Kriegs- und Zuzuge auf. Die Abgesandten fanden überall williges Gehör und man war des langen Friedens bereits so überdrüssig, daß die verschiedenen Stämme sich über Kurz oder Lang wieder unter ein- ander befehdet haben würden, nur um einem Zustande ein Ende zu machen, der für diese kriegerischen Ge- müther völlig unerträglich war.
Als daher White-hawk mit seiner Schaar in die Niederlassung zurückkehrte, fand er bereits über tau- send Krieger versammelt und jede Stunde führte noch mehre herbei. Am Tage nach seiner Ankunft stellten sich auch die Chippewas unter Anführung des großen Pelikans ein und der fast unabsehbare Zug, den sie im vollen, glänzenden Waffenschmucke bildeten, bot einen eben so schönen, als furchtbaren Anblick dar.
Die Führer der verschiedenen Haufen traten also- bald auf einem weiten Wiesenplane zur Berathung zusammen. White-hawk, seinen Freund Arnold an der Hand, war einer der Letzten, die sich einstellten, und trotz seiner Jugend, galt doch schon seine Stimme im Rathe der Krieger so viel, daß er es mit leichter Mühe durchsetzte, daß man Arnold zum Führer aller versammelten Kriegerhaufen erwählte.
-- "Freunde," sagte White-hawk bei dieser Gelegenheit, "ich weiß, daß es Manchen unter uns giebt, der gegen meinen Vorschlag, als seither nicht
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Kriegs- und Zuzuge auf. Die Abgeſandten fanden überall williges Gehör und man war des langen Friedens bereits ſo überdrüſſig, daß die verſchiedenen Stämme ſich über Kurz oder Lang wieder unter ein- ander befehdet haben würden, nur um einem Zuſtande ein Ende zu machen, der für dieſe kriegeriſchen Ge- müther völlig unerträglich war.
Als daher White-hawk mit ſeiner Schaar in die Niederlaſſung zurückkehrte, fand er bereits über tau- ſend Krieger verſammelt und jede Stunde führte noch mehre herbei. Am Tage nach ſeiner Ankunft ſtellten ſich auch die Chippewas unter Anführung des großen Pelikans ein und der faſt unabſehbare Zug, den ſie im vollen, glänzenden Waffenſchmucke bildeten, bot einen eben ſo ſchönen, als furchtbaren Anblick dar.
Die Führer der verſchiedenen Haufen traten alſo- bald auf einem weiten Wieſenplane zur Berathung zuſammen. White-hawk, ſeinen Freund Arnold an der Hand, war einer der Letzten, die ſich einſtellten, und trotz ſeiner Jugend, galt doch ſchon ſeine Stimme im Rathe der Krieger ſo viel, daß er es mit leichter Mühe durchſetzte, daß man Arnold zum Führer aller verſammelten Kriegerhaufen erwählte.
— „Freunde,“ ſagte White-hawk bei dieſer Gelegenheit, „ich weiß, daß es Manchen unter uns giebt, der gegen meinen Vorſchlag, als ſeither nicht
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Kriegs- und Zuzuge auf. Die Abgeſandten fanden
überall williges Gehör und man war des langen
Friedens bereits ſo überdrüſſig, daß die verſchiedenen
Stämme ſich über Kurz oder Lang wieder unter ein-
ander befehdet haben würden, nur um einem Zuſtande
ein Ende zu machen, der für dieſe kriegeriſchen Ge-
müther völlig unerträglich war.
Als daher White-hawk mit ſeiner Schaar in die
Niederlaſſung zurückkehrte, fand er bereits über tau-
ſend Krieger verſammelt und jede Stunde führte noch
mehre herbei. Am Tage nach ſeiner Ankunft ſtellten
ſich auch die Chippewas unter Anführung des großen
Pelikans ein und der faſt unabſehbare Zug, den ſie
im vollen, glänzenden Waffenſchmucke bildeten, bot
einen eben ſo ſchönen, als furchtbaren Anblick dar.
Die Führer der verſchiedenen Haufen traten alſo-
bald auf einem weiten Wieſenplane zur Berathung
zuſammen. White-hawk, ſeinen Freund Arnold an
der Hand, war einer der Letzten, die ſich einſtellten,
und trotz ſeiner Jugend, galt doch ſchon ſeine Stimme
im Rathe der Krieger ſo viel, daß er es mit leichter
Mühe durchſetzte, daß man Arnold zum Führer aller
verſammelten Kriegerhaufen erwählte.
— „Freunde,“ ſagte White-hawk bei dieſer
Gelegenheit, „ich weiß, daß es Manchen unter uns
giebt, der gegen meinen Vorſchlag, als ſeither nicht
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Schoppe, Amalie: Der Prophet. Bd. 3. Jena, 1846, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/schoppe_prophet03_1846/121>, abgerufen am 10.08.2024.
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