Die Bestürzung in Nauvoo war so groß, daß man sich im ersten Augenblick nicht zu rathen wußte, denn wenn die Sioux ihre Drohungen in Ausführung brachten, so war die Stadt verloren, so war es die ganze Colonie, da auch nicht ein einziger Krieger zur Vertheidigung derselben zurückgeblieben war.
Der Priester, der im ersten Augenblick die Furcht der Uebrigen getheilt hatte, faßte sich zuerst wieder und suchte auch die Andern durch die Mittheilung zu beruhigen, daß, wenn man gleich nicht mehr auf die Sioux rechnen könne, doch die Chippewas sich zu ei- nem Bündnisse mit Nauvoo bereit erklärt hätten. Da beide Jndianerstämme, fügte er hinzu, immer neidisch auf einander wären, würde man sie leicht zu- sammenhetzen, so daß die Sioux, zu Haus beschäftigt, der Colonie keinen Schaden zufügen könnten.
Während nun White-hawk auf dem Wege nach Nauvoo war, blieb man in der Niederlassung nicht unthätig und Arnold selbst stellte sich mit Einwilli- gung Waupees an die Spitze der Geschäfte. Das Nächste, was man vornahm, bestand darin, Boten mit rothgefärbten Tabacksblättern nach allen Richtun- gen auszusenden und nicht nur zu den verschiedenen Niederlassungen der Sioux, sondern auch zu den be- freundeten Chippewas; denn durch solche Sendun- gen fordert man Stamm- und Bundesgenossen zum
Die Beſtürzung in Nauvoo war ſo groß, daß man ſich im erſten Augenblick nicht zu rathen wußte, denn wenn die Sioux ihre Drohungen in Ausführung brachten, ſo war die Stadt verloren, ſo war es die ganze Colonie, da auch nicht ein einziger Krieger zur Vertheidigung derſelben zurückgeblieben war.
Der Prieſter, der im erſten Augenblick die Furcht der Uebrigen getheilt hatte, faßte ſich zuerſt wieder und ſuchte auch die Andern durch die Mittheilung zu beruhigen, daß, wenn man gleich nicht mehr auf die Sioux rechnen könne, doch die Chippewas ſich zu ei- nem Bündniſſe mit Nauvoo bereit erklärt hätten. Da beide Jndianerſtämme, fügte er hinzu, immer neidiſch auf einander wären, würde man ſie leicht zu- ſammenhetzen, ſo daß die Sioux, zu Haus beſchäftigt, der Colonie keinen Schaden zufügen könnten.
Während nun White-hawk auf dem Wege nach Nauvoo war, blieb man in der Niederlaſſung nicht unthätig und Arnold ſelbſt ſtellte ſich mit Einwilli- gung Waupees an die Spitze der Geſchäfte. Das Nächſte, was man vornahm, beſtand darin, Boten mit rothgefärbten Tabacksblättern nach allen Richtun- gen auszuſenden und nicht nur zu den verſchiedenen Niederlaſſungen der Sioux, ſondern auch zu den be- freundeten Chippewas; denn durch ſolche Sendun- gen fordert man Stamm- und Bundesgenoſſen zum
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Die Beſtürzung in Nauvoo war ſo groß, daß
man ſich im erſten Augenblick nicht zu rathen wußte,
denn wenn die Sioux ihre Drohungen in Ausführung
brachten, ſo war die Stadt verloren, ſo war es die
ganze Colonie, da auch nicht ein einziger Krieger zur
Vertheidigung derſelben zurückgeblieben war.
Der Prieſter, der im erſten Augenblick die Furcht
der Uebrigen getheilt hatte, faßte ſich zuerſt wieder
und ſuchte auch die Andern durch die Mittheilung zu
beruhigen, daß, wenn man gleich nicht mehr auf die
Sioux rechnen könne, doch die Chippewas ſich zu ei-
nem Bündniſſe mit Nauvoo bereit erklärt hätten.
Da beide Jndianerſtämme, fügte er hinzu, immer
neidiſch auf einander wären, würde man ſie leicht zu-
ſammenhetzen, ſo daß die Sioux, zu Haus beſchäftigt,
der Colonie keinen Schaden zufügen könnten.
Während nun White-hawk auf dem Wege nach
Nauvoo war, blieb man in der Niederlaſſung nicht
unthätig und Arnold ſelbſt ſtellte ſich mit Einwilli-
gung Waupees an die Spitze der Geſchäfte. Das
Nächſte, was man vornahm, beſtand darin, Boten
mit rothgefärbten Tabacksblättern nach allen Richtun-
gen auszuſenden und nicht nur zu den verſchiedenen
Niederlaſſungen der Sioux, ſondern auch zu den be-
freundeten Chippewas; denn durch ſolche Sendun-
gen fordert man Stamm- und Bundesgenoſſen zum
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 114. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/120>, abgerufen am 10.08.2024.
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