dem Bündnisse mit dem Propheten abstehen, sondern Euch vielmehr Krieg auf Leben und Tod ankündigen; denn so ist unser Wille."
-- "Was müssen meine Ohren hören!" rief er- schrocken der Priester. "Wie, sind denn Treue und Glauben bei den Sioux, die seither für Muster der Redlichkeit galten, auch schon zur Fabel geworden? Schämt Jhr Euch nicht, es den treulosen und wort- brüchigen Schwarzfüßen gleich zu thun und Euren Namen verhaßt und verachtet zu machen, wie sie den ihrigen? Habt Jhr nicht die Euch zum Preise für das mit uns geschlossene Bündniß dargebrachten Gaben angenommen? und trotz dem ...."
-- "Ereifre Dich nicht, Greis," unterbrach ihn White-hawk: "es ist Alles so, wie Du gesagt hast. Als wir aber auf die Honigworte der Bleichgesichter hörten, wußten wir noch nicht, daß Gift dahinter steckte; wir wußten auch noch nicht, daß unser Freund und Bruder, der früher auch Eurer Freund war, jetzt Euer Feind geworden; denn hätten wir es gewußt, so würden wir Euren Vorschlägen nimmer Gehör ge- schenkt, sondern Euch gleich mit Euren Gaben und Versprechungen zurückgewiesen haben. Jetzt sind wir aus dem Munde unseres Freundes selbst eines Besseren belehrt worden und gekommen, Euch die uns gesandten Gaben zugleich mit der uns angetragenen Freundschaft
dem Bündniſſe mit dem Propheten abſtehen, ſondern Euch vielmehr Krieg auf Leben und Tod ankündigen; denn ſo iſt unſer Wille.“
— „Was müſſen meine Ohren hören!“ rief er- ſchrocken der Prieſter. „Wie, ſind denn Treue und Glauben bei den Sioux, die ſeither für Muſter der Redlichkeit galten, auch ſchon zur Fabel geworden? Schämt Jhr Euch nicht, es den treuloſen und wort- brüchigen Schwarzfüßen gleich zu thun und Euren Namen verhaßt und verachtet zu machen, wie ſie den ihrigen? Habt Jhr nicht die Euch zum Preiſe für das mit uns geſchloſſene Bündniß dargebrachten Gaben angenommen? und trotz dem ....“
— „Ereifre Dich nicht, Greis,“ unterbrach ihn White-hawk: „es iſt Alles ſo, wie Du geſagt haſt. Als wir aber auf die Honigworte der Bleichgeſichter hörten, wußten wir noch nicht, daß Gift dahinter ſteckte; wir wußten auch noch nicht, daß unſer Freund und Bruder, der früher auch Eurer Freund war, jetzt Euer Feind geworden; denn hätten wir es gewußt, ſo würden wir Euren Vorſchlägen nimmer Gehör ge- ſchenkt, ſondern Euch gleich mit Euren Gaben und Verſprechungen zurückgewieſen haben. Jetzt ſind wir aus dem Munde unſeres Freundes ſelbſt eines Beſſeren belehrt worden und gekommen, Euch die uns geſandten Gaben zugleich mit der uns angetragenen Freundſchaft
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dem Bündniſſe mit dem Propheten abſtehen, ſondern
Euch vielmehr Krieg auf Leben und Tod ankündigen;
denn ſo iſt unſer Wille.“
— „Was müſſen meine Ohren hören!“ rief er-
ſchrocken der Prieſter. „Wie, ſind denn Treue und
Glauben bei den Sioux, die ſeither für Muſter der
Redlichkeit galten, auch ſchon zur Fabel geworden?
Schämt Jhr Euch nicht, es den treuloſen und wort-
brüchigen Schwarzfüßen gleich zu thun und Euren
Namen verhaßt und verachtet zu machen, wie ſie
den ihrigen? Habt Jhr nicht die Euch zum Preiſe
für das mit uns geſchloſſene Bündniß dargebrachten
Gaben angenommen? und trotz dem ....“
— „Ereifre Dich nicht, Greis,“ unterbrach ihn
White-hawk: „es iſt Alles ſo, wie Du geſagt haſt.
Als wir aber auf die Honigworte der Bleichgeſichter
hörten, wußten wir noch nicht, daß Gift dahinter
ſteckte; wir wußten auch noch nicht, daß unſer Freund
und Bruder, der früher auch Eurer Freund war, jetzt
Euer Feind geworden; denn hätten wir es gewußt, ſo
würden wir Euren Vorſchlägen nimmer Gehör ge-
ſchenkt, ſondern Euch gleich mit Euren Gaben und
Verſprechungen zurückgewieſen haben. Jetzt ſind wir
aus dem Munde unſeres Freundes ſelbſt eines Beſſeren
belehrt worden und gekommen, Euch die uns geſandten
Gaben zugleich mit der uns angetragenen Freundſchaft
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 112. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/118>, abgerufen am 10.08.2024.
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