Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 2. Chemnitz, 1705.

Bild:
<< vorherige Seite

Untersuchung derer von super-klugen
fen-Bänder verknüpfft würde/ als wie der
Werth des Geldes in einen Wechsel-Brieff.
So nun die Strümpff-Bänder/ aus Nachläs-
sigkeit/ verlohren werden/ so gehet des Liebsten
versprochene Treue auch einen andern Gang/
und ist mit dem Strümpff-Bande/ als wie die
Versicherung des Geldes durch den verlohrnen
Wechsel-Brieff/ auch verlohren. Darum/ ihr
schlumpigen faulen Taschen/ nehmet eure
Strümpffen-Bänder künfftig besser in acht/
und verbindet eurer Liebsten ihre Treue fein feste
damit/ sonst wird es euch gehen/ als wie denen
Leipziger also genandten Schlencker-Braten/ o-
der aus denen Diensten gezogenen Mägden/ die
keine Herren haben.

Die Treue derer Freyer
Ist ohndem ziemlich theuer/
Drum sollen schlumpge Taschen/
Die sich gar selten waschen/
Und die bebruntzte Strümpffe/
Dem Liebsten nur zum Schimpffe/
Nachläßig lassen hangen/
Nicht tragen groß Verlangen/
Zu wissen und zu fragen/
Was doch ihr Schatz möcht' sagen.
Denn vor dergleichen Sauen
Möcht wohl dem Hencker grauen.
Das

Unterſuchung derer von ſuper-klugen
fen-Baͤnder verknuͤpfft wuͤrde/ als wie der
Werth des Geldes in einen Wechſel-Brieff.
So nun die Struͤmpff-Baͤnder/ aus Nachlaͤſ-
ſigkeit/ verlohren werden/ ſo gehet des Liebſten
verſprochene Treue auch einen andern Gang/
und iſt mit dem Struͤmpff-Bande/ als wie die
Verſicherung des Geldes durch den verlohrnen
Wechſel-Brieff/ auch verlohren. Darum/ ihr
ſchlumpigen faulen Taſchen/ nehmet eure
Struͤmpffen-Baͤnder kuͤnfftig beſſer in acht/
und verbindet eurer Liebſten ihre Treue fein feſte
damit/ ſonſt wird es euch gehen/ als wie denen
Leipziger alſo genandten Schlencker-Braten/ o-
der aus denen Dienſten gezogenen Maͤgden/ die
keine Herren haben.

Die Treue derer Freyer
Iſt ohndem ziemlich theuer/
Drum ſollen ſchlumpge Taſchen/
Die ſich gar ſelten waſchen/
Und die bebruntzte Struͤmpffe/
Dem Liebſten nur zum Schimpffe/
Nachlaͤßig laſſen hangen/
Nicht tragen groß Verlangen/
Zu wiſſen und zu fragen/
Was doch ihr Schatz moͤcht’ ſagen.
Denn vor dergleichen Sauen
Moͤcht wohl dem Hencker grauen.
Das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0080" n="256"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#fr">Unter&#x017F;uchung derer von</hi><hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">&#x017F;uper-</hi></hi><hi rendition="#fr">klugen</hi></fw><lb/>
fen-Ba&#x0364;nder verknu&#x0364;pfft wu&#x0364;rde/ als wie der<lb/>
Werth des Geldes in einen Wech&#x017F;el-Brieff.<lb/>
So nun die Stru&#x0364;mpff-Ba&#x0364;nder/ aus Nachla&#x0364;&#x017F;-<lb/>
&#x017F;igkeit/ verlohren werden/ &#x017F;o gehet des Lieb&#x017F;ten<lb/>
ver&#x017F;prochene Treue auch einen andern Gang/<lb/>
und i&#x017F;t mit dem Stru&#x0364;mpff-Bande/ als wie die<lb/>
Ver&#x017F;icherung des Geldes durch den verlohrnen<lb/>
Wech&#x017F;el-Brieff/ auch verlohren. Darum/ ihr<lb/>
&#x017F;chlumpigen faulen Ta&#x017F;chen/ nehmet eure<lb/>
Stru&#x0364;mpffen-Ba&#x0364;nder ku&#x0364;nfftig be&#x017F;&#x017F;er in acht/<lb/>
und verbindet eurer Lieb&#x017F;ten ihre Treue fein fe&#x017F;te<lb/>
damit/ &#x017F;on&#x017F;t wird es euch gehen/ als wie denen<lb/>
Leipziger al&#x017F;o genandten Schlencker-Braten/ o-<lb/>
der aus denen Dien&#x017F;ten gezogenen Ma&#x0364;gden/ die<lb/>
keine Herren haben.</p><lb/>
        <lg type="poem">
          <l>Die Treue derer Freyer</l><lb/>
          <l>I&#x017F;t ohndem ziemlich theuer/</l><lb/>
          <l>Drum &#x017F;ollen &#x017F;chlumpge Ta&#x017F;chen/</l><lb/>
          <l>Die &#x017F;ich gar &#x017F;elten wa&#x017F;chen/</l><lb/>
          <l>Und die bebruntzte Stru&#x0364;mpffe/</l><lb/>
          <l>Dem Lieb&#x017F;ten nur zum Schimpffe/</l><lb/>
          <l>Nachla&#x0364;ßig la&#x017F;&#x017F;en hangen/</l><lb/>
          <l>Nicht tragen groß Verlangen/</l><lb/>
          <l>Zu wi&#x017F;&#x017F;en und zu fragen/</l><lb/>
          <l>Was doch ihr Schatz mo&#x0364;cht&#x2019; &#x017F;agen.</l><lb/>
          <l>Denn vor dergleichen Sauen</l><lb/>
          <l>Mo&#x0364;cht wohl dem Hencker grauen.</l>
        </lg>
      </div><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Das</hi> </fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[256/0080] Unterſuchung derer von ſuper-klugen fen-Baͤnder verknuͤpfft wuͤrde/ als wie der Werth des Geldes in einen Wechſel-Brieff. So nun die Struͤmpff-Baͤnder/ aus Nachlaͤſ- ſigkeit/ verlohren werden/ ſo gehet des Liebſten verſprochene Treue auch einen andern Gang/ und iſt mit dem Struͤmpff-Bande/ als wie die Verſicherung des Geldes durch den verlohrnen Wechſel-Brieff/ auch verlohren. Darum/ ihr ſchlumpigen faulen Taſchen/ nehmet eure Struͤmpffen-Baͤnder kuͤnfftig beſſer in acht/ und verbindet eurer Liebſten ihre Treue fein feſte damit/ ſonſt wird es euch gehen/ als wie denen Leipziger alſo genandten Schlencker-Braten/ o- der aus denen Dienſten gezogenen Maͤgden/ die keine Herren haben. Die Treue derer Freyer Iſt ohndem ziemlich theuer/ Drum ſollen ſchlumpge Taſchen/ Die ſich gar ſelten waſchen/ Und die bebruntzte Struͤmpffe/ Dem Liebſten nur zum Schimpffe/ Nachlaͤßig laſſen hangen/ Nicht tragen groß Verlangen/ Zu wiſſen und zu fragen/ Was doch ihr Schatz moͤcht’ ſagen. Denn vor dergleichen Sauen Moͤcht wohl dem Hencker grauen. Das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia02_1705
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia02_1705/80
Zitationshilfe: Schmidt, Johann Georg: Die gestriegelte Rocken-Philosophia, oder auffrichtige Untersuchung derer von vielen super-klugen Weibern hochgehaltenen Aberglauben. Bd. 2. Chemnitz, 1705, S. 256. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schmidt_rockenphilosophia02_1705/80>, abgerufen am 20.06.2021.