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Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739.

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ten, der Schiffs-Patron war so gefällig, uns in
Harlingen auszusetzen, weil die Madame van
Bredal
von dannen nur noch einen kurtzen Weg
nach Leuwarden hatte; anfänglich waren wir eins
worden, daß ich sie biß in diese ihre Geburths-Stadt
begleiten solte, nachhero aber, da wir dieses besser
überlegt/ wurden wir schlüßig, daß sie allein mit
einer Extra- Post dahin, ich aber zu Schiffe nach
meiner Vaters-Stadt Antwerpen abgehen wolte.
Wir blieben also nur 2. Tage in Harlingen, um
von der Reise ein wenig auszuruhen, nahmen
nachhero beweglichen Abschied von einander, wo-
bey sie mir versprach, daß, so bald sie würde ver-
meinen, daß ich in Antwerpen könte angekom-
men seyn, mir von ihrem Zustande Nachricht
zu geben, auch beschenckte sie mich noch mit 1000.
Ducaten und verschiedenen kostbaren Kleino-
dien, welches letztere aber anzunehmen ich mich
aufs alleräuserste weigerte, allein, sie ließ nicht
nach, mir solches aufzuzwingen, und sagte dabey:
Nehmet mir zu Gefallen nur itzo dieses wenige zum
Reise-Gelde, es komme hinführo mit mir wie es
will, so werde ich euch doch bedencken; Mir aber
war gantz anders zu Muthe, und an ihrer Person
mehr gelegen als an Gelde und Gute, welches ihr
deutlich genung zu verstehen gab. Allein, sie blieb
bey ihrer ehemahligen in Lissabon gethanen Erklä-
rung, und fügte hinzu, wie sie hoffte, daß wir in we-
nig Wochen einander sprechen würden, es möch-
ten nun ihre Sachen gut oder schlimm abgelauffen
seyn. Hierauf ließ sie ihre meisten Sachen zu Har-
lingen in Verwahrung, und reisete auf Leuwar-

den

ten, der Schiffs-Patron war ſo gefaͤllig, uns in
Harlingen auszuſetzen, weil die Madame van
Bredal
von dannen nur noch einen kurtzen Weg
nach Leuwarden hatte; anfaͤnglich waren wir eins
worden, daß ich ſie biß in dieſe ihre Geburths-Stadt
begleiten ſolte, nachhero aber, da wir dieſes beſſer
uͤberlegt/ wurden wir ſchluͤßig, daß ſie allein mit
einer Extra- Poſt dahin, ich aber zu Schiffe nach
meiner Vaters-Stadt Antwerpen abgehen wolte.
Wir blieben alſo nur 2. Tage in Harlingen, um
von der Reiſe ein wenig auszuruhen, nahmen
nachhero beweglichen Abſchied von einander, wo-
bey ſie mir verſprach, daß, ſo bald ſie wuͤrde ver-
meinen, daß ich in Antwerpen koͤnte angekom-
men ſeyn, mir von ihrem Zuſtande Nachricht
zu geben, auch beſchenckte ſie mich noch mit 1000.
Ducaten und verſchiedenen koſtbaren Kleino-
dien, welches letztere aber anzunehmen ich mich
aufs alleraͤuſerſte weigerte, allein, ſie ließ nicht
nach, mir ſolches aufzuzwingen, und ſagte dabey:
Nehmet mir zu Gefallen nur itzo dieſes wenige zum
Reiſe-Gelde, es komme hinfuͤhro mit mir wie es
will, ſo werde ich euch doch bedencken; Mir aber
war gantz anders zu Muthe, und an ihrer Perſon
mehr gelegen als an Gelde und Gute, welches ihr
deutlich genung zu verſtehen gab. Allein, ſie blieb
bey ihrer ehemahligen in Liſſabon gethanen Erklaͤ-
rung, und fuͤgte hinzu, wie ſie hoffte, daß wir in we-
nig Wochen einander ſprechen wuͤrden, es moͤch-
ten nun ihre Sachen gut oder ſchlimm abgelauffen
ſeyn. Hierauf ließ ſie ihre meiſten Sachen zu Har-
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[191/0199] ten, der Schiffs-Patron war ſo gefaͤllig, uns in Harlingen auszuſetzen, weil die Madame van Bredal von dannen nur noch einen kurtzen Weg nach Leuwarden hatte; anfaͤnglich waren wir eins worden, daß ich ſie biß in dieſe ihre Geburths-Stadt begleiten ſolte, nachhero aber, da wir dieſes beſſer uͤberlegt/ wurden wir ſchluͤßig, daß ſie allein mit einer Extra- Poſt dahin, ich aber zu Schiffe nach meiner Vaters-Stadt Antwerpen abgehen wolte. Wir blieben alſo nur 2. Tage in Harlingen, um von der Reiſe ein wenig auszuruhen, nahmen nachhero beweglichen Abſchied von einander, wo- bey ſie mir verſprach, daß, ſo bald ſie wuͤrde ver- meinen, daß ich in Antwerpen koͤnte angekom- men ſeyn, mir von ihrem Zuſtande Nachricht zu geben, auch beſchenckte ſie mich noch mit 1000. Ducaten und verſchiedenen koſtbaren Kleino- dien, welches letztere aber anzunehmen ich mich aufs alleraͤuſerſte weigerte, allein, ſie ließ nicht nach, mir ſolches aufzuzwingen, und ſagte dabey: Nehmet mir zu Gefallen nur itzo dieſes wenige zum Reiſe-Gelde, es komme hinfuͤhro mit mir wie es will, ſo werde ich euch doch bedencken; Mir aber war gantz anders zu Muthe, und an ihrer Perſon mehr gelegen als an Gelde und Gute, welches ihr deutlich genung zu verſtehen gab. Allein, ſie blieb bey ihrer ehemahligen in Liſſabon gethanen Erklaͤ- rung, und fuͤgte hinzu, wie ſie hoffte, daß wir in we- nig Wochen einander ſprechen wuͤrden, es moͤch- ten nun ihre Sachen gut oder ſchlimm abgelauffen ſeyn. Hierauf ließ ſie ihre meiſten Sachen zu Har- lingen in Verwahrung, und reiſete auf Leuwar- den

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Zitationshilfe: Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739, S. 191. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata03_1739/199>, abgerufen am 16.05.2021.