Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725.

Bild:
<< vorherige Seite

Triangel und mit dem bekannten Berg-Liede ihn vor den Thüren gehöret.
Seine letzte Profession solte, wie er uns gestand, ein Schencke und Krüger
wo im Dorffe werden, dazu er Geld sammlen, und selbigen eigenthümlich
kauffen wolte. Ohne Zweiffel war die Absicht, aus der Damm-Mühlen
ein Capital zuholen, daß ers zu seinem bereits Gesammleten zulegen, und so
seinen Zweck erreichen wollen. Den Krug hatte er ihme bey Dantzig herum
ausgesehen.

§. 45.

Dis würde eine saubere Herberge worden seyn, da gewiß der
Teuffel seine Hecke anlegen können, daß noch manch Mutter-Kind mehr
wäre verführet, und andere Menschen verderbet worden seyn, wenn unser
GOtt solches nicht hintertrieben, und solchen schädlichen Anschlag zu nichte
gemachet hätte. Er selbst hats vor seinem Beicht-Vater erkannt, daß die-
ses Krug-Wesen nicht lange würde bestanden, sondern vielleicht noch ein
übleres Ende, als ietzo seine Mühlen-Arbeit, genommen haben.

§. 46.

Es ist bereits zuvor gemeldet, daß er nicht bey denen vieren
im Metzdorffischen Kruge gewesen, sondern schon unter der Zigeuner-Rotte
im Pusche gestecket, aber da jene zu ihnen kommen, ist er von ihnen allen
wol erkandt worden. Jn der Mühle hat er vor andern Meister gespielt
und groß gethan, gleich wie es sein eigen Werck war Bravoure zumachen und
groß zu thun, daß er auch solche Weise beständig an sich zu behalten, im
Gefängniß geflissen war. Nach dem geendigten Raube gab er vor, anti-
cipando
8. Thlr. mitgenommen zuhaben, begiebt sich nach Stettin, von da
aber eilet er wieder zurücke nach Levin, anderthalb Meilen von der Damm-
Mühlen, kommt gerade auf den Wurff, da ihn und seines gleichen aufzu-
suchen man im Wercke begriffen war, daher er gefänglich genommen und
wenig Tage, nach der Einliefferung derer erstbeschriebenen vier Inquisiten,
auch anher gebracht wurde.

§. 47.

Maria Elisabeth Hahnin ist die letzte von dieser aufge-
griffenen Bande, des Christoph Kranichfelds unglückliches Weib, die
mit eben solchen Masquen, wie dieser ihr Mann zu spielen wuste, gab sich
bald für vornehm, bald wieder vor gering aus, indem sie in einigen Brieffen
sich als eine abgebrandte Rectorin, u. s. m. benennen lassen. Jhr Alter
mochte auch wol viertzig Jahre gerechnet werden. Jhr voriger Mann war
Valentin Kranichfeld, der vor Havelberg von seinem andern Bruder war
erstochen worden. Die mit ihm gezeugte Kinder sollen gestorben seyn, wie
er uns vorsagen wolte.

§. 48.

Triangel und mit dem bekannten Berg-Liede ihn vor den Thuͤren gehoͤret.
Seine letzte Profesſion ſolte, wie er uns geſtand, ein Schencke und Kruͤger
wo im Dorffe werden, dazu er Geld ſammlen, und ſelbigen eigenthuͤmlich
kauffen wolte. Ohne Zweiffel war die Abſicht, aus der Damm-Muͤhlen
ein Capital zuholen, daß ers zu ſeinem bereits Geſammleten zulegen, und ſo
ſeinen Zweck erreichen wollen. Den Krug hatte er ihme bey Dantzig herum
ausgeſehen.

§. 45.

Dis wuͤrde eine ſaubere Herberge worden ſeyn, da gewiß der
Teuffel ſeine Hecke anlegen koͤnnen, daß noch manch Mutter-Kind mehr
waͤre verfuͤhret, und andere Menſchen verderbet worden ſeyn, wenn unſer
GOtt ſolches nicht hintertrieben, und ſolchen ſchaͤdlichen Anſchlag zu nichte
gemachet haͤtte. Er ſelbſt hats vor ſeinem Beicht-Vater erkannt, daß die-
ſes Krug-Weſen nicht lange wuͤrde beſtanden, ſondern vielleicht noch ein
uͤbleres Ende, als ietzo ſeine Muͤhlen-Arbeit, genommen haben.

§. 46.

Es iſt bereits zuvor gemeldet, daß er nicht bey denen vieren
im Metzdorffiſchen Kruge geweſen, ſondern ſchon unter der Zigeuner-Rotte
im Puſche geſtecket, aber da jene zu ihnen kommen, iſt er von ihnen allen
wol erkandt worden. Jn der Muͤhle hat er vor andern Meiſter geſpielt
und groß gethan, gleich wie es ſein eigen Werck war Bravoure zumachen und
groß zu thun, daß er auch ſolche Weiſe beſtaͤndig an ſich zu behalten, im
Gefaͤngniß gefliſſen war. Nach dem geendigten Raube gab er vor, anti-
cipando
8. Thlr. mitgenommen zuhaben, begiebt ſich nach Stettin, von da
aber eilet er wieder zuruͤcke nach Levin, anderthalb Meilen von der Damm-
Muͤhlen, kommt gerade auf den Wurff, da ihn und ſeines gleichen aufzu-
ſuchen man im Wercke begriffen war, daher er gefaͤnglich genommen und
wenig Tage, nach der Einliefferung derer erſtbeſchriebenen vier Inquiſiten,
auch anher gebracht wurde.

§. 47.

Maria Eliſabeth Hahnin iſt die letzte von dieſer aufge-
griffenen Bande, des Chriſtoph Kranichfelds ungluͤckliches Weib, die
mit eben ſolchen Masquen, wie dieſer ihr Mann zu ſpielen wuſte, gab ſich
bald fuͤr vornehm, bald wieder vor gering aus, indem ſie in einigen Brieffen
ſich als eine abgebrandte Rectorin, u. ſ. m. benennen laſſen. Jhr Alter
mochte auch wol viertzig Jahre gerechnet werden. Jhr voriger Mann war
Valentin Kranichfeld, der vor Havelberg von ſeinem andern Bruder war
erſtochen worden. Die mit ihm gezeugte Kinder ſollen geſtorben ſeyn, wie
er uns vorſagen wolte.

§. 48.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0034" n="36[34]"/><hi rendition="#aq">Triangel</hi> und mit dem bekannten Berg-Liede ihn vor den Thu&#x0364;ren geho&#x0364;ret.<lb/>
Seine letzte <hi rendition="#aq">Profes&#x017F;ion</hi> &#x017F;olte, wie er uns ge&#x017F;tand, ein Schencke und Kru&#x0364;ger<lb/>
wo im Dorffe werden, dazu er Geld &#x017F;ammlen, und &#x017F;elbigen eigenthu&#x0364;mlich<lb/>
kauffen wolte. Ohne Zweiffel war die Ab&#x017F;icht, aus der Damm-Mu&#x0364;hlen<lb/>
ein <hi rendition="#aq">Capital</hi> zuholen, daß ers zu &#x017F;einem bereits Ge&#x017F;ammleten zulegen, und &#x017F;o<lb/>
&#x017F;einen Zweck erreichen wollen. Den Krug hatte er ihme bey Dantzig herum<lb/>
ausge&#x017F;ehen.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>§. 45.</head>
        <p>Dis wu&#x0364;rde eine &#x017F;aubere Herberge worden &#x017F;eyn, da gewiß der<lb/>
Teuffel &#x017F;eine Hecke anlegen ko&#x0364;nnen, daß noch manch Mutter-Kind mehr<lb/>
wa&#x0364;re verfu&#x0364;hret, und andere Men&#x017F;chen verderbet worden &#x017F;eyn, wenn un&#x017F;er<lb/>
GOtt &#x017F;olches nicht hintertrieben, und &#x017F;olchen &#x017F;cha&#x0364;dlichen An&#x017F;chlag zu nichte<lb/>
gemachet ha&#x0364;tte. Er &#x017F;elb&#x017F;t hats vor &#x017F;einem Beicht-Vater erkannt, daß die-<lb/>
&#x017F;es Krug-We&#x017F;en nicht lange wu&#x0364;rde be&#x017F;tanden, &#x017F;ondern vielleicht noch ein<lb/>
u&#x0364;bleres Ende, als ietzo &#x017F;eine Mu&#x0364;hlen-Arbeit, genommen haben.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>§. 46.</head>
        <p>Es i&#x017F;t bereits zuvor gemeldet, daß er nicht bey denen vieren<lb/>
im Metzdorffi&#x017F;chen Kruge gewe&#x017F;en, &#x017F;ondern &#x017F;chon unter der Zigeuner-Rotte<lb/>
im Pu&#x017F;che ge&#x017F;tecket, aber da jene zu ihnen kommen, i&#x017F;t er von ihnen allen<lb/>
wol erkandt worden. Jn der Mu&#x0364;hle hat er vor andern Mei&#x017F;ter ge&#x017F;pielt<lb/>
und groß gethan, gleich wie es &#x017F;ein eigen Werck war <hi rendition="#aq">Bravoure</hi> zumachen und<lb/>
groß zu thun, daß er auch &#x017F;olche Wei&#x017F;e be&#x017F;ta&#x0364;ndig an &#x017F;ich zu behalten, im<lb/>
Gefa&#x0364;ngniß gefli&#x017F;&#x017F;en war. Nach dem geendigten Raube gab er vor, <hi rendition="#aq">anti-<lb/>
cipando</hi> 8. Thlr. mitgenommen zuhaben, begiebt &#x017F;ich nach Stettin, von da<lb/>
aber eilet er wieder zuru&#x0364;cke nach Levin, anderthalb Meilen von der Damm-<lb/>
Mu&#x0364;hlen, kommt gerade auf den Wurff, da ihn und &#x017F;eines gleichen aufzu-<lb/>
&#x017F;uchen man im Wercke begriffen war, daher er gefa&#x0364;nglich genommen und<lb/>
wenig Tage, nach der Einliefferung derer er&#x017F;tbe&#x017F;chriebenen vier <hi rendition="#aq">Inqui&#x017F;it</hi>en,<lb/>
auch anher gebracht wurde.</p>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head>§. 47.</head>
        <p><hi rendition="#fr">Maria Eli&#x017F;abeth Hahnin</hi> i&#x017F;t die letzte von die&#x017F;er aufge-<lb/>
griffenen Bande, des <hi rendition="#fr">Chri&#x017F;toph Kranichfelds</hi> unglu&#x0364;ckliches Weib, die<lb/>
mit eben &#x017F;olchen <hi rendition="#aq">Masqu</hi>en, wie die&#x017F;er ihr Mann zu &#x017F;pielen wu&#x017F;te, gab &#x017F;ich<lb/>
bald fu&#x0364;r vornehm, bald wieder vor gering aus, indem &#x017F;ie in einigen Brieffen<lb/>
&#x017F;ich als eine abgebrandte <hi rendition="#aq">Rectorin,</hi> u. &#x017F;. m. benennen la&#x017F;&#x017F;en. Jhr Alter<lb/>
mochte auch wol viertzig Jahre gerechnet werden. Jhr voriger Mann war<lb/><hi rendition="#fr">Valentin Kranichfeld,</hi> der vor Havelberg von &#x017F;einem andern Bruder war<lb/>
er&#x017F;tochen worden. Die mit ihm gezeugte Kinder &#x017F;ollen ge&#x017F;torben &#x017F;eyn, wie<lb/>
er uns vor&#x017F;agen wolte.</p>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch">§. 48.</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[36[34]/0034] Triangel und mit dem bekannten Berg-Liede ihn vor den Thuͤren gehoͤret. Seine letzte Profesſion ſolte, wie er uns geſtand, ein Schencke und Kruͤger wo im Dorffe werden, dazu er Geld ſammlen, und ſelbigen eigenthuͤmlich kauffen wolte. Ohne Zweiffel war die Abſicht, aus der Damm-Muͤhlen ein Capital zuholen, daß ers zu ſeinem bereits Geſammleten zulegen, und ſo ſeinen Zweck erreichen wollen. Den Krug hatte er ihme bey Dantzig herum ausgeſehen. §. 45.Dis wuͤrde eine ſaubere Herberge worden ſeyn, da gewiß der Teuffel ſeine Hecke anlegen koͤnnen, daß noch manch Mutter-Kind mehr waͤre verfuͤhret, und andere Menſchen verderbet worden ſeyn, wenn unſer GOtt ſolches nicht hintertrieben, und ſolchen ſchaͤdlichen Anſchlag zu nichte gemachet haͤtte. Er ſelbſt hats vor ſeinem Beicht-Vater erkannt, daß die- ſes Krug-Weſen nicht lange wuͤrde beſtanden, ſondern vielleicht noch ein uͤbleres Ende, als ietzo ſeine Muͤhlen-Arbeit, genommen haben. §. 46.Es iſt bereits zuvor gemeldet, daß er nicht bey denen vieren im Metzdorffiſchen Kruge geweſen, ſondern ſchon unter der Zigeuner-Rotte im Puſche geſtecket, aber da jene zu ihnen kommen, iſt er von ihnen allen wol erkandt worden. Jn der Muͤhle hat er vor andern Meiſter geſpielt und groß gethan, gleich wie es ſein eigen Werck war Bravoure zumachen und groß zu thun, daß er auch ſolche Weiſe beſtaͤndig an ſich zu behalten, im Gefaͤngniß gefliſſen war. Nach dem geendigten Raube gab er vor, anti- cipando 8. Thlr. mitgenommen zuhaben, begiebt ſich nach Stettin, von da aber eilet er wieder zuruͤcke nach Levin, anderthalb Meilen von der Damm- Muͤhlen, kommt gerade auf den Wurff, da ihn und ſeines gleichen aufzu- ſuchen man im Wercke begriffen war, daher er gefaͤnglich genommen und wenig Tage, nach der Einliefferung derer erſtbeſchriebenen vier Inquiſiten, auch anher gebracht wurde. §. 47.Maria Eliſabeth Hahnin iſt die letzte von dieſer aufge- griffenen Bande, des Chriſtoph Kranichfelds ungluͤckliches Weib, die mit eben ſolchen Masquen, wie dieſer ihr Mann zu ſpielen wuſte, gab ſich bald fuͤr vornehm, bald wieder vor gering aus, indem ſie in einigen Brieffen ſich als eine abgebrandte Rectorin, u. ſ. m. benennen laſſen. Jhr Alter mochte auch wol viertzig Jahre gerechnet werden. Jhr voriger Mann war Valentin Kranichfeld, der vor Havelberg von ſeinem andern Bruder war erſtochen worden. Die mit ihm gezeugte Kinder ſollen geſtorben ſeyn, wie er uns vorſagen wolte. §. 48.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/schmid_justitzrad_1725
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/schmid_justitzrad_1725/34
Zitationshilfe: Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725, S. 36[34]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schmid_justitzrad_1725/34>, abgerufen am 18.04.2021.