Schnitzler, Arthur: Reigen. Wien, 1903.Ein behagliches Schlafgemach. Es ist halb elf Uhr Nachts. Die Frau liegt zu Bette und liest. Der Gatte tritt eben, im Schlafrock, ins Zimmer. Die junge Frau (ohne aufzuschauen). Du arbeitest nicht mehr? Der Gatte. Nein. Ich bin zu müde. Und außerdem ... Die junge Frau. Nun? -- Der Gatte. Ich hab' mich an meinem Schreibtisch plötz- lich so einsam gefühlt. Ich habe Sehnsucht nach dir bekommen. Die junge Frau (schaut auf). Wirklich? Ein behagliches Schlafgemach. Es ist halb elf Uhr Nachts. Die Frau liegt zu Bette und liest. Der Gatte tritt eben, im Schlafrock, ins Zimmer. Die junge Frau (ohne aufzuschauen). Du arbeitest nicht mehr? Der Gatte. Nein. Ich bin zu müde. Und außerdem … Die junge Frau. Nun? — Der Gatte. Ich hab’ mich an meinem Schreibtisch plötz- lich so einsam gefühlt. Ich habe Sehnsucht nach dir bekommen. Die junge Frau (schaut auf). Wirklich? <TEI> <text> <body> <div n="2"> <pb facs="#f0093" n="[85]"/> <stage>Ein behagliches Schlafgemach.<lb/> Es ist halb elf Uhr Nachts. Die Frau liegt zu Bette und<lb/> liest. Der Gatte tritt eben, im Schlafrock, ins Zimmer.</stage><lb/> <sp who="#JFRAU"> <speaker> <hi rendition="#b">Die junge Frau</hi> </speaker> <stage>(ohne aufzuschauen).</stage><lb/> <p>Du arbeitest nicht mehr?</p> </sp><lb/> <sp who="#GATTE"> <speaker> <hi rendition="#b">Der Gatte.</hi> </speaker><lb/> <p>Nein. Ich bin zu müde. Und außerdem …</p> </sp><lb/> <sp who="#JFRAU"> <speaker> <hi rendition="#b">Die junge Frau.</hi> </speaker><lb/> <p>Nun? —</p> </sp><lb/> <sp who="#GATTE"> <speaker> <hi rendition="#b">Der Gatte.</hi> </speaker><lb/> <p>Ich hab’ mich an meinem Schreibtisch plötz-<lb/> lich so einsam gefühlt. Ich habe Sehnsucht<lb/> nach dir bekommen.</p> </sp><lb/> <sp who="#JFRAU"> <speaker> <hi rendition="#b">Die junge Frau</hi> </speaker> <stage>(schaut auf).</stage><lb/> <p>Wirklich?</p> </sp><lb/> </div> </body> </text> </TEI> [[85]/0093]
Ein behagliches Schlafgemach.
Es ist halb elf Uhr Nachts. Die Frau liegt zu Bette und
liest. Der Gatte tritt eben, im Schlafrock, ins Zimmer.
Die junge Frau (ohne aufzuschauen).
Du arbeitest nicht mehr?
Der Gatte.
Nein. Ich bin zu müde. Und außerdem …
Die junge Frau.
Nun? —
Der Gatte.
Ich hab’ mich an meinem Schreibtisch plötz-
lich so einsam gefühlt. Ich habe Sehnsucht
nach dir bekommen.
Die junge Frau (schaut auf).
Wirklich?
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| Zitationshilfe: | Schnitzler, Arthur: Reigen. Wien, 1903, S. [85]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schnitzler_reigen_1903/93>, abgerufen am 11.09.2024. |


