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Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725.

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§. 57.

Als Fixel darauf am folgenden Tage, nemlich am 30. Decemb.
1724. sein unter der Marter gethanes Bekänntniß ratihabirete, und Hoff-
mann ihme unter die Augen gestellet wurde, seine Aussage mit anzuhören, hat
er sich auch gutwillig zur Bekänntniß bequemet, ohne daß weitere Gewalt
oder Bedrohung wider ihn ergangen wäre. Hie war das Spiel und getrie-
bene Gauckeley mit ein mal aus, daß die übrige Rott-Gesellen bestürtzt wurden,
und weiter nichts als Tortur zum besten hatten, so ferne sie, die ihnen von
zween zugezeugte Missethat nicht bekennen wolten. Und dazu war wol we-
nig Apparence, daß die übrigen leichter zu gewinnen wären gewesen/ als diese
bißher waren gewonnen worden.

§. 58.

Das Fest über wird man zweiffels frey wol mit der Inqui-
sitions-
Arbeit stille gewesen seyn. Vom 2ten Januario aber ward mir kunt,
daß, da Fixel Nachmittage wieder vorkommen, und beständig seine Aussage
verificiret, sein Weib, die Wanckin dergestalt über ihn entrüstet worden,
daß sie wol in Gegenwart aller Herren Assessorum im Hoff-Gerichte, sich
in Positur gesetzet, als wolte sie dem Fixel in die Haare fallen und ins Gesichte
schlagen, daß er nicht, wie zuvor Hoffmann, die Tortur, auch ausgestanden
und ihrer geschonet hätte. Diesem ungeachtet wolte sie doch, bey der Müh-
len-Plünderung gewesen zu seyn, nicht gestehen, dahero sie am Abend des
gedachten Tages annoch ad locum torturae muste, ließ es daselbst bis aufs
Ausziehen kommen, und da sie Ernst vermerckete, hat sie diese ihr zugezeu-
gete Ubelthat völlig gestanden, völliger fast und umständlicher als die andere,
denn sie eine volubele Zunge hatte.

§. 59.

Mit Kranichfelden gieng man endlich auch zu Wercke, und da er
auf keine Weise zur gutwilligen Confession zu bringen war, ließ man ihn
am 3ten Januar. den ersten Versuch auf der Marter-Bancke thun. Er wolte
Anfangs, wie man mir erzehlet, allerley fast lächerliche Sprünge machen,
stellte sich, als wäre er nimmer vorgewesen, begehrte sich die Kleider, ohne
Hand-Anlegung des Scharffrichters, selbst auszuziehen, Scharffrichter
möchte es ihm nur in der Güte sagen, wie ers machen, und wohin er sich
strecken solte: Aber die Kurtzweil schien ihm bald zu vergehen, denn indem er
kaum die Daum-Schrauben übernommen hatte, soll er dem Scharffrichter
zugeruffen haben: Halt ein Kerl, ich wills bekennen, welches er sodann auch
gethan. Anderer tollen Aufzüge zu geschweigen, die er, der Kranichfeld
mehr zu machen wuste, wodurch er den Scharffrichter in Verbitterung wider
sich setzete.

§. 60.
F
§. 57.

Als Fixel darauf am folgenden Tage, nemlich am 30. Decemb.
1724. ſein unter der Marter gethanes Bekaͤnntniß ratihabirete, und Hoff-
mann ihme unter die Augen geſtellet wurde, ſeine Auſſage mit anzuhoͤren, hat
er ſich auch gutwillig zur Bekaͤnntniß bequemet, ohne daß weitere Gewalt
oder Bedrohung wider ihn ergangen waͤre. Hie war das Spiel und getrie-
bene Gauckeley mit ein mal aus, daß die uͤbrige Rott-Geſellen beſtuͤrtzt wurden,
und weiter nichts als Tortur zum beſten hatten, ſo ferne ſie, die ihnen von
zween zugezeugte Miſſethat nicht bekennen wolten. Und dazu war wol we-
nig Apparence, daß die uͤbrigen leichter zu gewinnen waͤren geweſen/ als dieſe
bißher waren gewonnen worden.

§. 58.

Das Feſt uͤber wird man zweiffels frey wol mit der Inqui-
ſitions-
Arbeit ſtille geweſen ſeyn. Vom 2ten Januario aber ward mir kunt,
daß, da Fixel Nachmittage wieder vorkommen, und beſtaͤndig ſeine Auſſage
verificiret, ſein Weib, die Wanckin dergeſtalt uͤber ihn entruͤſtet worden,
daß ſie wol in Gegenwart aller Herren Aſſeſſorum im Hoff-Gerichte, ſich
in Poſitur geſetzet, als wolte ſie dem Fixel in die Haare fallen und ins Geſichte
ſchlagen, daß er nicht, wie zuvor Hoffmann, die Tortur, auch ausgeſtanden
und ihrer geſchonet haͤtte. Dieſem ungeachtet wolte ſie doch, bey der Muͤh-
len-Pluͤnderung geweſen zu ſeyn, nicht geſtehen, dahero ſie am Abend des
gedachten Tages annoch ad locum torturæ muſte, ließ es daſelbſt bis aufs
Ausziehen kommen, und da ſie Ernſt vermerckete, hat ſie dieſe ihr zugezeu-
gete Ubelthat voͤllig geſtanden, voͤlliger faſt und umſtaͤndlicher als die andere,
denn ſie eine volubele Zunge hatte.

§. 59.

Mit Kranichfelden gieng man endlich auch zu Wercke, und da er
auf keine Weiſe zur gutwilligen Confesſion zu bringen war, ließ man ihn
am 3ten Januar. den erſten Verſuch auf der Marter-Bancke thun. Er wolte
Anfangs, wie man mir erzehlet, allerley faſt laͤcherliche Spruͤnge machen,
ſtellte ſich, als waͤre er nimmer vorgeweſen, begehrte ſich die Kleider, ohne
Hand-Anlegung des Scharffrichters, ſelbſt auszuziehen, Scharffrichter
moͤchte es ihm nur in der Guͤte ſagen, wie ers machen, und wohin er ſich
ſtrecken ſolte: Aber die Kurtzweil ſchien ihm bald zu vergehen, denn indem er
kaum die Daum-Schrauben uͤbernommen hatte, ſoll er dem Scharffrichter
zugeruffen haben: Halt ein Kerl, ich wills bekennen, welches er ſodann auch
gethan. Anderer tollen Aufzuͤge zu geſchweigen, die er, der Kranichfeld
mehr zu machen wuſte, wodurch er den Scharffrichter in Verbitterung wider
ſich ſetzete.

§. 60.
F
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Zitationshilfe: Schmidt, Andreas: Das Uber vier Malefitz-Personen ergangene Justitz-Rad. Berlin, 1725, S. 41[39]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schmid_justitzrad_1725/39>, abgerufen am 22.04.2021.