßig werden, mitzu-

zu-
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[20[18]/0018] intercepiſſe atque educaſſe pro ſuis: Conf. Jacob. Thomaſ. Diſſertat. Philoſoph. de Zingaris §. 61. 62. §. 8.Wir wollen aber von dieſer extravagance abbrechen, und zu unſerm Vorhaben uns wieder hinanſchwingen. Jn der Quielitziſchen Schencke, ſo vorm Dorffe auswehrts ſtehet, waren die viere, Fixel, ſein Weib, Hoffmann und ſein Weib beym Brandtewein, ohne Zweiffel zu- ſammen auszugehen, und auf gewoͤhnliche Bettel-Art Fourage zu holen. Jn dem ſie ſich beym Brandtwein-Trincken verweileten, traten vier Zigeu- ner zu ihnen, ſo ihren Weibern ſchon mehr als ihren Maͤnnern bekandt wa- ren, bieten ihnen bey der unſern entlegenen Damm-Muͤhle das ungluͤckliche Pluͤnder-Gewerbe an, daß daſelbſt viel Geld zu holen waͤre, ſragen ſie, ob ſie Luſt haͤtten mitzugehen, und ſolches Vorhaben wolten helffen ausfuͤh- ren, ſie wuͤrden unfern in einem Gepuͤſche eine Geſellſchafft von noch 18. Mann, meiſtens Zigeunern antreffen, mit denen wuͤrden ſie ſich zuſammen ziehen, und den damahligen Abend noch mit geſammter Hand die Muͤhle uͤberſallen, die Leute niederſchlagen, an Haͤnden und Fuͤſſen binden, und ſo dann den Raub vollſtrecken, das Geraubte ſolle nachgehends unter ihnen in gleiche Portiones getheilet werden. Muß alſo unter ihnen bereits ein gu- tes Verſtaͤndniß geweſen ſeyn, da ſie die Zigeuner mit dem geraubten Gelde weggehen laſſen, ohne daß einer von ihnen was gehoben zu haben dem Ge- richte zuſtehen wolte. §. 9.Der Verrath dieſer Muͤhlen, daß in derſelben Geld anzu- treffen waͤre, ſoll von einem hauſirenden Juden an dieſe Bande geſchehen ſeyn, der von dieſen Zigeunern, (wie mir Fixel erzehlet) geſtohlene Leinen bekommen, und dieſelbe in dieſer Muͤhle verkauffet, bey der Auszahlung aber den Kaſten mit Geld an ſeinem Orte wieder hingeſtellt bemercket, und ſo dann dieſen Zigeunern die Nachricht davon gegeben. Ob er ſelbſt per- ſoͤnlich bey der Pluͤnderung geweſen ſey, will mir ſo gewiß nicht mehr bey- wohnen, es wird aber vielleicht in den Actis obſerviret worden ſeyn, da in der Muͤllerin Auſſage nicht allein dieſer Juden-Handel, ſondern auch wenn Fixel daruͤber befraget ſeyn moͤchte, mit angegeben worden. Gleich ietzo erfahre ich, daß dieſer Jude aufm Hoff-Gerichte inquiriret werde, deme man aber zur Zeit nicht ankommen koͤnnen. §. 10.Das Attentatum der Zigeuner fand unſaͤumig ſo wol als unweigerlich bey allen vieren Ingreß, daß ſie zuruͤcke nach Metzdorff gehen, und ihrer drey, Fixel, ſein Weib, und Hoffmann ſchluͤßig werden, mitzu- zu-

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Zitationshilfe: Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725, S. 20[18]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schmid_justitzrad_1725/18>, abgerufen am 11.04.2021.