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Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739.

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dienlich seyn, wenn sie anhören, was auch dieser
vorgiebt. Der Wirthin Ankunfft verstöhrete uns
in unserm Gespräch, und wir liessen uns gefallen,
nach eingenommener Mittags-Mahlzeit mit in ih-
ren Garten zu spatziren, allwo wir uns biß gegen
3. Uhren aufhielten, hernach wiederum in unser
Zimmer gingen, und ich mich, so bald die Magd
den Herrn Rackhuysen meldete, ins Cabinet ver-
steckte.

Dieser Monsieur stellete sich anfänglich sehr sub-
miß, depreoi
rte sein ehemahliges Verbrechen in
einer sehr langen Oration, welche er ohnfehlbar
Abends vorhero aufgeschrieben, und die gantze Nacht
auch wohlden gantzen Vormittag, selbige auswen-
dig zu lernen, angewendet haben mochte. Nach-
hero erzählete er eben diejenigen Geschichte, welche
Dostart erzählet hatte, jedoch mit vielen Zusätzen,
welche nun wohl wahr, oder erdichtet seyn konten.
Endlich machte er auch seinen Schluß auf die Art,
wie Dostart, und schlug vor, daß, wenn die Mada-
me van Bredal
sich obligiren wolte, ihn, der sie
von Jugend auf Hertz-inniglich geliebt, zu heyra-
then, so wäre er im Stande, nicht allein die Ehe-
Scheidung mit ihrem ohnedem schon verheyrathe-
ten Manne, sondern auch ihr vollkommenes Glück
auf dieser Welt zu befördern, indem er nicht allein
in Ost-Jndien ein grosses Gut erworben hätte, son-
dern ihm auch Zeit seiner Abwesenheit eine Erb-
schafft von 12 biß 16000. Thlr. zugefallen wäre, als
welches letztere er nur erstlich itzo allhier in Lissabon
erfahren.

Die van Bredal gab ihm noch eine weit kaltsin-

nigere
(M 3)

dienlich ſeyn, wenn ſie anhoͤren, was auch dieſer
vorgiebt. Der Wirthin Ankunfft verſtoͤhrete uns
in unſerm Geſpraͤch, und wir lieſſen uns gefallen,
nach eingenommener Mittags-Mahlzeit mit in ih-
ren Garten zu ſpatziren, allwo wir uns biß gegen
3. Uhren aufhielten, hernach wiederum in unſer
Zimmer gingen, und ich mich, ſo bald die Magd
den Herrn Rackhuyſen meldete, ins Cabinet ver-
ſteckte.

Dieſer Monſieur ſtellete ſich anfaͤnglich ſehr ſub-
miß, depreoi
rte ſein ehemahliges Verbrechen in
einer ſehr langen Oration, welche er ohnfehlbar
Abends vorhero aufgeſchrieben, und die gantze Nacht
auch wohlden gantzen Vormittag, ſelbige auswen-
dig zu lernen, angewendet haben mochte. Nach-
hero erzaͤhlete er eben diejenigen Geſchichte, welche
Doſtart erzaͤhlet hatte, jedoch mit vielen Zuſaͤtzen,
welche nun wohl wahr, oder erdichtet ſeyn konten.
Endlich machte er auch ſeinen Schluß auf die Art,
wie Doſtart, und ſchlug vor, daß, wenn die Mada-
me van Bredal
ſich obligiren wolte, ihn, der ſie
von Jugend auf Hertz-inniglich geliebt, zu heyra-
then, ſo waͤre er im Stande, nicht allein die Ehe-
Scheidung mit ihrem ohnedem ſchon verheyrathe-
ten Manne, ſondern auch ihr vollkommenes Gluͤck
auf dieſer Welt zu befoͤrdern, indem er nicht allein
in Oſt-Jndien ein groſſes Gut erworben haͤtte, ſon-
dern ihm auch Zeit ſeiner Abweſenheit eine Erb-
ſchafft von 12 biß 16000. Thlr. zugefallen waͤre, als
welches letztere er nur erſtlich itzo allhier in Liſſabon
erfahren.

Die van Bredal gab ihm noch eine weit kaltſin-

nigere
(M 3)
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[181/0189] dienlich ſeyn, wenn ſie anhoͤren, was auch dieſer vorgiebt. Der Wirthin Ankunfft verſtoͤhrete uns in unſerm Geſpraͤch, und wir lieſſen uns gefallen, nach eingenommener Mittags-Mahlzeit mit in ih- ren Garten zu ſpatziren, allwo wir uns biß gegen 3. Uhren aufhielten, hernach wiederum in unſer Zimmer gingen, und ich mich, ſo bald die Magd den Herrn Rackhuyſen meldete, ins Cabinet ver- ſteckte. Dieſer Monſieur ſtellete ſich anfaͤnglich ſehr ſub- miß, depreoirte ſein ehemahliges Verbrechen in einer ſehr langen Oration, welche er ohnfehlbar Abends vorhero aufgeſchrieben, und die gantze Nacht auch wohlden gantzen Vormittag, ſelbige auswen- dig zu lernen, angewendet haben mochte. Nach- hero erzaͤhlete er eben diejenigen Geſchichte, welche Doſtart erzaͤhlet hatte, jedoch mit vielen Zuſaͤtzen, welche nun wohl wahr, oder erdichtet ſeyn konten. Endlich machte er auch ſeinen Schluß auf die Art, wie Doſtart, und ſchlug vor, daß, wenn die Mada- me van Bredal ſich obligiren wolte, ihn, der ſie von Jugend auf Hertz-inniglich geliebt, zu heyra- then, ſo waͤre er im Stande, nicht allein die Ehe- Scheidung mit ihrem ohnedem ſchon verheyrathe- ten Manne, ſondern auch ihr vollkommenes Gluͤck auf dieſer Welt zu befoͤrdern, indem er nicht allein in Oſt-Jndien ein groſſes Gut erworben haͤtte, ſon- dern ihm auch Zeit ſeiner Abweſenheit eine Erb- ſchafft von 12 biß 16000. Thlr. zugefallen waͤre, als welches letztere er nur erſtlich itzo allhier in Liſſabon erfahren. Die van Bredal gab ihm noch eine weit kaltſin- nigere (M 3)

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Zitationshilfe: Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739, S. 181. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata03_1739/189>, abgerufen am 12.05.2021.