Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739.

Bild:
<< vorherige Seite

seyd, ich euch mehr liebe, als mein eigenes
Leben, und glaube, daß, wenn man es
recht untersucht, sich finden wird, daß ich
mit euch wegen der
Sympathie, so sich zwi-
schen unsern Hertzen und Seelen findet, zu
einer Zeit und Stunde kranck worden bin.
Jedoch, da man mit itzo schmeichelt, daß
Jhr halb wieder genesen, und euch schon
an dem Fenster sehen lasset, stellen sich auch
meine Kräffte allmählig ein, ja! wenn ich
nicht von meiner Frau Muhme abgehalten
würde, so wagte ich es, euch zu besuchen,
es möchte mir auch gehen, wie es wolte.
Jedoch, da solches nicht geschehen darff,
wünsche ich desto sehnlicher eure vollkom-
mene Genesung, damit ich, euch ehester
Tages zu umarmen, das Vergnügen haben
möge. Die ich mit aller beständigen Treue
biß ins Grab beharre

Eure
Charlotte - - -

Verfluchte Schlange! ists denn doch dein
würcklicher Ernst, mich zu bethören? Nein, das
soll nicht geschehen, sondern ich will dir bald an-
dere Gedancken beybringen. So gedachte ich bey
mir selbst, ließ aber der vor der Thür wartenden
Magd sagen, daß sie, nebst, meinem Compliment
an ihre Jungfer, derselben melden solte, wie ich

ihr

ſeyd, ich euch mehr liebe, als mein eigenes
Leben, und glaube, daß, wenn man es
recht unterſucht, ſich finden wird, daß ich
mit euch wegen der
Sympathie, ſo ſich zwi-
ſchen unſern Hertzen und Seelen findet, zu
einer Zeit und Stunde kranck worden bin.
Jedoch, da man mit itzo ſchmeichelt, daß
Jhr halb wieder geneſen, und euch ſchon
an dem Fenſter ſehen laſſet, ſtellen ſich auch
meine Kraͤffte allmaͤhlig ein, ja! wenn ich
nicht von meiner Frau Muhme abgehalten
wuͤrde, ſo wagte ich es, euch zu beſuchen,
es moͤchte mir auch gehen, wie es wolte.
Jedoch, da ſolches nicht geſchehen darff,
wuͤnſche ich deſto ſehnlicher eure vollkom-
mene Geneſung, damit ich, euch eheſter
Tages zu umarmen, das Vergnuͤgen haben
moͤge. Die ich mit aller beſtaͤndigen Treue
biß ins Grab beharre

Eure
Charlotte ‒ ‒ ‒

Verfluchte Schlange! iſts denn doch dein
wuͤrcklicher Ernſt, mich zu bethoͤren? Nein, das
ſoll nicht geſchehen, ſondern ich will dir bald an-
dere Gedancken beybringen. So gedachte ich bey
mir ſelbſt, ließ aber der vor der Thuͤr wartenden
Magd ſagen, daß ſie, nebſt, meinem Compliment
an ihre Jungfer, derſelben melden ſolte, wie ich

ihr
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <floatingText>
            <body>
              <div type="letter">
                <p>
                  <pb facs="#f0444" n="436"/> <hi rendition="#fr">&#x017F;eyd, ich euch mehr liebe, als mein eigenes<lb/>
Leben, und glaube, daß, wenn man es<lb/>
recht unter&#x017F;ucht, &#x017F;ich finden wird, daß ich<lb/>
mit euch wegen der</hi> <hi rendition="#aq">Sympathie,</hi> <hi rendition="#fr">&#x017F;o &#x017F;ich zwi-<lb/>
&#x017F;chen un&#x017F;ern Hertzen und Seelen findet, zu<lb/>
einer Zeit und Stunde kranck worden bin.<lb/>
Jedoch, da man mit itzo &#x017F;chmeichelt, daß<lb/>
Jhr halb wieder gene&#x017F;en, und euch &#x017F;chon<lb/>
an dem Fen&#x017F;ter &#x017F;ehen la&#x017F;&#x017F;et, &#x017F;tellen &#x017F;ich auch<lb/>
meine Kra&#x0364;ffte allma&#x0364;hlig ein, ja! wenn ich<lb/>
nicht von meiner Frau Muhme abgehalten<lb/>
wu&#x0364;rde, &#x017F;o wagte ich es, euch zu be&#x017F;uchen,<lb/>
es mo&#x0364;chte mir auch gehen, wie es wolte.<lb/>
Jedoch, da &#x017F;olches nicht ge&#x017F;chehen darff,<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;che ich de&#x017F;to &#x017F;ehnlicher eure vollkom-<lb/>
mene Gene&#x017F;ung, damit ich, euch ehe&#x017F;ter<lb/>
Tages zu umarmen, das Vergnu&#x0364;gen haben<lb/>
mo&#x0364;ge. Die ich mit aller be&#x017F;ta&#x0364;ndigen Treue<lb/>
biß ins Grab beharre</hi> </p><lb/>
                <closer>
                  <salute> <hi rendition="#et">Eure<lb/><hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Charlotte</hi></hi> &#x2012; &#x2012; &#x2012;</hi> </salute>
                </closer>
              </div>
            </body>
          </floatingText><lb/>
          <p>Verfluchte Schlange! i&#x017F;ts denn doch dein<lb/>
wu&#x0364;rcklicher Ern&#x017F;t, mich zu betho&#x0364;ren? Nein, das<lb/>
&#x017F;oll nicht ge&#x017F;chehen, &#x017F;ondern ich will dir bald an-<lb/>
dere Gedancken beybringen. So gedachte ich bey<lb/>
mir &#x017F;elb&#x017F;t, ließ aber der vor der Thu&#x0364;r wartenden<lb/>
Magd &#x017F;agen, daß &#x017F;ie, neb&#x017F;t, meinem <hi rendition="#aq">Compliment</hi><lb/>
an ihre Jungfer, der&#x017F;elben melden &#x017F;olte, wie ich<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ihr</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[436/0444] ſeyd, ich euch mehr liebe, als mein eigenes Leben, und glaube, daß, wenn man es recht unterſucht, ſich finden wird, daß ich mit euch wegen der Sympathie, ſo ſich zwi- ſchen unſern Hertzen und Seelen findet, zu einer Zeit und Stunde kranck worden bin. Jedoch, da man mit itzo ſchmeichelt, daß Jhr halb wieder geneſen, und euch ſchon an dem Fenſter ſehen laſſet, ſtellen ſich auch meine Kraͤffte allmaͤhlig ein, ja! wenn ich nicht von meiner Frau Muhme abgehalten wuͤrde, ſo wagte ich es, euch zu beſuchen, es moͤchte mir auch gehen, wie es wolte. Jedoch, da ſolches nicht geſchehen darff, wuͤnſche ich deſto ſehnlicher eure vollkom- mene Geneſung, damit ich, euch eheſter Tages zu umarmen, das Vergnuͤgen haben moͤge. Die ich mit aller beſtaͤndigen Treue biß ins Grab beharre Eure Charlotte ‒ ‒ ‒ Verfluchte Schlange! iſts denn doch dein wuͤrcklicher Ernſt, mich zu bethoͤren? Nein, das ſoll nicht geſchehen, ſondern ich will dir bald an- dere Gedancken beybringen. So gedachte ich bey mir ſelbſt, ließ aber der vor der Thuͤr wartenden Magd ſagen, daß ſie, nebſt, meinem Compliment an ihre Jungfer, derſelben melden ſolte, wie ich ihr

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata03_1739
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata03_1739/444
Zitationshilfe: Gisander [i. e. Schnabel, Johann Gottfried]: Wunderliche Fata einiger See-Fahrer. Bd. 3. Nordhausen, 1739, S. 436. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schnabel_fata03_1739/444>, abgerufen am 13.05.2021.